Deutsch · Klasse 5–6 · aktualisiert
Morphem: Wortbausteine erkennen und bestimmen
„Kinder“ besteht aus „Kind“ und „-er“. Du lernst, Wörter in Morpheme zu zerlegen, Morphemarten zu bestimmen und sie von Silben zu unterscheiden.
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Kurz gesagt
Ein Morphem ist die kleinste sprachliche Einheit mit einer Bedeutung oder grammatischen Funktion. „Tisch“ besteht aus einem Morphem, „Tische“ aus zwei: „Tisch“ trägt die Bedeutung, „-e“ zeigt die Mehrzahl. Morphemgrenzen sind nicht dasselbe wie Silbengrenzen: „Seg-ler“, aber „Segl-er“.
Ein Morphem ist die kleinste sprachliche Einheit mit einer Bedeutung oder grammatischen Funktion. Ein Wort kann aus einem einzigen Morphem bestehen, etwa „Tisch“, oder mehrere Morpheme enthalten, etwa „Kind-er“. Auf dieser Seite lernst du, verschiedene Morphemarten zu unterscheiden und komplexe Wörter Schritt für Schritt zu zerlegen.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Ein Wortteil ist nicht allein deshalb ein Morphem, weil man ihn abtrennen kann. Er muss eine Bedeutung oder eine grammatische Funktion tragen. Im Wort „Tische“ lassen sich zwei Morpheme erkennen: „Tisch“ bezeichnet einen Gegenstand und trägt die inhaltliche Bedeutung. „-e“ zeigt hier die Mehrzahl an und erfüllt eine grammatische Funktion. Die einzelnen Laute und Buchstaben in „Tisch“ unterscheiden zwar Wörter voneinander. Sie tragen hier aber nicht jeweils eine eigene Bedeutung. Deshalb sind „T“, „i“ oder „sch“ keine Morpheme dieses Wortes.
Definition
Morphem
Ein Morphem ist die kleinste sprachliche Einheit, die eine eigene Bedeutung oder eine grammatische Funktion besitzt. Es lässt sich nicht weiter in kleinere bedeutungs- oder funktionstragende Teile zerlegen.
Beispiel: „Kinder“ = „Kind“ + „-er“
- 1„Kind“ benennt eine Person und trägt die inhaltliche Bedeutung.
- 2„-er“ zeigt in diesem Wort die Mehrzahl an.
- 3Beide Teile erfüllen eine erkennbare Aufgabe und sind deshalb Morpheme.
Teste dich
Morpheme lassen sich nach verschiedenen Eigenschaften ordnen. Die Einteilungen lexikalisch oder grammatisch und frei oder gebunden beantworten unterschiedliche Fragen. Morpheme wie „be-“, „ent-“, „-lich“ oder „-ung“ bilden neue Wörter. Sie heißen Wortbildungsmorpheme. Manche Einteilungen behandeln sie als eigene Hauptklasse, andere ordnen sie den grammatischen Morphemen zu. Für eine Analyse ist deshalb wichtig, die gewählte Bezeichnung konsequent zu verwenden. Ein freies Morphem kann als selbstständige Wortform auftreten, zum Beispiel „Tisch“, „heute“ oder „und“. Ein gebundenes Morphem kommt nur zusammen mit mindestens einem weiteren Morphem vor, zum Beispiel „be-“ in „beleben“, „-lich“ in „höflich“ oder „-st“ in „lernst“. Ein Morphem kann mehrere Eigenschaften zugleich besitzen. „Tisch“ ist frei und lexikalisch, „-st“ ist gebunden und grammatisch. Die Bezeichnungen sind daher keine konkurrierenden Antworten, sondern beschreiben verschiedene Seiten desselben Morphems.
Definition
Lexikalisches Morphem
Ein lexikalisches Morphem trägt den inhaltlichen Kern eines Wortes. Es wird auch Stamm- oder Basismorphem genannt, zum Beispiel „bau“ in „bauen“, „Anbau“ und „Bebauung“.
Definition
Grammatisches Morphem
Ein grammatisches Morphem zeigt grammatische Merkmale an. „-st“ in „du lernst“ markiert beispielsweise die zweite Person Singular.
Merke: Frage zuerst nach der Funktion: lexikalisch, grammatisch oder wortbildend? Frage danach nach der Selbstständigkeit: frei oder gebunden?
Teste dich
Gehe nicht nur nach dem Klang. Suche nach Bestandteilen, deren Bedeutung oder Funktion du in verwandten Wörtern wiedererkennst. (1) Suche den inhaltlichen Stamm oder die inhaltlichen Stämme. (2) Prüfe Bestandteile vor und nach dem Stamm auf Wortbildung. (3) Suche nach grammatischen Endungen. (4) Prüfe bei zusammengesetzten Wörtern, ob ein Fugenelement die Teile verbindet. (5) Erkläre die Aufgabe jedes Bestandteils.
Definition
Fugenelement
Ein Fugenelement verbindet Bestandteile eines zusammengesetzten Wortes. Das Fugen-„s“ in „Haltungsnote“ verbindet „Haltung“ und „Note“. Es ist nicht automatisch eine Kasusendung.
Beispiel: „Befragungsbogens“ = „Be-frag-ung-s-bogen-s“
- 1„Be-“ bildet zusammen mit dem Stamm ein neues Wort.
- 2„frag“ ist ein lexikalisches Morphem.
- 3„-ung“ bildet die Bezeichnung „Befragung“.
- 4„-s-“ verbindet „Befragung“ und „Bogen“ als Fugenelement.
- 5„bogen“ ist das zweite lexikalische Morphem.
- 6Das letzte „-s“ ist eine Deklinationsendung, zum Beispiel in „des Befragungsbogens“.
- 7Dass zwei „s“ vorkommen, bedeutet also nicht, dass sie dieselbe Funktion haben.
Teste dich
Eine Silbe ist eine Einheit des Sprechens. Ein Morphem ist dagegen eine Einheit mit Bedeutung oder grammatischer Funktion. Deshalb können ihre Grenzen an verschiedenen Stellen liegen. Bei „zerlegen“ trägt „zer-“ zur Wortbildung bei, „leg“ ist der lexikalische Stamm und „-en“ ist eine grammatische Endung. Die Silbengrenzen ergeben sich dagegen aus der Aussprache. Ein Morphem kann verschiedene Formen haben: Der Stamm von „Wald“ erscheint als „wald“ in „Wald“ und als „wäld“ in „Wälder“. Solche Formen desselben Morphems heißen Allomorphe. Auch die Mehrzahl kann unterschiedlich aussehen, etwa „-e“ in „Tische“, „-s“ in „Autos“ oder Umlaut und „-er“ in „Wälder“. Das hilft beim Schreiben: Wenn du unsicher bist, suche ein verwandtes Wort mit demselben Stamm. Das funktioniert nur, wenn die Wörter wirklich verwandt sind. Die vereinfachte Aussage „Der Stamm bleibt immer gleich“ meint vor allem den erkennbaren Zusammenhang, denn wie „Dach – Dächer“ zeigt, kann der Stamm seine Form ändern. Auch wiederkehrende gebundene Morpheme helfen: Die Präfixe „ver-“ und „vor-“ werden mit „v“ geschrieben. Wenn du sie als Wortbausteine erkennst, kannst du diese Schreibung auf weitere Wörter übertragen.
| Wort | Sprechsilben | Morpheme |
|---|---|---|
| „Segler“ | „Seg-ler“ | „Segl-er“ |
| „zerlegen“ | „zer-le-gen“ | „zer-leg-en“ |
Merke: Klatschen hilft beim Finden von Silben. Für Morpheme musst du nach Bedeutung und grammatischer Funktion fragen.
Beispiel: Bei „Dächer“ hilft das verwandte Wort „Dach“
- 1„Dach“ und „Dächer“ gehören zur gleichen Wortfamilie.
- 2Der gemeinsame Stamm erscheint als „Dach“ beziehungsweise „Däch“.
- 3Der Vergleich zeigt den Wechsel von „a“ zu „ä“.
- 4Deshalb schreibst du „Dächer“ mit „ä“.
Teste dich
Alles auf einen Blick
Morphem
Morphem
kleinste Einheit mit Bedeutung oder grammatischer Funktion
Arten
frei oder gebunden; lexikalisch, grammatisch oder wortbildend
Zerlegen
Stamm suchen, dann Wortbildungs-, Fugen- und Flexionsteile prüfen
Abgrenzung
Silben folgen der Aussprache, Morpheme der Bedeutung
Anwendung
verwandte Wörter mit gleichem Stamm helfen beim Schreiben
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Zerlege „Bemalungen“ in Morpheme und bestimme sie.
- 1Inhaltlicher Stamm: „mal“ wie in „malen“ – ein lexikalisches Morphem.
- 2Vor dem Stamm steht „be-“, danach „-ung“: Beide sind Wortbildungsmorpheme. So entsteht „Bemalung“.
- 3Grammatische Endung: „-en“ zeigt die Mehrzahl.
- 4Fugenelement: keins, denn „Bemalungen“ ist kein zusammengesetztes Wort.
- 5Ergebnis: „Be-mal-ung-en“ – vier Morpheme: ein Stamm, zwei Wortbildungsmorpheme und eine Endung.
Fehler finden
Lea zerlegt vier Wörter in Morpheme. In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 3Lea trennt hier nach Sprechsilben statt nach Bedeutung. Richtig: „Lehrer“ → „Lehr-er“, mit dem Stamm „lehr“ wie in „lehren“ und „-er“ für die Person.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Ein Morphem ist die kleinste Einheit mit oder grammatischer Funktion. „-st“ in „du lernst“ ist ein Morphem. Silben richten sich nach der eines Wortes.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback