Deutsch · Klasse 7–8 · aktualisiert
Polysemie einfach erklärt: Bedeutung im Kontext
Bei Polysemie hat ein Wort mehrere verbundene Bedeutungen, wie „Pferd“ als Tier, Turngerät und Schachfigur. Du lernst, die gemeinte Lesart zu erschließen.
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Kurz gesagt
Polysemie heißt: Eine Wortform hat mehrere Bedeutungen, die erkennbar miteinander verbunden sind. „Pferd“ ist ein Tier, ein Turngerät und eine Schachfigur; Turngerät und Figur erinnern an ein Pferd. Welche Lesart gemeint ist, zeigt der Kontext. Fehlt die Verbindung, wie bei „Kiefer“ (Knochen, Baum), ist es Homonymie.
Bei Polysemie hat dieselbe Wortform mehrere Bedeutungen, die miteinander verbunden sind. Welche Bedeutung gemeint ist, erkennst du meistens am Kontext: an den umgebenden Wörtern und an der Situation. Auf dieser Seite lernst du, polyseme Wörter zu untersuchen und von Homonymen zu unterscheiden.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Das Wort „Pferd“ kann ein Tier, eine Schachfigur oder ein Turngerät bezeichnen. Die Form des Wortes bleibt gleich, seine Bedeutung wechselt. Auch andere Wortarten können polysem sein: Das Adjektiv „grün“ beschreibt eine Farbe, bei Früchten bedeutet es „unreif“ und bei Menschen „unerfahren“. Die letzte Verwendung ist umgangssprachlich und oft abwertend.
Definition
Polysemie
Polysemie ist die Mehrdeutigkeit eines sprachlichen Ausdrucks, besonders eines Wortes. Bei einem Polysem sind die verschiedenen Bedeutungen erkennbar miteinander verbunden oder aus einer gemeinsamen Grundidee hervorgegangen.
Beispiel: Das Wort „Wurzel“ in verschiedenen Zusammenhängen
- 1Die Pflanzenwurzel verankert eine Pflanze im Boden.
- 2Die Zahnwurzel sitzt tief im Kiefer.
- 3Die Haarwurzel liegt in der Haut.
- 4In der Mathematik ist eine Wurzel eine Zahl: Die Quadratwurzel aus 9 ist 3, denn 3 mal 3 ergibt 9.
- 5Bei Pflanzen, Zähnen und Haaren verbindet die Vorstellung eines verankerten unteren Teils die Bedeutungen. Die mathematische Bedeutung ist eine fachsprachliche Übertragung.
Merke: Eine Wortform plus mehrere verbundene Bedeutungen ergibt Polysemie.
Teste dich
Eine einzelne Bedeutung eines mehrdeutigen Wortes heißt Lesart. Der Kontext liefert Hinweise darauf, welche Lesart gemeint ist. So gehst du vor: Markiere das mehrdeutige Wort, suche Hinweise im Satz und in seiner Umgebung, formuliere die passende Bedeutung mit eigenen Worten und prüfe, ob sie zum ganzen Satz passt. Aber Vorsicht: Der Kontext liefert oft starke Hinweise, doch nicht jeder einzelne Satz ist völlig eindeutig. In „Die Maus liegt neben der Tastatur“ spricht „Tastatur“ für das Eingabegerät, trotzdem könnte auch ein Tier dort liegen. Erst ein größerer Textzusammenhang sichert die Entscheidung ab. Beabsichtigte Mehrdeutigkeit kann sogar für Wortspiele genutzt werden.
Beispiel: Dreimal „Zug“
- 1„Der Zug fährt um 8 Uhr am Bahnhof ab.“ – „Bahnhof“ und „fährt“ weisen auf ein Fahrzeug hin.
- 2„Schließe das Fenster, hier ist ein kalter Zug.“ – „Fenster“ und „kalt“ sprechen für einen Luftzug.
- 3„Mit diesem Zug setzt sie den König schachmatt.“ – „schachmatt“ zeigt einen Spielzug.
Definition
Monosemierung
Monosemierung bedeutet, dass der Kontext aus mehreren möglichen Lesarten die gerade passende auswählbar macht.
Beispiel: „Nach dem Sturm lag ein dicker Ast auf der Leitung.“
- 1„Leitung“ könnte eine technische Verbindung oder eine führende Personengruppe bezeichnen.
- 2„Sturm“ und „Ast“ passen zu einer technischen Leitung, etwa einer Strom- oder Telefonleitung.
- 3Die technische Lesart ist naheliegend. Logisch ausgeschlossen ist die andere durch den Satz allein aber nicht.
Teste dich
Bei Polysemie gehören die Bedeutungen zu einer erkennbaren Bedeutungsfamilie. Bei Homonymie haben verschiedene Wörter zufällig dieselbe Form, ohne dass ihre heutigen Bedeutungen erkennbar zusammengehören. Ein klares Beispiel ist „Kiefer“: der Kiefer ist ein Knochen des Mundbereichs, die Kiefer ein Nadelbaum. Die beiden Bedeutungen bilden keine Bedeutungsfamilie, und auch das unterschiedliche grammatische Geschlecht hilft bei der Unterscheidung. Bei „Pferd“ ist die Verbindung dagegen nachvollziehbar: Das Turngerät und die Schachfigur wurden nach Merkmalen benannt, die an ein Pferd erinnern. Die Grenze ist nicht immer eindeutig. Fachleute und Wörterbücher ordnen manche Wörter verschieden ein, weil sie heutige Bedeutungsähnlichkeit und Wortgeschichte unterschiedlich gewichten.
Definition
Homonymie
Homonyme sind verschiedene Wörter mit gleicher Ausdrucksform, aber nicht erkennbar verbundenen Bedeutungen.
| Prüffrage | Polysemie | Homonymie |
|---|---|---|
| Bleibt die Wortform gleich? | ja | ja |
| Sind die Bedeutungen erkennbar verbunden? | ja | normalerweise nein |
| Beispiel | „Pferd“: Tier, Turngerät, Schachfigur | „Kiefer“: Knochen, Baum |
Merke: Ist die Verbindung zwischen den Bedeutungen unsicher, begründe deine Entscheidung und kennzeichne das Wort als Grenzfall.
Teste dich
Eine häufige Ursache für Polysemie ist die bildliche Übertragung: Eine Bezeichnung wird auf etwas übertragen, das in Form, Funktion oder Lage ähnlich ist. Auch Fachsprachen können ein bekanntes Wort spezialisieren, so wie „Wurzel“ in der Mathematik. Für solche Lesarten brauchst du Wissen aus dem jeweiligen Fachgebiet. Manche Bedeutungswechsel treten regelmäßig auf: Der Name einer Institution, etwa einer Schule, kann je nach Kontext die Organisation, die Menschen oder das Gebäude meinen. Nicht jede spontane Übertragung ist schon eine feste Wortbedeutung. In einem ungewöhnlichen Vergleich kann ein Wort nur für diesen einen Moment bildlich gebraucht werden. Eine feste zusätzliche Bedeutung entsteht erst, wenn eine Lesart im Sprachgebrauch üblich wird.
Beispiel: Vom „Kamm“ zum „Bergkamm“
- 1Ein „Kamm“ ordnet Haare mit einer Reihe von Zinken.
- 2Ein „Bergkamm“ bezeichnet die längliche obere Linie eines Gebirges.
- 3Die gezackte Form verbindet beide Lesarten.
| Satz | „Schule“ meint |
|---|---|
| „Die Schule führt eine Projektwoche ein.“ | die Institution |
| „Die Schule jubelt über den Sieg.“ | die Schulgemeinschaft |
| „Die Schule steht unter Denkmalschutz.“ | das Gebäude |
Teste dich
Alles auf einen Blick
Polysemie
Polysemie
eine Wortform, mehrere verbundene Bedeutungen
Lesart
eine einzelne Bedeutung eines mehrdeutigen Wortes
Kontext
Umgebende Wörter und Situation wählen die passende Lesart
Entstehung
oft durch bildliche Übertragung oder Fachsprache
Abgrenzung
Bei Homonymie fehlt eine erkennbare Bedeutungsverbindung
Grenzfälle
Kriterien nennen und vorsichtig begründen
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Ordne ein und begründe: „Der Vogel schlägt mit seinen Flügeln.“ – „Der neue Flügel des Museums bietet Platz für weitere Ausstellungen.“ – „Der Maler steigt auf die Leiter.“ – „Der Leiter des Jugendzentrums begrüßt die Gäste.“
- 1„Vogel“ und „schlägt mit“ weisen auf Körperteile zum Fliegen hin.
- 2„Museum“ und „Platz für Ausstellungen“ weisen auf einen Gebäudeteil hin.
- 3Beide Lesarten von „Flügel“ meinen seitlich ausgreifende Teile: Polysemie. „Flügeln“ ist nur die gebeugte Mehrzahl desselben Wortes.
- 4„Steigt auf“ weist bei „Leiter“ auf das Steiggerät hin (die Leiter), „des Jugendzentrums“ und „begrüßt“ auf eine leitende Person (der Leiter).
- 5Zwischen Steiggerät und leitender Person ist keine Verbindung erkennbar: Die beiden „Leiter“ sind Homonyme.
Fehler finden
Nora bestimmt, welche Lesart gemeint ist. In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 3„Fenster“ und „kalt“ passen nicht zu einem Fahrzeug; Nora hat die erstbeste Bedeutung genommen. Richtig: „Schließe das Fenster, hier ist ein kalter Zug.“ → Luftzug
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Bei Polysemie sind die Bedeutungen eines Wortes . Eine einzelne Bedeutung eines mehrdeutigen Wortes heißt . Der „Bergkamm“ hat seinen Namen durch bekommen.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback