Deutsch · Klasse 9–10 · aktualisiert
Allegorie erkennen, deuten und abgrenzen
Justitia, Sensenmann, Fabel: Du lernst, wie eine Allegorie Abstraktes zeigt, wie du sie Schritt für Schritt deutest und von Metapher und Symbol trennst.
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Kurz gesagt
Eine Allegorie stellt einen abstrakten Gedanken durch ein konkretes Bild, eine Figur oder eine Erzählung dar. Justitia mit Augenbinde, Waage und Schwert steht zum Beispiel für Gerechtigkeit. Typisch ist, dass mehrere Merkmale zusammen auf dieselbe übertragene Bedeutung verweisen.
Eine Allegorie stellt einen abstrakten Begriff oder einen komplexen Zusammenhang durch ein konkretes Bild, eine Figur oder eine Erzählung dar. Das Gemeinte wird nicht direkt genannt: Du erschließt es aus mehreren Merkmalen und aus dem Kontext. Auf dieser Seite lernst du, Allegorien zu erkennen, schrittweise zu deuten und begründet von ähnlichen Stilmitteln abzugrenzen.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Das Wort Allegorie geht auf einen griechischen Ausdruck für „anders sagen“ zurück. Statt einen abstrakten Gedanken unmittelbar zu benennen, zeigt eine Allegorie ein konkretes Bild. Du vollziehst beim Verstehen einen Gedankensprung vom Dargestellten zum Gemeinten. Eine Allegorie kann in einem sichtbaren Bild oder in Sprache auftreten. In beiden Fällen verweist die konkrete Darstellung auf eine weitere Bedeutungsebene. Bildliche Allegorien: Eine bildliche Allegorie verkörpert einen Gedanken häufig durch eine Figur mit mehreren Attributen. Der Sensenmann stellt zum Beispiel den Tod dar: Das Skelett verweist auf das Ende des Lebens, die Sense auf das Beenden beziehungsweise „Abernten“ des Lebens. Auch Amor ist eine bildliche Allegorie. Seine Pfeile treffen Menschen, die sich verlieben sollen; so verkörpert die Figur die Liebe. Sprachliche Allegorien: Eine sprachliche Allegorie entfaltet ihre übertragene Bedeutung in Worten. Sie kann eine ganze Erzählung, eine Fabel, ein Sprichwort oder einen längeren Text prägen. In der Fabel vom Wolf und vom Lamm erhebt der Wolf falsche Vorwürfe. Obwohl das Lamm sie widerlegt, frisst der stärkere Wolf das schwächere Tier. Das Geschehen steht für menschliches oder gesellschaftliches Verhalten: Macht kann sich gegen Recht und vernünftige Einwände durchsetzen. Bei einer längeren Erzählung kann die wörtliche Handlung bereits verständlich sein. Trotzdem kann dahinter eine zweite, allegorische Bedeutung liegen. Deshalb genügt es nicht, nur die Handlung zusammenzufassen.
Definition
Allegorie
Eine Allegorie ist eine indirekte Darstellung: Eine Figur, ein Bild, ein Vorgang oder eine längere sprachliche Darstellung steht für einen anderen, häufig abstrakten Sinn. Meist wirken mehrere Merkmale systematisch zusammen.
Beispiel: Justitia ist eine Allegorie der Gerechtigkeit. Die Figur trägt mehrere bedeutungsvolle Attribute:
- 1Die Augenbinde steht dafür, ohne Ansehen der Person zu urteilen.
- 2Die Waage steht für das sorgfältige Abwägen.
- 3Das Schwert steht für Urteil und Durchsetzung des Rechts.
- 4Nicht ein einzelnes Attribut, sondern ihr Zusammenspiel macht die Idee der Gerechtigkeit anschaulich.
Merke: Bei einer Allegorie fragst du immer zweifach: Was wird konkret gezeigt oder gesagt? Was ist damit gemeint?
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Eine überzeugende Deutung verbindet Beobachtung und Schlussfolgerung. Schreibe also nicht nur, wofür eine Figur steht, sondern zeige, wie ihre Merkmale diese Bedeutung stützen. Eine passende Formulierung für deine Analyse lautet: „Die Darstellung kann als Allegorie für … gedeutet werden. Dafür sprechen …, weil …“
Beispiel: Analyse des Sensenmanns
- 1Beobachtung: Dargestellt sind ein Skelett, ein schwarzes Gewand und eine Sense.
- 2Zuordnung: Das Skelett verweist auf vergangenes Leben. Die Sense ist ein Werkzeug des Abschneidens und wird mit dem Beenden des Lebens verbunden.
- 3Deutung: Die Merkmale wirken zusammen und machen den abstrakten Begriff Tod als handelnde Figur vorstellbar. Deshalb lässt sich der Sensenmann als Allegorie des Todes bestimmen.
Beispiel: So gehst du vor
- 1Beschreibe die wörtliche Ebene. Was siehst oder liest du tatsächlich?
- 2Suche auffällige Merkmale. Welche Figuren, Gegenstände oder Handlungen wirken bedeutungsvoll?
- 3Ordne Bedeutungen zu. Wofür könnte jedes Merkmal stehen?
- 4Prüfe das Zusammenspiel. Unterstützen mehrere Merkmale denselben abstrakten Gedanken oder Zusammenhang?
- 5Beachte den Kontext. Welche historische, kulturelle oder textliche Umgebung beeinflusst die Deutung?
- 6Formuliere eine begründete Deutung. Trenne sichere Beobachtungen von deiner Schlussfolgerung.
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Die Grenzen zwischen Allegorie, Metapher, Personifikation und Symbol sind nicht immer scharf. Nutze die folgenden Merkmale deshalb als Entscheidungshilfe und begründe Grenzfälle. Allegorie oder Personifikation?: Eine Personifikation vermenschlicht zunächst nur: „Die Zeit rennt.“ Eine personengestaltige Allegorie stellt dagegen einen abstrakten Gedanken durch eine Figur und meist mehrere passende Merkmale dar. Personifikation kann somit Bestandteil einer Allegorie sein, ohne dass jede Personifikation bereits eine vollständige Allegorie ist. Allegorie oder Symbol?: Ein Herz kann als einzelnes Symbol für Liebe stehen. Amor verkörpert die Liebe dagegen als Figur mit mehreren sinntragenden Merkmalen. Diese schulische Unterscheidung ist hilfreich, aber nicht in jedem historischen oder literarischen Zusammenhang eindeutig. Allegorie oder Metapher?: Eine Metapher kann sich auf einen einzelnen Ausdruck konzentrieren. Eine Allegorie ist häufig ausgedehnter: Mehrere Elemente eines Bildes oder einer Erzählung lassen sich auf eine zweite Bedeutungsebene beziehen.
| Stilmittel | Kennzeichen | Beispiel |
|---|---|---|
| Allegorie | Ein meist abstrakter Gedanke wird durch ein komplexeres Bild, mehrere Merkmale oder eine fortlaufende Darstellung ausgedrückt. | Justitia steht mit Augenbinde, Waage und Schwert für Gerechtigkeit. |
| Metapher | Ein Ausdruck wird in übertragener, nicht wörtlicher Bedeutung verwendet. | In „ein gebrochenes Herz“ bezeichnet „gebrochen“ eine seelische Verletzung. |
| Personifikation | Eine Sache, ein Tier oder ein abstrakter Begriff erhält eine menschliche Eigenschaft oder Handlung. | „Die Zeit rennt.“ |
| Symbol | Ein einzelnes Zeichen oder ein Gegenstand steht aufgrund einer bekannten Zuordnung für eine allgemeinere Idee. | Das Herz steht für Liebe. |
Merke: Einzelne übertragene Wortverwendung: eher Metapher. Bloße Vermenschlichung: eher Personifikation. Konventionelles Einzelzeichen: eher Symbol. Mehrere zusammenwirkende Merkmale oder eine fortlaufende Bildebene: eher Allegorie.
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Eine Allegorie kann Abstraktes anschaulich und einprägsam machen. Sie kann eine komplexe Aussage verdichten, Aufmerksamkeit auf bestimmte Merkmale lenken und zum Nachdenken über die verborgene Bedeutung anregen. Ihre Wirkung ist jedoch nicht automatisch gleich. Prüfe immer: Verständlichkeit: Macht das Bild den Gedanken greifbarer oder erschwert fehlendes Vorwissen das Verständnis? Aufmerksamkeit: Welche Merkmale treten besonders hervor? Deutungsspielraum: Ist die Zuordnung weitgehend festgelegt oder sind mehrere Lesarten möglich? Kommunikationssituation: Soll die Darstellung belehren, kritisieren, verbergen, unterhalten oder zum Nachdenken anregen? Vermeide pauschale Sätze wie „Die Allegorie macht den Text immer spannender“. Eine gute Wirkungsanalyse nennt ein konkretes Merkmal, seine mögliche Wirkung und den Kontext.
Beispiel: In der Fabel vom Wolf und vom Lamm wird ein Machtkonflikt nicht als abstrakte Behauptung erklärt, sondern als Handlung vorgeführt.
- 1Das Verhalten der Tiere macht die Ungerechtigkeit anschaulich.
- 2Zugleich fordert die Übertragung auf menschliche Verhältnisse die Lesenden zum Nachdenken auf.
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Alles auf einen Blick
Allegorie
Prinzip
konkrete Darstellung, übertragene Bedeutung
Formen
bildlich wie Justitia oder sprachlich wie eine Fabel
Mittel
Figuren, Attribute, Handlungen oder Erzählungen
Deutung
Beobachtung, Zuordnung und Kontext verbinden
Abgrenzung
Metapher, Personifikation und Symbol
Wirkung
veranschaulichen, verdichten, verbergen, zum Nachdenken anregen
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Deute Amor als Allegorie.
- 1Wörtliche Ebene: Dargestellt ist die Figur Amor, die Pfeile auf Menschen schießt.
- 2Auffälliges Merkmal: Wen ein Pfeil trifft, der soll sich verlieben.
- 3Zuordnung: Der Treffer steht dafür, dass die Liebe einen Menschen erfasst.
- 4Zusammenspiel: Figur und Pfeile verweisen gemeinsam auf denselben abstrakten Begriff.
- 5Deutung: Amor macht die Liebe als handelnde Figur vorstellbar und lässt sich deshalb als Allegorie der Liebe deuten.
Fehler finden
Mara deutet die Fabel vom Wolf und vom Lamm als Allegorie. In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 3Sprechende Tiere allein sind höchstens eine Personifikation. Entscheidend ist die zweite Bedeutungsebene. Richtig: Die Fabel ist eine Allegorie, weil das Geschehen für menschliches Verhalten steht: Macht setzt sich gegen Recht durch.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Eine Allegorie verbindet eine konkrete mit einer übertragenen Bedeutung. Justitia ist eine Allegorie. Eine Fabel kann als Allegorie menschliches Verhalten darstellen. Zum Entschlüsseln beachtest du Merkmale und Kontext.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback