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Deutsch · Klasse 11–13 · aktualisiert

Empfindsamkeit: Merkmale und literarische Einordnung

Die Empfindsamkeit (etwa 1740–1790) stellt Gefühl neben Vernunft. Du lernst Merkmale, Formen, eine Analysemethode und die Abgrenzung zum Sturm und Drang.

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Empfindsamkeit: Merkmale und literarische Einordnung

Kurz gesagt

Die Empfindsamkeit ist eine literarische Strömung des 18. Jahrhunderts, meist datiert auf 1740 bis 1790. Sie ergänzt das Vernunftideal der Aufklärung um das Gefühl: Rührung, Selbstbeobachtung, Freundschaft, Naturerleben und persönliche Frömmigkeit. Typische Formen sind Brief, Briefroman, Tagebuch, Ode und Rührstück.

Die Empfindsamkeit ist eine literarische Strömung des 18. Jahrhunderts, die im deutschsprachigen Raum meist auf 1740 bis 1790 datiert wird. Sie ergänzt das Vernunftideal der Aufklärung: Persönliches Gefühl, Naturerleben und individuelle Frömmigkeit erhalten einen eigenen Wert. Auf dieser Seite lernst du, empfindsame Merkmale in einem Text zu erkennen, mit seiner sprachlichen oder erzählerischen Form zu verbinden und von Aufklärung sowie Sturm und Drang abzugrenzen.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.

4 Abschnitte

Die Aufklärung stellte Vernunft, kritisches Denken und Selbstbestimmung in den Mittelpunkt. Die Empfindsamkeit verwarf diese Ziele nicht. Sie betonte zusätzlich, dass auch das emotionale Innenleben die Persönlichkeit und das Handeln eines Menschen prägt. Die Jahreszahlen sind Orientierungspunkte, keine scharfen Grenzen. Literarische Strömungen überschneiden sich. Deshalb kann ein Werk Merkmale mehrerer Strömungen tragen. Ein wichtiger religiöser Einfluss war der Pietismus. Diese protestantische Bewegung betonte die persönliche Beziehung zu Gott gegenüber starren kirchlichen Vorgaben. Dadurch erhielten individuelle Frömmigkeit und inneres Erleben einen hohen Stellenwert. Auch der Begriff hat eine Geschichte: Johann Joachim Christoph Bode übersetzte Laurence Sternes Reisebuch 1768 unter dem Titel „Yoriks empfindsame Reise“. Das damals neue Wort „empfindsam“ hatte Lessing ihm vorgeschlagen; später wurde es auf die literarische Strömung übertragen. Gefühl und Selbstbeobachtung: Empfindsame Texte beobachten seelische Vorgänge genau. Typisch sind Rührung, Trauer, Freundschaft, Nächsten- und Geschwisterliebe sowie die Freude an Anmut und Tugend. Gefühle gelten dabei nicht als Schwäche, sondern als menschlich und bedeutsam. Das Wort sentimental bezeichnet in diesem historischen Zusammenhang eine starke Rührbarkeit. Es ist nicht bloß ein abwertendes Urteil über übertriebene Gefühle. Persönliche Frömmigkeit: Glaube erscheint als individuelles Erlebnis. Entscheidend ist die persönlich empfundene Beziehung zum Göttlichen, nicht nur das Befolgen äußerer Regeln. Natur als Gefühlsraum: Natur ist mehr als eine Landschaftskulisse. Sie ermöglicht Selbstbesinnung und wird mit der inneren Stimmung verbunden. Eine Nachtlandschaft kann beispielsweise Ruhe, Staunen oder Ergriffenheit auslösen. Freundschaft und Privatleben: Freundschaft, Familie und andere persönliche Beziehungen werden aufgewertet. Damit rückt das private Innenleben stärker in den Mittelpunkt als die öffentliche Repräsentation von Rang und Macht.

Definition

Empfindsamkeit

Empfindsamkeit bezeichnet eine literarische Strömung, in der feine seelische Regungen, persönliche Beziehungen, Naturerleben und gefühlsbetonte Frömmigkeit besonders wichtig sind. Literatur soll Gefühle nicht nur darstellen, sondern die Lesenden auch rühren.

Merke: Empfindsamkeit bedeutet nicht „Gefühl statt Vernunft“, sondern vor allem Gefühl neben Vernunft.

Teste dich

LeichtWelche Aussage beschreibt das Verhältnis zur Aufklärung am besten?
MittelEin Gedicht beschreibt einen stillen Wald. Was macht diese Naturdarstellung besonders wahrscheinlich empfindsam?

Alles auf einen Blick

Empfindsamkeit

  • Einordnung

    etwa 1740 bis 1790; Ergänzung der Aufklärung

  • Innenleben

    Gefühle und Selbstbeobachtung; persönliche Frömmigkeit

  • Motive

    Natur und Freundschaft; Nächstenliebe und Trauer

  • Literatur

    gefühlsnahe Formen; rührende Wirkung

  • Analyse

    Textbeobachtung belegen; Überschneidungen beachten

Musteraufgabe · Schritt für Schritt

Ordne Claudius’ Verse ein: „Der Wald steht schwarz und schweiget, / und aus den Wiesen steiget / Der weisse Nebel wunderbar.“

  1. 1Beobachtung: Der Wald „schweiget“, der Nebel wird als „wunderbar“ bewertet. Die Landschaft erscheint still und eindrucksvoll.
  2. 2Motiv: Natur – aber nicht als bloße Kulisse, sondern als Raum der Selbstbesinnung.
  3. 3Wirkung: Die wertende Wahrnehmung erzeugt Staunen und eine ruhige, nach innen gerichtete Stimmung.
  4. 4Einordnung: Die Verbindung von Naturbeobachtung und Empfindung spricht für empfindsame Naturlyrik. Die Natur allein wäre als Beleg zu wenig.

Fehler finden

Lena untersucht einen Brief aus einem Briefroman in vier Schritten. In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.

Lückentext

Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.

Die Empfindsamkeit ergänzt die um das Gefühl. Typische Themen sind Naturerleben, Freundschaft und persönliche . Gefühle werden durch genaue sichtbar gemacht.

Karteikasten

Erst selbst überlegen, dann umdrehen.

Übung mit Feedback

Abschluss-Check: Empfindsamkeit

LeichtWelche drei Merkmalsbereiche bilden den gemeinsamen Kern der Empfindsamkeit?
MittelWelche Begründung für eine empfindsame Textstelle ist fachlich am stärksten?
SchwerEin Übungstext verbindet vernünftige Selbstprüfung mit einer ausführlichen Schilderung von Freundschaft und innerer Rührung. Wie ordnest du ihn ein?

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