Das Video kommt von YouTube: erst beim Abspielen verbindet sich die Seite mit YouTube (Google).
Klassiker der Weltliteratur: Rainer Maria Rilke | BR-alpha
Das Wichtigste aus dem Video
Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.
Transkriptautomatisch erstellt · 81 Zeilen
- [Musik] wenn Sie verehrte Damen und Herren von einem jungen Dichter hören der einen Brief an seinen Verleger mit den Worten
- schließt ich selbst spreche nicht ins Telefon wenn sie aber telefonisch Antworten so kann ja der Portier die Antwort für mich annehmen wenn sie
- solche Sätze hören oder lesen dann denken sie so ganz bei Trost kann dieser Kerl nicht sein oder sie denken nightidvoll so eine Stärke hätte mein
- ich auch gerne vielleicht nicht immer doch in den entscheidenden Momenten vielleicht denken Sie auch ein Dichter muss so etwas dürfen reiner Maria Rilke
- meine Damen und Herren der die Passage schrieb aus der ich gerade zitiert habe sie stammt aus einem Brief an den Verleger des hochberühmten inselverlags
- an Anton Kippenberg reiner Maria Rilke fand das ein Dichter ein wahrer Künstler durchaus das Recht ja die Verpflichtung hatte die Normen seines eigenen Handelns
- und Auftretens zu bestimmen einmal weil auch die Existenzform des Künstlers Kunst war Ausdruck und Prägung zum zweiten weil sich dem Anspruch der Kunst
- alle anderen Forderungen insbesondere die Forderungen nach der Einhaltung gesellschaftlicher Konventionen unterzuorden hatten das prätentiöse und
- das präziöse findet man da manchmal eng beieinander aber auch das liegt in der Natur der Sache zumal im Falle Rilke Rilkes des Großmeisters der
- in der ersten Hälfte des 20 Jahrhunderts eines Mannes der einmal über sich den Dichter schrieb seine Kraft beruhe schließlich darauf niemandes Sohn mehr
- zu sein und im übrigen lassen Sie mich das schnell hinzufügen meine Damen und Herren im Übrigen hatte reiner Maria Rilke tadellose
- Manieren diese Wendung von der Kraft die daraus erwchst niemandes Sohn zu sein finden wir in dem Roman die Aufzeichnungen des malte Lauritz brigge
- der 1910 erschien Rilke war damals 35 und seit ein paar Jahren schon berühmt als Lyriker als der Dichter der Weise von
- Liebe und Tod des cornetts Christoph Rilke und noch ein paar andere Titel auf die er später eher missbilligend herabblicken wird auf die Aufzeichnung
- des malte Lauritz brigge kommen wir gleich noch ausführlicher zu sprechen lassen Sie mich an dieser Stelle meine Damen und Herren ihre Aufmerksamkeit
- noch einmal auf jenen Ausdruck niemandes Sohn zu sein lenken den Traum dass der eigentliche Vater nicht der wahre ist das viel meehr
- in Wirklichkeit ein ganz anderer selbstredend ein viel größerer womöglich höher geborener der wahre wenn auch heimlicher Erzeuger ist diesem Traum
- hegen viele Kinder selbst Goethe der sich über seine Herkunft ja so Recht nicht beklagen konnte selbst Goethe hing ihm lange nach im Fall des jungen Rilke
- aber war die Sehnsucht nach einer quasi unbefleckten Empfängnis ganz besonders ausgeprägt weil sein Fächer österreichischer Papa nicht nur eine
- sehr klägliche man kann schon sagen gescheiterte Militärkarriere hingelegt hatte irgendwann landete er in Prag als Inspektor der
- Eisenbahnverwaltung und was noch schlimmer war die Mama Tochter aus großbürgerlichem Hause machte auch nie einen Hel daraus dass
- sie eine messalliance eingegangen war das ihr Lebensplan am Unvermögen an der Schwäche ihres Gatten gescheitert war zu ihrem Unglück gehörte auch noch dass Sie
- dass die erste Tochter ein Jahr nach ihrer Geburt gestorben war dem kleinen ren wie reainer Maria damals gerufen wurde dieser Name ren soll für das
- französische Wort wiedergebucht stehen dem Jungen galt somit alle hin Hinwendung galt alle Zärtlichkeit der Mutter verbunden das dürfen wir uns
- vorstellen mit all den Spannungen die eine so komplexe Elternbeziehung herauf beschwören musste man muss kein Fundamentalist der Seelenlehre von und
- freut sein um hier nicht frühes Unheil zu vermuten es wird nun dieses von der Mutter sorgsam vor all den Widrigkeiten
- einer ungerechten Welt abgeschirmte Kind das lange nur in Mädchenkleidung herumpazieren durfte mit 10 Jahren ausgerechnet auf eine Militärschule
- geschickt damit es nach den entsprechenden Prüfungen in jedem Beruf glänzen könne in dem der Vater so jämmer gescheitert war reiner Maria besteht die
- ersten Prüfungen wechselt dann aber auf eine Handelsschule wird wegen einer Liebschaft von dieser Schule gewiesen und landet wieder bei den Eltern in
- Prag später studierte erst in der Heimatstadt dann in München er belegt verschiedene Fächer die alle auszeichnet dass sie mit dem Militär und mit dem
- handelswesen nur im allerentferntesten zu tun haben Kunstgeschichte z.B und Literatur aber das Studium verschafft Rilke keinen Halt setzt ihm kein Ziel
- beklemmt sein drank nach Unabhängigkeit also beschließt er Dichter zu werden nichts lag
- näher eine von Rilkes ersten großen lieben n die Geschichte kann bis wen auf Ironie nicht zichten die Tochter eines Generals allerdings eines russischen
- Generals die um 14 Jahre ältere Luisa gustavner kurz Lou Lou Andreas Salome diese Lou Andreas Salome gilt mit traurigem Recht als eine der am meisten
- unterschätzten weiblichen intellektuellen und künstlerischen Energieträger jener Jahrzehnte um die Wende vom 19 auf das 20 Jahrhundert sie
- hat in der Schweiz Theologie studiert Friederich Nietzsche den Kopf verdreht und zurecht gerückt ganz wie Sie wollen hatte einen der bedeutendsten
- Orientalisten der Zeit geheiratet den aus Batavia gebürchtigen Friedrich Karl andreas hatte sehr früh die Bedeutung der Psychoanalyse und der Forschung von
- Siegmund Freud erkannt hatte hat hatte aber das führt uns jetzt in einen anderen Lebenslauf für den Helden unserer heutigen Sendung für an Maria
- Rilke ist diese Frau aus mehreren Gründen wichtig Andreas Salome versteht das einen neuen Begriff von sich selbst und von seinen Werken zu geben in den
- Gedichten die er zuvor veröffentlicht hatte waren die Kronen goldenen Locken die sich mit flüchtigen Feher Flocken Parten ein wenig zu hübsch zu beliebig
- sagen wir zu niedlich vorbeigerauscht of so als hätten Dekorationsmaler mit ihrer Putten plötzlich das Kommando übernommen l Andreas Salome lehrte ihn nun sein
- Blick und den d Ausdruck zu konzentrieren sie schärfte sein Verständnis für die Philosophie von Friedrich Nietzsche und auch für den von
- Nietzsche propagierten Typus des engagierten Künstlers der immer auch ein unversöhnlicher Kritiker ein Analytiker des Seins ist sie entwirft im eine Art
- faustskizze der wichtigen und auch der unwichtigen Gedanken und das macht sie auch noch als ihre Liebesbeziehung schon längst beendet ist zweite Bedeutung von
- Andreas salomil liegt wohl darin dass sie ihn bestärkte Künstler zu sein sie stellt ihn in Berlin dem großen Stefan George vor auf eine ihrer beiden
- gemeinsamen Russland reisen bringt sie ihn mit tolstu zusammen und jedesmal lautet die Botschaft an den jungen Mann rke ist jetzt 23 24 Jahre alt du zählst
- dazu du darfst an ihrem Tisch Platz nehmen und sie bestärkt rkes Interesse seine Anteilnahme an den Neuerungen die sich auf andere Gebieten der Kunst ganz
- besonders in der Malerei und in der Bildhauerei vzogen für eine Zeit zieht er in die Künstlerkolonie worbswede in der Nähe von Bremen heiratet dort kurz
- naturgemäß die bildtauerin CL westthoff gemeinsame Tochter ist kaum geboren man macht sich rke auf und davon nach Paris in jene Stadt in den unter den Dichtern
- besonders rambau und verlin unter den bildenden Künstlern besonders sesan und Rodin beschäftigen und anregen für kurze Zeit dient er sogar
- Rodin als Sekretär die ersten Jahre in Paris sind entbehrungsreich und literarisch fruchtbar erst im Rückblick Rick ist
- einziger Roman zu großen Teilen autobiographischen Aufzeichnungen des malte Lauritz brigge Werk von gut 300 Seiten schenkt und ein paar Bilder aus
- jener Zeit verwoben mit Erinnerungen an die Kindheit ein Bildungsroman wenn auch alles sprengend was bislang unter diesem Titel
- subsumiert wurde wir sehen den jungen Dichter in der Großstadt dem Moloch Paris beschrieben in einer den Expressionismus vorwegnehmenden
- wilddramatischen Sprache wir sehen ihn als kleinen Jungen geborgen und unruhig in seinem Elternhaus hier erinnert uns der Erzählton vertrau gut an die
- literarischen Melodien von Josef rot oder selbst schandor Marai und dann ist er schließlich der Gott oder die Liebe Suchende Knabe voll Angst wie jene
- mittelalterlichen trubadure die wire schreibt nichts mehr fürchten als erhört zu sein das künstlerisch neue das ich in diesem Text und in den zeitgleich
- entstandenen neuen Gedichten zeigt ist ein artistischer Blick der versucht gleichzeitig und gleichwertig den Gegenstand und den Betrachter einer
- Szene zu erfassen berühmtes Beispiel dafür ist das Gedicht der Panther das Sie verehrte Damen und Herren alle noch aus dem Deutschunterricht kennen
- wenigstens erinnern Sie sich noch an den Blick des Tieres der vom vorübergehen der Stäbe so trübe ist dass er nichts mehr
- hält Rilke spricht hier von seinen dinggedichten von im wahren wortsind von Kunststück in denen das Objekt und Beobachter ineinander fallen das kann so
- poetisch anrührend geschehen wie im Panther das funktioniert aber auch in scheinbar schricklich banalen Passagen etwa einer Stelle in den Aufzeichnungen
- des malte Lauritz brigge die ich Ihnen hier kurz Vorlesen möchte es geht um die Beschreibung eines Hauses das abgerissen wurde und von dem die letzte Mauer den
- Betrachter mit einem fast schon metaphysischen Ekel erfüllt neben den Zimmerwänden blieb die ganze Mauer entlang noch ein schmutzig weißer
- Raum und durch diesen kroch in unsäglich widerlichen wurmweichen gleichsam verdauenden Bewegungen die offene rostfleckige Rinne der
- abortröhre wurmweiche gleichsam verdauende Bewegungen einer abortröhre nein das will man sich nicht auf der Zunge zergehen lassen meine Damen und
- Herren doch es gibt Ihnen einen kleinen Hinweis auf die die ungeheure Virtuosität die Rilke entfesseln konnte wenn er Sprache zum Klingen Bilder zum
- Leuchten brachte die Aufzeichnungen erschienen im Jahr 1910 festigten einen Ruf der sich bald
- immer mehr lyrischen Arbeiten verdankte ganz besonders den deineser elgien und den Sonetten an ochfus doch bevor noch ein größeres
- allgemeines Publikum Anteil an seinen Werken nahm waren die we Bereiter der modernen Musik schon auf ihn auf Rilke aufmerksam geworden albern Berg Arnold
- Schulenberg und Franz Schricker z.B die seine frühen Gedichte bald nach ihrem Erscheinen vertonten und auch für diese Komponisten war Rilke einer der ihren
- ich erwähne diesen Umstand auch deswegen meine Damen und Herren weil sich unser rilkebild in Deutschland so oft gewendet hat viele haben sich auf ihn berufen
- schwarmgeister und existenzialphilosophen New Life Aspiranten und reimeschmiede es ist darüber ein Bild
- entstanden das oft nur aus Pastelltönen zu bestehen scheint es zeigt uns den umhergetriebenen Dichter stehs auf der Suche nach oder auf der Flucht vor
- amurösen verstreckungen den überempfindlichen verzertelten ja sagen wir es in den Worten Rilkes den zu oft und zu seinem Nachteil erhörhten
- truadas und das Bild zeigt eben nicht den stet so immens hart arbeitenden der bis zu seinem schmerzhaften Tod 26 immer wieder von Krankheiten geplagt wurde
- zeigt nicht den Wegbereiter der Kollegen prust schrieb er einmal seinem Verleger das ist ein neuer Name der ist ganz besonders wichtig es zeigt auch nichts
- von den Schwierigkeiten eines Mannes der sich oft seiner vielen Einfälle und Assoziationen nicht erwähren kann etwa wenn er sich für einen kaschmirerschal
- begeistert und das im Lyrik so während du sie siehst die leichten ausgespannt Mitte des kaschmirerschals die aus dem blumensaum sich schwarz erneut und klärt
- in ihres Rahmens kanante gewiss gewiss meine Damen und Herren der Schal als des Rahmens kannte aber ein großer Meister darf das
- [Musik]
Zum Nachlesen
Rainer Maria RilkeRainer Maria Rilke (* 4. Dezember 1875 in Prag, Österreich-Ungarn; † 29. Dezember 1926 im Sanatorium Valmont bei Montreux, Schweiz; eigentlich René Karl Wilhelm …
ExpressionismusDer Expressionismus (von lateinisch expressio ‚Ausdrücken, Ausdruck') ist eine Stilrichtung in der Kunst. Ihre Anfänge und Vorläufer finden sich im …