Unsichere Landmacht: Wie wurde Russland zum größten Land der Welt? | ZDFinfo Doku ZDFinfo Dokus & Reportagen https://www.youtube.com/watch?v=88XDeTYkvrI Transkript (automatisch erstellt) 0:02 Russland, das größte Land der Erde, bedeckt über [musik] 10% der gesamten Landfläche. 0:12 Vom Polarmeer bis zum Kaukasus, vom Baltikum bis zum Pazifik. Eine Vielfalt an Landschaften und an Bodenschätzen. 0:25 Russland ist das größte Land der Welt und hat einfach dadurch ein enormes Potenzial an Ressourcen. Doch es hat ein Problem. 0:39 Russland ist eine unsichere Landmacht. Im Westen und Osten fehlen geographische Barrieren. An der 24 000 km langen Nordküste gibt es keinen ganzjährig 0:52 schiffbaren Hafen. Deshalb versuchen Russlandsherrscher im Laufe der Jahrhunderte ständig ihre Grenzen zu erweitern. 1:00 Geografie ist ein ganz entscheidendes Element für politische Entscheidung. Auch entscheidend, wie Staaten sich in der Geschichte ausgedehnt haben oder 1:07 geschrumpft sind. Russland ist eine gewaltige Nation. Es erstreckt sich über zwei Kontinente, 1:30 Europa und Asien und ist damit fast doppelt so groß wie Kanada, das zweitgrößte [musik] Land der Erde. 1:41 [musik] Zwischen der Ost und Westgrenze Russlands besteht ein Zeitunterschied von 10 Stunden. 1:49 Wenn die Sonne im Westen aufgeht, ist sie im Osten bereits untergegangen. Russland grenzt an 14 verschiedene Staaten und an vier Meere, das 2:02 Nordpolarmeer, den Pazifik im Osten und das Schwarze und das Kaspische Meer im [musik] Südwesten. 2:12 Russland ist eine Landmacht und hat kaum natürliche Grenzen. Deswegen fühlt es sich bedroht. und ist aggressiv. 2:22 Mit 144 Millionen Einwohnern gilt Russland als das bevölkerungsreichste Land Europas. Doch im Durchschnitt leben nur acht 2:32 Menschen auf einem Quadratkilometer. Nur im Westen gibt es Ballungsräume. Hier begünstigen Klima und Böden die Landwirtschaft. 2:44 Der dünn besiedelte Osten ist dagegen geprägt von Permafrost und eisigem Klima. Die russische Tiger ist das größte 2:53 zusammenhängende Waldgebiet der Erde. Sein Holz ist eine der vielen Ressourcen des Landes. 3:06 Doch wie hat die Geografie Land und Leute geprägt? Und welche Auswirkungen hat sie auf Politik? und Geschichte. 3:19 Die Ursprünge Russlands finden sich entlang der Flüsse Wolga und Niepperen. Die Wolga ist mit etwa 3000 km der längste Fluss Europas. 3:35 Sie entspringt [musik] genau wie der Dnepper in den Waldeihöhen im Nordwesten Russlands. 3:43 Von dort fließen sie nach Südosten ins Kaspische und im Süden ins Schwarze Meer. 3:53 Ab [musik] dem sechsten Jahrhundert siedeln slawische Stämme entlang der Flüsse. 4:00 Die Böden dort eignen sich [musik] hervorragend für den Anbau von Getreide wie Weizen und Gerste. 4:13 Im 8. Jahrhundert [musik] dringen schließlich skandinavische Wikinger nach Süden vor. Sie sind auf der Suche nach neuen [musik] Jagdgebieten für 4:21 Pelztiere. Aus den Fällen von Zobel, Hermelin und Nert fertigen [musik] die Wikinger aber 4:29 auch die ansässigen Slaven hochwertige Kleidung. Für den Verkauf wird sie über die Flüsse und Meere bis nach Byzanz und in den 4:40 Orient gebracht. Die Wasserwege waren entscheidend. Sie waren die beste Art, um Waren zu 4:52 transportieren und zu reisen. Viel einfacher als auf dem Landweg. [musik] Den Straßen im heutigen Sinne gab es noch nicht. Große Flüsse wie die Volga 5:01 und der Nepa waren damals die Hauptverkehrswege. Während sich Wikinger und Slaven immer mehr annähern, entwickeln sich [musik] 5:11 die Siedlungen an den Flüssen durch Handel zu blühenden Städten. Historische Chroniken [musik] wie die Nestor Chronik sehen hier den Ursprung 5:22 für das Volk der Ruß. Die ersten Erwähnungen der Rus stammen aus westeuropäischen Textquellen aus dem 5:36 9. Jahrhundert. Aber es gibt auch arabische Quellen aus dieser Zeit, aus den 840er und 850er Jahren, die die Rus als Alruia erwähnen. 5:50 Der Name Rus hat seine Wurzeln im altnordischen Rus, was Rudern bedeutet. In ihren Anfängen sind die Ross nicht viel mehr als ein loser Verbund von 6:02 Fürstentümern. Sie siedeln entlang [musik] des Nepa mit den Zentren Norvgorot und Kiev. Ende des neunt. Jahrhunderts schließen 6:12 sie sich zum Reich der Ros zusammen. Sein Zentrum wird das strategisch günstig gelegene [musik] Kiev. 6:29 Die Archäologin Charlotte Hedenerna Jonsson und ihr Team finden in Wikingergräbern immer wieder Hinweise darauf, wie sich die skandinavischen und 6:38 slawischen Lebensweisen vermischt haben. Für mich waren die Ruß eher eine Kultur. Es ging weniger darum, ob man slawisch 6:53 war, als darum, sich mit einer Gesellschaft oder einer kulturellen Lebensweise zu identifizieren. 7:03 Vielleicht sahen sie sich weder als Skandinavier noch als Slaven, sondern als Rus, als eine Mischkultur. 7:18 Auch Byzan und seiner Hauptstadt Konstantinopel üben Einfluss auf die Ruß aus. Das Großreich nimmt weite Teile der Schwarzmehküste ein und wird zum 7:28 wichtigen strategischen Partner der Kiefer. [musik] Um diese Verbindung zu festigen heiratet 7:37 Vladimir der Große Ende des 10. Jahrhunderts die Schwester [musik] des Byzantinischen Kaisers Basiliios des II. Die [musik] Bedingung: Vladimir und die 7:47 Rus sollen sich offiziell zum Christentum bekennen. Der übernommene Glaube betrachtet [musik] die staatliche Autorität als 8:00 Gott gegeben. Er erweist sich für Wladimir als wichtiges Machtinstrument und legt den Grundstein für eine enge Verflechtung 8:10 von Kirche und Staat. Und die Kirche dient dem Staat sozusagen in der Kontrolle, Unterwerfung äh und äh 8:21 ja Beherrschung der Bevölkerung und auch eben und in der ideologischen Unterfütterung. Nepper und Wolger werden zu natürlichen 8:29 Taufbecken, in die Vladimir seine Untertanen zwingt. Die gemeinsame Religion hilft dem Herrscher die einzelnen Fürstentümer 8:38 [musik] der Kiefer zu vereinen. Doch nach dem Tod Vladimi zerbricht die neu geschaffene Einheit. 8:50 Während sich die Fürsten [musik] der Kieferus in den folgenden 200 Jahren bekriegen, entsteht am Rande derasischen Steppe eine Großmacht, [musik] 9:00 das Mongolenreich von den Rus Tataren genannt. Mit der mongolischen Invasion bis 1240 änderte sich alles. Darum gibt es keine 9:15 Kontinuität zwischen dem, was in der Wikingerzeit geschah und dem, was wir heute sehen. Die Mongolen unter Batokan unterwerfen 9:24 die Kieferus und gründen das Kanat der goldenen Horde. Die folgenden zwei Jahrhunderte prägen als Zeit des Tatarenjochs in das russische 9:34 Nationalbewusstsein ein. Die neuen Herrscher verlangen Tributzahlungen und besetzen wichtige Handelswege. 9:42 Sie beenden damit die goldene Era der Kiefer. Diese Zeit ist bis heute politisch aufgeladen und umstritten. [musik] 9:50 Russland sieht in ihr den Ursprung seiner Nation. Die Ukraine und Belarus hingegen berufen sich auf die Kiaferus als Geburtsstunde einer eigenständigen 10:01 Kultur. Kontrolle über Geschichte ist immer auch Teil der Kriegsführung. Deswegen sind 10:09 diese Geschichten so wichtig, weil sie in der Nestor Chronik vorkommen, wo es um die Ruß und die Kiefer Prinzen geht und alles, was 10:19 danach kommt. Es handelt sich also um einen Gründungsmythos mit historischen Wurzeln. 10:32 Die goldene Horde schafft neue Verhältnisse zwischen Karpaten und Ural. Im [musik] Westen hingegen verliert die geschwächte Kiefer Gebiete an Polen und 10:42 Litauen. Doch im Schutz Dichter Wälder beginnt im 14. Jahrhundert schließlich der Aufstieg Moskaus. 10:52 Seine Herrscher bauen die Stadt unter mongolischer Herrschaft zum Großfürstentum aus und erobern immer mehr Ländereien. 11:00 Im Jahr 1480 gelingt es [musik] dem Moskauer Großfürsten Ivan dem II endgültig die Mongolen zu besiegen und das Tatarenoch abzuschütteln. 11:11 Unter seiner Herrschaft [musik] entwickelt sich die Stadt zum Zentrum des russischen Reiches. Ivans wichtigste Aufgabe: Die Versorgung der wachsenden 11:20 Bevölkerung mit Nahrung sicherstellen. Ursprünglich war das Großfürstentum Moskau ja ein relativ kleiner Raum, der darauf angewiesen war, dass er 11:32 schlichtweg die Ackerfläche äh erweitert hat und man nur zwei, drei Fruchtfolgen quasi sicherstellen konnte und der Boden relativ schnell ausgelaugt war. 11:45 Im Jahr 1547 lässt sich der Enkel Ivans des [musik] II zaren von Russland krönen. In der Tradition der römischen Cäsaren 11:57 erklärt Iwan der I Moskau zum dritten Rom und zum Zentrum des orthodoxen Christentums. 12:12 Das einstige [musik] Herrschaftsgebiet der goldenen Horde zerfällt in der Zwischenzeit in mehrere unabhängige Kanate. 12:20 Die mongolischen Herrscher will der junge Zar endgültig in die Schranken weisen. Vor allem aber will er die Wolga mit ihren wichtigen Handelsrouten unter 12:30 seine Kontrolle bringen. [musik] Die Kontrolle über diese Flüsse war für 12:39 den Ausbau des russischen Reichs von großer Bedeutung. Deshalb ist die Eroberung des Kanats Kasan auch so wichtig. 12:47 Von diesem Moment an kontrollierte Russland die Wolga als zentrale Verkehrsade. 12:56 Im Sommer 152 stehen russische Truppen vor den Toren Kasans. 13:06 Die Stadt ist der Schlüssel zur südlichen Wolger und den Handelswegen zum Kaspischen Meer. 13:18 Nach wochenlanger Belagerung stürmen die Truppen Ivans des Vierten die Stadt mit Rammöcken und Kanonen und töten einen Großteil der Bevölkerung. 13:30 Die Eroberung Kasarns hat weitreichende Folgen. Sie öffnet den Weg nach Osten in die sibirische Tiefebene. 13:41 Im Norden geht diese in die Tundra über. Permafrost [musik] hält hier große Teile des Bodens ganzjährig gefroren und macht Landwirtschaft unmöglich. 13:55 Im Süden locken die ausgedehnten Nadelwälder der Tiger mit ihrem Reichtum an Holz, Pelzen und Bodenschätzen. 14:06 Doch Temperaturen von bis zu -40° bremsen die russische Expansion aus. Hinzu kommen Raubzüge der sibirischen Kanate. 14:20 Rosal ist ein Flächenstaat, der im Prinzip als Imperium durch eine Kolonialisierung seiner angrenzenden Gebiete entstanden ist. Also, es hat 14:27 eben eine riesige weite Fläche, die sehr leicht zu erobern ist, insbesondere vom vom Osten. Also, der das Trauma sozusagen 14:36 des Moskauer Zahnreiches sind sind die Mongolenstürme. Ja, die die im Prinzip vom Osten kamen und riesige Territorien erobert haben. 14:46 Damit sich das nicht wiederholt, sollen Ende des 16. Jahrhunderts Kosaken Gebiete im Osten erobern. Die freien Reiterverbände und Wehrbauern 14:56 wollen in den Grenzgebieten unabhängig agieren, kämpfen aber auch an der Seite Russlands. 15:06 [musik] Einer von ihnen ist Jamak Timojewitsch. Seine Auftraggeber, [musik] die Stroganows, gelten als eine der 15:13 reichsten Kaufmannsfamilien Russlands. Für sie soll Timo Fejewitsch Sibirien erobern. [musik] 15:24 Auf dem Weg zur Hauptstadt des Kanat Sibir müssen sich der Kosaken Hauptmann und seine knapp 1000 Mann mit Boten durch die Sympfe kämpfen. 15:35 Doch ihre Erfahrung und ihre modernen Feuerwaffen bringen den Sieg. Mit reicher Beute kehrt Timo Fewits schließlich nach Moskau zurück. 15:53 In den folgenden Jahrzehnten erobern russische Truppen, Freiheitssuchende und Abenteurer die weiten Sibiriens. Sie unterwerfen die verbliebenen Kanate 16:04 ebenso wie die indigene Bevölkerung. Die erbeuteten Reichtümer finanzieren die weitere Expansion des russischen Reiches nach Osten. 16:19 Diese Ausdehnung nach Osten in der frühen Neuzeit hat mehrere Gründe. Einer davon ist die Unterwerfung der Steppenvölker und damit der Schutz vor 16:28 ihnen. Es geht aber auch um Ressourcen und Produktivität. Doch während Ivan sein Reich im Osten erweitern kann, zeigt sich im Westen die 16:41 Schwäche der russischen Geografie. Es hat ja zwei verwundbare Stellen. Das ist der Osten, wo die Mongolen eingefallen sind und wo man dann unter 16:51 dem Schrecklichen diese riesige Landfläche erobert hat. Und dann hat man sich dem europäischen Teil zugewandt. Zwischen den Karpaten im Westen und 17:00 Sibirien im Osten gibt es abgesehen vom Ural keine größeren Höhenunterschiede und damit kaum geographische Grenzen. 17:18 Auch die Vorherrschaft im Ostseeraum ist umkämpft. Bis in die Mitte des [musik] 16. Jahrhunderts gibt es immer wieder 17:26 Konflikte, vor allem mit dem westlichen Nachbarn Liefland. 17:39 Liefland umfasst damals Teile des heutigen Estlands und Lettlands sowie der Ostseeküste. Mit dem Einmarsch russischer Truppen in 17:49 Liefland 1558 [musik] gerät Iwan der vier auch in Konflikt mit dessen Schutzmächten. Schweden, Polen, Litauen, Dänemark und 18:00 dem deutschen Ritterorden. Für den Zugang zur Ostsee ist Ivan bereit, einen hohen Preis zu zahlen, 18:13 denn dieser verspricht schnelleren und ganzjährigen Handel. Nach über 25 Jahren Krieg muss sich Ivan der Schreckliche, wie er mittlerweile 18:23 genannt wird, geschlagen geben. Eines aber hat er erreicht. Russland ist auf dem Radar der [musik] europäischen Herrscher. 18:34 Das wird zu [musik] Beginn des 17. Jahrhunderts zum Problem. Denn als Ivans Thronfolger Fjordor I. Ohne Nachkommen stirbt, steht das junge [musik] 18:44 Zarenreich ohne Herrscher da. Während sich russische Adelsfamilien um den Thron streiten, sorgen Kriege mit Schweden und Polenlitauen [musik] im 18:54 Westen für Chaos und Zerstörung. Im russischen Nationalgedächtnis hinterlässt diese Zeit der Wirren, die sogenannte [musik] Smuter, tiefe 19:04 Verunsicherung und ein Gefühl der Verwundbarkeit. Das Paradoxe an der russischen Geschichte ist, dass Außenstehende 19:16 Russland oft als Aggressor wahrnehmen, als räuberisch und expansionistisch. Und natürlich, wenn man auf die Landkarte schaut, hat Russland immer 19:25 wieder fremde Gebiete erobert. Gleichzeitig sehen sich die Russen selbst als verwundbaren und bedrohten Stat. 19:35 Erst die Krönung des ersten Zaren [musik] aus dem Geschlecht der Romanows und Friedensverträge mit Schweden und Polen [musik] Litaauen beenden Chaos. 19:46 Die Romanovs werden das riesige Land für die nächsten 300 [musik] Jahre zusammenhalten. 19:55 1697 [musik] reist der 25-jährige Piotre Alexjewits Romanov durch Europa. In die Geschichtsbücher geht er als Peter der 20:05 Große ein. In den werften [musik] Preußens, Lieflands und Hollands lernt er den westeuropäischen Schiffbau kennen. Er 20:14 beschließt die große Vision Ivans des Vierten zu verwirklichen. Russland soll zu den imperialen Großmächten Europas aufsteigen 20:24 und eine Seefahrernation [musik] werden. Dazu muss sich Russland jedoch über seine Grenzen hinweg vergrößern. 20:35 Zwar gehört Russland mit über 35 000 km zu den Ländern mit den längsten Küstenlinien, doch sind die meisten Häfen aufgrund des Klimas nur wenige 20:44 Monate im Jahr schiffbar. Russland hat nur begrenzten Zugang zu den Weltmeeren. Einer dieser 20:53 eingeschränkten Wege führt über die Ostsee, wenn man nicht durch das Packeis der Arktis fahren will. Das ist allerdings problematisch, weil man dafür 21:00 an etlichen Ländern vorbeifahren muss. Im Jahr 1700 beherrscht das Königreich Schweden die Ostsee. Doch im Bündnis mit Dänemark, Norwegen, Polen, Litauen und 21:13 Sachsen erobert Peter der Große in über 20 Kriegsjahren große Teile des Ostseeraums. Um seine Position zu festigen, lässt er 21:24 gleichzeitig sein Venedig des Nordens errichten, Stt Petersburg. Ab 1712 wird es mit seinem Zugang zur Ostsee zur neuen [musik] Hauptstadt des 21:36 Zarenreichs. Peter bemühte sich Russland so schnell wie möglich an Europa heranzuführen und 21:45 eine proeuropäische Kultur zu etablieren. Für ihn und sein Reich spielte der Zugang zum Meer in dieser Zeit eine sehr 21:56 wichtige Rolle. Strategisch günstig gelegen erweist sich der Bau der neuen Hauptstadt als 22:07 Disaster. Schuld daran sind vor allem der sumpfige Boden und die eisigen Winter. 22:19 Zntausende Leibeigene und Kriegsgefangene [musik] sterben während des Baus an Kälte, Krankheit und Hunger. 22:32 Peters großes Ziel ist, Russland nach westeuropäischem Vorbild zu modernisieren. betrifft die Verwaltung und die 22:42 Infrastruktur, aber auch den Aufbau neuer Industrien wie der Eisengewinnung und den [musik] Ausbau der Armee. 22:56 Peter interessierte sich für westliche Spitzentechnologie, insbesondere im Bereich der Marine und des Militärs. 23:05 So wurde Russland militarisiert, wie niemals zuvor. hat in der CAS bevor davon profitiert auch Katharina die Große, als sie 1762 23:18 den russischen Thron besteigt. Sie führt den Traum von Zar Peter fort. Russland an der Spitze Europas. 23:39 Katharina setzte sich wie kein anderer Herrscher dafür ein, Russland in eine angesehene europäische Großmacht zu verwandeln. 23:47 Im Mittelpunkt standen dabei Gebietserwerbungen in Polen, in den westlichen Grenzgebieten, vor allem aber im Südosten. 23:57 Dort will sie das erreichen, woran ihre Vorgänger gescheitert sind. Einen Stützpunkt für die russische Flotte. im schwarzen Meer. Der Gegner, das 24:07 Osmanische Reich. 1770 kommt es vor Tscheshme in der heutigen Westtürkei zu einer 24:16 folgenschweren Seeschlacht. Während eines Überraschungsangriffs versenkt ein russischer Schiffsverband einen Großteil der Osmanischen Flotte. 24:26 Es ist der erste [musik] große russische Sieg zur See. In den folgenden Jahren erobert Katharina weite Teile der [musik] 24:36 Schwarzmehrküste und annektiert 1783 die Krim. Die Halbinsel wird seit Jahrhunderten [musik] von Tataren bewohnt und gehört 24:46 lange zum Osmanischen Reich. In der strategisch [musik] günstig gelegenen Südbucht der Halbinsel lässt die Herrscherin schließlich die 24:55 Hafenstadt [musik] Sevastopol errichten. Die Krim ist geopolitisch ganz wichtig, weil sie im Prinzip der Brückenkopf in 25:09 das schwarze Meer hinein ist. Wenn sie die Krim beherrschen, dann dominieren sie im Prinzip das Schwarze Meer. Das ebnet Katharina den Weg zu weiteren 25:18 Gebieten im Westen. Große Teile des Untergehenden Großreichs Polen Litauen werden bis zum 18. Jahrhundert Teil [musik] des russischen 25:27 Reiches. Darunter Belarus und Teile [musik] der heutigen Ukraine und Polens. Als Katharina die große 1796 25:40 stirbt, hat sie Russland zu einer europäischen Großmacht gemacht. Knapp 20 Jahre später muss ich Russland den französischen Eroberer Napoleon 25:51 Bonaparte erwehren. Sein Feldzug führt ihn und sein Heer 1812 bis nach Moskau, endet aber in einer Katastrophe. Bis Kriegsende verliert Napoleon mehrere 26:02 Hundertetausend Soldaten durch Hunger, Kälte und die ständigen Angriffe der russischen Truppen. In Russland geht der siegreiche Konflikt als Krieg in [musik] 26:13 die Geschichte ein. Das Zarenreich kann als Retter Europas die Neuordnung des Kontinents mitbestimmen. Doch trotz militärischer Erfolge bleibt 26:23 es ein Agrarstaat. Als die Industrialisierung den europäischen Kontinent verändert, steht 26:33 Russland vor einer enormen Herausforderung. Im Norden und Osten sind Holz und Pelze seit jeher die wichtigsten Handels und 26:44 Exportgüter. Die Landwirtschaft konzentriert sich dagegen [musik] auf den Westen des Landes, wo die Böden besonders fruchtbar 26:52 sind. Vor allem im sogenannten Schwarzeregürtel in der heutigen Ukraine wird Getreide 26:59 wie Weizen und Hafer für den Export angebaut. Verantwortlich dafür sind leibeigene [musik] Bauern, die bis Ende des 19. 27:10 Jahrhunderts etwa dreiviertel der Bevölkerung ausmachen. Das Problem, das Land, das Sie bewirtschaften, gehört Ihnen nicht. Ein 27:21 sozialer und wirtschaftlicher Aufstieg ist für sie kaum möglich. Erst [musik] mit der Agrarreform von 1861 27:31 unter Alexander dem II wird die Leibeigenschaft formell abgeschafft. Doch kaum ein Bauer kann die hohen Pachtpreise für sein Land bezahlen. 27:44 Viele ziehen in die Städte, um in der Industrie Arbeit zu finden. Dabei liegt ein Großteil der russischen Rohstoffe, darunter Kohle, Gold und 27:56 Diamanten, unter der Erde Sibiriens. Eine Region, [musik] die trotz zahlreicher Expeditionen in den vergangenen Jahrhunderten kaum über 28:05 Infrastruktur verfügt. Das soll sich ab 1891 mit dem Bau eines gigantischen Projekts ändern, der transsibirischen Eisenbahn. 28:17 Mit einer Länge von über 9000 km gilt sie bis heute als längste Bahnstrecke der Welt und verbindet seit dem frühen 20. [musik] 28:26 Jahrhundert die dünn besiedelten Gebiete im Osten mit Russlands Westen. Als der erste Weltkrieg über Europa hereinbricht, wird der industrielle 28:37 Rückstand trotz aller Fortschritte zur Achilles Ferse. Schlechte Ausrüstung und Nachschubprobleme führen zu hohen 28:45 Verlusten der russischen Truppen. Zudem verliert Russland große Gebiete im Westen. Polen, Litauen, Lettland, 28:59 Estland und Finnland werden nach dem Ersten Weltkrieg unabhängig. Gleichzeitig eskalieren die inneren Unruhen. 29:13 Mit der Oktoberrevolution 1917 und der Ermordung von Zar Nikolaus dem I endet das russische Zarenreich. An seine Stelle tritt das kommunistische 29:24 Sowjetrussland unter Lenin. Die Idee der Bolschevik war die Weltrevolution und die sollte auf ganzer 29:37 Linie siegen. Überall sollten Sowjetrepubliken entstehen, aber das hat nicht funktioniert. 29:47 Dann musste die Macht ergriffen werden und die rote Armee schlug nationale Widerstände mit Feuer und Schwerten nieder. 29:58 Im folgenden Bürgerkrieg erobern die Bolscheviki Gebiete in der Ukraine und im Kaukasus zurück und gliern sie in die Sowjetunion ein. 30:11 Von besonderer Bedeutung ist dabei Baku im heutigen Aserbaidschan. Denn dort hat man Mitte des 19. Jahrhunderts Erdöl entdeckt. 30:28 Die Bolchewiik verstaatlichen rund 300 Ölgesellschaften in Baku und sichern sich so den Zugang zu dem wertvollen Treibstoff. 30:38 [musik] Als Josef Stalin 1924 an die [musik] Macht kommt, setzt er ebenfalls auf Industrialisierung. 30:49 Doch die Technik, um die Bodenschätze [musik] des Landes zu heben, muss er teuer importieren. 30:57 Dafür erhofft sich Stalin Gewinne [musik] aus der Landwirtschaft, die er verstaatlicht und kollektiviert. Die Erträge fließen nun zuerst [musik] 31:05 dem Staat zu, dann der Versorgung der Bevölkerung. Um die Industrialisierung voranzutreiben, musste Stalin die 31:16 russischen Dörfer und Bauern unter seine Kontrolle bringen. Das führte zu einer schnellen, brutalen und grausamen Kollektivierung, in deren 31:26 Verlauf Millionen von Bauern deportiert wurden. Die Abgaben sind vor allem in der Ukraine unerfüllbar hoch. 31:36 Zwischen 1932 und 1933 verhungern [musik] dort bis zu dreieinhalb Millionen Menschen. Im Gedächtnis [musik] der Ukraine brennt 31:47 sich diese Zeit als Hollowomor ein, als Tötung durch Hunger. Wer sich Stalins hartem Regime widersetzt, landet in Arbeitslagern, den 32:06 sogenannten Gulaks. Millionen Menschen werden [musik] deportiert, viele von ihnen nach Sibirien. 32:14 Dort müssen sie unter härtesten Bedingungen schuften und Bodenschätze abbauen. 32:32 Während des großen Terrors zu Beginn der 1930er Jahre wurden die Lager und Gefängnisse immer voller. So kam man auf die Idee, die 32:42 Arbeitskraft der Gefangenen im Sinne der sogenannten staatlichen Sicherheit zu nutzen. Die Sklavenarbeit begleitete das System Stalin bis zu seinem Ende, bis 32:53 zur Mitte der 1950er Jahre. Während Stalins Vorgänger ihre Macht vor allem [musik] durch geographische Größe 33:07 demonstrieren, erkennt er, dass im 20. Jahrhundert [musik] der Grundstein für Macht unter Russlands Erde liegt, denn hier finden sich schöpfliche 33:18 Rohstoffvorkommen. Die riesige Landfläche bekommt vor allem im Osten eine neue Bedeutung. 33:30 Russlands erstes Ziel war immer die strategische Tiefe. Dann kam der Handel und schließlich ging es ums Öl. 33:43 Der Zugang zu Erdöl bedeutet im 20. Jahrhundert nicht nur Energiesicherheit, sondern auch militärische Stärke. Im Zweiten Weltkrieg spielt Öl neben 33:56 Ideologie und Expansionsdrang eine strategische Rolle. Als Hitler 1941 die Sowjetunion überfällt, gilt sein Vormarsch nicht nur 34:07 St. Petersburg, Moskau und Volgograd, sondern auch den Ölquellen von Baku. Doch wie einst Napoleon scheitert auch Hitler an Russlands Größe und Klima. 34:23 Alle diese Länder kamen aus dem Westen, Schweden, Polen, Frankreich, Deutschland. Aber keiner von ihnen kam jemals wirklich über Moskau hinaus, denn 34:32 der Weg ist weit und kalt. Für Russland geht der Zweite Weltkrieg [musik] als großer Vaterländischer Krieg in die 34:40 Geschichte ein. Erneut präsentiert sich das [musik] Land als Retter Europas. 1945 bestimmt Stalin in der Konferenz von 34:51 Jalta die Zukunft des Kontinents mit. Die Folge: Die Sowjetunion sichert sich Lettland, Litauen und Estland im Westen. Staaten wie die DDR, Polen, die 35:06 Tschechoslowakei, Ungarn, Bulgarien und Rumänien werden de facto zu Vasalen starten. 35:16 [musik] Aus den Verbündeten des Zweiten Weltkriegs werden bald Feinde, die sich ideologisch gegenüberstehen. 35:27 Der Nordatlantik Pakt kurz NATO, angeführt von den USA im Westen und der Warschauerpakt unter Führung der Sowjetunion im Osten. 35:40 Kurz nach den USA zündet die Sowjetunion 1949 ihre erste Atombombe. Beide Seiten rüsten in den folgenden 35:50 Jahrzehnten immer weiter auf und errichten immer mehr Militärstützpunkte an ihren Grenzen. Die sowjetischen Nachbarstaaten dienen 36:02 der UDSSR dabei als Pufferzone. Der Hauptfeind ist die NATO. Ja, dadurch, dass es keine natürlichen Barrieren gibt, im Sinne eben von hohen 36:12 Bergen jetzt außer im Kaukassus, ähm kann man eben nur durch Landflächen sozusagen Pufferzonen schaffen. Seit den 1960er Jahren erfüllen diese 36:22 flachen Ebenen aber noch einen anderen Zweck. Sie werden für den Bau von Pipelines genutzt. Die Sowjetunion erschließt immer mehr Öl 36:32 und Gasfelder, etwa im Wolger Uralgebiet und in Westsibirien. Die Nachfrage nach fossilen Brennstoffen beginnt die starren Grenzen zwischen Ost 36:43 und West aufzuweichen. Es gibt das Klischee von der Sowjetunion, die isolationistisch oder 36:52 aut war und wirtschaftlich nichts mit dem Rest der Welt zu tun haben wollte. Aber das stimmt nicht. Eines der wichtigsten Ergebnisse der 37:03 Suche nach internationalen Partnern war neben anderen der Pipeline Deal. Mit dem sogenannten Röhrenerdgasgeschäft gewinnt die Sowjetunion im Februar 1970 37:18 die BRD [musik] als Gaskunden. Deutschland liefert die Röhren und gewährt einen Milliardenkredit [musik] für den Bau der Preinen. 37:27 Im Gegenzug liefert die Sowjetunion jährlich 3 Milliarden Kubikmeter Gas. In den folgenden Jahren kommen Geschäfte mit weiteren westeuropäischen Ländern 37:42 hinzu. Es ist eine Entwicklung, die den Aufstieg Russlands zum größten Gasproduzenten [musik] der Welt 37:50 einleitet und es ist der Beginn einer gegenseitigen Abhängigkeit. 37:57 [musik] Ohne Öl und Gas wäre Russland keine Großmacht. Russland ist, wie es gerne 38:08 bezeichne, eine fossile Großmacht. Nach dem Ende der Sowjetunion 1991 steht Russland nicht nur vor der Herausforderung, sich auf dem Weltmarkt 38:19 zu behaupten, sondern auch seine geopolitische Rolle neu zu definieren. Zahlreiche Staaten im Westen und Süden Russlands erklären ihre Unabhängigkeit. 38:33 Die strategisch wichtige Krim wird Teil der Ukraine. Das Problem Russland will Sevastopol weiterhin als Marinestützpunkt halten. 38:44 Mit dem Flottenvertrag von 1997 finden beide Länder einen Kompromiss. Russland pachtet die Hafenanlagen. Die Ukraine erhält im Gegenzug Rabatte auf 38:56 Erdgas. Eine Win-Win Situation bis in den 2000er Jahren immer mehr osteuropäische Staaten der NATO beitreten. 39:06 Der amtierende Präsident Vladimir Putin sieht darin eine Bedrohung für Russland. Большего отдельные нормы. Да, по сути, чуть ли не вся система права одного 39:19 государства, прежде всего, конечно, Соединённых Штатов, перешагнула свои национальные границы и 39:28 по сути во всех сферах, и в экономике, и в политике. Russland weiß, dass es kein europäisches Reich mehr wäre, wenn die Ukraine der 39:39 NATO oder der EU beitreten würde. Es wäre nur noch ein eurasisches oder asiatisches. 39:48 Mit der russischen Annexion der Krim 2014 und dem Angriff auf die Ukraine 2022 versucht Putin das zu verhindern. 40:01 Nach Jahren der nuklearen Abrüstung seit dem Ende des kalten Krieges droht er dem Westen mit dem Einsatz von Atomwaffen. 40:13 Putin instrumentalisiert die Geschichte nicht nur, er verwandelt sie in Propaganda. 40:22 In der Vergangenheit war Russland von Feinden umzingelt. Deshalb versucht er diese Länder mit verschiedenen Mitteln wieder unter 40:33 seinen Einfluss zu bringen. Dieses Ziel verfolgt Putin auch mit der Suche nach Öl und Gasvorkommen im 40:50 Norden. Denn mit einem Anteil von bis zu 18% am brutto Inlandsprodukt im Jahr 2024 ist der Energiesektor ein wichtiger Wirtschaftszweig. 41:03 Russland ist der größte Anreinertais [musik] und verfügt über ein riesiges Territorium in dieser Region. 41:13 In den 1980er [musik] Jahren einigt sich Russland mit vier weiteren Staaten darauf, die Arktis konfliktfrei [musik] zuuhalten. 41:23 Die Abkommen sehen ausschließliche Wirtschaftszonen [musik] vor, die sich jeweils 200 Seemeilen ins Nordpolarmeer erstrecken. 41:33 Doch die Bedingungen ändern sich, denn bisher waren die arktischen Küsten Russlands nur wenige [musik] Monate im 41:42 Jahr schiffbar. Durch den Klimawandel könnten Gebiete mit unerschlossenen Rohstoffen in 41:53 Zukunft ganzjährig eisfrei sein. Die reichen Ressourcen gerade im arktischen Raum ist der Grund, dass 42:05 Soßland gerade die arktische Zone der russischen Föderation als nationale Ressourcenbasis betrachtet. 42:14 Offiziell bezeichnet Russland die Arktis noch als [musik] Zone des Friedens, der Stabilität und Partnerschaft. 42:24 Doch das Land rüstet auch auf, um seine Nordgrenze zu sichern. Mit Truppenmanövern demonstriert das russische Militär immer wieder seine 42:33 Kampfbereitschaft. Wir sehen, dass zunehmend Russland in der Arktik auch aufrüstet und im Prinzip in so ein Wettbewerb auch um Einfluss, 42:43 um Geopolitik, aber natürlich auch um Ressourcen in dieser Region eintritt. Die Arktis ist damit nicht nur Frühwarnsystem für den Klimawandel, 42:52 sondern auch Schauplatz für den Machtkampf um Ressourcen. Russland demonstriert mit dem Krieg gegen die Ukraine, dass es an das 43:04 Großreich der Sowjetunion anknüpfen will. Gleichzeitig geht es Putin um eine globale Neuordnung, in der [musik] der 43:14 Westen an Macht verlieren soll. Die Karte der Welt wird sich nachhaltig verändern, wenn Russland diesen 43:22 völkerrechtswidrigen Angriffskrieg umgestraft fortführen kann und ohne Sanktionen bleiben würde. Wir müssen eigentlich zu einem Zustand 43:32 zurück, in dem die Unverletzlichkeit der Grenzen weiterhin gilt und andere Staaten nicht ihre Nachbarn überfallen, 43:42 weil sie neoimperialistischen Gedanken nachhängen, die eigentlich der Vergangenheit angehören. 43:52 Denn trotz seiner Größe und seines Reichtums an Ressourcen sieht sich Russland bis heute wegen seiner geographischen Schwachstellen bedroht. 44:03 und durch die Geschichte in dieser Angst bestätigt. Die zukünftige Rolle Russlands wird auch davon abhängen, ob es weiterhin von 44:13 fossilen Brennstoffen abhängig bleibt und damit von einer Wirtschaft, die sich möglicherweise zu langsam an die Zukunft anpasst. 44:22 Eine Herausforderung, die sich durch die geographischen Bedingungen Russlands noch verstärkt. M.