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Byzanz – Das vergessene Römische Reich

MrWissen2go Geschichte | Terra X13:09 453.464 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.

Transkriptautomatisch erstellt · 102 Zeilen
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  1. Quizfrage: In welchem Jahrhundert ging das Römische Reich endgültig unter?
  2. 5. Jahrhundert oder 6. Jahrhundert? Richtig wäre das 15. Jahrhundert.
  3. 1453 bricht ein Reich zusammen, das wir heute Byzanz nennen. Es ist lange Zeit eines der mächtigsten Imperien des Mittelalters.
  4. Aber warum endet mit dem Byzantinischen Reich auch das Römische Reich? Hier kommt die faszinierende Geschichte von Byzanz,
  5. über 1000 Jahre von den frühen Kaisern bis zur Schlacht, die alles verändert. *ping*
  6. Der Bosporus. So heißt die strategisch wichtige Meerenge zwischen Europa und Kleinasien. Dorthin, auf das Gebiet der griechischen Stadt Byzantion,
  7. verlegt der römische Kaiser Konstantin ab 324 nach Christus seine Hauptresidenz. Und weil römische Kaiser selten bescheiden sind,
  8. benennt er die neue Metropole kurz darauf einfach nach sich selbst: Konstantinopel. Ein paar Jahrzehnte später, 395,
  9. wird das römische Imperium dauerhaft in zwei Teilen organisiert, einen Westteil und einen Ostteil.
  10. Der Westteil gerät bald immer mehr ins Straucheln und verliert Gebiete vor allem an germanische Gruppen. Bis im Jahr 476 der Heerführer Odoaker den weströmischen Kaiser endgültig absetzt.
  11. Diese Jahreszahl verbinden viele mit dem Untergang des Römischen Reichs, aber 476 endet nur das sogenannte Weströmische Reich.
  12. Das Oströmische Reich bleibt bestehen. Dieses Ostrom ist heute als Byzantinisches Reich bekannt.
  13. Von Konstantinopel aus herrscht der oströmische bzw. byzantinische Kaiser über ein riesiges Gebiet. Die Bewohner dieses Reiches, zumindest diejenigen, die an der Macht sind,
  14. sehen sich selbst als Römer und nennen sich auch so. Bzw. "Romaioi", denn die vorherrschende Sprache in Ostrom ist Griechisch.
  15. und der Kaiser in Konstantinopel sieht sich als einzig wahren Nachfolger aller vorherigen römischen Kaiser. Aus diesem Grund sprechen wir auch in diesem Video ab jetzt meistens vom Oströmischen Reich.
  16. Den Namen Byzanz erfinden erst Historiker in der Neuzeit, abgeleitet von der Vorgängerstadt Konstantinopels: Byzantion.
  17. Wie genau funktioniert dieses riesige Reich? Zwar ändert sich das im Laufe der Jahrhunderte immer mal wieder,
  18. allerdings gibt es einiges, das konstant bleibt. Zum Beispiel, dass dem Kaiser ein gut ausgebildeter Verwaltungsapparat zur Verfügung steht.
  19. Die kaiserlichen Beamten erheben etwa die Steuern, sie organisieren die Ausgaben des Hofes
  20. oder sie kümmern sich um das öffentliche Straßennetz. Aus den Steuereinnahmen können unter anderem die Armee und auch die Flotte bezahlt werden.
  21. Die ausgefeilte und effiziente Verwaltung unterscheidet Ostrom von vielen anderen Reichen, in denen so komplexe Strukturen lange Zeit nicht existieren.
  22. Ein weiterer Punkt ist, dass das Kaisertum, ganz in römischer Tradition, keine Erbmonarchie ist. Theoretisch könnte also jeder zum Kaiser erhoben werden.
  23. Faktisch streiten sich aber nur einige wenige Familien oder erfolgreiche Feldherren um den Thron. Das führt mehrfach auch zu blutigen Auseinandersetzungen.
  24. Eine weitere Konstante ist die Religion. Die Reichsreligion im Oströmischen Reich ist das Christentum.
  25. Die Kaiser sehen sich als von Gott auserwählt und Konstantinopel wird zu dem religiösen Zentrum des Oströmischen Reichs.
  26. Besonders deutlich wird das unter Kaiser Justinian, der ab 527 regiert, also rund 50 Jahre nach dem Untergang Westroms.
  27. Justinian lässt in Konstantinopel eine beeindruckende christliche Kirche neu errichten, die Hagia Sophia.
  28. Ihre monumentale Kuppel ist ein architektonisches Meisterwerk der Spätantike. Und Justinian schafft noch etwas anderes:
  29. Unter seiner Herrschaft erobert Ostrom einige Teile des Weströmischen Reiches zurück, vor allem in Nordafrika und Italien.
  30. In Italien allerdings erst nach einem langen, blutigen Krieg, der auch die byzantinischen Truppen schwächt.
  31. Trotzdem. Kurz scheint es so, als würde das Römische Reich noch einmal zu alter Größe zurückkehren. Aber schon bald wendet sich das Blatt.
  32. Denn immer wieder greifen Feinde das Kaiserreich an. Auf dem Balkan sind das Ende des 7. Jahrhunderts etwa die Bulgaren.
  33. Im Osten erobern erst persische und später arabische Truppen im Laufe des 7. Jahrhunderts unter anderem die wichtigen Provinzen Syrien und Ägypten.
  34. Sie fallen auch regelmäßig in Kleinasien ein und belagern sogar Konstantinopel. Allerdings scheitern alle Belagerungen spätestens an den mächtigen Mauern der oströmischen Hauptstadt.
  35. Schon Kaiser Konstantin ließ die Stadt an der Landseite durch eine wuchtige Mauer schützen, zu der später weitere Mauerringe dazu kommen.
  36. Und auch eine arabische Seeblockade von Konstantinopel schlägt fehl. Ein Grund dafür ist das sogenannte Griechische Feuer, eine Art Flammenwerfer.
  37. Es steckt gegnerische Schiffe in Brand und kann kaum gelöscht werden. Einige von euch kennen vielleicht das "Seefeuer" oder "Wildfire" aus der Serie Game of Thrones.
  38. Die historische Waffe ist dafür das Vorbild. Das Griechische Feuer zeigt, auf welches technologische Wissen
  39. das Oströmische Reich zurückgreifen kann und wie dieses Wissen in kritischen Momenten zum Erhalt des Imperiums beiträgt.
  40. Dabei sind es nicht nur die Araber, die das oströmische Imperium immer wieder unter Druck setzen. Mit der Auflösung des Weströmischen Reichs etablieren sich neue Herrschaften.
  41. Und der vielleicht bekannteste Herrscher dieser Zeit ist Karl der Große. Er regiert das mächtige Frankenreich, das in Westeuropa zur dominierenden Macht aufsteigt.
  42. Um seine Macht zu festigen, lässt sich Karl im Jahr 800 vom Papst in Rom zum Kaiser krönen. Zeitlich befinden wir uns jetzt im Frühen Mittelalter.
  43. Genau wie die Kaiser in Konstantinopel beansprucht auch Karl für sich die Nachfolge des Römischen Reichs anzutreten.
  44. Zwar kommt es zu keinem großen Krieg zwischen Karl dem Großen und dem Oströmischen Reich. Trotzdem muss man sagen, ist die Kaiserkrönung in Rom
  45. ein Symbol dafür, dass die Macht des oströmischen Kaisers nicht unangefochten ist. Gleichzeitig entwickelt sich auch die christliche Kirche im Westen und im Osten in unterschiedliche Richtungen.
  46. In Rom beansprucht der Papst die höchste Stellung unter den Bischöfen. In Konstantinopel ist der sogenannte Patriarch der einflussreichste Geistliche und Oberhaupt der Kirche.
  47. Im Jahr 1054 kommt es zum Bruch, als sich Papst und Patriarch gegenseitig aus der Kirche ausschließen.
  48. Auch wenn viele Zeitgenossen diesem Streit nicht allzu viel Bedeutung beimessen, trägt das sogenannte Morgenländische Schisma langfristig zur Teilung der Kirche bei,
  49. in eine Katholische im Westen und eine Orthodoxe im Osten. Trotz dieser Entwicklung gilt die Zeit um das Jahr 1000 als eine Hochphase des Byzantinischen Reichs.
  50. Kaiser Basileus II. kann das Reich vor allem in Südosteuropa noch einmal erweitern, auf Kosten der Bulgaren.
  51. Das oströmische Imperium zählt zu den einflussreichsten Großmächten des Mittelalters. Dreh- und Angelpunkt dieser Großmacht ist zu jeder Zeit seine Hauptstadt, nämlich Konstantinopel.
  52. Tatsächlich ist Konstantinopel lange Zeit die Metropole am Mittelmeer. Historiker schätzen, dass die Stadt zeitweise um die 200.000 bis 400.000 Einwohner hat.
  53. Keine Stadt in der christlichen Welt ist größer. Das alte Rom ist zur gleichen Zeit auf wenige zehntausend Einwohner geschrumpft.
  54. Konstantinopel ist ein Knotenpunkt zwischen West und Ost. Zimt aus Sri Lanka und Gelbholz aus China
  55. werden genauso gehandelt wie Öl aus dem Mittelmeerraum oder Pelze aus Nordeuropa. Und die Stadt strotzt nur so vor Reliquien und Kunst- und Kulturschätzen.
  56. Ein westlicher Gesandter berichtet im 10. Jahrhundert, dass goldene Löwen den Thron des Kaisers bewachen.
  57. Durch einen technischen Kniff geben sie ein furchterregendes Brüllen von sich. Und wie prachtvoll Konstantinopel vor 1000 Jahren war,
  58. das könnt ihr heute noch sehen beim Besuch der Hagia Sophia an den vielen goldenen Mosaiken. Und Konstantinopel beherbergt noch eine andere Kostbarkeit.
  59. Schon im 10. Jahrhundert hat Kaiser Konstantin VII. Schriften aus den verschiedensten Wissensgebieten sammeln und neu aufschreiben lassen.
  60. Auf diese Weise entsteht eine umfangreiche Sammlung, die unter anderem die Werke berühmter antiker Historiker bewahrt.
  61. Ein Wissensspeicher, der den künftigen Herrschern beim Regieren helfen soll. Und kluge Ratschläge können die nachfolgenden Kaiser gut gebrauchen.
  62. Kaiser Alexios I. steht nach seiner Thronbesteigung im Jahr 1081 vor gewaltigen Herausforderungen. Zehn Jahre zuvor haben normannische Streitkräfte die Stadt Bari erobert.
  63. Es war der letzte oströmische Stützpunkt in Süditalien. Jetzt greifen die Normannen die oströmischen Provinzen auf dem Balkan an.
  64. Gleichzeitig muss sich Konstantinopel in Kleinasien gegen die vorrückenden Seldschuken verteidigen, ein türkischstämmiges Volk.
  65. In seiner Not bittet Alexios bei westlichen Fürsten um Waffenhilfe und auch beim Papst. Der nimmt die Bitte zum Anlass
  66. zur Unterstützung der Christen im östlichen Mittelmeerraum aufzurufen. Dieser Aufruf verselbständigt sich zum ersten Kreuzzug.
  67. Tausende Kreuzritter und Soldaten aus ganz Europa versammeln sich, um an der Seite des oströmischen Kaisers gegen die muslimischen Seldschuken zu kämpfen
  68. und mit vereinten Kräften auch das Heilige Land mit Jerusalem zu erobern. Aber von Anfang an herrscht gegenseitiges Misstrauen.
  69. Kaiser Alexios lässt die europäischen Fürsten einen Treueeid schwören, der ihm zusichert, dass alle ihre Eroberungen in sein Reich übergehen.
  70. Aber die christlichen Kämpfer nehmen ihren Treueeid nicht ganz so ernst. Statt alle Gebiete an Ostrom zu übertragen,
  71. gründen sie nach dem erfolgreichen Kreuzzug etwa das Fürstentum Antiochia oder das Königreich Jerusalem in Syrien und Palästina.
  72. Das führt zu erheblichem Unmut. Zum offenen Konflikt kommt es aber erst 100 Jahre später.
  73. Jerusalem fällt 1187 wieder in muslimische Hände. Nachdem ein erster Rückeroberungsversuch scheitert,
  74. baut die reiche Seerepublik Venedig für den sogenannten Vierten Kreuzzug eine riesige Flotte. Die Kreuzritter können den dafür vereinbarten Preis aber nicht zahlen.
  75. Das Geld muss irgendwo anders herkommen. Das ist nur einer von mehreren Gründen,
  76. warum die Kreuzfahrer schließlich ihre Pläne ändern und 1204 Konstantinopel erobern. Drei Tage lang plündern, brandschatzen und morden sie.
  77. Für einige Jahrzehnte sitzen jetzt westliche Adelige auf dem Kaiserthron in Konstantinopel. Erst 1261, knapp 60 Jahre später, gelingt es dem oströmischen Kaiser mit viel Glück Konstantinopel zurückzuerobern.
  78. Aber die Auseinandersetzung hat das Reich geschwächt. Es ist enorm zusammengeschrumpft.
  79. Den Großteil ihrer Herrschaftsgebiete verlieren die oströmischen Kaiser dann bis zum Ende des 14. Jahrhunderts erst an die Seldschuken und später an die Osmanen.
  80. Außerdem schwächen innenpolitische Querelen um den Kaiserthron das Land und das spielt wiederum den Osmanen natürlich in die Hände.
  81. Mehrmals belagern sie Konstantinopel, mehrmals scheitern sie an den mächtigen Mauern. Aber wie lange kann die Metropole noch standhalten?
  82. Im April 1453 ist es dann soweit. Der osmanische Herrscher Mehmed II. hat sich intensiv vorbereitet.
  83. Er zieht eine riesige Armee aus mindestens 80.000 Soldaten vor den Toren Konstantinopels zusammen.
  84. Die Verteidiger der Stadt sind den Angreifern klar unterlegen und die Osmanen haben eine neuartige Waffe mitgebracht.
  85. Schwere Geschütze, die mit Schwarzpulver Steinkugeln mit einem Gewicht von bis zu einer halben Tonne abschießen können. Dazu umgeht Mehmed II. die Sperrkette am Goldenen Horn,
  86. der langgezogenen Bucht von Konstantinopel, indem er einen Teil seiner Schiffe übers Land ziehen lässt.
  87. Nach wenigen Wochen fällt die Stadt. Der letzte römische Kaiser Konstantin XI. stirbt wahrscheinlich in der Schlacht.
  88. Nach der Einnahme Konstantinopels kann das Osmanische Reich schnell auch die wenigen verbliebenen Territorien des Oströmischen Reichs erobern.
  89. Nach rund 1000 Jahren ist Byzanz Geschichte. Das Römische Reich geht endgültig unter.
  90. Die Hagia Sophia wird von einer Kirche zu einer Moschee. Und Konstantinopel, das wisst ihr, heißt heute Istanbul.
  91. Aber selbst nach seinem Untergang übt das Oströmische Reich noch großen Einfluss aus. Auch nach dem Fall Konstantinopels nennen sich die osmanischen Eroberer teilweise Rumî, also Römer.
  92. Sie wollen damit ebenfalls die Tradition des Römischen Reichs für sich nutzen, ganz so wie vor ihnen die Kaiser in Konstantinopel oder auch Karl der Große und seine Nachfolger das gemacht haben.
  93. Das zeigt einen gewissen Respekt für den ehemaligen Rivalen. Der Fall Konstantinopels war ein entscheidender Einschnitt in die Geschichte.
  94. Der Epochenumbruch vom Mittelalter zur Frühen Neuzeit kann durch mehrere Ereignisse markiert werden. Die Ankunft von Kolumbus in Amerika,
  95. die Erfindung des Buchdrucks, die Reformation
  96. und auch das Jahr 1453 mit dem Fall Konstantinopels. Denn mit dem Ende Ostroms
  97. steigt nicht nur das Osmanische Reich zu einem mächtigen Player in Europa auf, noch ein anderer Prozess wird davon beeinflusst.
  98. Viele Gelehrte aus Konstantinopel fliehen vor oder nach der Belagerung Konstantinopels nach Westen. Im Gepäck haben sie die Schriften wichtiger Autoren der Antike,
  99. die in Ostrom lange zum Bildungskanon gehören. Damit tragen sie in Italien zur Renaissance bei, der Wiederentdeckung der Antike.
  100. Auch das zählt zum byzantinischen Erbe. Hier neben mir findet ihr noch eine Terra X Dokumentation über Istanbul
  101. und direkt darunter ein Video von unserem Kanal, schaut da gerne mal rein und den Kanal könnt ihr natürlich auch gerne abonnieren,
  102. wenn ihr künftig kein Video mehr verpassen wollt. Danke schon mal dafür. Danke fürs Zuschauen und bis zum nächsten Mal.

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