Informatik · Klasse 7–10 · aktualisiert
Vigenère-Verschlüsselung einfach erklärt
Du lernst, wie ein Schlüsselwort die Verschiebung wechselt, wie du ver- und entschlüsselst und warum kurze, wiederholte Schlüssel unsicher sind.
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Kurz gesagt
Bei der Vigenère-Verschlüsselung bestimmt ein Schlüsselwort, welche Zeile des Vigenère-Quadrats für jeden Buchstaben gilt. Das Wort wird über den Text wiederholt, deshalb wechselt die Verschiebung. Ist der Schlüssel kurz und wiederholt sich, lässt sich das Verfahren knacken.
Bei einer Caesar-Chiffre wird jeder Buchstabe gleich weit verschoben. Die Vigenère-Verschlüsselung wechselt die Verschiebung mit einem Schlüsselwort. Sie galt lange als unknackbar. Hier lernst du, wie sie funktioniert und wo ihre Schwäche liegt.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Bei der Caesar-Chiffre wird nur ein einziges Alphabet benutzt. Die Vigenère-Chiffre benutzt mehrere Alphabete. Dafür gibt es das Fachwort polyalphabetisch („poly“ heißt „mehrere“).
Das Hilfsmittel ist das Vigenère-Quadrat. Du schreibst das Standardalphabet mit seinen 26 Großbuchstaben hin. Darunter schreibst du alle möglichen Caesar-verschobenen Alphabete. Jede Zeile beginnt mit ihrem Schlüsselbuchstaben. Die erste Zeile ist A B C … Z, die zweite ist B C … Z A. Jede Zeile ist also das Alphabet, nur verschoben.
Das Schlüsselwort schreibst du so oft wie nötig über den Text. Jeder Schlüsselbuchstabe sagt dir, welche Zeile des Quadrats für den Buchstaben darunter gilt. So wechselt die Verschiebung von Buchstabe zu Buchstabe. Wie viele Buchstaben das Schlüsselwort hat, so viele Caesar-Chiffren werden nebeneinander benutzt. Seine Buchstaben legen die jeweilige Verschiebung fest.
Die Tabelle unten ist ein ausgedachtes Beispiel mit Zeilen aus dem Quadrat. Sie zeigt: Derselbe Klartextbuchstabe E wird in jeder Zeile zu einem anderen Geheimtextbuchstaben.
Definition
Vigenère-Quadrat
Das Vigenère-Quadrat besteht aus 26 Zeilen mit 26 Buchstaben. Jede Zeile ist das Alphabet, aber Caesar-verschoben. Der Schlüsselbuchstabe wählt die Zeile aus.
| Schlüsselbuchstabe | Zeile beginnt so | Klartext E wird zu |
|---|---|---|
| I | I J K L M … | M |
| K | K L M N O … | O |
| L | L M N O P … | P |
| O | O P Q R S … | S |
Beispiel: „Werde“ mit dem Schlüsselwort WILLKOMMEN
- 1Über dem Text steht das Schlüsselwort: W I L L K über W e r d e
- 2Erster Buchstabe: W mit W wird zu S (Zeile W, Spalte W)
- 3Zweiter Buchstabe: das E steht unter I und wird zu M
- 4Fünfter Buchstabe: das E steht unter K und wird zu O
- 5Dasselbe E wird also zu M und zu O, weil die Schlüsselbuchstaben verschieden sind
Teste dich
Verschlüsseln: Schreibe den Text in eine Zeile und darüber das Schlüsselwort. Bei längeren Sätzen schreibt man das Schlüsselwort so oft darüber, wie der Text lang ist. Sätze werden ohne Leerzeichen geschrieben.
Dann nimmst du jeden Buchstaben einzeln. Suche die Zeile des Schlüsselbuchstabens. Suche die Spalte des Klartextbuchstabens, sie ist oben in der Kopfzeile gekennzeichnet. Der Kreuzungspunkt ist die Stelle, an der Zeile und Spalte sich treffen. Dort steht der Geheimtextbuchstabe. Jede Zeile beginnt mit ihrem Schlüsselbuchstaben und läuft dann durch das Alphabet, nach dem Z geht es bei A weiter.
Entschlüsseln: Der Empfänger kennt wie der Absender das geheime Kennwort. Er kehrt die Schritte um. Du suchst in der Zeile des Schlüsselbuchstabens den Geheimtextbuchstaben. Dann liest du oben in der Kopfzeile an derselben Stelle den Klartextbuchstaben ab. Beispiel: Geheimtext S, Schlüsselbuchstabe W. In der Zeile W steht das S an der Stelle, an der oben das W steht. Der Klartextbuchstabe ist also W.
Beispiel: „liebe“ mit dem Schlüsselwort hallo
- 1Über dem Text: h a l l o über l i e b e
- 2L steht unter H: Zeile H, Spalte L, Kreuzungspunkt S
- 3Die übrigen Buchstaben verschlüsselst du auf die gleiche Art und Weise
- 4Geheimtext für die ganze Nachricht: SIPMS
Merke: Verschlüsseln: Zeile des Schlüsselbuchstabens, Spalte des Klartextbuchstabens, am Kreuzungspunkt steht der Geheimtextbuchstabe. Entschlüsseln: umgekehrt, in der Zeile den Geheimtextbuchstaben suchen und oben den Klartextbuchstaben ablesen.
Teste dich
Ein Algorithmus ist eine Folge genauer Schritte. Wer sie der Reihe nach ausführt, kommt zum Ziel. Die Vigenère-Verschlüsselung lässt sich so beschreiben (die Tabelle zeigt die Reihenfolge).
Zuerst braucht der Verschlüssler einen Schlüssel. Dann schreibt er den Text in eine Zeile und darüber das Kennwort so oft wiederholt, wie es nötig ist. Ist das Kennwort aufgebraucht, beginnt man wieder von vorn.
Dann wiederholt er einen Schritt für jeden Buchstaben: Er sucht den Kreuzungspunkt der Zeile des Schlüsselbuchstabens und der Spalte des Klartextbuchstabens. Der Kreuzungspunkt liefert den Geheimtextbuchstaben.
Zum Schluss wird der Geheimtext üblicherweise in Gruppen fester Länge übertragen, zum Beispiel in Fünfergruppen. Das dient auch dazu, die Länge des Kennworts nicht zu verraten. Der Empfänger kennt das Kennwort und kehrt die Schritte um.
Definition
Algorithmus
Ein Algorithmus ist eine Folge genauer Schritte. Wer sie der Reihe nach ausführt, löst eine Aufgabe, hier das Verschlüsseln einer Nachricht.
| Reihenfolge | Was du tust |
|---|---|
| Erstes | Einen Schlüssel (ein Schlüsselwort) festlegen |
| Zweites | Text in eine Zeile schreiben, darüber das Kennwort so oft wie nötig wiederholen |
| Drittes | Für jeden Buchstaben den Kreuzungspunkt von Zeile und Spalte suchen |
| Viertes | Geheimtext üblicherweise in Gruppen übertragen, zum Beispiel in Fünfergruppen |
| Fünftes | Der Empfänger kennt das Kennwort und kehrt die Schritte um |
Merke: Den Schritt mit dem Kreuzungspunkt machst du für jeden Buchstaben. Ist das Kennwort aufgebraucht, beginnst du wieder von vorn.
Teste dich
Die Vigenère-Chiffre galt lange als „unknackbare Chiffre“. Aus heutiger Sicht ist das eine falsche Beurteilung. Der größte Schwachpunkt liegt in der Länge des Schlüsselworts. Zur Zeit von Vigenère und noch bis ins 20. Jahrhundert hinein wurden regelmäßig relativ kurze und häufig leicht zu erratende Schlüssel benutzt, die mehrfach verwendet wurden. Gerne nahm man lateinische Sinnsprüche. Das war schwach, weil leicht zu erraten.
Ist der Schlüssel kürzer als der Text, wiederholt er sich. Dann ist jeder n-te Buchstabe des Geheimtextes mit derselben Caesar-Chiffre verschlüsselt. Bei einem Schlüsselwort mit fünf Buchstaben wie hallo wird der 6. Buchstabe mit dem gleichen Alphabet verschlüsselt wie der erste, der 7. wie der zweite und so weiter. Im Wort hallo kommt das l zweimal vor. Ein Angreifer weiß das nicht und rechnet mit fünf verschiedenen Buchstaben.
Erster Schritt des Angriffs: die Länge finden. Bei einem kurzen Schlüsselwort wird ein häufiges Wort wie „die“ irgendwann gleich verschlüsselt. Solche wiederkehrenden Buchstabenfolgen suchte der preußische Infanteriemajor Friedrich Kasiski im Geheimtext und nannte sie „Doppler“. Aus ihrem Abstand lässt sich ermitteln, wie lang das Schlüsselwort ist. Man sucht alle gemeinsamen Teiler der Abstände. Der Abstand selbst ist also noch nicht die Länge.
Zweiter Schritt: Hat man die Länge, zerlegt man den Geheimtext in Gruppen, die mit demselben Alphabet verschlüsselt wurden. Jede Gruppe ist eine einfache Caesar-Verschlüsselung. Sie lässt sich mit einer Häufigkeitsanalyse leicht knacken. Das heißt: Du zählst, welcher Buchstabe am häufigsten vorkommt. In vielen Fällen steht er für das e, den in den meisten europäischen Sprachen häufigsten Buchstaben. Ist das e gefunden, ergeben sich die anderen Buchstaben. Welche Buchstaben im Schlüsselwort stehen, findest du also erst in diesem zweiten Schritt.
Sicher ist das Verfahren nur bei korrekter Anwendung: mit einem zufälligen Einmalschlüssel, der mindestens so lang ist wie der Text. Dann kann die Vigenère-Verschlüsselung tatsächlich nicht geknackt werden. Idealerweise ist der Schlüssel möglichst lang und eine möglichst „zufällige“ Buchstabenfolge.
Beispiel: Gruppen bei einem Schlüssel mit fünf Buchstaben
- 1Erste Gruppe: der 1., 6., 11. Buchstabe und so fort
- 2Zweite Gruppe: der 2., 7., 12. Buchstabe und so fort
- 3Dritte Gruppe: der 3., 8., 13. Buchstabe und so weiter
- 4In jeder Gruppe liegt eine einfache Caesar-Verschlüsselung vor
Definition
Einmalschlüssel
Ein Einmalschlüssel ist ein zufälliger Schlüssel, der mindestens so lang ist wie der Text und nicht mehrfach verwendet wird. Nur damit kann die Vigenère-Verschlüsselung bei korrekter Anwendung nicht geknackt werden.
Merke: Ein kurzer Schlüssel wiederholt sich. Dann werden viele Buchstaben mit demselben Alphabet verschlüsselt, und der Angreifer kann die Gruppen einzeln knacken.
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Alles auf einen Blick
Vigenère-Verschlüsselung
Schlüsselwort
Seine Buchstaben legen fest, welche Zeile des Vigenère-Quadrats gilt.
Wechsel
Das Schlüsselwort wird über den Text wiederholt, so wechselt die Verschiebung.
Verschlüsseln
Zeile des Schlüsselbuchstabens, Spalte des Klartextbuchstabens, Kreuzungspunkt.
Entschlüsseln
Der Empfänger kennt das Kennwort und kehrt die Schritte um.
Schwachpunkt
Die Länge des Schlüsselworts. Ein kurzer, wiederholter Schlüssel lässt sich knacken.
Sicher
Nur ein zufälliger Einmalschlüssel, mindestens so lang wie der Text, bei korrekter Anwendung.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Ausgedachtes Beispiel: BALL mit dem Schlüsselwort ODE
- 1Über dem Text steht das Schlüsselwort, wiederholt: O D E O über B A L L
- 2B mit O: Zeile O (O P Q R …), Spalte B, Kreuzungspunkt P
- 3A mit D: Zeile D, Spalte A, Kreuzungspunkt D
- 4L mit E: Zeile E (E F G H …), Spalte L, Kreuzungspunkt P
- 5L mit O: Das Schlüsselwort war aufgebraucht und beginnt von vorn. Zeile O, Spalte L, Kreuzungspunkt Z
- 6Geheimtext: PDPZ. Probe: In Zeile O steht Z an der 12. Stelle, oben steht dort L
Fehler finden
Prüfe die Schritte beim Verschlüsseln von TORE (ausgedachtes Beispiel) In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 5Ist das Schlüsselwort aufgebraucht, beginnt man wieder von vorn. Richtig: Über R steht wieder E, also Zeile E, Spalte R, Kreuzungspunkt V.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Für jeden Buchstaben suchst du den Kreuzungspunkt der Zeile des und der Spalte des Klartextbuchstabens. Ist das Schlüsselwort aufgebraucht, beginnst du . Bei einem Schlüsselwort mit fünf Buchstaben wird der 6. Buchstabe mit demselben Alphabet verschlüsselt wie der .
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback