Die wahren Folgen eines Super El Niño | Studio Q Quarks https://www.youtube.com/watch?v=-XdUjycgRN0 Transkript (automatisch erstellt) 0:00 Ein Super El Niño kommt. Aber auch zu uns? Klingt zumindest so, wenn man durch die Headlines scrollt. 0:07 El Niño im Anmarsch, Deutschland droht der Hitzeschock. Oder: Supersommer in Deutschland, El Niño folgt auf Polarwirbel-Kollaps. 0:15 Aber stimmt das? Wird 2026 der heißeste Sommer jemals in Europa? Wir gucken in diesem Video darauf, was El Niño damit zu tun hat 0:23 und was ein Super El Niño für uns wirklich bedeutet. Ab geht's. 0:30 El Niño ist ein natürliches Wetterphänomen. Das tritt im Schnitt alle 3 bis 4 Jahre auf und spielt sich 0:35 vor allem über dem Pazifik ab. Da sorgt El Niño für krasse Wetterextreme: 0:39 für Überschwemmungen und Fluten in Südamerika und auf der anderen Seite des Pazifiks, in Indonesien, 0:45 für Trockenheit und Waldbrände. Die Folgen von El Niño reichen aber noch viel weiter. 0:50 Wie weit? Dazu später mehr. Erstmal die wichtigste Frage: Kommt El Niño dieses Jahr überhaupt? 0:55 Und wenn ja, ein besonders starker? Dazu gibt die Wetterbehörde der USA jeden Monat ein Update. 1:01 Mitte Mai kam das letzte und da liest man: Ja, ein El Niño wird wahrscheinlich bald auftreten. 1:06 Mit einer Wahrscheinlichkeit von 82% im Zeitraum von Mai bis Juli. Das ist die Chance, ob überhaupt ein El Niño kommt. 1:13 Ein Super El Niño, also ein extrem starker El Niño, dazu hat die Wetterbehörde diese Info: 1:19 Die roten Abstufungen, die ihr seht, sind Stärkestufen. Hellrot heißt leichterer El Niño, dunkelrot sehr starker El Niño. 1:27 Ihr seht: Super El Niño steht gar nicht dabei. What did you say? Die Kategorie gibt's nämlich gar nicht in der Forschung. 1:33 Die Tendenz geht schon in Richtung stärkerer El Niño, es kann aber auch ein moderater werden. 1:38 Und ihr seht: Das entwickelt sich noch im Laufe des Jahres. So richtig los geht's mit El Niño nämlich erst später im Jahr. 1:44 Ich denke schon, dass wir uns zum jetzigen Zeitpunkt relativ sicher sein können, dass da tatsächlich ein El Niño kommt. 1:51 Aber genau, also mit einer Vorhersage, wie stark der wirklich wird, würde ich mich zurückhalten. 1:56 Da sagen auch die Modelle im Moment noch sehr unterschiedliche Dinge. Gehen wir mal davon aus, El Niño kommt. Was bedeutet das ganz konkret? 2:03 Dafür müssen wir uns mal anschauen, was El Niño überhaupt ist bzw. macht. Er ist Teil eines Kreislaufs zwischen Ozean und Atmosphäre 2:11 namens ENSO, El Niño Southern Oscillation. Das kennt 3 Zustände: einmal den neutralen, 2:17 quasi der Default Mode, und in dem befinden wir uns gerade. Dabei wehen Passatwinde von der Küste Südamerikas 2:23 über den Pazifik Richtung Südostasien. Das schiebt warmes Wasser dorthin, nach Südostasien, 2:29 und vor Südamerika strömt kaltes Wasser aus den Tiefen nach. Das warme Wasser vor Südostasien verdunstet 2:36 und steigt auf. Auch die Luft erwärmt sich dort. Das heißt, 2:41 mehr Wasser ist in der Luft, treibt Richtung Land und regnet sich da ab. 2:44 Die Luft kühlt ab und strömt in höheren Lagen wieder Richtung Osten, also Richtung Südamerika. 2:50 Da sinkt die kalte Luft ab und bringt trockenes Wetter. Normalerweise bleibt das alles so und diese Kreisläufe im Ozean 2:57 und der Luft verstärken sich gegenseitig. Alle paar Jahre werden diese Winde über dem Pazifik, 3:01 also die Passatwinde, aber schwächer oder kehren sich sogar um. Das ist dann der Beginn von El Niño. 3:09 Weil die Winde schwächer sind, Dadurch wird das warme Wasser nicht mehr so stark nach Westen, nach Asien gedrückt und nicht mehr 3:14 so viel kaltes Wasser strömt von unten nach. Das warme Wasser verteilt sich über den Pazifik. 3:20 Das heißt auch, dass sich jetzt die Luft nicht mehr vor Südostasien erwärmt und der übliche Regen, 3:25 der bleibt dort aus. Stattdessen wird die Luft über dem Meer wärmer. 3:29 Niederschlagsmuster und Windströmungen ändern sich und weil das Wasser jetzt vor Südamerika wärmer ist, 3:35 steigt es dort auf und plötzlich regnet es dort auch viel mehr. Und das alles hat wiederum Auswirkungen auf das Wetter 3:40 an vielen anderen Orten auf der Welt. Und guckt mal hier: Auf diesen aktuellen Satellitenbildern 3:46 der NASA sieht man tatsächlich, wie sich warmes Wasser im Pazifik Richtung Südamerika verschiebt. 3:51 Und die NASA, die schreibt dazu: "Ein Zeichen dafür, dass El Niño wahrscheinlich später im Jahr auftreten wird." 3:56 Dass das Wasser vor Südamerika dann so ungewöhnlich warm ist, ist übrigens auch der Grund, wieso El Niño El Niño heißt. 4:03 Denn zuerst haben peruanische Fischer in der Weihnachtszeit vor allem bemerkt, dass sich deutlich weniger Fische fangen lassen 4:08 als sonst, weil mit dem warmem Wasser eben der Fischbestand zurückging 4:11 und haben es deshalb auch El Niño getauft und meinen damit das Christkind, weil das eben meistens in der Weihnachtszeit passiert ist. 4:18 Und dann gibt's noch La Niña als dritten Zustand, da verstärken sich sogar die Passatwinde noch im Vergleich zum neutralen Zustand, 4:24 aber das Ganze spielt jetzt für unser Video heute erstmal keine Rolle. 4:27 Diese Strömungsmuster klingen ja irgendwie total abstrakt, aber sie haben ziemlich konkrete Auswirkungen 4:32 auf sehr, sehr viele Menschen. Einer der heftigsten El Niños, die es bisher gab, 4:36 war der Super El Niño von '97/'98. El Niño ist ein ganz normales, regelmäßig wiederkehrendes 4:42 Klimaphänomen, und trotzdem gerät alles aus den Fugen, da wo El Niño eben sich austobt. 4:47 Seit Wochen trifft es jetzt den Süden der USA und Lateinamerika. Eine Tote, Dutzende Verletzte, über 1000 Häuser unter Wasser. 4:55 Die El-Niño-Bilanz der letzten 36 Stunden allein in Perus Hauptstadt Lima. Und so sieht es wenige Kilometer vom Stadtzentrum entfernt aus. 5:05 Menschen rufen um Hilfe. Viele haben sich auf Dächer oder Erdhügel geflüchtet, nur wenige haben sich 5:11 vor den Wassermassen retten können. El Niño tritt zwar alle paar Jahre auf, und trotzdem sind die Folgen 5:16 nicht immer dieselben. Jeder El Niño ist irgendwie anders, da sind wir in der Recherche 5:20 immer wieder drauf gestoßen. Und trotzdem lassen sich ein paar Muster feststellen: 5:24 Hier über dem Pazifik und an der Küste wird es warm und richtig nass. Was das heißen kann, habt ihr ja gerade gesehen: 5:31 krasse Regenfälle und heftige Überschwemmungen. Zum Beispiel in Südamerika. Auch anderswo wird's nasser. 5:37 Gleichzeitig wird es in vielen Regionen wärmer. Und an ein paar Orten wird's trocken. 5:43 Richtig trocken. Vor allem in Südostasien, in östlichen Teilen Südamerikas und auch in Afrika. 5:48 Da bringt El Niño Hitze, Trockenheit und Waldbrände. Wie 2015 beim letzten starken El Niño in Indonesien. 5:55 Die meisten leben in dieser Gegend vom Reisanbau. Aber die Pflanzen auf den Feldern Sind alle verdorrt. 6:02 Aber das ist nur die eine Seite. Rund 800 Kilometer nordöstlich in Kalimantan ist die Erde nicht nur trocken, hier brennt sie. 6:11 Rund 1,2 Millionen Hektar Land sind den Flammen bereits zum Opfer gefallen. Die verzweifelten Bemühungen der Feuerwehrmänner: wenig mehr 6:18 als Tropfen in einem Meer aus Glut. Was jetzt Not tut, ist Regen. 6:23 Die meisten dieser Folgen, mit denen geht's, wenn, erst so richtig im Winter los. 6:27 Was sich aber jetzt schon andeutet, ist der Einfluss von El Niño auf den indischen Sommermonsoon. 6:32 Der fällt in den El-Niño-Jahren nämlich schwächer aus, das heißt ein noch trockenerer, heißerer Sommer in Indien. 6:37 Und das zeichnet sich laut der indischen Wetterbehörde jetzt schon ab. Das sind alles mögliche Folgen. Was wir davon dieses Jahr sehen werden, 6:44 das ist größtenteils noch unklar. Und nur weil El Niño in die Kategorie stark fällt, heißt das nicht 6:49 automatisch, dass auch die Folgen besonders heftig sein müssen, sondern das heißt vor allem, dass die Wahrscheinlichkeit steigt, dass 6:55 die möglichen Folgen wirklich auftreten. Und gerade bei einem Super-El Niño fehlt uns einfach noch das Wissen. 7:02 Das war uns vor der Recherche so noch gar nicht bewusst. Ja, der Unterschied zwischen— in den Auswirkungen, in den globalen, 7:08 zwischen El Niño und Super El Niño ist leider noch relativ schlecht erforscht, weil wir halt bis jetzt eigentlich nur 3 sehr starke El Niño-Ereignisse hatten. 7:17 Also wir hatten 3, die sich so wirklich Die man Super-El Niño nennen könnte. 7:23 Das waren 2015/16, davor '97/98 und '82/83. Länger reicht die El-Niño-Forschung in dem Ausmaß einfach noch nicht zurück. 7:33 Heißt: Sollte es dieses Jahr zu einem besonders starken El Niño kommen, dann wissen wir trotzdem nicht genau, was das für die Menschen in diesen krass 7:40 betroffenen Regionen genau bedeutet. Denn es gibt nicht nur das Extremwetterproblem, 7:44 sondern zum Beispiel auch ein höheres Risiko durch Krankheiten wie Malaria oder das Rift Valley Fieber, 7:50 die sich beide in El Niño-Jahren stärker ausbreiten. Oder landwirtschaftliche Probleme durch Dürre oder Überflutung, 7:57 was Ernteausfälle bis hin zu Hungersnöten bedeuten kann. El Niño kann also echt schlimme Folgen haben 8:02 und führt immer wieder zu vielen Toten. Wenn wir jetzt aber noch mal an die Schlagzeilen 8:06 vom Anfang denken, da ging es ja um Europa, um Deutschland sogar. Das kam jetzt noch gar nicht vor. Erst mal kein Wunder, 8:13 denn El Niño entsteht ja im Pazifik. Aber: Das eine ist: Allein schon durch die Globalisierung werden wir auch hier 8:19 Auswirkungen von El Niño spüren, unter anderem durch die Folgen für die globale Wirtschaft. 8:24 In Indonesien zum Beispiel wird viel Kohle abgebaut. Wenn da zum Beispiel die 8:30 Flüsse kein Wasser mehr haben, weil da eine Dürre ist, dann kann die Kohle nicht bis zum Meer transportiert werden. 8:35 Wir haben ja jetzt schon eine weltweite Energiekrise. Und die könnte durch El Niño noch schlimmer werden. 8:40 Denn in Südostasien wird es heißer, die brauchen da mehr Strom zur Kühlung für Klimaanlagen und so weiter. 8:44 Gleichzeitig könnte es aber eben bei der Kohle zur Versorgung Nahrungsproblemen kommen. 8:48 Und natürlich betrifft das erstmal Asien, aber am Ende uns alle, weil dann immer mehr Länder um eh schon begrenzte 8:54 Energieressourcen konkurrieren. Was gerade natürlich durch den Iran-Krieg und die Lage 8:58 um die Straße von Hormuz nochmal verschärft und vor allem deutlich wird. 9:01 Außerdem schadet El Niño eben auch der Landwirtschaft und die EU-Kommission schreibt jetzt schon von einem signifikanten Risiko 9:07 für einige afrikanische Länder durch El Niño. Und all das kann auch dazu führen, dass bei uns die Preise noch weiter steigen. 9:12 Aber was ist denn jetzt mit dem Hitzesommer hier in Europa? Die Fernwirkungen von El Niño reichen über das Windsystem der Erde zwar bis 9:19 über den Atlantik, aber Europa liegt da ganz am Ende dieser Kette. Heißt: Die Folgen von El Niño auf Europa sind sehr indirekt, 9:26 eher wie so ein kleiner Stups in dem ganzen super komplexen System, das unser Wetter bestimmt. 9:32 Ich glaub, wenn wir einen Grund haben, warum es der heißeste Sommer je wird, dann ist es der Klimawandel und nicht der Super El Niño. 9:37 Ein starker El Niño könnte frühestens dazu führen, dass es in Europa einen warmen Spätsommer und Herbst gibt, und einen echt kalten Spätwinter. 9:46 Aber ganz klar kann man das so nicht sagen, weil es einfach so viele Faktoren gibt, die da eine Rolle spielen. 9:51 Wenn es diesen Sommer wieder Hitzewellen in Südeuropa, mehr Waldbrände, Extremwetter bei uns gibt, dann hat das erstmal nichts 9:57 mit El Niño zu tun, sondern dafür sind folgende Faktoren viel entscheidender. Europa ist grundsätzlich schon mal ein Hitze-Hotspot. 10:03 Was ich wirklich krass fand: Seit den 1980er Jahren hat sich Europa doppelt so schnell erwärmt 10:08 wie der globale Durchschnitt. Und dazu kommt das hier: Immer trockenere Böden 10:12 in vielen Regionen in Europa. Hier sieht man die Entwicklung zwischen 1950 und 2021. 10:18 Je röter, desto trockener sind sie geworden. Wir sprechen ja immer vom Boden als Opfer von Hitze und Trockenheit. 10:24 Aber das Ding ist: Das verstärkt die Hitze sogar noch. Normalerweise kühlt feuchte Erde ihre Umgebung ab, weil die Sonne 10:31 das Wasser im Boden verdunsten lässt. Das ist wie, wenn ihr euch ein feuchtes Handtuch 10:34 ins heiße Schlafzimmer hängt, wie so ne Klimaanlage quasi. Und so ist das im Boden eben auch wie eine natürliche Klimaanlage. 10:41 Wenn der Boden aber austrocknet, fällt diese Kühlung weg und die Böden heizen die Hitze zusätzlich an. 10:46 Und dieser Effekt hat sich in Mittel- und Nordeuropa deutlich verstärkt. Nächster Punkt: Es passiert häufiger, dass Wetterlagen stehen bleiben 10:53 und nicht so schnell weiterziehen. Und so ein Hochdruckgebiet dann tage- oder sogar wochenlang 10:57 über derselben Region bleibt und die Sonne wochenlang ballert. Und klar, dadurch baut sich Hitze immer weiter auf. 11:03 Und es gibt noch einen super wichtigen Faktor für Hitzesommer in Europa: Wir haben nämlich nicht nur Hitzewellen in der Luft, sondern auch immer 11:10 stärkere Hitzewellen im Meer. Seht ihr hier die Entwicklung von 1982 bis 2025. 11:16 Es ist jetzt nicht so, als würdet ihr euch dann die Füße im Mittelmeer verbrennen, aber das Meer ist dann einfach zu warm. 11:21 Und heißes Wasser und heiße Luft schaukeln sich dann gegenseitig hoch. 11:25 Dadurch können Hitzewellen an Küsten bis zu dreieinhalb Mal länger dauern. Heißt also: El Niño ist zum Beispiel für Hitzewellen hier in Europa nicht 11:32 völlig irrelevant, aber eben ein Einflussfaktor unter ganz vielen. Ganz vielen. Viel wichtiger sind diese Faktoren, die sich 11:38 gegenseitig verstärken. Aber mit der globalen Erwärmung werden starke El Niño-Ereignisse 11:43 wahrscheinlicher und die Verbindungen zwischen den Ozeanen könnten stärker werden. 11:48 Heißt: Was heute noch ein schwacher Effekt ist, könnte in Zukunft relevanter für Europas Sommer werden. 11:54 Puh, so, hast du jetzt auch ein bisschen Klarheit bei diesem riesigen El Niño-Thema? 12:00 Mir geht's zumindest so. Schreib's gerne mal unten in die Kommentare. Und hast du dich schon mal gefragt, was diese Regenwahrscheinlichkeit 12:06 in diesen ganzen Wetter-Apps bedeutet und wie sicher man sich darauf verlassen kann, was da so steht, dann schau dir gerne mal das Video von meinem Kollegen 12:13 Ralf auf seinem YouTube-Kanal an. Gib uns gerne ein Like. Wir sehen uns beim nächsten Video. 12:17 Ciao!