Geschichte · Klasse 7–10 · aktualisiert
Schlacht von Verdun: Verlauf verstehen und Folgen beurteilen
Du lernst den Verlauf der Schlacht von Verdun kennen und untersuchst, warum der deutsche Angriff scheiterte und wie die Schlacht später gedeutet wurde.
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Kurz gesagt
Bei Verdun kämpften 1916 deutsche und französische Truppen. Die deutsche Eroberung der Festung scheiterte an einer gestärkten Verteidigung und weiteren Belastungen. Gewaltiger Waffeneinsatz brachte hohe Verluste bei oft geringen Geländegewinnen.
Wie konnte eine Armee gewaltige Mengen an Granaten einsetzen und ihr Ziel trotzdem verfehlen? Bei Verdun zeigt sich, wie Waffen, Versorgung und die Belastbarkeit der Soldaten zusammenwirkten. Du unterscheidest außerdem zwischen dem Verlauf der Kämpfe und späteren Erklärungen ihrer Ziele.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Verdun liegt in Frankreich. Dort kämpften deutsche und französische Truppen an der Westfront, dem westlichen Kampfgebiet des Ersten Weltkriegs. Die Schlacht begann am 21. Februar 1916 und dauerte bis zum 19. Dezember 1916. Die deutsche Offensive, also der größere Angriff, wird dagegen bis Juli datiert. Das bedeutet nicht, dass danach alle Kämpfe aufhörten.
Am ersten Tag beschossen deutsche Geschütze die französischen Stellungen. Danach griffen Soldaten zu Fuß an. Am 25. Februar nahmen deutsche Soldaten das Fort Douaumont ein. Ein Fort ist eine befestigte Verteidigungsanlage. Im März weiteten die Deutschen ihre Angriffe auf das linke Ufer des Flusses Maas aus. Im April kam der Vormarsch am Westufer kaum weiter.
Im Juni eroberten die Deutschen Fort Vaux. Kämpfe an anderen Frontabschnitten zwangen die deutsche Führung jedoch, Truppen von Verdun abzuziehen. Der britische Angriff an der Somme ab dem 1. Juli führte zum Abzug weiterer Soldaten und Geschütze. Am 12. Juli scheiterte der deutsche Angriff auf Fort Souville. Die Deutschen hatten ihren weitesten Punkt in Richtung Verdun erreicht. Danach befahl der deutsche Heerführer Erich von Falkenhayn, die Angriffe einzustellen. Trotzdem folgte am 1. August ein erneuter Angriff auf Souville.
Im Herbst gingen die Franzosen zu größeren Angriffen über. Am 24. Oktober gewannen sie Fort Douaumont zurück. Anfang November räumten die Deutschen Fort Vaux. Ein letzter französischer Großangriff folgte am 16. Dezember. Die Eroberung Verduns war gescheitert. Doch westlich der Maas hielten deutsche Truppen weiterhin mehrere Orte und Höhen.
| Zeitpunkt 1916 | Ereignis |
|---|---|
| 21. Februar | Beginn des deutschen Angriffs |
| 25. Februar | Deutsche Soldaten nehmen Fort Douaumont ein. |
| 6. März | Deutscher Angriff auf dem linken Maasufer |
| 12. Juli | Der Angriff auf Fort Souville scheitert. |
| 24. Oktober | Französische Truppen gewinnen Fort Douaumont zurück. |
| 16. Dezember | Letzter französischer Großangriff |
Merke: Die deutsche Offensive bis Juli und die Schlacht bis Dezember bezeichnen unterschiedliche Zeiträume. Auch nach Juli wurde weitergekämpft.
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Beide Kriegsparteien hatten Netze von Verteidigungsgräben angelegt. Bei Verdun stoppten französische Geschütze westlich der Maas den weiteren deutschen Vormarsch östlich des Flusses durch Beschuss von der Seite. Die vorgerückten deutschen Soldaten hatten ihre eigenen schweren Geschütze weit hinter sich gelassen. Diese wieder nach vorn zu bringen, kostete Zeit.
Der französische General Philippe Pétain ließ Forts ausbessern und ausbauen. Zwischen dem 27. Februar und dem 6. März entstanden vier hintereinanderliegende Verteidigungslinien. Gräben verbanden mehrere Forts miteinander. Die Verteidigung bestand damit aus mehreren Linien hintereinander.
Zur Verteidigung gehörte die Versorgung. Nachschub bedeutet, dass etwa Munition, Nahrung und Ausrüstung zu den Truppen gelangen. Die Straße von Bar-le-Duc nach Verdun wurde zur wichtigsten Nachschubstraße des französischen Heeres. Sie heißt Voie Sacrée, auf Deutsch „Heiliger Weg“. Lastwagen brachten Truppen und Versorgungsgüter nach vorn und nahmen auf dem Rückweg Verwundete mit. Der Ausbau der Straße half den Franzosen, genügend Soldaten und Material in den bedrohten Bereich zu bringen.
Hinzu kam die Noria: Erschöpfte französische Verbände wurden durch andere ersetzt. Abgezogene Einheiten wurden an anderen Frontabschnitten wieder aufgefüllt. Der Wechsel verkürzte die Zeit unter extremer nervlicher Belastung und half, die Verteidigung mit weiteren Soldaten fortzuführen. Er folgte aber keinem starren Zeitplan. Neue Einheiten kannten zudem das Gelände schlecht. Auch deutsche Einheiten wechselten zwischen Front und Ruhe. Zusammen mit den Verteidigungsanlagen und dem Nachschub trug die französische Ablösung zum Durchhalten bei; sie erklärt den Abwehrerfolg nicht allein.
Definition
Truppenrotation
Truppenrotation bedeutet, dass eingesetzte Einheiten abgelöst werden und andere nachrücken. Der französische Austausch bei Verdun wird Noria genannt.
Merke: Geschützte Stellungen, weitere Soldaten und ausreichende Versorgung wirkten zusammen. Truppenwechsel allein erklären das französische Durchhalten nicht.
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In einer Materialschlacht setzen Armeen gewaltige Mengen an Waffen, Munition und Soldaten ein. „Industrialisiert“ bedeutet hier: Industrie, Transport und Versorgung ermöglichen diesen massenhaften Einsatz. Bei Verdun bauten deutsche Militäringenieure vor dem Angriff neue Bahnlinien und Bahnhöfe. Sie bereiteten Unterkünfte für mehr als 140.000 Soldaten vor und zogen 1.220 Geschütze mit einem Vorrat von 2,5 Millionen Granaten zusammen.
Die Artillerie, also die Truppen mit Geschützen, sollte die gegnerischen Stellungen durch anhaltenden Beschuss zerstören. Danach sollte die Infanterie, die zu Fuß kämpfenden Soldaten, vorrücken. Der Historiker Ulrich beschreibt Verdun als besonders deutliches Beispiel dieses industriellen Materialkriegs. Er erklärt: Hoher Materialeinsatz verursachte hohe Verluste, brachte aber oft nur geringe und schnell wieder verlorene Geländegewinne. Gut geschützte Maschinengewehrstellungen konnten den Beschuss überstehen und ganze Regimenter, also große Truppeneinheiten, aufhalten.
Deutsche und französische Truppen beschossen und bekämpften einander. Soldaten wurden getötet oder verwundet. Geschosse verwandelten das Gelände bei Verdun innerhalb weniger Wochen in eine Kraterlandschaft. Von Wäldern blieben oftmals Baumstümpfe. Der Beschuss dauerte oft tagelang. Bei Regen erschwerte Schlamm jede Bewegung stark. Soldaten mussten häufig mehrere Tage ohne Nahrung auskommen. Durst trieb viele dazu, verschmutztes Wasser aus Granattrichtern zu trinken.
Verdun gehörte zu den verlustreichsten Schlachten des Ersten Weltkriegs. Die genaue Zahl der Getöteten ist nicht endgültig geklärt. Auch die Verlustangaben schwanken stark. Eine scheinbar genaue Gesamtzahl würde diese Unsicherheit verdecken.
Definition
Trommelfeuer
Trommelfeuer ist anhaltender, dichter Beschuss mit Geschützen. Dabei konnten Geschütze und Mannschaften wechseln, während weitergeschossen wurde.
Beispiel: Warum Beschuss keinen freien Weg garantierte
- 1Geschütze beschießen ein gegnerisches Grabensystem.
- 2Gut geschützte Maschinengewehrstellungen können den Beschuss überstehen.
- 3Wenn danach Soldaten zu Fuß angreifen, können solche Stellungen ganze Regimenter aufhalten.
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Du musst drei Dinge auseinanderhalten: Was geschah? Was beabsichtigten die Verantwortlichen? Welche Bedeutung erhielt Verdun später? Die Einnahme und Rückgewinnung von Fort Douaumont sind Ereignisse. Die Frage nach Falkenhayns ursprünglichem Hauptziel verlangt dagegen eine Prüfung seiner Pläne und späteren Aussagen. Hohe Verluste beweisen für sich noch nicht, dass sie von Anfang an das Hauptziel waren.
Die Historiker Gerd Krumeich und Holger Afflerbach gewichten die deutsche Angriffsabsicht unterschiedlich. Krumeich betont, dass die Festung als Gefahr für die deutschen Truppen und ihre Verbindungen ausgeschaltet werden sollte. Dazu sollten Höhen und Forts östlich der Maas eingenommen werden. Ein weiterer Vorstoß blieb nach seiner Erklärung eine Möglichkeit, aber kein bewiesener ursprünglicher Durchbruchsplan. Die Behauptung eines von Anfang an geplanten „Ausblutens“, also einer gezielten Schwächung durch gewaltige Verluste, hält er für eine spätere Rechtfertigung.
Afflerbach betont dagegen eine Schwächungsabsicht: Nach seiner Erklärung sollte die Einnahme von Höhen französische Gegenangriffe unter ungünstigen Bedingungen erzwingen. Überlegene deutsche Geschütze sollten dabei hohe französische Verluste verursachen. Er stützt diese Erklärung auch auf Dokumente aus der damaligen Zeit. Weitergehende Hoffnungen Falkenhayns hält er jedoch für schwer genau feststellbar.
Besonders umstritten ist die sogenannte Weihnachtsdenkschrift, ein Text über Falkenhayns Pläne. Ihr überlieferter Wortlaut ist in seinem 1920 erschienenen Buch nachgewiesen. Krumeich hält die Denkschrift für nachträglich hergestellt. Afflerbach unterscheidet ursprüngliche Überlegungen von späteren Ergänzungen und Rechtfertigungen. Deshalb ist nicht gesichert, dass dieser Wortlaut dem Kaiser bereits Weihnachten 1915 vorlag.
Später wurde Verdun auch ein Ort gemeinsamen Gedenkens. Im Beinhaus von Douaumont, einem Gebäude zur Aufbewahrung von Gebeinen, liegen Überreste nicht identifizierbarer französischer und deutscher Gefallener. Am 22. September 1984 gedachten Helmut Kohl und François Mitterrand dort der Soldaten beider Nationen, die in beiden Weltkriegen gefallen waren. Eine international beachtete Fotografie zeigt die beiden schweigend Hand in Hand. Die Geste wird als Zeichen dafür verstanden, dass Verdun kein Ort deutsch-französischer Feindschaft mehr sein sollte. Diese spätere Bedeutung erklärt nicht die ursprünglichen Angriffspläne.
| Art der Aussage | Beispiel |
|---|---|
| Ereignis | Französische Truppen gewannen Fort Douaumont zurück. |
| Umstrittene Absicht | Welche Rolle spielte die geplante Schwächung Frankreichs durch hohe Verluste? |
| Spätere Bedeutung | Das gemeinsame Gedenken wurde zum Zeichen gegen deutsch-französische Feindschaft. |
Merke: Ein späterer Bericht über einen Plan ist kein sicherer Beweis für dessen ursprünglichen Wortlaut. Auch Folgen beweisen nicht von selbst eine frühere Absicht.
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Alles auf einen Blick
Schlacht von Verdun
Verlauf
Auf den deutschen Angriff folgten französische Gegenangriffe. Die Eroberung Verduns scheiterte.
Verteidigung
Geschütze, ausgebaute Forts und verbundene Gräben erschwerten den deutschen Vormarsch.
Durchhalten
Nachschub und die Ablösung erschöpfter Truppen halfen gemeinsam, die Verteidigung fortzuführen.
Materialschlacht
Gewaltiger Waffeneinsatz brachte hohe Verluste bei oft geringen und schnell verlorenen Geländegewinnen.
Absichten
Krumeich und Afflerbach gewichten die ursprünglichen deutschen Angriffsziele unterschiedlich.
Gedenken
Douaumont wurde auch zum Ort gemeinsamen deutsch-französischen Gedenkens.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Wie unterstützte der Straßenverkehr die Verteidigung?
- 1Aufgabe: Erkläre, warum die Lastwagen auf der Straße nach Verdun für das französische Durchhalten wichtig waren.
- 2Beobachtung: Auf dem Hinweg brachten sie Truppen und Versorgungsgüter. Auf dem Rückweg nahmen sie Verwundete mit.
- 3Zusammenhang: Die Verteidigung brauchte weitere Soldaten sowie Munition, Nahrung und Ausrüstung. Die Transporte halfen, diese Bedürfnisse zu erfüllen.
- 4Beurteilung: Die Straße unterstützte das Durchhalten. Sie erklärt den Abwehrerfolg zusammen mit den Verteidigungsanlagen und dem Truppenwechsel.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zur Ablösung französischer Truppen In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 2Der Fehler ist das Wort „alleinige“. Richtig: Die Truppenrotation war eine mitwirkende Ursache des französischen Abwehrerfolgs. Verteidigungsanlagen und Nachschub trugen ebenfalls dazu bei.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Der deutsche Angriff, mit dem die Schlacht von Verdun begann, setzte am ein. Französische Truppen gewannen Fort Douaumont am zurück. Das gemeinsame Gedenken von Kohl und Mitterrand in Douaumont fand im Jahr statt.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
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