Deutsch · Klasse 5–6 · aktualisiert
Sprichwörter und Redewendungen einfach erklärt
Sprichwörter sind feste Sätze, Redewendungen feste Wortgruppen. Du lernst, beide zu unterscheiden, ihr Bild zu deuten und sie passend zu verwenden.
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Kurz gesagt
Ein Sprichwort ist ein feststehender, vollständiger Satz mit einer allgemeinen Erfahrung oder einem Rat: „Steter Tropfen höhlt den Stein.“ Eine Redewendung ist eine feste Wortgruppe, die du in einen Satz einbaust und anpasst: „die Flinte ins Korn werfen“ (aufgeben) – „Mia wirft nicht die Flinte ins Korn.“
Ein Sprichwort ist gewöhnlich ein vollständiger, feststehender Satz mit einer allgemeinen Erfahrung oder einem Rat. Eine Redewendung ist meist eine feste Wortgruppe, die du in einen Satz einbaust und grammatisch anpasst. Beide sind häufig bildhaft gemeint. Auf dieser Seite lernst du, beide Formen zu unterscheiden, ihre übertragene Bedeutung aus dem Kontext zu erschließen und sie passend zu verwenden.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Stell dir vor, jemand sagt: „Steter Tropfen höhlt den Stein.“ Das ist schon eine vollständige Aussage, es fehlt kein Satz drumherum. „Die Flinte ins Korn werfen“ dagegen baust du in einen Satz ein: „Nach dem ersten Fehler wirft Mia nicht die Flinte ins Korn.“ Einige Sprichwörter sind verkürzt, wirken aber trotzdem wie eine vollständige Aussage: „Besser spät als nie“ bedeutet „Spät ist besser als nie“. Die Wortzahl reicht also nicht als Erkennungsmerkmal, entscheidend sind Form und Funktion. Frag dich: Steht der Ausdruck als allgemeine Aussage für sich? Dann ist er meist ein Sprichwort. Wird er grammatisch in einen Satz eingebaut? Dann ist er meist eine Redewendung.
Definition
Sprichwort
Ein Sprichwort ist ein feststehender Satz, der eine allgemeine Erfahrung, Lebensweisheit oder Regel knapp ausdrückt. Beispiel: „Steter Tropfen höhlt den Stein.“ Gemeint ist: Ausdauer kann langfristig zum Erfolg führen.
Definition
Redewendung
Eine Redewendung ist ein fester Ausdruck mit einer häufig übertragenen Bedeutung. Meist wird sie als Teil eines Satzes verwendet. Beispiel: „die Flinte ins Korn werfen“ bedeutet „aufgeben“.
| Merkmal | Sprichwort | Redewendung |
|---|---|---|
| typische Form | vollständiger Satz | in einen Satz einbaubare Wortgruppe |
| typische Funktion | Erfahrung, Rat oder Lebensweisheit ausdrücken | eine Situation anschaulich benennen oder bewerten |
| Beispiel | „Viele Köche verderben den Brei.“ | „die Flinte ins Korn werfen“ |
Teste dich
Viele feste Ausdrücke erzeugen zunächst ein konkretes Bild. Gemeint ist jedoch eine andere, übertragene Bedeutung. Ob ein Satz wörtlich oder übertragen gemeint ist, zeigt dir der Kontext. Bei einem Sprichwort zeigst du echtes Verständnis nicht dadurch, dass du es ergänzen kannst. Verbinde das Bild, die allgemeine Aussage und eine passende Situation. Gehe in vier Schritten vor: Formuliere das wörtliche Bild, suche die allgemeine Aussage dahinter, nenne eine Situation, auf die sie passt, und prüfe, ob das Sprichwort wirklich zu dieser Situation passt.
Definition
Übertragene Bedeutung
Bei einer übertragenen Bedeutung bezeichnen die Wörter nicht nur das wörtlich sichtbare Bild. Das Bild steht für eine andere Situation oder Eigenschaft.
Beispiel: „ein Brett vor dem Kopf haben“
- 1Das wörtliche Bild zeigt eine Person, deren Sicht durch ein Brett versperrt ist.
- 2Im übertragenen Sinn erkennt die Person etwas Offensichtliches nicht.
- 3Im Satz wird das klar: „Ich hatte ein Brett vor dem Kopf und übersah die einfache Lösung.“
- 4Die Person trägt also kein echtes Brett. Der Ausdruck beschreibt fehlende Einsicht.
Beispiel: Wörtlich oder übertragen?
- 1„Die Kuh steht auf dem Eis.“ – Das kann eine wirkliche Beobachtung sein.
- 2„Wir müssen die Kuh vom Eis holen.“ – Redewendung: Wir müssen ein schwieriges Problem lösen.
- 3„Bei der Erklärung der neuen Spielregeln verstand ich nur Bahnhof.“ – Die Person hat überhaupt nichts verstanden.
Teste dich
Bei einer Redewendung bleibt der feste Kern erhalten. Verben und Pronomen musst du aber oft an Person, Zeit und Satzbau anpassen. Außerdem passt nicht jeder Ausdruck in jede Situation. „Die Nase voll haben“ bedeutet, von etwas genug zu haben; die Variante „die Schnauze voll haben“ wirkt gröber. Auch Ausdrücke wie „einen Dachschaden haben“ können andere Menschen beleidigen.
Beispiel: Grundform: jemandem die Daumen drücken
- 1Gegenwart: „Ich drücke dir die Daumen.“
- 2Vergangenheit: „Wir drückten ihr die Daumen.“
- 3Zukunft: „Sie wird euch die Daumen drücken.“
- 4Die Bedeutung bleibt gleich: Jemand wünscht einer anderen Person Glück.
Merke: Prüfe vor der Verwendung drei Dinge: Bedeutung, Grammatik und Wirkung. Ein Ausdruck kann inhaltlich passen und trotzdem für die Situation zu grob sein.
Beispiel: Grundform: jemandem auf den Keks gehen
- 1„Der Lärm geht mir auf den Keks.“
- 2„Die ständigen Unterbrechungen gingen uns auf den Keks.“
- 3Personen und Zeitform ändern sich, der bildhafte Kern „auf den Keks gehen“ bleibt erkennbar.
Teste dich
Ähnliche Situationen verlangen nicht automatisch denselben Ausdruck. Suche deshalb zuerst die genaue Beziehung, die du ausdrücken möchtest; die Tabelle hilft dir dabei. Manche Ausdrücke lassen sich nicht eindeutig als Sprichwort oder Redewendung einordnen. Dann zählt nicht das Etikett, sondern dass du Form, Funktion, Bedeutung und Verwendung nachvollziehbar beschreibst. Die Herkunft eines Ausdrucks musst du nicht kennen, um ihn im Kontext richtig zu verstehen.
| Was du ausdrücken willst | Passender Ausdruck |
|---|---|
| Ausdauer | „Steter Tropfen höhlt den Stein.“ |
| zu viele Beteiligte | „Viele Köche verderben den Brei.“ |
| eine Gelegenheit rechtzeitig nutzen | „Man muss das Eisen schmieden, solange es heiß ist.“ |
| aufgeben | „die Flinte ins Korn werfen“ |
| ein Problem lösen | „die Kuh vom Eis holen“ |
| übertriebene Mittel einsetzen | „mit Kanonen auf Spatzen schießen“ |
Beispiel: Eine Gruppe gestaltet ein Plakat. Acht Personen ändern gleichzeitig das Layout, am Ende passt nichts zusammen.
- 1„Viele Köche verderben den Brei“ passt, weil zu viele Beteiligte das Ergebnis verschlechtern.
- 2„Mit Kanonen auf Spatzen schießen“ passt nicht: Dabei geht es um übertriebene Mittel für ein kleines Problem, nicht um die Zahl der Beteiligten.
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Alles auf einen Blick
Sprichwörter und Redewendungen
Sprichwort
vollständige allgemeine Aussage
Redewendung
an den Satz angepasster fester Ausdruck
Sprachbild
wörtliche Ebene erkennen
Kontext
übertragene Bedeutung erschließen
Verwendung
Bedeutung, Grammatik und Wirkung prüfen
Selbstkontrolle
Ausdruck mit der Situation abgleichen
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Erschließe das Sprichwort „Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach.“
- 1Bild: Der kleine Spatz ist sicher erreichbar. Die größere Taube sitzt außer Reichweite auf dem Dach.
- 2Allgemeine Aussage: Ein kleiner, sicherer Vorteil kann besser sein als eine größere, aber unsichere Hoffnung.
- 3Situation: Noah hat einen sicheren Ferienjob. Ein anderer Betrieb verspricht vielleicht eine interessantere Stelle, hat aber noch nicht zugesagt. Noah nimmt den sicheren Job.
- 4Prüfung: Die Situation enthält den Gegensatz „klein und sicher“ gegen „größer, aber unsicher“. Das Sprichwort passt.
Fehler finden
Ben erschließt den Satz „Wir müssen die Kuh vom Eis holen.“ In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 3Ben bleibt beim wörtlichen Bild stehen und übersieht die übertragene Bedeutung. Richtig: Bedeutung: Wir müssen ein schwieriges Problem lösen.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Eine feste Wortgruppe mit übertragener Bedeutung heißt meist . Das konkrete Sprachbild ist die Ebene. Was in der Situation tatsächlich gemeint ist, erschließt du aus dem .
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback