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Die wahren Folgen eines Super El Niño | Studio Q

Quarks12:18 379.937 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.

Transkriptautomatisch erstellt · 128 Zeilen
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  1. Ein Super El Niño kommt. Aber auch zu uns? Klingt zumindest so, wenn man durch die Headlines scrollt.
  2. El Niño im Anmarsch, Deutschland droht der Hitzeschock. Oder: Supersommer in Deutschland, El Niño folgt auf Polarwirbel-Kollaps.
  3. Aber stimmt das? Wird 2026 der heißeste Sommer jemals in Europa? Wir gucken in diesem Video darauf, was El Niño damit zu tun hat
  4. und was ein Super El Niño für uns wirklich bedeutet. Ab geht's.
  5. El Niño ist ein natürliches Wetterphänomen. Das tritt im Schnitt alle 3 bis 4 Jahre auf und spielt sich
  6. vor allem über dem Pazifik ab. Da sorgt El Niño für krasse Wetterextreme:
  7. für Überschwemmungen und Fluten in Südamerika und auf der anderen Seite des Pazifiks, in Indonesien,
  8. für Trockenheit und Waldbrände. Die Folgen von El Niño reichen aber noch viel weiter.
  9. Wie weit? Dazu später mehr. Erstmal die wichtigste Frage: Kommt El Niño dieses Jahr überhaupt?
  10. Und wenn ja, ein besonders starker? Dazu gibt die Wetterbehörde der USA jeden Monat ein Update.
  11. Mitte Mai kam das letzte und da liest man: Ja, ein El Niño wird wahrscheinlich bald auftreten.
  12. Mit einer Wahrscheinlichkeit von 82% im Zeitraum von Mai bis Juli. Das ist die Chance, ob überhaupt ein El Niño kommt.
  13. Ein Super El Niño, also ein extrem starker El Niño, dazu hat die Wetterbehörde diese Info:
  14. Die roten Abstufungen, die ihr seht, sind Stärkestufen. Hellrot heißt leichterer El Niño, dunkelrot sehr starker El Niño.
  15. Ihr seht: Super El Niño steht gar nicht dabei. What did you say? Die Kategorie gibt's nämlich gar nicht in der Forschung.
  16. Die Tendenz geht schon in Richtung stärkerer El Niño, es kann aber auch ein moderater werden.
  17. Und ihr seht: Das entwickelt sich noch im Laufe des Jahres. So richtig los geht's mit El Niño nämlich erst später im Jahr.
  18. Ich denke schon, dass wir uns zum jetzigen Zeitpunkt relativ sicher sein können, dass da tatsächlich ein El Niño kommt.
  19. Aber genau, also mit einer Vorhersage, wie stark der wirklich wird, würde ich mich zurückhalten.
  20. Da sagen auch die Modelle im Moment noch sehr unterschiedliche Dinge. Gehen wir mal davon aus, El Niño kommt. Was bedeutet das ganz konkret?
  21. Dafür müssen wir uns mal anschauen, was El Niño überhaupt ist bzw. macht. Er ist Teil eines Kreislaufs zwischen Ozean und Atmosphäre
  22. namens ENSO, El Niño Southern Oscillation. Das kennt 3 Zustände: einmal den neutralen,
  23. quasi der Default Mode, und in dem befinden wir uns gerade. Dabei wehen Passatwinde von der Küste Südamerikas
  24. über den Pazifik Richtung Südostasien. Das schiebt warmes Wasser dorthin, nach Südostasien,
  25. und vor Südamerika strömt kaltes Wasser aus den Tiefen nach. Das warme Wasser vor Südostasien verdunstet
  26. und steigt auf. Auch die Luft erwärmt sich dort. Das heißt,
  27. mehr Wasser ist in der Luft, treibt Richtung Land und regnet sich da ab.
  28. Die Luft kühlt ab und strömt in höheren Lagen wieder Richtung Osten, also Richtung Südamerika.
  29. Da sinkt die kalte Luft ab und bringt trockenes Wetter. Normalerweise bleibt das alles so und diese Kreisläufe im Ozean
  30. und der Luft verstärken sich gegenseitig. Alle paar Jahre werden diese Winde über dem Pazifik,
  31. also die Passatwinde, aber schwächer oder kehren sich sogar um. Das ist dann der Beginn von El Niño.
  32. Weil die Winde schwächer sind, Dadurch wird das warme Wasser nicht mehr so stark nach Westen, nach Asien gedrückt und nicht mehr
  33. so viel kaltes Wasser strömt von unten nach. Das warme Wasser verteilt sich über den Pazifik.
  34. Das heißt auch, dass sich jetzt die Luft nicht mehr vor Südostasien erwärmt und der übliche Regen,
  35. der bleibt dort aus. Stattdessen wird die Luft über dem Meer wärmer.
  36. Niederschlagsmuster und Windströmungen ändern sich und weil das Wasser jetzt vor Südamerika wärmer ist,
  37. steigt es dort auf und plötzlich regnet es dort auch viel mehr. Und das alles hat wiederum Auswirkungen auf das Wetter
  38. an vielen anderen Orten auf der Welt. Und guckt mal hier: Auf diesen aktuellen Satellitenbildern
  39. der NASA sieht man tatsächlich, wie sich warmes Wasser im Pazifik Richtung Südamerika verschiebt.
  40. Und die NASA, die schreibt dazu: "Ein Zeichen dafür, dass El Niño wahrscheinlich später im Jahr auftreten wird."
  41. Dass das Wasser vor Südamerika dann so ungewöhnlich warm ist, ist übrigens auch der Grund, wieso El Niño El Niño heißt.
  42. Denn zuerst haben peruanische Fischer in der Weihnachtszeit vor allem bemerkt, dass sich deutlich weniger Fische fangen lassen
  43. als sonst, weil mit dem warmem Wasser eben der Fischbestand zurückging
  44. und haben es deshalb auch El Niño getauft und meinen damit das Christkind, weil das eben meistens in der Weihnachtszeit passiert ist.
  45. Und dann gibt's noch La Niña als dritten Zustand, da verstärken sich sogar die Passatwinde noch im Vergleich zum neutralen Zustand,
  46. aber das Ganze spielt jetzt für unser Video heute erstmal keine Rolle.
  47. Diese Strömungsmuster klingen ja irgendwie total abstrakt, aber sie haben ziemlich konkrete Auswirkungen
  48. auf sehr, sehr viele Menschen. Einer der heftigsten El Niños, die es bisher gab,
  49. war der Super El Niño von '97/'98. El Niño ist ein ganz normales, regelmäßig wiederkehrendes
  50. Klimaphänomen, und trotzdem gerät alles aus den Fugen, da wo El Niño eben sich austobt.
  51. Seit Wochen trifft es jetzt den Süden der USA und Lateinamerika. Eine Tote, Dutzende Verletzte, über 1000 Häuser unter Wasser.
  52. Die El-Niño-Bilanz der letzten 36 Stunden allein in Perus Hauptstadt Lima. Und so sieht es wenige Kilometer vom Stadtzentrum entfernt aus.
  53. Menschen rufen um Hilfe. Viele haben sich auf Dächer oder Erdhügel geflüchtet, nur wenige haben sich
  54. vor den Wassermassen retten können. El Niño tritt zwar alle paar Jahre auf, und trotzdem sind die Folgen
  55. nicht immer dieselben. Jeder El Niño ist irgendwie anders, da sind wir in der Recherche
  56. immer wieder drauf gestoßen. Und trotzdem lassen sich ein paar Muster feststellen:
  57. Hier über dem Pazifik und an der Küste wird es warm und richtig nass. Was das heißen kann, habt ihr ja gerade gesehen:
  58. krasse Regenfälle und heftige Überschwemmungen. Zum Beispiel in Südamerika. Auch anderswo wird's nasser.
  59. Gleichzeitig wird es in vielen Regionen wärmer. Und an ein paar Orten wird's trocken.
  60. Richtig trocken. Vor allem in Südostasien, in östlichen Teilen Südamerikas und auch in Afrika.
  61. Da bringt El Niño Hitze, Trockenheit und Waldbrände. Wie 2015 beim letzten starken El Niño in Indonesien.
  62. Die meisten leben in dieser Gegend vom Reisanbau. Aber die Pflanzen auf den Feldern Sind alle verdorrt.
  63. Aber das ist nur die eine Seite. Rund 800 Kilometer nordöstlich in Kalimantan ist die Erde nicht nur trocken, hier brennt sie.
  64. Rund 1,2 Millionen Hektar Land sind den Flammen bereits zum Opfer gefallen. Die verzweifelten Bemühungen der Feuerwehrmänner: wenig mehr
  65. als Tropfen in einem Meer aus Glut. Was jetzt Not tut, ist Regen.
  66. Die meisten dieser Folgen, mit denen geht's, wenn, erst so richtig im Winter los.
  67. Was sich aber jetzt schon andeutet, ist der Einfluss von El Niño auf den indischen Sommermonsoon.
  68. Der fällt in den El-Niño-Jahren nämlich schwächer aus, das heißt ein noch trockenerer, heißerer Sommer in Indien.
  69. Und das zeichnet sich laut der indischen Wetterbehörde jetzt schon ab. Das sind alles mögliche Folgen. Was wir davon dieses Jahr sehen werden,
  70. das ist größtenteils noch unklar. Und nur weil El Niño in die Kategorie stark fällt, heißt das nicht
  71. automatisch, dass auch die Folgen besonders heftig sein müssen, sondern das heißt vor allem, dass die Wahrscheinlichkeit steigt, dass
  72. die möglichen Folgen wirklich auftreten. Und gerade bei einem Super-El Niño fehlt uns einfach noch das Wissen.
  73. Das war uns vor der Recherche so noch gar nicht bewusst. Ja, der Unterschied zwischen— in den Auswirkungen, in den globalen,
  74. zwischen El Niño und Super El Niño ist leider noch relativ schlecht erforscht, weil wir halt bis jetzt eigentlich nur 3 sehr starke El Niño-Ereignisse hatten.
  75. Also wir hatten 3, die sich so wirklich Die man Super-El Niño nennen könnte.
  76. Das waren 2015/16, davor '97/98 und '82/83. Länger reicht die El-Niño-Forschung in dem Ausmaß einfach noch nicht zurück.
  77. Heißt: Sollte es dieses Jahr zu einem besonders starken El Niño kommen, dann wissen wir trotzdem nicht genau, was das für die Menschen in diesen krass
  78. betroffenen Regionen genau bedeutet. Denn es gibt nicht nur das Extremwetterproblem,
  79. sondern zum Beispiel auch ein höheres Risiko durch Krankheiten wie Malaria oder das Rift Valley Fieber,
  80. die sich beide in El Niño-Jahren stärker ausbreiten. Oder landwirtschaftliche Probleme durch Dürre oder Überflutung,
  81. was Ernteausfälle bis hin zu Hungersnöten bedeuten kann. El Niño kann also echt schlimme Folgen haben
  82. und führt immer wieder zu vielen Toten. Wenn wir jetzt aber noch mal an die Schlagzeilen
  83. vom Anfang denken, da ging es ja um Europa, um Deutschland sogar. Das kam jetzt noch gar nicht vor. Erst mal kein Wunder,
  84. denn El Niño entsteht ja im Pazifik. Aber: Das eine ist: Allein schon durch die Globalisierung werden wir auch hier
  85. Auswirkungen von El Niño spüren, unter anderem durch die Folgen für die globale Wirtschaft.
  86. In Indonesien zum Beispiel wird viel Kohle abgebaut. Wenn da zum Beispiel die
  87. Flüsse kein Wasser mehr haben, weil da eine Dürre ist, dann kann die Kohle nicht bis zum Meer transportiert werden.
  88. Wir haben ja jetzt schon eine weltweite Energiekrise. Und die könnte durch El Niño noch schlimmer werden.
  89. Denn in Südostasien wird es heißer, die brauchen da mehr Strom zur Kühlung für Klimaanlagen und so weiter.
  90. Gleichzeitig könnte es aber eben bei der Kohle zur Versorgung Nahrungsproblemen kommen.
  91. Und natürlich betrifft das erstmal Asien, aber am Ende uns alle, weil dann immer mehr Länder um eh schon begrenzte
  92. Energieressourcen konkurrieren. Was gerade natürlich durch den Iran-Krieg und die Lage
  93. um die Straße von Hormuz nochmal verschärft und vor allem deutlich wird.
  94. Außerdem schadet El Niño eben auch der Landwirtschaft und die EU-Kommission schreibt jetzt schon von einem signifikanten Risiko
  95. für einige afrikanische Länder durch El Niño. Und all das kann auch dazu führen, dass bei uns die Preise noch weiter steigen.
  96. Aber was ist denn jetzt mit dem Hitzesommer hier in Europa? Die Fernwirkungen von El Niño reichen über das Windsystem der Erde zwar bis
  97. über den Atlantik, aber Europa liegt da ganz am Ende dieser Kette. Heißt: Die Folgen von El Niño auf Europa sind sehr indirekt,
  98. eher wie so ein kleiner Stups in dem ganzen super komplexen System, das unser Wetter bestimmt.
  99. Ich glaub, wenn wir einen Grund haben, warum es der heißeste Sommer je wird, dann ist es der Klimawandel und nicht der Super El Niño.
  100. Ein starker El Niño könnte frühestens dazu führen, dass es in Europa einen warmen Spätsommer und Herbst gibt, und einen echt kalten Spätwinter.
  101. Aber ganz klar kann man das so nicht sagen, weil es einfach so viele Faktoren gibt, die da eine Rolle spielen.
  102. Wenn es diesen Sommer wieder Hitzewellen in Südeuropa, mehr Waldbrände, Extremwetter bei uns gibt, dann hat das erstmal nichts
  103. mit El Niño zu tun, sondern dafür sind folgende Faktoren viel entscheidender. Europa ist grundsätzlich schon mal ein Hitze-Hotspot.
  104. Was ich wirklich krass fand: Seit den 1980er Jahren hat sich Europa doppelt so schnell erwärmt
  105. wie der globale Durchschnitt. Und dazu kommt das hier: Immer trockenere Böden
  106. in vielen Regionen in Europa. Hier sieht man die Entwicklung zwischen 1950 und 2021.
  107. Je röter, desto trockener sind sie geworden. Wir sprechen ja immer vom Boden als Opfer von Hitze und Trockenheit.
  108. Aber das Ding ist: Das verstärkt die Hitze sogar noch. Normalerweise kühlt feuchte Erde ihre Umgebung ab, weil die Sonne
  109. das Wasser im Boden verdunsten lässt. Das ist wie, wenn ihr euch ein feuchtes Handtuch
  110. ins heiße Schlafzimmer hängt, wie so ne Klimaanlage quasi. Und so ist das im Boden eben auch wie eine natürliche Klimaanlage.
  111. Wenn der Boden aber austrocknet, fällt diese Kühlung weg und die Böden heizen die Hitze zusätzlich an.
  112. Und dieser Effekt hat sich in Mittel- und Nordeuropa deutlich verstärkt. Nächster Punkt: Es passiert häufiger, dass Wetterlagen stehen bleiben
  113. und nicht so schnell weiterziehen. Und so ein Hochdruckgebiet dann tage- oder sogar wochenlang
  114. über derselben Region bleibt und die Sonne wochenlang ballert. Und klar, dadurch baut sich Hitze immer weiter auf.
  115. Und es gibt noch einen super wichtigen Faktor für Hitzesommer in Europa: Wir haben nämlich nicht nur Hitzewellen in der Luft, sondern auch immer
  116. stärkere Hitzewellen im Meer. Seht ihr hier die Entwicklung von 1982 bis 2025.
  117. Es ist jetzt nicht so, als würdet ihr euch dann die Füße im Mittelmeer verbrennen, aber das Meer ist dann einfach zu warm.
  118. Und heißes Wasser und heiße Luft schaukeln sich dann gegenseitig hoch.
  119. Dadurch können Hitzewellen an Küsten bis zu dreieinhalb Mal länger dauern. Heißt also: El Niño ist zum Beispiel für Hitzewellen hier in Europa nicht
  120. völlig irrelevant, aber eben ein Einflussfaktor unter ganz vielen. Ganz vielen. Viel wichtiger sind diese Faktoren, die sich
  121. gegenseitig verstärken. Aber mit der globalen Erwärmung werden starke El Niño-Ereignisse
  122. wahrscheinlicher und die Verbindungen zwischen den Ozeanen könnten stärker werden.
  123. Heißt: Was heute noch ein schwacher Effekt ist, könnte in Zukunft relevanter für Europas Sommer werden.
  124. Puh, so, hast du jetzt auch ein bisschen Klarheit bei diesem riesigen El Niño-Thema?
  125. Mir geht's zumindest so. Schreib's gerne mal unten in die Kommentare. Und hast du dich schon mal gefragt, was diese Regenwahrscheinlichkeit
  126. in diesen ganzen Wetter-Apps bedeutet und wie sicher man sich darauf verlassen kann, was da so steht, dann schau dir gerne mal das Video von meinem Kollegen
  127. Ralf auf seinem YouTube-Kanal an. Gib uns gerne ein Like. Wir sehen uns beim nächsten Video.
  128. Ciao!

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