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Folge 157 - Adolf Eichmann - der Manager des Holocaust
Das Wichtigste aus dem Video
Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.
Transkriptautomatisch erstellt · 636 Zeilen
- damals das Magazin für Geschichte präsentiert damals [musik] und heute der Podcast zur Geschichte mit David [musik] und Felix.
- David Felix David Wir haben in den letzten Monaten einige wirklich lange Folgen produziert
- über Gladiatoren, über Albanien über Costro und über die Borger und heute wird es nicht anders werden, denn heute geht es um Adolf Eichmann,
- den Manager des Holocaust. Das ist wieder mal ein Thema mit äußerst vielen Aspekten, die Beachtung verdienen würden, was in nur einer Podcast Folge
- kaum abzuhandeln ist, selbst wenn man Schwerpunkte setzt. Wir haben abseits der Mikros schon mal ein bisschen darüber geredet.
- Sehr richtig. Es sind hunderte, tausende Artikel, Bücher, Filme und Dokumentationen dazu erschienen und auch das Quellenmaterial ist wirklich extrem
- umfangreich. Natürlich werden wir heute Schwerpunkte setzen, aber dennoch wird es nicht einfach werden. Und das hat auch mit der Natur der Quellen wie auch
- der Literatur zu tun. Ich möchte jetzt zu Beginn nur auf zwei Aspekte hinweisen, die problematisch sind. Der erste ist, dass sehr viele Bücher zu
- Eichmann noch während des Prozesses Anfang der 60er erschienen sind und sie wurden damals sehr schnell geschrieben und sind nicht immer sorgfältig
- recherchiert worden. Das heißt, die sind voller Fehler und es ist nur mal so, dass wenn Falschangaben zu einem Thema einmal in der Welt sind,
- es sehr schwer ist, sie wieder loszuwerden. Ja, das ist Punkt 1. Punkt zwei ist, dass die Ausgang von Leuten, die eiglich
- kannten während des Krieges oder auch danach, aber auch von denjenigen, die später nach ihm faheten und nicht zuletzt auch von ihm selbst alle voller
- Widersprüche sind. Sehr viele Menschen haben versucht ihre Rolle während der NSzeit, aber auch danach bzw. sie ihre Rolle bei der
- Fahndung nach ihm in möglichst gutem Licht erscheinen zu lassen. Genau. Wir werden das heute teilweise aufbröseln, aber eben nur zum Teil, weil
- wir uns sonst darin verfransen würden. Die Beispiele, die wir aber nennen werden, sollten auch Schluss darüber geben, warum es zu vielen Aspekten von
- Eichmanns Leben sehr schwer ist, definitive Aussagen zu treffen. Wir werden am Ende auch noch etwas zum öffentlichen Eichmannbild sagen, das vor
- allem von Hanna Arend geprägt worden ist. Allein mit Kommentaren zu Ihrer Darstellung Eichmanns lassen sich Regale füllen.
- Sehr richtig. Wir werden jetzt folgendermaßen vorgehen. Zunächst mal werden wir über seine Karriere in der NSzeit reden. Dann wird es um seine
- Flucht und die Fahnung nach ihm gehen und dann werden wir am Ende noch etwas über den Prozess gegen ihn reden. Das ja doch eher kurz, denn das ist im Grunde
- wieder ein Thema für sich. Einverstanden. Leg los. Also über Eichmann vor 1933 ist gar nicht allzu viel bekannt. Geboren wurde
- in 1906 in Soling als ältestes von fünf Kindern. 1913 nahm sein Vater denn eine neue Stellung an bei der Straßenbahn und Elektrizitätsgesellschaft in Linz. Im
- folgenden Jahr zog die Familie nach. Die Kindheit erlebt er also in Linz, in einem gutbürgerlichen Milieu und dementsprechend verlief seine Erziehung.
- Er erte ein Instrument. Er trat den Wandervogelverein bei. Allerdings war er kein besonders guter Schüler. Er besuchte in Linz die Kaiser Franzos
- Staatsoberrealschule, auf der einst auch Hitler gewesen war und danach die höhere Bundeslehranstalt für Elektrotechnik, Maschinenbau und
- Hochbau, die er aber nach vier Semestern ohne Abschluss wieder verließ. Er trat den erstmal in die Firma seines Vaters ein, der sich selbständig gemacht hatte.
- Seine Firma blieb aber erfolglos. Also wurde er Vertreter bei der oberösterreichischen Elektrobau. Er verkaufte dort Radius. Bald wechselte er
- wieder den Arbeitgeber. Er wurde nun Reisebeamter bei der Vacuum Oil Company, was bedeutete, dass er mit einem Motorrad durch Oberösterreich fuhr,
- Petroleumprodukte vertrieb und Standorte für Tankstellen auskundschaftete. Und in dem Job war er auch wirklich gut. Vertrieb, Logistik, die Organisation von
- Lieferung, sowas lag ihm. Und doch war es an Pfingsten des Jahres 1933 auch mit dem Job wieder vorbei, denn die Firma musste sparen und least Personal und da
- er noch unverheiratet war, wurde er mit als erster entlassen. Genau. Beruflich lief es also bis dahin mäßig gut für euch. Besser lief sein
- Liebesleben. 1931 verlobte er sich mit einer tschechischen Bauertochter Veronika Liebel. 1935 sollten beide heiraten und sie sollten bis 1942 drei
- Söhne bekommen. Klaus, Horst und Lita. Liter und Klaus kommen nachher auch noch mal vor. Kommen wir zu seiner politischen Orientierung. Einige
- Hinweise darauf habe ich schon gegeben. Er kam aus gut bürgerlichem Haus und er war bei den Wandervögeln. Ich vermute, seine familiäre Prägung war
- deutschnational konservativ. Da vermutest du richtig. Das war in Linz so auch nicht weiter ungewöhnlich. Die deutschen Nationalen waren dort stark.
- Die Nationalsozialisten hingegen schwach bis 1932 zumindest. Da erlebt sie auch in Österreich einen steilen Aufschwung. Eichmann näherte sich ihnen schrittweise
- an und wesentlich verantwortlich für den Eintritt in die NSDP. War denn vermutlich ein Bekannter der Familie, ein Anwalt aus Linz, Ernst
- Kaltenbrunner. Das war später der Chef des Reichsicherheitshauptamtes. Er wird nach dem Krieg in Nürnberg als
- Kriegsverbrecher verurteilt und hingerichtet. Eichmann trat der Partei und auch gleich der SS im April 1932 bei. Doch 14 Monate
- später im Juli 1933, da wird die Partei in Österreich verboten. Sehr richtig. Und in der Folge gingen
- dann relativ viele Parteimitglieder nach Deutschland. Nun habe ich gerade gesagt, zu der Zeit verlor Eichmann auch gerade seinen Job.
- Ihn hält also nichts mehr in Österreich. Er geht nach Deutschland. Einen deutschen Pass hat er ja nämlich an. Ja, das hatte er. Er war ja in Soling
- geboren und seine Eltern waren Deutsche. Eichmann ging also nach Deutschland und in dieser Zeit richtete Himler in Bayern Auffanglager für aus Österreich
- eingewanderte Parteimitglieder ein. Eichmann kam ins Lager Lechfeld, wo die bayerische Landespolizei die excellenten Militäre schulte. Anschließend wurde er
- nach Passau geschickt, denn in diesen Monaten patroulierten SS-Leute gemeinsam mit den regulären Grenzschützern an der österreichischen Grenze. Das machte
- Eichmann jetzt auch eine Weile, denn wurde er abkommandiert zum SS Hilfswerk in Dachau, das eingerichtet worden war, um sich um die neu aus Österreich
- eingewanderten SS-Leute zu kümmern. Und schließlich wurde er denn Ende 1934 nach Berlin versetzt ins Hauptamt des Sicherheitsdienstes des Reichsführers
- SS. Das ist damals der Nachrichtendienst der Partei, wenn man so will. Der SD steht unter der Leitung von Reinard Heidrich. Der Name wird heute sicherlich
- auch noch vorkommen. Ja, das wird er. Eichmann war damals ein kleiner Unterschafführer und der SD auch nur eine relativ kleine
- Organisation innerhalb der Partei. 1933 hat er rund 100 Mitarbeiter. Er war längst nicht die Organisation späterer Jahren. Nun ist Nachrichtendienstliche
- Arbeit häufig ziemlich eintönig. Die größte Zeit wird damit verbracht, öffentliche Quellen auszuwerten. Das tat jetzt auch Eichmann. Er landete
- in Berlin nämlich in der Abteilung Römis 2 111 der sogenannten Freimaurerkartei. Er sammelt also Informationen über Freimaurer. Das heißt konkret, er
- erstellt Listen von potenziellen Regimegnern, denn das sind Freimaurer in den Augen der Nazis. Sein Job war jetzt aber nicht die Infiltration von
- Freimaurerlogen, sondern ein Bürojob. Genau. 1935 wechselte er denn aber die Abteilung von Römisch 211 zu Römisch 212 Juden. Diese Abteilung wurde damals neu
- aufgebaut und Eichms erste Aufgabe war es sich in die Fachliteratur über den Zionismus einzulesen. Das tat er auch und er war sehr gründlich und las sich
- einiges an. Der große Expert für den Zionismus, als der sich später denn gerne gab, der war nie, aber er lernte genug, um innerhalb
- der Partei als Experte zu gelten. In den folgenden Jahren gewinnen seine Abteilung und der SD insgesamt dann ja deutlich an Bedeutung. Heidrich gilt
- zeitweise als der kommende Superstar des Regimes. Das hat sicher auch mit seinem Äußeren was zu tun. Er ist groß, blond und sportlich. Sieht also aus wie der
- Prototyp eines Arias, wie sich die Nazis vorstellen. Sehr richtig. Und im Windschatten von Heidrich macht er nun auch
- Eichmannkarriere. Bevor wir aber seinen Aufstieg weiter verfolgen, müssen wir über eine etwas seltsame Episode reden, nämlich seinen
- Versuch nach Palästina zu reisen. 1937 schickte das Amt ihn und seinen Kollegen Herbert Hagen los, um dort die Lage vor Ort zu erkunden. Beide Reisten verdeckt,
- Eichmann getant als Journalist des Berliner Tageblattes und Hagen getant als Student. Noch nach Palästina zu reisen war damals nicht so einfach. Die
- Einreisegenehmigung stellte nämlich eine Behörde in Kairo aus, wo sich damals das Hauptquartier der Briten für den mittleren Osten befindet.
- Genau. Auf dem Weg nach Kairo hielt der Dampfer der beiden schon einmal kurz in Heifer und einen Nachmittag verbrachte Eichmann im Heiligen Land. Doch das
- sollte der einzige Nachmittag bleiben. In Kairo verweigerten die Briten den beiden nämlich die Weiterreise, vorgeblich wegen den Unruhen im
- Mandatsgebiet. Wahrscheinlich aber, weil der britische Nachrichtendienst die beiden als das identifiziert hatte, was sie tatsächlich waren,
- nämlich als deutsche Agenten. Sehr richtig. Eichmann und Hagen blieben noch 12 Tage in Kairo und trafen sich dort unter anderem mit Vertretern des
- Deutschen Nachrichtenbüros, also der deutschen Presseagentur dort und vermutlich trafen sie auch arabische Nationalisten, vielleicht auch Personen
- aus dem Umfeld vom Großmfti Amin Alusini. Dazu varien die Angaben. Da beginnt bald die Verquickung der palästinensischen Araber mit den
- deutschen Nazis. Wer mehr über Husseini hören will, der sollte unsere Folge über Arafat hören. Sehr richtig. Eichmann traf den Großm
- definitiv 1942 in Berlin. Welchen Umfang diese treffen allerdings hatten, darüber variieren die Angaben. Da gibt es unter anderem die Aussagen von Eichmann zu und
- die von seinem Mitarbeiter Dieter Wislizeni, zu dem wir später auch noch was sagen werden. Wie dem auch sei, als Eichmann
- zurückkehrte, schrieb er denn einen überraschend ausführlichen Bericht an Heidrich, indem er die Zustände in Palästina als Kaute schilderte. Er
- schrieb, dass ein geordneter jüdischer Statort völlig undenkbar sei, was zumindest eine kühne These ist von jemandem, der nur einen halben Tag dort
- war. Ja, sehr richtig. Vermutlich bediente er einfach die Erwartung, die Heidrich hatte. In der Folge begann denn sein
- Aufstieg durch die Ränge der SS. 1938 wurde zum Untersturmführer befördert und für seine umfassenden Kenntnisse über das Judentum beligt. Seine Abteilung
- sammelte in dieser Zeit vor allem Informationen über die Aktivitäten jüdischer Organisation. Eine echte Judenpolitik verfolgte sie aber nicht,
- auch weil es so eine klar definierte Politik zu diesem Zeitpunkt nicht wirklich gab. Das ist wichtig zu bemerken. Die präzise
- Formulierung politischer Ziele ist keine besondere Stärke des NS Regimes. Vieles ist Stückwerk. Es wird überraschend viel improvisiert. Und innerhalb dieses
- komplizierten Parteiapparats, in dem es viele überlappende Zuständigkeitsbereiche gibt, läuft vieles nebeneinander her, was nicht
- immer gut zusammenpasst. Ich kann an dieser Stelle mal wieder einen meiner Lieblingsautoren Sebastian Hafner empfehlen. Unbedingt mal eine seiner
- Bücher zur Hand nehmen. Den Nationalsozialisten geht es auch bei ihrer kriegerischen Expansion ganz sichtbar nicht um und Aufbau von
- Strukturen, sondern um die Zerstörung von Institutionen, was letztlich gar nicht so überraschend ist, wenn man sich den Fanatismus dieser Bewegung vor Augen
- hält. Sehr richtig. Als reiner Nachrichtendienst war der SD aber durchaus effektiv. Das sei dazu gesagt,
- im März 1938 erfolgte denn der Anschluss Österreichs und bald darauf wurde Eichm nach Wien versetzt. Im beschlagnamten Palais Rotschild
- richtete er dort die Zentralstelle für jüdische Auswanderung ein. Und an dieser Stelle gilt es jetzt kurz inne zu halten. Die Idee zur Einrichtung dieser
- Arbeitsstelle kam nämlich nicht vom SD, sondern aus der jüdischen Gemeinde selbst. Die ursprüngliche Idee war, die Bürokratie für auswanderungswillige
- Juden zu vereinfachen. Was daraus denn wurde, ist eine Art Prototyp der sogenannten Judenräte, in denen führende Mitglieder der jüdischen Gemeinden dazu
- gezwungen wurden, nationalsozialistische Vorgaben umzusetzen. Aus einer Arbeitsstelle, die eingerichtet wird, um durch Kooperation schlimmeres zu
- verhindern, wird also ein Instrument von Unterdrückung und Vernichtung. Ja, so kann man das schon formulieren. Und verantwortlich dafür ist Eichmann
- in gewisser Weise ja. Am Anfang wurde diese Arbeitsstelle vom SD vermutlich gar nicht so besonders wichtig genommen. Dafür spricht auch,
- dass mit Eichmann einfacher Untersturmführer mit der Leitung betraut wurde und kein wirklich hochrangiger Offizier. Eichmanns Aufgabe war es Juden
- zur Auswanderung zu drängen und bestehende jüdische Organisationen in Wien zu zerschlagen. Dafür verfügte er über weitreichende Befugnisse. Er durfte
- Juden verhaften lassen. Er durfte Dokumente und Unterlagen jüdische Einrichtung beschlagnahmen und alles tat er auch. Und er wies sich als
- außerordentlich effektiv darin, die Führungsfiguren der jüdischen Gemeinde nicht einfach nur zur Zusammenarbeit zu bewegen, sondern sie auch dazu zu
- bringen, für ihn die Arbeit zu machen, so dass es ihm gelangt, trotz sehr begrenzter personeller Ressourcen wirklich effektiv zu arbeiten. Seine
- größte Leistung war es dabei sicher, wohlhabende Juden dazu zu bringen, das Geld für die Auswanderung ärmerer Mitglieder ihrer Gemeinde aufzubringen,
- wobei es natürlich vor allem darum geht, ihr Vermögen abzuschöpfen. selbst redend. Angeblich gelang es ihm innerhalb kurzer Zeit 50.000 Juden zur
- Auswanderung zu bringen. Mit Sicherheit verifizieren lässt sich diese Zahl allerdings nicht. Jedenfalls war Eichmann sehr engagiert bei seiner
- Arbeit und auch ziemlich effektiv und das machte sich bezahlt, als sich die nationalsozialistische Judenpolitik im Herbst 1938 zu verändern begann. Und der
- Anlass dafür war was, David? Das Attentat auf den Legationsrat Ernst vom Rat in Paris. Die Reichsprogramnacht ist nur eine der Folgen dieses
- Attentats. In enger Taktung folgen jetzt immer neue Verordnungen gegen die Juden im Reich. Das Verbot des Besuchs von Kulturveranstaltungen,
- der Einzug von Führerscheinen und Fahrzeugpapieren, das Verbot des Besuchs von Sportanlagen und Schwimmbädern und so weiter und so fort.
- Richtig. Schon am 6. Dezember 1938 sprach Hermann Güring in einer weniger bekannten Rede vor Gauleitern, Oberpräsidenten und Reich Stadtaltern
- auch erstmals über die sogenannte organische Lösung der Judenfrage. Aber dazu kommen wir gleich noch. In Wien arbeitete Eichmann mittlerweile so
- effektiv, dass er von Heidrich gegenüber Göring und Himmler für seine Arbeit gelobt wurde und sein Wiener Modell sollte jetzt auf das ganze Reich
- übertragen werden. Er selbst wurde im Sommer 1939 nach Prag versetzt, um dort eine Arbeitsstelle adäquat zu der in Wien einzurichten. Und wir wollen an
- dieser Stelle erneut kurz inhalten und feststellen zu diesem Zeitpunkt. 1939 war Eichmann einer beschränkten Öffentlichkeit bereits bekannt. Will
- sagen, man kannte ihn innerhalb des stark gewachsenen Sicherheitsdienstes. Man kannte ihn in der jüdischen Gemeinde in Wien und in begrenztem Maße auch
- innerhalb von exilanten Kreisen im Ausland. Z.B. Wir schrieben damals ein Artikel über ihn in einer excellenten Zeitung in Paris und auch in einer New
- Yorker Zeitung wurde er mehrfach erwähnt. Er ist aber kein wirklich prominenter Nazi. Niemand der öffentliche Reden schwingt und dessen
- Bild in der Zeitung abgedruckt wäre. Eher jemand den Insider kennen. Ja, sehr treffend dargestellt. Der Aufenthalt in Prag war denn nur eine
- Zwischenstation. Im September 39 kam es zur Umstrukturierung. Der Sicherheitsdienst und die Sicherheitspolizei wurden im
- Reichsicherheitshauptamt zusammengelegt. Leiter war bis 1942 Reinard Heidrich und von da an bis zum Kriegsende Ernst Kaltenbrunner.
- Beide haben wir hier schon genannt. Im neuen Amt wurde das Referat römisch 4D4 gegründet, zuständig für Auswanderung und
- Räumungsangelegenheiten. Die Nomenklatur veränderte sich im Laufe der Jahre mehrfach. Bekannt wurde die Abteilung aber als Eichmannreferat. Ich
- nehme nicht vorweg, wenn ich verrate, dass von da aus dann der Holocaust organisiert wird. Das tust du nun ja ein gewisserweise
- schon, denn ganz soweit sind wir immer noch nicht. Und dazu gucken wir jetzt mal auf den Kriegsverlauf. Im September 39 erfolgt der Angriff auf
- Polen, das dann schnell überrollt wird und daraus ergaben sich in den Augen der Planer der Judenpolitik neue Möglichkeiten. Es wurden jetzt Pläne
- diskutiert, die Juden im Osten anzusiedeln. Auch Madagaskar ist dann ja im Gespräch. Ja, das stimmt. Nach dem schnellen Sieg
- über Frankreich. Allerdings ist von Beginnern klar, dass das nur funktionieren kann, wenn Großbritannien nicht mehr im Spiel ist. Im Atlantik
- herrscht damals allen U-Booten zum trotz immer noch die Royal Navy und nach der Luftschläden diese Ideen denn nicht mehr weiter diskutiert. Die Verschickung von
- Juden in den Osten Polens, die wird aber eifrig weiter verfolgt. Der Befehl damit zu beginnen kommt von Heinrich Müller, dem Leiter der Reichszentrale für
- jüdische Auswanderung und dem direkten Vorgesetzten von Eichmann. Bekannt ist er auch als Gestapo Müller. Richtig. Ziel dieser ersten Deportation,
- die von Eichmann organisiert werden, ist der Warteu, vor allem die Stadt Lodge. Zu Beginn verlaufen die Transporte ziemlich chaotisch, auch weil nicht
- genug Eisenbahnwagons zur Verfügung stehen, weil die Versorgung der Wehrmacht Priorität hat und vorübergehend werden sie denn ganz
- eingestellt. Im Dezember 1940 befiehlt Hitler denn die Deportation der Wiener Juden vorgeblich, um die Wohnungsnot dort zu lindern. Es stellt sich aber
- sehr bald heraus, dass das so einfach nicht funktioniert, dass man nicht einfach alle österreichischen Juden in polnischen Kleinstädten unterbringen
- kann. Das ist einfach nicht praktikabel. Es soll ein anderer Weg beschritten werden. Im Laufe des Jahres 1941 wird die sogenannte Judenfrage immer wieder
- in der Parteispitze und in der Führung der SS diskutiert. Richtig. Im Sommer spricht Heidrich erstmals von der Endlösung. Allerdings
- meint er damit nicht das, was später als Endlösung bekannt wird. Er bezieht sich nicht einmal auf die Juden, sondern auf die Tschechen. Er will, dass das
- Reichsprotektorat Böben und Meeren Deutsch wird. Wann Hitler den Befehl zur Ermordung der Juden gab, ist umstritten. Vermutlich irgendwann im Sommer 41 und
- vermutlich erging er zunächst an Himmler. mündlich wohl gemerkt. Es gab nie was schriftliches dazu. Hitler bevorzugt sowieso mündliche
- Anweisungen. Das stimmt. Himler gab den Auftrag denn weiter an das Reichssicherheitshauptamt und irgendwann im Spätsommer gelangte
- der Auftrag zur Organisation der Zitat planmäßigen biologischen Vernichtung des Judentums in den Ostgebieten. So der Nazisprech bei Eichmann auf dem
- Schreibtisch. Vermutlich war das eben noch im Sommer 41. Die zweite Hälfte des Jahres verbrachte Eichmann nämlich mit zwei Dingen.
- Erstens, die Optimierung und Intensivierung der Deportation und zweitens mit der Evaluation von technischen Lösungen zur
- Massenvernichtung. Wir befinden uns jetzt also in der Phase, in der diese technische Lösung mit Hochdruck entwickelt wird. Genau. Im
- Umland von Lodge wurden damals vom Sonderkommando lange fahrbare Gaskammern ausprobiert und in Auschwitz wurde erstmals mit Zyklon B experimentiert.
- Eichmann war in dieser Zeit auch das erste Mal in Auschwitz und er diskutierte dort mit Rudolf Hö verschiedene technische Möglichkeiten.
- Mittlerweile lief auch der Krieg gegen die Sowjetunion. Die Einsatzgruppen der SS begannen dort zu wüten. Und auch bei deren Massenerschießung war Eichmann
- zegen, unter anderem in Minsk. Die Massaker in Minsk sind wirklich übel. Anders als die Feldzüge im Westen ist der Krieg gegen die Sowjetunion von
- Beginn an ein Vernichtungskrieg. Und allein im ersten halben Jahr des Feldzugs ermorden die Einsatzgruppen rund eine halbe Million Menschen. Für
- Eichmann dienen diese Reisen der Vorbereitung und der Entwicklung der Endlösung, nehme ich an. Er wird sehen, was praktikabel ist,
- sozusagen. Ja. Am 20. Januar 1942 fanden was statt? Die Wanikonferenz. Richtig. Ziel der Wanzekonferenz waren,
- Zitat, Vorbereitungen in organisatorischer, sachlicher und materieller Hinsicht für eine Gesamtlösung der Judenfrage in Europa.
- So hieß es im Einladungsschreiben des Reichssicherheitshauptamtes. Es ging nicht um die grundsätzliche Entscheidung für eine Vernichtung, die
- war längst gefallen. Es ging um technische Einzelheiten und es ging vor allem auch um Zuständigkeiten. Und natürlich nahm auch Eichmann, der
- mittlerweile Oberstromführer, war daran teil und er war nicht nur der Protokollant, wie er später behauptete. Von jetzt an geht es bei seiner Arbeit
- also definitiv nicht mehr um Vertreibung oder Auswanderung, sondern um Ermordung und Vernichtung. Sehr richtig. Heidrich machte auf der
- Konferenz sehr deutlich, dass die Deportation nach Osten nur eine Übergangslösung sein und dass dort bereits Methoden erprobt und praktische
- Erfahrungen für die Vernichtung gesammelt wird. Arbeitswege Juden sollten zunächst vor allem im Straßenbau eingesetzt werden, wobei es bereits zu
- einer Zitat natürlichen Verminderung käme. Der Restbestand sollte denn, Zitat entsprechend behandelt werden. So heißt es im von Eichmann geführten Protokoll.
- In der Folge wurde Eichmann zum Manager des Holocaust, wie du am Anfang ganz richtig gesagt hast. Und dabei koordinierte er nicht einfach nur
- Eisenbahnzüge, wie er später behauptete, sondern er wirkte aktiv und engagiert an der Entwicklung und der Umsetzung des Holocaust mit das muss man so einfach in
- aller Klarheit sagen. Er war kein Policymaker. Er formulierte keine Politik. Er setzte sie nur um. Das heißt aber nicht, dass er machtlos war. Im
- Gegentril, er hat ja später behauptet, er habe nie einen Menschen getötet und auch nie den Befehl gegeben, aber das ist eine glatte Lüge. Sind zahlreiche
- Einzelfälle belegt, in denen er persönlich mit seiner Unterschrift dafür gesorgt hat, dass einzelne Juden, die etwa die Chance gehabt hätten,
- auszuwandern, stattdessen der Ermordung zugeführt worden sind. Das ist ganz wichtig festzuhalten und in aller Deutlichkeit zu sagen, Eichmann hat sich
- immer wieder die Zeit genommen dafür zu sorgen, dass einzelne, die dem System zu entkommen drohten, in den Tod geschickt wurden. In den folgenden Jahren war
- Eichmann denn sehr viel unterwegs. Damit der Apparat überall gut läuft, durchreiste er das Reich und die besetzten Gebiete, erh auch Amsterdam,
- Bratislava, Kopenhagen, Kiev, Königsberg, Nizza auch nach Paris und natürlich immer wieder in die Konzentrationslager.
- Und doch muss man feststellen, dass seine Karriere nach dem Tod von Heidrich 1942 stagnierte. Mit ihm verliert er seinen wichtigsten
- Förderer. Persönliche Beziehungen spielen innerhalb des NS-reimes eine große Rolle. Wer Karriere machen will, ist auf sie angewiesen. Eichteilung
- wuchs in den Folgejahren weiter. Doch wenn man sich die schriftliche Dokumentation und die Berichte seiner Mitarbeiter nach dem Krieg anguckt, dann
- ist es nicht immer ganz leicht zwischen dem zu unterscheiden, was er anordnete und was er machte und dem, was seine Mitarbeiter trieben, z.B. sein
- Stellvertreter Hermann Krumai. Nach dem Krieg haben sicher auch einige versucht, sich hinter seinem Namen zu verstecken. Das heißt aber nicht, dass er nicht
- weiter selbst tief in mörderische Aktivitäten verstrickt war. 1944 leitete er mit einem Sonderkommando die Deportation in Budapest, höchstpönlich
- und vor Ort. An Weihnachten beendete er dort seine Arbeit und ging zurück nach Berlin, wobei die Arbeit in Berlin Anfang 1955 nicht mehr besonders
- energisch betrieben wurde. Das Gestar Hauptquartier war durch Luftangriffe weitgehend zerstört worden und viele SS-leute waren hauptsächlich damit
- beschäftigt, ihre Flucht vorzubereiten. Im April kurz vor dem Ende verließ Eichmann in Berlin und ging nach Altaussee. Altaussee liegt im Salz
- Kammergut und gegen Kriegsende zieht es viele hochrangige SS-leute dahin. Viele bringen auch ihre Familien darunter. Es gibt damals das Konzept der sogenannten
- Alpenfestung des Rückzugs in schwer zu erobernde Bergregionen. Auch Eichmann brachte seine Frau und seine Kinder in Altaussee unter und auch
- Kaltenbrunner hatte sich dorthin zurückgezogen und Kaltenbrunner befahl ihm jetzt im sogenannten totengebirge den Widerstand zu organisieren. Dann
- aber kam der Befehl Himlas nicht mehr auf Engländer und Amerikaner zu schießen und Eichmann schickte die SS-leute und die Hitlerjungen, die er bis dahin um
- sich versammelt hatte, wieder nach Hause. Am nächsten Tag traf er dem Anton Burger, den Kommandanten von Theresienstadt,
- der ihn darüber informierte, dass er als Kriegsverbrecher gesucht wurde. Eichmann verabschiedete sich nun von seiner Frau und reiste mit seinem langjährigen
- Vorzimmermann Rudolf Jenisch in Richtung Ulm. In der Nähe der Stadt wurden beide von einer amerikanischen Patrouille aufgegriffen und in ein
- Kriegsgefangenenlager gebracht. Er gibt sich den Amerikanern aber nicht als Eichmann zu erkennen. Nein, er gab sich zunächst als
- Luftwaffengefreiter Adolf Bart aus. Er erkannte dann aber, dass Offiziere besser behandelt wurden und auch, dass er wegen seiner Tätowierung schnell als
- SS-Mann identifiziert werden würde. Als er in ein anderes Lager verlegt wurde, verwandelte er sich daher erst in einen Unterschaf und dann im Lager Weiden, in
- der Oberfalls in den Untersturmführer Otto Eckmann, was schon verdächtig nach Eichmann klingt. Oh ja, die Gefangenen wurden
- auch wirklich häufig vom CIC verhört und es gab immer wieder Juden in die Lager, die nach sich identifizieren sollten, aber noch gelang es ihm einfach in
- dieser Masse der Kriegsgefangenen unterzutauchen. Zur Erklärung, darüber haben wir ja auch schon in der Folge zur Rattenlinie gesprochen. Nach Kriegsende
- leben zeitweise bis zu 3 Millionen Gefangene in den amerikanischen Lagern und es ist für die Amerikaner unmöglich, alle Identitäten zeitnah zu
- verifizieren. Das stimmt. Aber sie lernten jeden Tag dazu und dann begannen im November 45 schon die Nürnberger Prozesse und
- Einnahme fiel dort immer wieder. Eichmann. Genau. Vor allem Dieter Wisleni sagte umfangreich gegen ihn aus, aber auch
- andere und langsam aber sicher kletterte dieser Name Eichmann, der lange im Ausland quasi unbekannt gewesen war, auf den Entfandungslisten des CC nach oben
- und das erkannte auch Eichmann. Nun war es nicht besonders schwer, aus den Lagern der Amerikaner zu entkommen. Besonders gut gesichert waren die nicht.
- Im Dezember floh er gemeinsam mit dem Unterscharführer Kurt Bauer aus dem Lager in Oberdachstädten. Zunächst kam er bei Bauer Schwester in Prien am
- Kiemsee unter, aber dort war ihm zu viel los in dem Ort. mit gefälschten Papieren, die er sich möglicherweise schon gegen Kriegsende vorbereitet hatte
- und die auf den Namen Otto Henninger lauteten, reist er zu einer Adresse, die ihm ein Mitgefangener gegeben hatte, dessen Bruder war Revierfster bei
- Evassen in der Lüneburge Heide im Landkreis Zelle und dort zog es ihn nun hin. Und damit wechseln wir mal für einen Moment die Perspektive. Wir
- schauen, was die Fahen da machen. Genau. Auf den Verhandlungslisten der Amerikaner stand der Name Eichmann schon bei Kriegsende. Nur hatten die
- Amerikaner ein Problem, sie wussten nicht, wie er aussieht. Sie hatten nur eine Personenbeschreibung von dem eben genannten Wislizeni. Diese Beschreibung
- gaben sie auch einem Überlebenden aus dem KZ Mauthausen, Simon Wiesental, dem Nazijäger, wie in der Presse gerne genannt wird.
- Genau. Wiesentar ließ sich nach dem Krieg in Linz nieder und er machte sich jetzt an die Arbeit. Er sorgte dafür, dass Eichmanns Elternhaus in Lins
- durchsucht wurde und von Eichmanns Vater bekamen die Amerikaner denn einen Hinweis auf den Wohnort von seiner Frau Vera in Altaussee. Nur bekam sie die
- falsche Hausnummer und in dem Haus, das sie durchsuchten, fanden sie nicht Vera, sondern Anton Boger, den Kommandanten von Theresienstatt. Wir
- hatten ihn eben erwähnt. Genau. Einige Tage später fanden sie dann aber doch Vera. Sie wohnte nur ein paar Hausnummern weiter. Sie
- durchsuchten ihr Haus, waren aber besonders darüber enttäuscht, dass sie kein Foto von Eichmann fanden. Also setzte Wiesental einen Romeoagenten auf
- Vera an, den niederländischen Juden Manus Diamant. Bei Vera kam der nicht weiter, aber bei anderen Frauen und Geliebten von SS-leuten war er
- erfolgreich, unter anderem bei Maria Mösenbacher. Und in einem ihrer Fotoalben fand er ein Foto von Eichmannen.
- Das war also Wiesentals erster großer Erfolg. Sein zweiter war, dass er verhindern konnte, dass Vera Liebel bzw. Eichmann ihren Mann für Tod erklären
- ließ. Damit wäre sein Namen nämlich von den Verhandlungsten verschwunden. Aber Wiesental entlarf ihre Geschichte des Eichmann bei Prag gefallen sei als
- Humbuck. Er konnte nachweisen, dass der vermeintliche Zeuge dafür ihr eigener Schwager war. Eichenmann bleibt also am Leben und damit auf den
- Verhandlungslisten. Aber die Verhandlung kommt trotzdem erstmal nicht vom Fleck. Nein, als Otto Henninger lebte er ordentlich angemeldet in Evassen in
- einer Baracka auf dem Gelände der Revierfürsterei Kohlenbach zusammen mit 20 weiteren Männern, vor allem ehemaligen Soldaten, die aus den
- verlorenen Ostgebieten standen und heimatlos waren. Er arbeitet jetzt also als Holzfäller, verstehe ich das richtig? Genau, für die
- Firma Bohmann, die ging allerdings nach der Währungsreform pleite und daraufhin verlegt er sich auf die Hühnerzucht und es gelang ihm damit auch etwas Geld zu
- verdienen und Geld zurückzulegen. Dazu muss man sagen, Eichmann ist auch während des Krieges nicht als jemand aufgefallen, der sich persönlich
- bereichert hätte. Er lebte nie auf großem Fuß und war persönlich einfach nebennach ziemlich anspruchslos. Jedenfalls plante er jetzt seine Flucht
- über die Rattenlinie. Richtig, wir wissen heute, dass er sich bereits im Sommer 48 vermutlich über bekannte Papiere auf den Namen Ricardo Clem
- besorgt hatte, geboren in Bozen. Warum Bozen? Weil der Status von Südtirol in dieser Zeit noch nicht endgültig geklärt ist. Wie gesagt, wer mehr dazu wissen
- will, sei auf unsere Folge zur Rattenlinie verwiesen. Diese Papiere, die er jetzt hatte, waren zwei Jahre lang gültig und die reizt er auch voll
- aus, vermutlich um möglichst viel Geld für die Flucht zurücklegen zu können. Im Frühjahr 1950 löste er denn seinen Haushalt auf und verließ Eversen. Seiner
- Vermieterin erzählte er, er wolle nach Skandinavien, wo Fachkräfte gesucht wurden. Tatsächlich reist er aber in die
- entgegengesetzte Richtung nach Süden. Genau. Ganz genau lässt sich seine Route nicht nachvollziehen. Vermutlich halfen ihm sowohl alte Kontakte als auch
- professionelle Schleuser, also Leute, die Menschen für Geld über die Grenze nach Österreich und weiter nach Italien führten. Sicher ist, dass er wie so
- viele andere auch zeitweise in Klöstern unterschlupf fand. Aber mals Verweis auf die Folge zur Rattenlinie.
- Sein Reisepasselt er denn vom Rotenkreuz und im Juli 1950 ging er an Bord der Giovanna C mit einem Fahrschein zweiter Klasse nach Argentinien. Am 14. Juli kam
- er in Buenos Aires an und wurde dort als Ricardo Clem registriert und damit beginnt unser nächster Absitt, sein Leben in Südamerika.
- Willst du noch mal die Attraktivität Argentiniens nach dem Kriegsh? Gerne. In Argentinien regiert der wenigstens zeitweise dank seiner
- Sozialgesetzgebung sehr populäre Peron. Er ist während des Krieges an die Macht gekommen und trotz seiner Verehrung für Mussolini und die Nazis vernünftig
- genug, die Alliierten mit Rohstoffen und Lebensmitteln zu versorgen. Das sorgt mit dafür, dass die argentinische Wirtschaft boomt. Argentinien ist Ende
- der 40er, Anfang der 50er eines der reichsten Länder der Erde. Das Wohlstandsniveau ist viel höher als in Europa und da die Wirtschaft boomt,
- nimmt Argentinien fast jeden Immigranten auf, der sich bewirbt. Vor dem Krieg kommen viele Juden, nach dem Krieg Nazis. Fragen gestellt werden dabei
- keine. Im Gegenteil bevorzugt aufgenommen werden Techniker und Wissenschaftler aus der Rüstungsindustrie. Der Exgeneral Peron
- will sein Land und seine Armee mit aller Gewalt modernisieren mit Hilfe der fliehenden Fachkräfte. Das klappt wirklich nur bedingt. Insgesamt geht es
- wirtschaftlich bald abwärts und 1955 ist das eben noch so reiche Land quasi bankrott. Aber soweit sind wir jetzt noch nicht, wenn ich das richtig sehe.
- Nein, soweit sind wir noch nicht. Als Eichmann in Argentinien ankam, war es aber im Vergleich zum vom Krieg zerstörten Europa ein echtes Paradies.
- Und es waren bereits genug alte Bekannte da, die ihm das Ankommen erleichterten. Als Ricardo Clem ankam, wohnt er zunächst im Haus von Bekannten von Horst
- Carlos Fultner. Fultner war eine Schlüsselfigur am Netzwerk der alten Kameraden, ein wohlhabender, deutschstämmiger Bankier, der in
- Südamerika geboren war, aber zeitweise auch in Deutschland gelebt hatte und der ein überzeugter Nazi war. Bei einer seiner Firmen bekam Clem jetzt auch
- einen Job. Die Firma truck das Akronym Capri und sie betätigte sich in verschiedenen Geschäftsfeldern, unter anderem dem Untertätiger Beihilfe des
- argentinischen Geheimdienstes Personal für Rüstungsfirmen anzuwerben. Zu diesem Personal gehörten einige sehr bekannte Namen, z.B. Adolf Galland, Hans Ulrich
- Rudel und Kurt Tank. Fultner und Rudel kamen natürlich auch in der Rattenlinienfolge vor. Galand und Rudel sind drang hohe Luftwaffenoffiziere
- gewesen und Kurt Tank war Chefkonstrukteur bei den Focke Wolfwerken in Bremen. Sehr richtig. Eichmann brachte die Firma jetzt bei
- einer Außenstelle in Tukumann unter, wo die Firma hydrologische Untersuchung vornahm, Planung für die Konstruktion eines Staudamms. Eichmann war längst
- nicht der einzige alte SS-Mann, der dort arbeitete und sicher waren auch welche darunter, die seine wahre Identität kannten. Er wohnte in verschiedenen
- umliegenden Dörfern und schon Ende 1950 nahm erstmals betriflich Kontakt mit seiner Frau Vera auf. Er wollte, dass sie nachkommt, aber Vera war vorsichtig.
- Erst um Ostern 1952 reiste sie mit ihren Kindern über Genua nach Argentinien. Das kann sie so einfach machen. Tja, damit wechseln wir erstmal wieder
- die Perspektive. Zu Beginn der 50er hatte die Verhandung nach alten Nazis weder von Seiten der Amerikaner noch von den Seiten der jungen Bundesrepublik
- noch eine besonders hohe Priorität. Der einzige, der ein Auge auf Währer hatte, war Wiesental, aber der hatte nicht die Mittel, um sie rund um die Uhr zu
- überwachen. Wiesental war ein Privatmann. Dennoch bekam er irgendwann mit, dass sie verschwunden war und dann bekam er einen Hinweis, wohin sie
- verschwunden sein könnte und die Geschichte, die ist ziemlich seltsam. Also, Wesentals Hobby war die Philatelie.
- Er sammelt Briefmarken, richtig. Folgt man nun seiner Darstellung. So kam er eines Tages in Kontakt zu einem österreichischen Baron,
- der auch sammelte. Er besuchte ihn, bestaunte die Sammlung, man kam insgespräch und Wiesental erzählte von seiner Jagd auf Kriegsverbrecher und das
- ließ ihm Baron aufhorchen. Er kramte einen Brief hervor von einem Freund aus Argentinien und zeigte Wiesental folgenden Satz. Zitat: "Ich sah dieses
- elende Schweine Eichmann, der die Juden kommandierte. Er lebt in der Nähe von Buenas Aires und arbeitet für ein Wasserwerk.
- Das ist ja ein ziemlich guter und akkurater Hinweis. Das stimmt. Das Problem Wiesent ließ, als er die Geschichte in einem Buch veröffentlichte
- einiges aus, z.B. will den Namen des Barons. Der hieß Heinrich Mast und war ein ehemaliger Mitarbeiter des österreichischen Geheimdienstes. Denn
- nach dem Anschluss der deutschen Abwehr, denn nach dem Krieg des amerikanischen Geheimdienstes, denn der Organisation Gelen und schließlich des heute kaum
- noch bekannten FHWD eines deutschen Nachrichtendienstes, der zwischen 1950 und 1956 bestand und der unter dem Tarnamen Archiv für
- Gegenwartsforschungierte. Okay, das Treffen ist also kein Zufall und der Tipp kommt nicht von ungefähr. Sicher nicht. Was genau dahinter
- steckte, konnte allerdings nie definitiv geklärt werden. Sicher ist, dass Wiesental wusste, wer Mast war. Ebenso sicher ist, dass Mast ihm die Info mit
- einer Absicht dahintergab. Aber was ihn antrieb, das ist unklar. Möglicherweise steckte hinter dem ganzen Vorgang eigentlich Wilhelm Höttel. Höttel war
- während des Krieges unter anderem der Adjutant von Kaltenbrunner gewesen und der kannte Eichmann und er konnte ihn nicht ausstehen. Nach dem Krieg wurde
- Höttel denn von Allen Dallas, dem späteren CIA Chef, der während des Krieges Resident des OSS in der Schweiz war, für die Amerikaner angeworben. Er
- arbeitete unter anderem für den CIC und in Nürnberg trat er als Zeuge der Anklage auf und er war ein guter Bekannter von Heidrich Mast. Aber sehr
- viel ist über Höttel nicht bekannt. Und ob er hier wirklich seine Finger im Spiel hatte, das ist eben nur eine Theorie. Aber wie dem auch sei,
- Wiesental hatte jetzt diesen Tipp bekommen und dann ging er zum israelischen Konsul und es passierte nichts.
- Du sagst es. Ich habe sie eben gesagt, wie war ein Privatmann und sein Hinweis fand zunächst kein Gehör bei den israelischen Stellen. Also wandte er
- sich an Nahum Goldmann, den Präsidenten des jüdischen Weltkongresses. Stattdessen antwortete ihm per Brief ein New Yorker Rabbi, Abraham Kalimanovitz.
- Er bat um die genaue Adresse Eichmanns in Argentinien. Die hatte Wiesentil nicht. Er schlug davor, einen privaten Mitler zu engagieren, um die
- aufzutreiben. Das würde aber Geld kosten, was er nicht hatte und was auch die New Yorker nicht zahlen wollten. Im Folgejahr musste Wiesentral seine
- Tätigkeit in Lin aufgeben. Er packte über 500 kg Akten, die er gesammelt hatte, ein und schickte sie nach Jadwashem. Nur einen Ordner behielt er
- für sich, den von Eichmann. Du sagst es. Eichmann hatten wir jetzt in Tukumann
- verlassen. Dort arbeitete er bis 1955, denn du hast es vorhin gesagt, gühlte die argentinische Wirtschaft ab. Kapri musste Personal abbauen und Eichmann zog
- mit seiner Familie wieder nach Buenas Eiders in einen Vorort nach Olivos. Zusammen mit zwei Bekannten öffnete er eine Wäscherei, die aber kein Erfolg
- war, denn ein Textilgeschäft, das auch scheiterte und auch als Transportchef einer Firma für sanitäre Anlagen hielt er nicht lange durch.
- Erfolg hatte er bei den als Verwalter einer Kaninchenfarm und auch privat lief es bald wieder. 1955 gebar ihm Vera, wohl sie schon 46 Jahre alt war, einen
- vierten Sohn Ricardo. Die Eichmins lebten in dieser Zeit unauffällig, aber ihre Anwesenheit in Argentinien war in der deutschen Community kein Geheimnis,
- wobei man ergänzen muss, dass es im Grunde zwei deutsche Communities in Argentinien gab. Auf der einen Seite gab es die Juden, die in den 30er Jahren
- gekommen waren und auf der anderen Seite die Nazis, die auch in den 30ern schon recht zahlreich vertreten waren. Die Ozgobe der NSDP in Buenes Aers zählte in
- den 30ern rund 5000 Mitglieder. Kontakte untereinander wurden gemieden. Sie ließen sich aber auch nicht immer vermeiden. Und so lernte Klaus Eichmann
- einmal ein junges Mädchen kennen, Silvia Hermann. Und als er sie besuchte, gab er deutlich zu verstehen, was er von Juden hielt, unwissend, dass ihr Vater Jude
- war. Aber mehr dazu gleich noch. Erst noch ein Wort zu den alten Kameraden in Argentinien. Von denen träumten doch so
- einige eines Tages nach Deutschland zurückzukehren und manche hatten ins Geheim die Idee, dass Eichmann dabei eine Schlüsselfigur sein könnte. Der
- könnte schließlich beweisen, dass das alles gar nicht so schlimm gewesen sei mit den Juden. Dachten sie.
- Dachten sie. Und zwei Männer hatten jetzt eine Idee. Der eine war ein Verleger, Eberhard Fritsch, der andere ein Journalist, Willhelm Sassen. Sassen
- war Holländer Estmann und hatte sich einen Namen gemacht als Ghostwriter für die vorhin genannten Luftwürfenoffiziere Adolf Gallard und Hans Ulrich Rudel. Und
- 1957 überredete er Eichmann doch an einem ähnlichen Projekt teilzunehmen für eine Autobiografie. Er führte eine Reihe langer Interviews
- mit ihm, die schließlich über 70 Tonbänder füllten. Abgetippt waren das Hunderte von Seiten und das Ergebnis war katastrophal.
- Eichmann bestreitet die Vernichtung nicht, er bestätigt sie. Oh ja, detailliert rechnete er vor, wie viele Juden vermutlich umgebracht
- wurden. Unter Sicht der argentinischen alten Nazis. War das eine absolute Katastrophe. Das ließ sich unmöglich veröffentlichen.
- Es wurde denn natürlich doch veröffentlicht. Mehr dazu sage ich aber später. Jetzt rede ich erstmal wieder über seinen Sohn Klaus,
- der gerade die junge Jüdin Silvia Hermann kennengelernt hat. Richtig. Deren Familie war er höchst unsympathisch
- und bald darauf las ihre Mutter einen Artikel in einer deutschen Zeitung. Darin ging es um die Verhaftung von Hermann Krumai. Wir haben ihn vor mal
- erwähnt, der Stellvertreter von Eichmann. Genau. Er wurde im April 1957 verhaftet und es gab aus dem Anlass einer
- Pressekonferenz, bei der Frankfurter Staatsanwalt Arnold Buchtal erwähnte, dass natürlich auch weiterhin nach seinem alten Chef gefandet würde.
- Und auf einmal fällt bei der Familie Hermann im fernen Argentinien der Groschen. Genau. Hatte dieser junge Klaus Eichmann
- nicht erwähnt, dass ein Vater SS-Mann gewesen war. Also schrieb Silvias Vater, der von Beruf Jurist war, einen Brief nach Frankfurt und der geriet dort in
- die Hände von Fritz Bauer. Bauer ist damals Generalstaatsanwalt von Hessen. Richtig. Bauer war ein liberaler Jude, SPD Mitglied und 36 erst nach Dänemark
- und nach Schweden geflohen. Und er war einer der engagiertesten deutschen Juristen, wenn es um die Strafverfolgung von NS Verbrechern ging und auch
- derjenige, der denn später die Ausschutzprozesse ins Rollen brachte. Und jetzt hatte er in seinen Händen diesen Brief von Luther Hermann und er
- wusste, dass es BKA, wo viele Altennazis arbeiteten, ehermäßig daran interessiert war, Kriegsverbrecher zu jagen. Heute wissen wir, dass auch die Organisation
- Gelen bereits seit 1952 wusste, wo Eichmann war. Aber wie dem auch sei, jedenfalls wählte Mauer jetzt einen anderen Weg. erwandte sich an die Israel
- Mission in Köln, die war eigentlich für die Abwicklung von Wiedergutmachungszahlungen eingerichtet worden. Tatsächlich war sie aber auch
- sowas wie die inoffizielle israelische Vertretung in der Bundesrepublik. Diplomatische Beziehungen werden erst 1965 aufgenommen.
- Genau. Jedenfalls traf Bauer den Missionsleiter und sagte ihm: "Erkenne Eichmanns genaue Adresse in Buenas Aires. Sie lautet Zakabuko 4261.
- Und damit begeben wir uns nach Israel. wo bisher ja gar nicht so viel unternommen worden ist oder diesen Tals Hinweis wird jedenfalls keine Beachtung
- geschenkt. Das ist richtig. In Israel war der Geheimdienst mit dringlicheren Aufgaben voll ausgelastet, will sagen mit der
- Aufklärung und der Analyse der Fähigkeiten und Pläne der arabischen Nachbarländer. Wir erstellen uns den Mossard ja gerne
- als mächtigen und extrem gut informierten Apparat vor. Das war in den 50ern definitiv nicht der Fall. Er bestand aus einer Hand voll Leute, die
- nicht mal ein eigenes Büro hatten. Um den Zustand der israelischen Geheimdienste etwas zu beleuchten, gucken wir uns mal die Karriere eines
- Mannes an, der bei der Verhandlung nach Eichmann eine Schlüsselrolle einnehmen sollte. Zwia Haroni alias Hermann Aaronheim. Hermann Aaronheim stammte aus
- Frankfurt an der Ode, wo sein Vater ein prominenter Anwalt war. Als der Vater 38 starb, wanderte die Mutter mit ihren drei Kindern nach Palästina aus. Das war
- für sie relativ einfach möglich, weil die Familien dort bereits seit längerem Land besaß. Zwiaoni war zu diesem Zeitpunkt bereits ein älterer Teenager.
- Er war 17 und er wollte unbedingt einen Kibuts beitreten. Gesagt getan, drei Jahre später trat er denn der Siedlungspolizei bei. Die hatte damals
- eine Doppelfunktion. einerseits den Schutz des KBS vor arabischen Freischer und zum zweiten sollte sie im Fall eines deutschen Einmarsches den Widerstand
- organisieren. Wir haben hier schon einmal drüber gesprochen. 1941 42 wird die Gefahr eines deutschen Einmarsches in Palästina durchaus als Real
- angesehen, weil das deutsche Afrika Coror in der Offensive ist. Dazu kommt es dann aber nicht. Bei Elamain erfolgt die Wände, die Briten siegen.
- Sehr richtig. Und damit änderte sich auch die Haltung von Zwia Haroni. Der Kriegsverlauf war nun ein anderer und er wollte auch gern seinen Teil im Kampf
- gegen die Nazis leisten. Also trat er der britischen Armee bei und da er den Vorzug hatte, dass Deutsch seine Muttersprache war, wurde er dem viel
- Security Service zugeteilt. Das ist damals der militärische Nachrichtendienst, der für die Vernehmung von Kriegsgefangenen
- zuständig ist. Aus Aharoni wird also ein Verhörsspezialist. Genau. Er leistete seinen Dienst vor allem in Italien ab, brachte es bis zum Sergeant und wurde
- denn 1946 ehrenhaft entlassen. Er nahm dann ein Studium auf, musste das aber bald wieder abbrechen, als der Unabhängigkeitskrieg ausbrach und seine
- Klasse an der Uni geschlossen eindrückte. Als Veteran des Weltkrieges diente er als Unteroffizier, denn machte er
- während eines zwischenzeitlichen Waffenstillstandes den Offizierslegang und brachte es bis zum Hauptmann. Denn war der Krieg zu Ende und er wusste
- nicht so recht, was er jetzt machen soll. Eine zivile Ausbildung hatte er nicht. Er hatte sein gesamtes Erwachsenenleben im Krieg zugebracht und
- er wusste nicht recht weiter, als ihn ein alter Kamerad aus Italien ansprach. Er würde da jemanden kennen, der vielleicht einen Job für ihn hätte.
- Einen Typ namens Easy Dorot. Der Bauer eine neue Organisation mit auf den Shinbet. Aroni hatte keine Ahnung, was das sein soll Bett, aber er traf sich
- mit Easy und der erklärte ihm, was es ist, nämlich ein neuer Nachrichtendienst und der bot ihm jetzt auch einen Job an in der Vernehmungsabteilung, die damit
- aus zwei Leuten bestehen würde, nämlich eben aus den beiden. Vorher sollte er aber noch den Boss kennenlernen. Okay, also traf sich Aaroni in einem Caffée in
- Jaffa mit diesem Boss, der sich als ein nur 1,55 m großer Russe entpuppte mit Namen Isael. Das ist der spätere Mossardf.
- Genau, der Harel hatte seinen Job deshalb bekommen, weil er 1948 den Aufmaßplan der jordanischen Armee besorgt hatte. Fem stellte Aaron jetzt
- ein und ein paar Jahre später wurde der Schinbet dann aufgeteilt in ein Innenlandsgeheimdienst und einen Auslandsgeheimdienst den Mossard und de
- facto unterstanden diese beiden neuen Nachrichtendienste aber Harel. Da was niemand von der neuen Gruppe Erfahrung mit Nachrichtendienstliche Arbeit hatte,
- wurde sehr viel ausprobiert und Scrupel kam dabei herell auch eher weniger in die Quere. Sein einziges Problem war, dass er kaum Mitarbeiter und noch
- weniger Geld hatte. In Israel selbst hatte dem Ostal keine zwei dutzend Mitarbeiter und dazu kamen den noch einzelne Vertreter an ausländischen
- Botschaften, aber das waren in der Regel ein Mannbetriebe. Die konnten gerade so das Nötigste leisten und die Jagd nach Naziverbrechern gehört
- nicht dazu. Sicher nicht. Eine Abteilung dafür gab es auch nicht. Man hatte ein paar Akten über Bormann, Eichmann und Müller, aber
- aktiv daran gearbeitet wurde nicht. Als dieser Hinweis von Bauer kam, war der aber immerhin konkret genug, dass man dem nachgehen konnte. zu gucken, ob bei
- dieser sehr präzisen Adresse Eichmann wohnte. Das schien möglich zu sein. Und sobald Kapazitäten frei wurde, segell einen seiner Männer los, um nach
- Argentinien zu fliegen und sich das mal anzusehen. Also flog der nach Buenos Aires, ging da vorbei, schaute sich das Haus an und kam zu dem Schlos, dass die
- Wohngegend viel zu einfach sei für einen Mann von Eichm Kaliber. Also flog er wieder nach Hause und Harell hakt die Sache ab. Genau. Das
- Problem war nur, als Fritz Bauer in Deutschland davon hörte, war der damit alles andere als zufrieden. Er verlangte vom Kölner Missionsleiter eine genauere
- Überprüfung und trotz einiger Bauchschmerzen gab er die Mossat seine Quelle Preis. Loter Hermann. Als die Sache wieder bei Harell landete,
- war der zusehens genervt. Er wollte nicht noch mal einen Mann nach Argentinien schicken. Einige Monate vergingen. Und dann fand aber eine
- Interpolkonferenz im Buenas Eiris statt und der dorthinreisende Kommissar von de Cripo in Tel Aviv war ein Freund von Aharoni mit Namen Efrahim Hofstädter.
- Und Aharoni überredet jetzt Harell die Gelegenheit zu nutzen und den einmal bei Hermann vorbeizuschicken. Richtig. Hofschstter flog nach
- Argentinien damals seiner Konferenzteil und besuchte auch Hermann, der mittlerweile nicht mehr in Buenos Aires, sondern in Coronel Suarez lebte und er
- war einigermaßen überrascht, als er feststellte, Loter Hermann ist blind. Okay. Er fragt sich also, wie ein blinder Eichmann identifizieren konnte.
- Genau. Aber als Hermann ihm seine Geschichte erzählte und ihm auch noch Silvia vorstellte, da ließ er sich davon überzeugen. Als er den allerdings bei
- der Adresse von Eichmann vorbeiging, hatte er dieselbe Reaktion wie der erste Agent. Hier kann unmöglich ein Topnzi leben.
- Richtig. Er flog zurück, berichtete an und der hatte durchaus Vertrauen in Hochstädter, der wirklich ein erfahrener Ermittler war,
- aber er verfolgt die Sache trotzdem nicht weiter. Richtig. Erst Ende 1959 kam wieder Bewegung in die Sache. Da besuchte Fritz
- Bauer seinen Namenskollegen Israel, den Generalstaatsanwalt Heim Cohen. Er erzählte ihm die Geschichte und er ließ sich kaum beruhigen. Er erklärte Cohen
- detailliert, warum er so sauer war und er erzählte ihm, dass er einen neuen Hinweis bekommen hatte. Er hat rausbekommen, dass Adolf Eichmann vor 9
- Jahren mit einem neuen Reisepass ausgereist war, der auf den Namen Ricardo Clement ausgestellt war. Und das passte zu einer Info, die die Israelis
- hatten, nämlich, dass die Stromrechnung in der Chakabuko 4261 auf den Namen Clement lief. Coin zitierte jetzt also Harel zu sich
- und stellte ihm Bauer vor. Und endlich kam jetzt Bewegung in die Sache. Har beauftragte jetzt Aharoni der Sache nachzugehen. Bevor der aber nach
- Argentinien reiste, sollte er sich noch die Akten von Bauer angucken, was gar nicht so einfach war. Zur Erinnerung, offiziell bestehen zwischen Israel und
- Deutschland noch keine diplomatischen Beziehung. Und nicht nur das. In der Frankfurter Staatsanwaltschaft gab es nicht mal einen Kopierer. Also schickte
- die Kölner Mission einen deutsch-israelischen Fotografiestudenten von der Uni los nach Frankfurt und der drang jetzt nachts in das Büro der
- Staatsanwaltschaft ein und fotografierte die Akte. Das klingt doch jetzt schon deutlich mehr nach Spionage als alles, was wir
- bisher gehört haben. Ja, nicht wahr? Und dann kamen noch zwei Hinweise von Simon Wiesend. Der las immer fleißig die Todesanzeigen in der
- Blinzertageszeitung und kurz nacheinander stieß er auf die Anzeigen erst vor Eichmann Stiefmutter und den auf die von seinem Vater. Und darunter
- stand auch den Name Vera Eichmann und daraus zog er den Schluss, dass sie wo sie auch lebte als Vera Eichmann lebte. Dabei beließ er es aber nicht. Er
- schickte einen Fotografen zu der Beerdigung des Vaters, damit der alle Gäste fotografiert. Und beim Durchsehen der Fotos fiel ihm auf, dass Eichmanns
- Bruder Otto ihm eigentlich ziemlich ähnlich sah und er vermutete, dass der nun etwas ältere Adolf Eichmann wahrscheinlich ungefähr so aussehen
- musste, wie Otto jetzt aussah. Also übermittelt er das Foto an den Mossard. Genau. Mit dem Foto und der Akt im
- Gepäck reiste Aaroni Ende Februar mit einem Diplomatenpass nach Argentinien. Vorort unterstützt wurde er vom Residenten vor Ort, der gleichzeitig der
- Sicherheitschef der Botschaft war und von dessen Team aus Freiwilligen will sagen aus Angehörigen von jüdischen Jugendgruppen, die kein Geld verlangen
- und keine Fragen stellen. Okay. Und diese Teenager Gang soll jetzt welche Arbeit erledigen? Wie sie einsetzt, erkläre ich gleich
- noch. Aaronis Arbeitshypothese war. Eichmann lebte bereits einige Jahre am gleichen Ort. Er würde also wahrscheinlich nicht sofort weglaufen,
- wenn er aus irgendeinem Grund misstrau wird. Trotzdem musste er vorsichtig sein. Am 3. März fuhr erstmal selbst mit dem Auto durch die Chakabuko Straße. Ein
- paar hundert Meter hinter Eichmanns Haus hielt er an und spazierte zurück. Es war ein normales zweistöckiges Mietshaus mit mehreren Parteien. Und jetzt kam der
- erste Jugendliche zum Einsatz. Aoni schrieb eine Postkarte, auf die er als Absender Dagosto schrieb, was dem Namen von Eichms Vermieter ähneltte, die
- hieß Dagoto. Und als Hausnummer schrieb er nicht 4261, sondern 4263 drauf. Dann schickt er den Jugendlichen los, der sollte die Nachbarn nach Dagosto
- fragen und die Karte vorzeigen und so versuchen so ein bisschen ins Gespräch zu kommen. Und der Junge zog also los und stellte fest, in der Wohnung von
- Eichmann da wohnt niemand. Es waren nur ein paar Männer da, die Malearbeiten machten. Eichmann ist also ausgezogen.
- Das war ja. Also muss Aaroni jetzt rauskriegen, wo er hingezogen ist. Können dabei jetzt die Nachbarn helfen?
- Das war sein Gedanke. Also dachte er sich wieder eine Geschichte aus. Er wusste, dass der Sohn Klaus am 3. März Geburtstag hat. Also kaufte er ein
- teures Feuerzeug, verpackt es als Geschenk und ließ einer der Sekretärinnen in der Botschaft mit einer weiblichen Handschrift einen Gruß daraus
- schreiben an Nikolas Clem und er schickt einen weiteren Helfer zurück in die Straße. Diesmal um sich explizit nach Klaus zu erkundigen und seinen neuen
- Wohnort rauszukriegen. Der Name Nicolas Kleand war mitbedacht gewählt. Klaus hatte sich Silvia als Klaus Eichmann vorgestellt und
- tatsächlich lebte er auch als Klaus Eichmann in Argentinien. Seinem Vater gelang es nie Pässe auf den Namen Clem für seine Frau und seine Kinder zu
- besorgen. Das wusste Aaroni aber nicht. Er schrieb jetzt Clemend auf die Adresse, damit das Päckchen auch wirklich an Clemend geht. Wie dem auch
- sei, der zweite Junge zog n also los und er sollte folgende Geschichte erzählen. Ein Freund, der als Page in einem Hotel arbeite, habe ihn gebeten, das Päckchen,
- das von einer Frau aus dem Hotel stamme, einem Nikolas Clemen zu geben. Das Ganze ist also so konstruiert, dass er sich bei Nachfragen nach der
- Absenderin unwissend geben kann. Genau. Der Junge zog also los und sprach erst mit einem der Maler und dann mit einem Nachbarn und der erzählte ihm, dass die
- Familie weggezogen sei. Er wisste nicht wohin, aber einer der Söhne arbeitete in der Werkstatt die Straße runter und er bot an sie ihm zu zeigen. Also gingen
- beide zu der Werkstatt, trafen den Sohn Dieter und er gab ihm das Päckchen. Okay. Damit hat er aber noch nicht die neue Adresse von Eichmann.
- Richtig. Aber immerhin wusste Haroni jetzt, dass in dieser Werkstatt der Sohn arbeitet. Sein Plan war also jetzt relativ einfach. Er verfolgt den so nach
- der Arbeit nach Hause. Richtig. Das erwies sich denn aber als leichter gesagt als getan, weil er sehr vorsichtig sein musste. Mehrfach brach
- er die Verfolgung ab, um kein Misstrauen zu erregen. Aber schließlich gelang es ihm, den Sohn bis in den Vorort San Fernando zu verfolgen. Die Gegend war
- damals noch nicht gut erschlossen. Es gab ein Kios eine Bushaltestelle und dann etwas Niemandsland bis an der Straße zwei Häuser standen, ein kleines
- und ein großes, das noch nicht ganz fertig gebaut war. Aoni konnte Dieter nur zu dem Kiosk verfolgen. Dort verlor er ihn, aber er war schon etwas
- weitergekommen. Nur war er sich immer noch nicht ganz sicher, ob dieser Dieter aus der Autowstad auch wirklich Dieter Eichmann war. Also schickt er den Boten,
- der das Paket abgeliefert hatte, wieder zur Werkstatt. Er solle nach Dita fragen und sich bei ihm beschweren. Die Absenderin habe gemeckert, weil das
- Paket nicht angekommen sei. Und Dieter reagiert, wie der fragt ihn, wer überhaupt diese komische Frau sei, die nicht mehr
- wusste, wie sein Bruder richtig heißt. Der hier schließlich nicht Clemens, sondern Eichmann. Result. Jo. Sia Haroni datete jetzt Meldung nach
- Tel Aviv und wir widmen uns wieder Eichmann. Wir werden ihn verlassen, als er seine Stelle als Verwalter einer Kaninchenfarm angenommen hat. Die war
- denn aber doch auch pleite gegangen. Eichmann war eine Weile arbeitslos und diese Zeit nutzte er, um sich in Eigenarbeit ein Haus zu bauen. Er kaufte
- günstiges Land in einer noch unerschlossenen Gegend und er legte los. Er hatte sich in der engen Mietwohnung diese Recht wohl gefühlt, diese Recht
- sicher gefühlt. Er hatte den Nachbar nicht getraut. Er wollte Platz um sich rum haben und das war eine fatale Fehleinschätzung,
- denn die Agenten von Mossard konnten ihr Glück kaum fassen darüber, dass Eichmann umgezogen war. In einer dichtbewohnten Gegend wäre die Entführung eiglich mein
- ziemlich schwierig geworden, aber in einer einsamen Gegend. Genau. Erstmal hatte Aroni jetzt aber noch einiges zu tun. Er musste
- rauskriegen, ob in einem der wenigen Häuser an der Straße tatsächlich Eichmann wohnt. Und das war gar nicht so einfach, denn die einsame Lage sorgte
- natürlich auch dafür, dass jeder Fremde dort schnell auffiel. Dennoch vorher immer wieder an der Straße an den Häusern vorbei. Immer in wechselnden
- Autos, die er sich von Botschaftsmitarbeitern oder von deren Bekannten auslie und gerne in Begleitung von weiblichen Mitarbeitern der
- Botschaft, denn er wusste, dass Paare weniger auffallen als Männer, die alleine unterwegs sind. Und der tat noch was anderes. Er nahm Kontakt zu einem
- jüdischen Architekten auf und bat ihn, sich bei der Gebietsverwaltung die Bebauungspläne zu besorgen und wenn möglich auch eine Liste der Bewohner der
- umliegenden Straßen. Als Grund sollte er ein geplantes Bauprojekt angeben, denn schickt er den Architekten mit einer versteckten Kamera in der Tasche zu den
- Häusern. Er sollte klingeln und fragen, ob die Häuser zum Verkauf stünden und wenn möglich die Bewohner mit seiner Kamera fotografieren. Der Architekt
- bekam dann raus, dass in dem etwas größeren Haus an der Garibaldi Straße Deutsche wohnten. Wer traf dort nur eine junge Frau an, die angab, die
- Schwiegertochter der Besitzerin zu sein. Und später stellt es sich raus, dass das Margarete war, die Frau von Klaus. Die Frau von Klaus. Das gibt der
- Geschichte mit dem Feuerzeug natürlich noch eine zusätzliche Note, die gar nicht geplant war. Das stimmt. Aber glücklicherweise
- erzählten Dieter und Klaus ihren Vater nie was davon. Dennoch kam Aaroni für den Moment nicht weiter. Bisher hatte Adolf Eichmann die getroffen, geschweige
- denn ein Foto von ihm machen können. Denn aber lieferte der Architekt ab. Er bekam heraus, wer der Vorbesitzer des Grundstückes war. Das war eine Firma
- namens Geohink und von der bekam er den Namen der neuen Besitzerin. Veronika Katharina Liebel de Fichmann. Fichmann. Da fehlt sozusagen nur ein kleiner
- Strich zu Eichmann. Ja, das war ein absichtlich eingebauter Schreibfehler, aber es konnte gar keinen Zweifel geben. Das war Wer Eichmann. Und
- dann hatte Aaroni doch Glück. Am 19. März, am Samstag f wieder zu dem Haus und diesmal stand im Garten ein Mann, der eindeutig aussah wie Eichmann.
- Und damit hat er ihn eindeutig identifiziert? Noch nicht ganz, aber er wusste, dass er definitiv auf der richtigen Spur war. Er
- observierte weiter das ausging und wieder setzte er jetzt zwei seiner freiwilligen Helfer an. Zwei junge Männer, die sollten mit dem Auto an der
- Straße vor dem Haus halten und eine Panne vortäuschen und dann sollte einer zu dem Haus gehen und versuchen mit der Taschenkamera eiglich mal zu
- fotografieren, was ja auch schon der Architekt machen sollte. Geht der Plan denn diesmal auf? Das tat er diesmal. Die Jugendlichen
- machten ein paar wunderbare Fotos, die Aaroni dennoch um ein paar weitere Fotos ergänzte, die er aus der Entfernung vom Haus und von seiner Umgebung schoss. Und
- damit hat er genug geleistet. Am 7. April packte er seine Sachen und flog zurück nach Israel. Und diesmal ist genug Material
- zusammengekommen, um Harel zum Handeln zu bewegen. Oh ja. Zufällig traf Aaroni Harell jetzt noch auf dem Rückweg am Pariser
- Flughafen und er hatte seinen Job wirklich gut gemacht. Und jetzt war RFI Aitan an der Reihe, der Chef der Operationsabteilung, der plante jetzt
- die Entführung Eichmanns aus Argentinien und er schickte erstmal ein Spektrup los, bei dem auch Aharoni wieder dabei war, diesmal als deutscher Geschäftsmann
- verkleidet. Zu dem Team gehörten außerdem Alter Stellvertreter Asraim Shalom, Jakob Gart und Efraim Ilani, der in paar Jahre in Buenes Aires gelebt
- hatte und der dort Ortskenntnisse besaß. Er war auch der einzige, der mit einem israelischen Pass reiste und er sollte den Kontakt der Gruppe zur Botschaft
- halten. Alle vier reisten getrennt voneinander und wohnten in verschiedenen Hotels und sie sollten jetzt weitere Informationen sammeln. Und bei ihrer
- ersten Erkundungsfahrt, die sie in der einbrechenden Dunkelheit am frühen Abend unternahmen, sahen sie auf einem Eichmann, wie er von der Bushaltestelle
- zu seinem Haus ging. Und bald hatten sie herausgefunden, dass er das jeden Abend tat. Er kam jeden Tag abends um 19:40 Uhr mit dem Bus von seiner neuen
- Arbeitsstelle im Mercedes-Benzberg. Das war ein Job, den ihm wieder einmal Carlos Wultner besorgt hatte. Und in den folgenden Tagen traf dann auch der Rest
- des Teams ein. Das erste ist Nescher. Der war für die Logistik zuständig und er sollte jetzt sichere Häuser und Autos besorgen. Dann kam ein Arzt und ein paar
- weitere Mitarbeiter, bis schließlich zehn Personen dabei waren. Als letztes kam Rafiitan und Zwimchin. Das war der Enforcer der Truppe. Aber auch Israel
- kam höchstpönlich nach Bonas Aires, um die Aktion zu koordinieren. Er vermiedet den Kontakt mit den andern. Er hielt sich aber an jedem Tag zu
- bestimmten Zeitpunkten, bestimmten Cafés auf, damit er zu erreichen war, falls irgendwas schief gibt. Der Chef des Mossard ist also
- höchstpönlich an der Operation beteiligt. Das spricht ja dafür, dass die Angelegenheit jetzt auf einmal doch Priorität für ihn hat.
- Ja, das tut es. Neun Tage lang beobachteten die Agenten Eichmann und studierten seinen Tagesablauf und denn stand ihr Plan fest. Sie wollten sich
- Eichmann in der einsetzenden Dunkelheit auf dem Weg von der Bushaltestelle nach Hause schnappen. Doch das war der einfache Teil der Aktion.
- Schwieriger würde es werden, ihn aus dem Land zu schmuggeln. Ja, klar war, dass sie ein sicheres Haus brauchen würden, wo sie Eichmann erstmal hinbringen
- konnten, besser noch wären zwei und dazu ein paar Wohnungen für die Vorbereitung, von denen sie einer als Arbeitsstätte für ihren Fälscher brauchten, Shalom
- Dani. und Wohnung zu mieten, das war auch relativ einfach, aber das passende Haus zu finden, das war schwierig, denn sie brauchten ein relativ großes Haus,
- am besten umgeben von einem großen Garten, damit die Nachbarn es nicht so gut einsehen konnten und es dauerte ziemlich lange, bis sie ein passendes
- gefunden hatten. Was auch nicht einfach war, war die Suche nach zwei großen, leistungsstarken, aber auch zuverlässigen Autos. Schließlich gelang
- es Ihnen zwei amerikanische Autos zu mieten, die sie in einer Werkstatt denn noch mal überholen ließen und außerdem statteten sie sie mit neuen Kennzeichen
- aus, die von beiden Seiten bedruckt waren. So langsam kommen ja doch die James Bondartigen Gadgets.
- Jo, und dann konnte es losgehen. Der Plan war einfach. Ein Auto sollte an der Straße zum Haus parken und zwar mit offener Motorhaube. Die beiden
- kräftigsten der Gruppe Malchin und Sefgeren sollten sich darüber beugen. Aroni sollte am Steuer sitzen und Itan als Operationschef als vierter Mann auch
- mit dem Auto sitzen. Das war das Zugriffsam. Das zweite Auto mit der Backup Crew sollte auch am Straßenparken und zwar in Richtung Bushaltestelle und
- sobald Eichmann auf das zweite Auto zuging, sollte dieses die Scheinwerfer anmachen, damit Eichmann geblendet wird. Dann sollten die beiden starken Männer
- zupacken und Aaroni gleichzeitig den Motor anlassen, um mögliche Kampfgeräusche zu übertönen. Klingt eigentlich ganz einfach.
- Ja, sollte es eigentlich auch sein. Schwieriger war das Timing, denn das spielte bei der Rückführung eine entscheidende Rolle. Für die wurden
- jetzt verschiedene Szenarien angedacht und durchgespielt, z.B. ein Rückführung per Schiff. Das würde aber lange dauern. Besser wäre eine schnelle Rückführung
- per Flugzeug und günstigerweise ergab sich dafür eine besondere Gelegenheit. Argentinien feierte in diesen Tagen nämlich den 150. Jahrestag seiner
- Unabhängigkeit und aus diesem Anlass kamen zahlreiche Staatsgäste zu Besuch, unter anderem auch der israelische Außenminister, aber er sollte mit einem
- Sonderflug der Al anreißen, mit dem neuesten und modernsten Flugzeug der Fluglinie einer Bristolle Britannia. Damit die aber nicht tagelang rumstand,
- während er in Argentinien war und repräsentierte, sollte sie nur abliefern und denn leer wieder zurückfliegen. Das wäre die Gelegenheit, Eichmann und
- das Team zurückzubringen. Richtig. Der Rückflug der Maschine war für den 13. Mai geplant. Also plante man die Entführung am 10.n man wollte ein
- paar Tage Spielraum haben, falls Eichman am 10. aus irgendeinem Grund nicht zur Arbeit fuhr. Man wollte ihn aber gleichzeitig auch nur so kurz wie
- möglich gefangen halten müssen. Denn aber verschob sich die Reise des Ministers. Er kam erst am 19. Mai überhaupt an, aber viel länger wollte
- das Team nicht warten. Sie verschoben daher die Entführung nur um einen Tag auf den 11. Mai. Das heißt aber, sie müssen ihn danach
- länger gefangen halten, dass das Risiko erhöht. Richtig. Trotzdem hieß es jetzt Go. Am 9. bezog das Team die beiden sicheren
- Häuser und am 11. macht er sich bereit. Die Autos parkten wie geplant am frühen Abend an der Straße. Um 19:40 Uhr kam der Bus, aber hielt nicht. Niemand
- wollte aussteigen. So ist das mit der Planung. Und jetzt nun warteten sie auf den nächsten Bus, doch der hatte Verspätung. Und nach mehr
- als 20 Minuten, die diese beiden Autos jetzt standen, da fürchteten sie so langsam Verdacht zu erregen. Aber Itan befahl weiter zu warten und dann kam der
- Bus doch und hielt und Eichmann stieg aus. Abraham im ersten Auto blendete auf, aber Eichmann hatte eine Hand in seiner Tasche und jetzt war die Frage,
- was hatte er in der Hand? Malchin machte sich bereit, aber was sollte diese Hand in der Tasche? Was hatte Eichmann da? Als er auf seiner Höhe war, griff Mhnin
- zu, aber er konnte ihn nicht wie geplant im Nacken greifen, sondern er musste diese Hand sichern, falls er eine Waffe in der Hand hatte. Und beide stürzten
- zum Boden und Eichmann schrie und Aaroni drehte den Motor hoch, um ihn zu übertönen und nur mit einiger Mühe bekam sie ihn ins Auto gequetscht.
- Dort protestierte Eichmann denn nicht mehr. Als ihn befallen, sich nicht weiter zu wehren, soll er angeblich nur gesagt haben, Zitat: "Ich habe mich
- schon in mein Schicksal ergeben." Das heißt, er weiß, wer Sie sind und sie wissen, dass sie den richtigen erwischt haben.
- Richtig. An einer einsamen Stelle drehten sie die Nummernschilder um, denn fuhren sie zur Villa. Eichmann lag vor der Rückbank auf dem Boden. Im Haus
- angekommen, verglichte Arzt den Eichmanns Naben mit den Angaben aus einer SS-Akte und fand dazu noch eine weitere Narbe an der Stelle, an der
- gewöhnlich die SS-nummer ein tätowiert war. Noch am selben Tag fand eine erste Befragung statt, geführt von Aaroni, weil der der Verhörspezialist war und
- weil er deutscher Muttersprachler war. Aus seinem Namen befragt gab Eichmann Ricardo Clement an. Als Aaroni fragte, wie er davor hieß, sagte er Otto
- Henninge, was die Israelis überraschte, den Namen kannten sie bis dahin gar nicht. Als Aaroni denn aber nach seinem Geburtsnamen fragte, zögerte Eichmann
- nicht zu sagen. Adolf Eichmann. Ebenso nannte er ohne zu zögern seine NSDP und SS-Nummer, sein Geburtstag und
- weitere biographische Daten, den Hochzeitstag, die Geburtstage der Kinder und so weiter. Warum wird das jetzt alles abgefragt? Er
- sollte später nicht doch noch bestreiten können, Eichmann zu sein. Deshalb wurde das jetzt abgefragt. Am nächsten Tag begannen dann schon die Aufräumarbeiten.
- Die Autos mussten gereinigt und wieder zurückgegeben werden. Doch noch war die Gefahr nicht gebannt. Wie reagiert denn jetzt die Familie? Es muss doch
- aufgefallen sein, dass er nicht nach Hause gekommen ist. Ja, über die Reaktion der Familie haben wir nur die Aussagen von seinem Sohn
- Klaus, der in den 60ern der Quick ein längeres Interview gegeben hat. Demnach waren Vera und die Kinder, von denen die älteren ja eigentlich schon junge
- Erwachsene waren, in heller Aufregung. Sie kontaktierten erstmal einen befreundeten SS-Führer und der hatte drei Theorien. Erstens, Eichmann war aus
- irgendeinem Grund verhaftet worden, Trunkenheit oder was auch immer. Zweitens, er hat ein Unfall gehabt und lag irgendwo im Krankenhaus oder
- schlimmsten Falls in einer Leichenhalle. Und drittens, die Israelis haben ihn richtig. Also taten sie jetzt erstmal
- was. Sie klappern die Polizeireviere und die Krankenhäuser und die Leichenhallen ab. Richtig. Als sie ihn dann nach zwei Tag
- nicht gefunden hatten, waren sie sich relativ sicher. Ja, dass die Israelis ihn haben. Und was unternehmen sie jetzt? Schalten sie die
- Behörden ein. Das t sie nicht. Nein. Wohl aber aktivierten sie die Netzwerke der alten Kameraden und angeblich half auch eine
- perimistische Jugendorganisation dabei nach ihm zu suchen. Gleich wohl Eichmann blieb verspunnen. Die Agenten verschanzen sich der in
- ihren sicheren Häusern, bis das Flugzeug kommt. Jo, in dieser Zeit ließ sich Eichmann recht bereitwillig befragen. Er erzählte
- von seiner Flucht und von seinen falschen Identitäten, von seinen wirtschaftlichen Sorgen und davon, warum er umgezogen sei. Sie fragten ihn auch
- nach anderen Kriegsverbrechern, auch nach Josef Mengele und er gab zu, ihn vor einer Weile getroffen zu haben, sagt aber auch, dass er glaube, dass er nicht
- mehr im Land sei, womit er recht hat. Mängele ist inzwischen in Brasilien untergetaucht, wo ihn die Israelis später auch aufstöbern, die Spur dann
- aber nicht weiter verfolgen. Und das stimmt. Der Hinweis kam später übrigens wahrscheinlich von William Sassen, den wir vorhin auch schon
- erwähnt haben. Der ließ sich von den Israelis bestechen. Das ist relativ sicher. Denn stellte Aharoni eine ungewöhnliche Frage auf Anweisung von
- Hein Kohen. Er fragte Eichmann, ob der dazu bereit sei, sich in Israel vor einem Richter zu verantworten. Eichmann lehnte ab, aber in den folgenden Tagen
- diskutierten sie das Thema immer wieder und schließlich unterschrieb Eichmann eine Erklärung, dass er aus freien Stücken nach Israel kommen. Keine drei
- Wochen später war diese Erklärung auf allen Titelseiten, aber soweit sind wir noch nicht. Im großen und ganzen waren diese Tage für die Agenten langweilig.
- Sie mussten im Haus bleiben. Es sollte immer nur einer rausgehen und Essen einkaufen, was mühsam war, da Sicherheitsgründen keine großen Mengen
- kaufen sollte, sondern verschiedene Läden abklappern musste und der sollte auch nie ein Geschäft zweimal besuchen und dann musste die Abreise geplant
- werden. Wie will man Eichmann rausschmuggeln? Er muss ja irgendwie ins Flugzeug gelangen. Ja, das war knifflig und es lief so ab.
- noch in Tel Aviv einen Mann ausgewählt worden, der Eichmann von Statur und vom Alter her und so weiter ähnelte und der reist jetzt als Stuurt mit der Li
- Maschine an, aber nicht wieder zurück. Eichmann soll seine Uniform und seine Papiere bekommen und der Doppelgänger dann später mit anderen Papieren
- zurückreisen. Genau. Eichmann bekam einen neuen Ausweis mit seinem eigenen Foto, das ihn als der Ste auswies und der Doktor, der
- Anästhesist war, sollte ihm eine Spritze geben, so dass er müde, aber nicht völlig besinnungslos war. Und zwei der als L Kollegen getaren Agenten sollten
- den Kranken denn an Bord bringen. Die einzige Gefahr war, dass der argentinische Geheimdienst realisierte, dass Eichmann verschwunden war und nach
- ihm suchte. Dann würde er nämlich garantiert die Lal Maschine beobachten. Genau. L flog sonst nicht nach
- Argentinien. Der Flug wäre auf jeden Fall verdächtig. Außerdem durfte die Passkontrolle nicht allzu genau sein. Der Plan ist also nicht ohne Risiko,
- aber die Israelis setzen darauf, dass die argentinische Polizei, selbst wenn sie von der Familie alarmiert worden ist, nicht sofort realisieren wird, dass
- der als vermisst gemeldete Ricardo Clement der deutsche Kriegsverbrecher Adolf Eichmann ist. Genau. Sie gingen davon aus, dass die
- Polizei, wenn überhaupt nach Ricardo Clement suchen würde, denn das war der Name, unterdem er in Argentinien lebte. Und tatsächlich sucht aber von
- offizieller Seite niemand. Die Familie schaltet also zu keinem Zeitpunkt die Polizei ein. Nope. Und je mehr Tage vergingen, an
- denen nicht in der Zeitung stand, dass ein deutscher Mann, der in Buenes Aires lebt, verschwunden war, umso sicher waren sich die Agenten, dass ihr Plan
- aufgehen würde. Und dann war es soweit. Am 19. landete die Maschine des Ministers. So und einige Tage zuvor waren einige als L Mitarbeiter getarte
- Agenten eingereist und denen Papierkram vorzubereiten, damit von der Seite keine Probleme auftraten. Und für den Abend des 20. war der Rückflug angesetzt.
- Aharoni tte sich als neu als Diplomat und benutzte diesmal auch ein Auto der Botschaft. Mit dem holt Eichmann und den Arzt und zwei weitere Agenten von der
- Villa ab und fuhr sie zum Flughafen. Dank der Diplomatenkennzeichen kamen sie ohne Probleme auf das Flugfeld und auch an Bord. Und jetzt mussen nur noch die
- Papiere abgestempelt werden. Die Beamten ließen sie eine Stunde warten, aber denn ging auch das ohne Probleme von Statten und nach einem Tankstopp in Daka landete
- die Maschine am Morgen des 22. in Tela Aviv. Damit ist die Entführung geglückt und jetzt wird Eichmann einer verblüfften Weltöffentlichkeit
- präsentiert. Ja, und zwar auf eine Weise, in der man das heute so auch nicht mehr machen würde. Am 23. Tag der Kness und gleich
- zu Beginn der Sitzung trat der Ministerpräsident David Benion an das Mikrofon und sagte: "Die israelischen Sicherheitsdienste haben Adolf Eichmann
- aufgespürt. Er ist bereits in Haft, er ist bereits in Israel und er wird vor Gericht gestellt werden." Und die Abgeordneten sind sicher
- einigermaßen fassungslos. Wie ist denn die internationale Reaktion? Gemischt. Wütend war natürlich Argentinien. Die Aktion war natürlich
- eine grobe Verletzung der argentinischen Souveränität. Der israelische Botschafter wurde eingbestellt und aufgefordert sich zu
- erklären und dummerweise verhielt er sich einigermaßen ungeschickt. Er gab an seine Regierung habe keine Kenntnis von der Operation gehabt. Sie sei von
- jüdischen Freiwilligen durchgeführt worden. Diese hätten Eich aufgespürt und ihn überredet freiwillig nach Israel zu kommen. Und das war natürlich eine ganz
- schwache Geschichte. Damit gibt sich die argentinische Regierung nicht zufrieden. Richtig. Argentinien forderte die
- Rückgabe Eichmans und brachte den Fall vor den UNSicherheitsrat. der verurteilte die Entführung. Es stellt aber auch klar, dass Eichmann vor
- Gericht gebracht werden sollte. Was noch wichtig werden sollte, in Deutschland war die Regierung Abendauer unterdessen massiv verunsichert. Vor allem hatte man
- Angst, dass öffentlich werden würde, wie mangelhaft die eigenen Bemühungen gewesen waren, denn gegen Eichmann lag ja in Deutschland durchaus ein
- Haftbefehl vor. Man befürchtete auch, dass Eichmann Personen belasten könnte, die wieder im Staatsdienst standen und vor allem Einnahme war dabei das große
- Problem. Hans Globke, der Chef des Kanzleramts, der als Jurist im Innenministerium einst an den Nürnberger Gesetzen mitgearbeitet hat.
- Er war ganz sicher das größte Problem. Ja, und auch die katholische Kirche machte sich Sorgen wegen der Rolle von Leuten wie Bis Hudai.
- Aber mals ein Hinweis auf die Folge zur Rattenlinie. Jo, und natürlich hatten auch die alten Kameraden Argentinien so ihre Sorgen. Nicht so unrecht, bei dem
- Prozess kommt viel an die Öffentlichkeit. Ihre Chancen auf einen ruhigen Lebensabend in Deutschland schwinden dahin.
- Jo, und die Kameraden in Argentinien wussten spätestens seit den Sassenin Interviews definitiv, wo das Problem lag.
- Das Problem ist Eichmann, der will nämlich reden. Ja, die größte Sorge, die die Anklage hatte, war, dass Eichmann einfach
- schweigen würde. Aber genau das Gegenteil war der Fall. Er wollte seine Geschichte erzählen und das tat er auch. Die Ermittlung in Israel leitete
- ranghoher Polizist, Avraham Zellinger. Auch er war wie so viele andere in unserer Geschichte heute aus Deutschland nach Israel emigriert und er rekrutierte
- für die Untersuchung jetzt 30 deutschsprachige Polizisten. Sein Stellvertreter war übrigens Esraim Hofstäter,
- der eins zum blinden Loter Hermann gereist ist. Genau den. Die Vernehmung von Eichmann übernahm Avnales und sie begann am 29.
- Mai und wie gesagt, Eichmann wollte reden. Das Verhör dauerte mehr als ein halbes Jahr. Die Verhörprotokolle umfassten 275 Stunden Tonbandaufnahmen.
- Abgetippt waren das 3564 Seiten. Afales sagte später, sein Eindruck sei gewesen, dass Eichmann sich vorbereitet hatte, dass er sich eine
- Geschichte bereitgelegt hatte. Er gab sich dabei durchweg als kleiner Befehlsempfänger und er zeigte keinerlei Räu. Die Vernehmung macht aber natürlich
- nur einen kleinen Teil der Untersuchung aus. Zeringer reiste dafür um die ganze Welt. Er sprach Zeugen in Europa, in Amerika. Er suchte Archive auf und sah
- Dokumente ein. Und beim späteren Prozess wurden mehr als 1600 Beweismittel eingereicht und mehr als 100 Zeugen vernommen. Die Anklage führte der erst
- jüngst ernannte neue Generalstaatsanfalt Gideon Hauser. Schwierig war es jedoch, einen Rechtsbeistand für Eichmann zu bekommen. Da kann man ja auch nicht
- irgendjemanden nehmen. Es muss ein Experte von gutem Renaume sein, sonst würde der Prozess als solcher nicht ernst genommen werden.
- Richtig. Und so viele Experten auf dem Gebiet Kriegsverbrechen und Völkermord gab es nicht. Doch man hatte Glück. Von sich aus meldete sich Robert Servatius
- und der war perfekt geeignet. Servatius war ein promovierter und sehr erfahrener Jurist. Er war Veteran bei der Weltkrieger. Er war konservativ, aber er
- war kein Nazi. Und er hatte Erfahrung. Er hat in Nürnberg Fritz Saukel, Karl Brand und Paul Pleiger verteidigt. Die Kosten für sein Honorar übernahmen der
- Staat Israel und eine Gesetzesänderung ermöglichte, dass er als Ausländer auch am Gericht zugelassen wurde. Warum übernimmt er den Job? vermutlich um der
- Aufmerksamkeit wegen. Der Fall macht ihn weltberühmt. Das ist richtig. Hat er denn Gelegenheit, sich ordentlich vorzubereiten?
- Die Zeit war relativ knapp, wenn man die Komplexität bedenkt, aber sein Hauptproblem war natürlich, dass potenzielle Entlastungszeugen eher nicht
- so gewillt waren nach Israel zu reisen, weil sie dort selbst verhaftet werden könnten. Aber wenn man das mal umdreht, das gleiche Problem hat die Anklage
- auch. Das ist korrekt. Ja, man muss bedenken, in Nürnberg hatten viele Nazis die Chance genutzt, um ihre alten Kollegen
- in die Pfanne zu hauen. Nicht zuletzt der vorhin genannte Wislizen eben. Das allergrößte Problem für
- Servatius war aber, dass Eichmann einfach nicht die Klappe hielt und dann bekam er noch ein Problem und zwar hatte Willam Sassen die Gelegenheit genutzt
- und sein Interviewprotokolle mit Eichmann für viel Geld unter anderem an das Live Magazin, aber auch in den Stern verkauft.
- Verstehe. Der macht jetzt also Kasse, aber als Beweismittel zugelassen werden diese Protokolle wohl nicht. Sie wohnen zu einem sehr kleinen Teil, nachdem der
- Mossard die Protokolle besorgt hatte, aber das größere Problem war natürlich das Bild in der Öffentlichkeit, das sich daraus ergab. Eichmann hatte während der
- Aufnahmen locker flockig im Kreis von alten Kameraden über die Ermordung von mehrere Millionen Menschen geplaudert. Das ist katastrophal für die
- Verteidigung. Das heißt, es erweckt genau den zutreffenden Eindruck seiner Taten und seines nicht vorhandenen Schuldbewusstseins. Der Prozess begann
- am 11. April 1961 und für Hausnah war er ein Balanceakt, der ihm auch nicht immer gut gelang. Er versuchte einerseits einen juristisch wasserdichten Fall zu
- präsentieren, andererseits hatte der Prozess aber natürlich eine politische Dimension. Er war die Gelegenheit, die Geschichte des Holocaust zu erzählen. In
- der juristischen Fachliteratur ist Hausner im Nachhinein dafür kritisiert worden, dass er beides versucht hat, dass er seine Zeugen vor allem danach
- ausgesucht habe, dass sie dramatische Geschichten erzählten. Ich tue mich aber schwer damit ihm das vorzuwerfen. Du bist natürlich auch kein Jurist,
- sondern Historiker. Ja, das ist auch wieder wahr. Die Aufmerksamkeit war wirklich enorm. Am ersten Tag waren 450 Journalisten und 45
- Diplomaten im Gerichtssal. wobei der Prozess auch nicht im normalen Jerusalemer Gericht stattfand, sondern ein Kulturzentrum dafür hergerichtet
- worden war. Den Prozess leiteten Dr. Moschelandau, geboren in Danzig, ausgebildet in London, zusammen mit Benjamin Halwi, geboren und ausgebildet
- in Berlin und Dr. Jizak R, geboren in Aurig, studiert in Berlin und Halle. Sie waren also handverlesen. Es waren alles Juristen, deren Muttersprache
- Deutsch war und zwei von dreien waren sogar in den späten 20ern, frühen 30er Jahren in Deutschland ausgebildet worden.
- In der Tat und sie machen ihren Job wirklich ganz ausgezeichnet und das mussten selbst die schärfsten Kritiker des Prozesses hinterher zugeben. Landau
- war so ein richtig kleinkarierter pedantuscher Typ und in diesem Fall war das genau richtig. Der Prozess ist extrem kompliziert und das in jeder
- Hinsicht wohl wahr. Der Prozess wurde teilweise viersprachig geführt auf Hebräisch, Deutsch, Jedisch und Ungarisch und es
- gab eine simultane Übersetzung auf Deutsch, Französisch und Englisch. Es gab 15 Anklagepunkte, die ich nicht im einzelnen aufzählen werde und allein die
- ersten dreieinhalb Tage wurden damit verbracht, sich über die Legalität des Verfahrens auszutauschen. Da versucht Ser Vatius als erstes
- anzusetzen. Das tat er, aber darauf war Hausner vorbereitet. Er verbrachte mehr als zwei Tage damit,
- Beispiele anzuführen, in denen Gerichte außerhalb ihrer eigentlichen Zuständigkeit tätig geworden waren. Und ich zuläst berief er sich natürlich auf
- die Nürnberger Prozesse und auf die UN-Rolution, die Argentinien erwirkt hatte und die einen fairen Prozess gefordert hatte. Heute ist das
- Weltrechtsprinzip ja als solches allgemein anerkannt. Das heißt, bestimmte Delikte können auch dann vor Gericht verhandelt werden, wenn sie
- nicht in dem entsprechenden Land geschehen sind. Es steht damit in Abgrenzung zum Territorialprinzip. Das ist korrekt und das ist in
- Deutschland auch festgeschrieben im Paragraph 6 des Strafgesetzbuches und betrifft sogenannte Auslandstaten gegen internationale Rechtsgüter. Das kommt
- häufiger vor, als man denkt. Schlagzeilen hat zuletzt die Anklage gegen Assad gemacht. Als das denn jedenfalls ausdiskutiert war, ging es
- los mit der Kauser Eichmann. Der Anklage ging es vor allem darum zu zeigen, dass Eichmann eben kein bloßer Befehlsempfänger war, sondern dass er
- gezielt unter Kribisch und mit Hingabe einzelne Leben vernichtete, dass er die mögliche Ausreise von ganz bestimmten Juden verhinderte und sie der Ermordung
- zu führte. Und man muss sagen, dass ihr das auch gelang. Sein Name steht unter zahlreichen derartigen Befehlen. Sebatius wusste das auch und er wählte
- seine Schlachten sehr sorgfältig aus. Er war sehr umsichtig, wenn es darum ging, welche Beweismittel er anzuchten versuchte und welche Zeugen er im
- Gegenfall zu verunsichern versuchte, daran war er auch wirklich gut. Er wählte letztlich aber eine ähnliche Strategie, wie er das in Nürnberg getan
- hatte. Er versuchte Eichms Rolle klein zu reden. Sein größtes Problem dabei war eben nur Eichmann selbst, weil der nicht einfach
- nur schweigen oder mit ja oder nein antworten kann, sondern reden will. Siehe die umfangreichen Vernehmungsprotokolle. Jo, dabei war er
- durchaus gut vorbereitet. Er verlor auch so gut wie nie die Beherrschung. Er blieb immer ruhig und doch wurde von Tag zu Tag klarer.
- Er wusste, was passiert war und er hatte aktiv dazu beigetragen. Jo, zu Beginn war der Prozess noch Frontpage News. Hunderte Journalisten
- waren vor Ort. Amerikanische Fernsehsender sendeten täglich halbstündige Zusammenfassung. Aber na ja, wie das ist. Mit der Zeit versandet
- das Interesse der Öffentlichkeit am langwierigen juristischen Prozess dann doch eben zumal das Jahr 61 viel zu bieten
- hatte, die Invasion in der Schweinebucht, der Flug von Sputnik, der Mauerbau und vielleicht trug auch Eichmans Persönlichkeit dazu bei, dass
- das Interesse verloren ging. Hanna Aren zeichnete bekanntermaßen das Bild von blassen Bürokraten, wobei das heute längst nicht mehr so gesehen wird. Ihre
- Darstellung des Prozesses hat mittlerweile einige Kritik gefunden. Einerseits, weil sie nur an relativ wenigen Prozesstagen überhaupt im
- Gerichtssal gewesen ist. Andererseits, weil ihre Darstellung etwas zu gut zu ihren bereits vorher publizierten Theorien zum Totalitarismus passt.
- Jo, wir möchten das im Grunde jetzt aber auch gar nicht weiter ausführen. Die Rezeption von Hanna Arend, das ist noch mal eine ganz eigene Geschichte für
- sich. Im Herbst 1961 neigte sich der Prozess den Ende zu und die Richter nahmen sich anschließend sehr viel Zeit. Ihre Beratungen dauerten lange und ihre
- Urteilsbegründung umfasste nicht weniger als 211 Seiten. Und tatsächlich wurde Eichmann auch nicht in allen Anklagepunkten voll umfänglich
- verschuldigt befunden, aber in den meisten. Am 11. Dezember verkündigte Richter Moschelandau das Urteil Tod durch den Strang. Es war das erste und
- bisher auch einzige Todesurteil in der Geschichte Israels. Die Berufungen des Gnaden gesucht wurden abgelehnt und am 1. Juli 1962 wurde Eichmann im
- Ramlachgefängnis hingerichtet. Seine Leiche wurde verbrannt und die Asche ins Meer gestreut. Und wir verlieren jetzt noch ganz kurz
- ein paar Worte über die langfristigen Folgen des Prozesses gegen ihn, die ja nicht unerheblich gewesen sind. Keinesfalls. Damals empfanden manche den
- Prozess als Fehlschlag. als verpasste Chance, weil er so unspektakulär lief, weil eigentlich man so normal wirkte, doch er war wirklich alles andere als
- das. Und erst im Rückblick erschließt sich eigentlich die Wirkung. Und als Wichtigste ist zu nennen die, dass der Prozess Aufmerksamkeit erzeugt.
- Aufmerksamkeit für die Verbrechen der Nazis, Aufmerksamkeit dafür, dass viele von ihnen weiterhin frei rumliefen und vor allem anderen Aufmerksamkeit für die
- Opfer. Es war die erste große Prozess, die erste große Gelegenheit, bei der den Opfern des Holocaust eine Stimme gegeben wurde. Eine Stimme, die weltweit gehört
- wurde. Der Prozess hinterlief alle Versuche, das Vergangene zu verdrängen und er veränderte Israel und er veränderte Deutschland. Er belebte die
- historische Forschung, er veränderte die historische Wahrnehmung der Öffentlichkeit, er veränderte auch den Schulunterricht, den
- Geschichtsunterricht und er veränderte das internationale Rechtswesen und die Durchsetzung internationalen Rechts. Und aus all diesen Gründen ist dieser
- Prozess wichtig und darum haben wir heute darüber geredet. Genau. Und es ist eine lange Folge geworden. Wir schließen sie hiermit ab
- und wir hören jetzt von Anna Josten, der Chefredakteurin von damals, worum es im aktuellen Damalsheft geht. Hallo Anna. Hallo Felix. Unsere neue Ausgabe wandelt
- auf den Spuren eines Mannes, der Armut zu seinem Programm gemacht hat und damit Geschichte schrieb. Franziskus von Assissi. Als Sohn eines wohlhabenden
- Tuchhändlers standen ihm im frühen 13. Jahrhundert eigentlich alle Türen offen. Doch dann brach er radikal mit den Erwartungen seiner Familie Pfiff auf den
- Wohlstand und entschied sich für ein Leben in Glauben und Armut. Wie seid ihr auf das Thema gekommen? Es gibt einen aktuellen Anlaß, nämlich den
- Todestag von Franziskus. Die franziskanische Familie begeht aus diesem Grund gerade ein Jubiläumsjahr mit zahlreichen Veranstaltungen.
- In Assissi wurden in diesem Rahmen sogar die sterblichen Überreste von Franziskus öffentlich gezeigt. Da gab es einen riesigen Andrang. Franziskus hat also
- offensichtlich auch im 21. Jahrhundert nichts von seiner Strahlkraft verloren. Bis heute ist er einer der bekanntesten Heiligen der katholischen Kirche und
- sein Lebensinfo fasziniert durchaus auch Menschen außerhalb religiöser Kreise. Was bietet euer Titelhema? Was ist der besondere Zugang?
- Wir schauen hinter die zahlreich überlieferten Legenden. Was ist über den Kaufmann Sohn überhaupt historisch gesichert und wo haben spätere Deutungen
- das Bild überlagert? Dafür tauchen wir ein in die konfliktreiche Welt Italiens um in der seine Botschaft auf fruchtbaren Boden
- fiel. Uns interessiert Franziskus nicht nur als fromme Ikone, sondern als historische Person in einer konkreten Zeit.
- Ihr bleibt aber nicht nur bei Franziskus selbst, oder? Nein, ein spannender Punkt ist ja gerade, wie seine Ideen andere
- erfassten, darunter auch Frauen. Ein Beitrag im Heft befa sich mit Clara von Assissi. Sie stand mit Franziskus in Kontakt und wollte ebenfalls in der
- Nachfolge Christi in Armut leben. Wie du dir denken kannst, war das im frühen 13. Jahrhundert für Frauen alles andere als selbstverständlich. Gerade deshalb ist
- Clara von Assis eine Pionierin. Ihr schaut also auch darauf, wie aus Franziskus Botschaft eine Bewegung wurde und wie sich daraus ein Orden
- entwickelte. Genau. Die schnellwachsende Zahl von Mitstreitern machte rasch Ordensstrukturen nötig, in denen sich
- Franziskus selbst übrigens schon bald nicht mehr so richtig wiederfand. Wir verfolgen auch, wie sich der Orden nach seinem Tod weiterentwickelte bis hin zur
- Aufspaltung im 16. Jahrhundert. Also falls jemand beim Stichwort Franziskana bisher vor allem an Bier gedacht hat, nach der Lektüre wisst ihr
- hoffentlich mehr. Viel Spaß mit der neuen Ausgabe. Ja, in der neuen Folge geht es um eine große Persönlichkeit des Mittelalters,
- Franz von Asisi. Und unsere nächste Folge ist mal wieder eine gesponserte Bonusfolge. Im Militärstorischen Museum gibt es
- nämlich derzeit eine Ausstellung über Wunderwaffen. Seid gespannt. Genau, im Moment kommen die Folgen sozusagen im Wochentakt bei uns. Gut,
- ihr hört uns also in zwei Wochen wieder. Bis dahin könnt ihr uns folgen auf Facebook, Twitter, Instagram. Ihr könnt uns überall abonnieren, wo ihr uns hört
- und ihr könnt uns an der ein oder anderen Stelle auch Sterne geben, über die wir uns sehr freuen würden. Macht es gut. Ciao.
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