Deutsch · Klasse 7–8 · aktualisiert
Konjunktiv II: Bildung, Gebrauch und Beispiele
Hätte, wäre, würde: Du lernst, wie du den Konjunktiv II bildest und damit Wünsche, irreale Bedingungen und höfliche Bitten ausdrückst.
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Kurz gesagt
Der Konjunktiv II drückt aus, was nur vorgestellt, gewünscht oder nicht wirklich ist, und macht Bitten höflich: „Wenn ich mehr Zeit hätte, würde ich länger bleiben.“ Du bildest ihn mit eigenen Formen wie wäre, hätte, könnte oder mit würde + Infinitiv. Für die Vergangenheit nimmst du hätte oder wäre + Partizip II.
Mit dem Konjunktiv II drückst du aus, dass etwas nur vorgestellt, gewünscht, unwahrscheinlich oder nicht wirklich eingetreten ist. Außerdem kannst du damit höflich bitten, Vorschläge machen und Ratschläge geben.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Stell dir vor, du hast heute keine Zeit. Über die Wirklichkeit sagst du: „Ich habe heute keine Zeit.“ Mit dem Konjunktiv II beschreibst du eine gewünschte oder vorgestellte andere Situation: „Ich wünschte, ich hätte heute mehr Zeit.“ Der Konjunktiv II bedeutet aber nicht automatisch das Gegenteil einer Aussage. In „Könntest du mir helfen?“ dient er der Höflichkeit: Die Frage behauptet nicht, dass die andere Person unmöglich helfen kann. Die Form macht die Bitte vorsichtiger.
Definition
Konjunktiv II
Der Konjunktiv II ist eine Verbform für nicht reale, nur vorgestellte oder vorsichtig formulierte Aussagen. Typische Funktionen sind Wünsche, irreale Bedingungen, höfliche Bitten, Vorschläge, Ratschläge und irreale Vergleiche.
| Funktion | Beispiel |
|---|---|
| Wunsch | Ich wäre jetzt gern am Meer. |
| irreale Bedingung | Wenn ich mehr Zeit hätte, würde ich länger bleiben. |
| höfliche Bitte | Könntest du mir helfen? |
| Vorschlag | Wir könnten eine Pause machen. |
| Ratschlag | Du solltest früher anfangen. |
| irrealer Vergleich | Er tut so, als ob er alles wüsste. |
Teste dich
Für die Gegenwart gibt es zwei Bildungswege: eine eigene Form wie wäre, hätte oder könnte oder die würde-Form. Die eigenen Formen beruhen auf der Präteritumform, bei manchen Verben kommt ein Umlaut hinzu. Die Endungen lauten grundsätzlich -e, -est, -e, -en, -et, -en. Sollen und wollen erhalten keinen Umlaut: „sollte“, „wollte“. Eigene Formen sind besonders bei sein, haben, den Modalverben und einigen häufigen unregelmäßigen Verben üblich: „Ich wäre gern dabei.“ „Du müsstest genauer lesen.“ Die würde-Form besteht aus einer passenden Form von würde (ich würde, du würdest, wir würden, ihr würdet) und dem Infinitiv am Satzende. Der Infinitiv darf nicht fehlen: „Ich würde morgen nach Berlin.“ ist unvollständig, richtig ist „Ich würde morgen nach Berlin fahren.“ Bei regelmäßigen Verben sieht die eigene Form oft genauso aus wie das Präteritum: „Ich machte“ kann wie eine Vergangenheitsform wirken. Deutlicher ist „Ich würde es anders machen.“ Bei wäre, hätte und geläufigen Modalverbformen ist die würde-Form dagegen unnötig umständlich: besser „Ich wäre bereit.“ als „Ich würde bereit sein.“
| Infinitiv | Präteritum | Konjunktiv II (ich/er/sie/es) |
|---|---|---|
| sein | war | wäre |
| haben | hatte | hätte |
| können | konnte | könnte |
| müssen | musste | müsste |
| dürfen | durfte | dürfte |
| finden | fand | fände |
| kommen | kam | käme |
| wissen | wusste | wüsste |
Beispiel: Aus der wirklichen Aussage „Mira bleibt heute zu Hause“ wird eine vorgestellte Möglichkeit.
- 1„Mira würde heute zu Hause bleiben.“
- 2Würde passt zu „Mira“ und steht an zweiter Stelle. Der Infinitiv bleiben steht am Satzende.
Merke: Nutze geläufige eigene Formen wie wäre, hätte, könnte und müsste. Bei vielen anderen Verben ist würde + Infinitiv besonders klar.
Teste dich
Ein Wunsch beschreibt eine ersehnte Situation, die gerade nicht Wirklichkeit ist oder noch nicht feststeht: „Ich hätte gern ein Fahrrad.“ „Würde der Bus doch endlich kommen!“ Ein irrealer Bedingungssatz verbindet eine nur vorgestellte Bedingung mit ihrer möglichen Folge. Häufig beginnt der Nebensatz mit wenn, und das gebeugte Verb steht am Ende: „Wenn der Bus pünktlich wäre, kämen wir früher an.“ Bei einem irrealen Vergleich gibt es zwei häufige Satzmuster: Mit als ob steht das Verb am Ende („Sie tut so, als ob sie die Antwort wüsste.“), mit als steht es direkt nach „als“ („Sie tut so, als wüsste sie die Antwort.“).
Beispiel: Wirklichkeit: Lea hat nicht genug Zeit. Deshalb hilft sie heute nicht beim Umzug.
- 1Vorstellung: „Wenn Lea mehr Zeit hätte, würde sie beim Umzug helfen.“
- 2Der wenn-Satz nennt die vorgestellte Bedingung mehr Zeit haben. Der Hauptsatz nennt die Folge beim Umzug helfen. Weil beides nur vorgestellt ist, stehen beide Teilsätze im Konjunktiv II.
Teste dich
Für eine vergangene Situation bildest du den Konjunktiv II mit hätte oder wäre und dem Partizip II. Welches Hilfsverb passt, verrät das Perfekt des Verbs (siehe Merke). Mit einem Modalverb verwendest du hätte und zwei Infinitive, zuerst das Vollverb, dann das Modalverb: „Ich hätte früher lernen sollen.“ „Sie hätte den Zug erreichen können.“ „Wir hätten zu Hause bleiben müssen.“ Achte auf den Unterschied zur Gegenwart: „Wenn ich Zeit hätte, würde ich kommen.“ ist eine Vorstellung jetzt. „Wenn ich Zeit gehabt hätte, wäre ich gekommen.“ beschreibt eine verpasste Möglichkeit. Ob jemand die Situation wirklich bedauert, ergibt sich aus dem Zusammenhang und nicht allein aus der Verbform.
Beispiel: Wirklichkeit: Sam hat den Zug verpasst und ist nicht rechtzeitig angekommen.
- 1Vorstellung über die Vergangenheit: „Wenn Sam früher losgegangen wäre, hätte er den Zug erreicht.“
- 2Wäre losgegangen beschreibt die nicht erfüllte Bedingung. Hätte erreicht nennt die Folge, die deshalb ebenfalls nicht eingetreten ist.
Merke: Ob hätte oder wäre, verrät das Perfekt: „Ich habe gelernt.“ → „Ich hätte gelernt.“ „Wir sind gefahren.“ → „Wir wären gefahren.“
Teste dich
Alles auf einen Blick
Konjunktiv II
Funktionen
Wunsch, irreale Bedingung, Höflichkeit, Vorschlag, Ratschlag, Vergleich
Gegenwart
eigene Form oder würde-Form
Häufige Formen
wäre, hätte, könnte, müsste
Vergangenheit
hätte oder wäre mit Partizip II
Modalverb in der Vergangenheit
hätte mit zwei Infinitiven
Satzbau
Infinitiv oder Partizip steht häufig am Satzende
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Mach aus der Wirklichkeit eine Vorstellung: „Es ist kalt, deshalb gehen wir nicht ins Freibad.“
- 11. Bedingung umdrehen: Die Vorstellung ist, dass es warm ist.
- 22. Bedingung im Konjunktiv II: „sein“ hat die geläufige eigene Form „wäre“: „Wenn es warm wäre, …“
- 33. Folge im Konjunktiv II: „wir gingen“ sähe aus wie das Präteritum, also würde-Form: „… würden wir ins Freibad gehen.“
- 44. Ergebnis: „Wenn es warm wäre, würden wir ins Freibad gehen.“
Fehler finden
Emil schreibt auf, was bei der Klassenfahrt anders hätte laufen können. In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 3„werden“ bildet das Perfekt mit „sein“ (er ist krank geworden). Deshalb brauchst du „wäre“. Richtig: Wenn Tom nicht krank geworden wäre, hätte er mitspielen können.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Wenn ich mehr Zeit , ich ein Instrument . Meine Schwester könnte mir beim Üben helfen.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback