Deutsch · Klasse 11–13 · aktualisiert
Else Lasker-Schüler: Leben, Werk und Exil
Else Lasker-Schüler verband Liebe, Religion und Verlust in kühnen Bildern. Du lernst Leben, Bildsprache und Exil kennen und ordnest Texte begründet ein.
0 von 13 Aufgaben gelöst
Kurz gesagt
Else Lasker-Schüler (1869–1945) war eine deutsch-jüdische Dichterin und Zeichnerin der Moderne, vor allem des Expressionismus. Bekannt sind „Meine Wunder“ (1911), die „Hebräischen Balladen“ (1913) und „Mein blaues Klavier“ (1943). 1933 floh sie vor den Nationalsozialisten, ab 1939 lebte sie im Exil in Jerusalem.
Else Lasker-Schüler war eine deutsch-jüdische Dichterin, Zeichnerin und wichtige Vertreterin der literarischen Moderne. Ihre Texte verbinden Liebe, Verlust, Religion und Heimat mit einer ungewöhnlich bildreichen Sprache. Verfolgung und Exil veränderten ihr Leben und ihr Schreiben grundlegend. Auf dieser Seite lernst du, wie Biografie, historische Erfahrungen und poetische Gestaltung zusammenhängen. Du übst außerdem, einzelne Texte differenziert einzuordnen, statt die Autorin nur mit dem Etikett „Expressionismus“ zu versehen.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Else Lasker-Schüler wurde am 11. Februar 1869 in Elberfeld, dem heutigen Wuppertal, geboren. Sie wuchs als jüngstes von sechs Kindern in einer jüdischen Familie auf. Schon als Kind konnte sie früh lesen und schreiben. Mehrere Verluste trafen sie schwer: Ihr Bruder Paul starb, als sie 13 Jahre alt war. 1890 verlor sie ihre Mutter, 1897 ihren Vater. Die verlorene familiäre Geborgenheit kehrt in ihrer Dichtung als Sehnsucht nach Mutter, Kindheit, Paradies und Heimat wieder. 1894 heiratete sie den Arzt Berthold Lasker und zog nach Berlin. Dort kam sie mit der künstlerischen Avantgarde in Kontakt. Avantgarde bezeichnet Kunstschaffende, die bewusst neue Ausdrucksformen erproben und sich von überlieferten Regeln lösen. 1899 wurde ihr Sohn Paul geboren. Sein Tod an Tuberkulose im Jahr 1927 löste eine schwere Krise aus. Wieder zeigt sich ein Grundmuster ihres Werks: Persönliche Verluste werden nicht nur berichtet, sondern in Bilder, Mythen und poetische Rollen verwandelt.
| Wann | Was |
|---|---|
| 1869 | Geburt in Elberfeld |
| 1894 | Heirat mit Berthold Lasker und Umzug nach Berlin |
| 1899 | Erste Gedichte und Geburt des Sohnes Paul |
| 1903 | Scheidung und Heirat mit Georg Lewin, dem sie den Namen Herwarth Walden gibt |
| 1905 | Gedichtband „Der siebente Tag“ |
| 1911 | Gedichtband „Meine Wunder“ |
| 1913 | „Hebräische Balladen“ |
| 1927 | Tod ihres Sohnes Paul |
| 1932 | Verleihung des Kleist-Preises |
| 1933 | Flucht in die Schweiz |
| 1939 | Beginn des dauerhaften Exils in Jerusalem |
| 1943 | Exilband „Mein blaues Klavier“ |
| 1945 | Tod in Jerusalem |
Merke: Biografische Erfahrungen erklären nicht automatisch die Bedeutung eines Gedichts. Sie liefern einen möglichen Kontext, der immer mit Beobachtungen am Text verbunden werden muss.
Teste dich
Der Expressionismus ist eine Strömung der literarischen Moderne im frühen 20. Jahrhundert. Viele expressionistische Texte stellen starke innere Erfahrungen, Krisen und eine veränderte Wirklichkeit mit auffälligen Bildern und neuen Sprachformen dar. Lasker-Schüler wurde besonders durch „Meine Wunder“ von 1911 zu einer führenden expressionistischen Autorin. Sie veröffentlichte in wichtigen Zeitschriften der Moderne, darunter „Der Sturm“. Zu ihrem Umfeld gehörten unter anderem Peter Hille, Karl Kraus, Gottfried Benn und Franz Marc. Typisch für viele ihrer Gedichte sind ungewöhnliche Metaphern und Wortneuschöpfungen, intensive Farb-, Stern-, Pflanzen- und Tierbilder, biblische, jüdische und orientalische Motive, eine starke, oft wechselnde Sprecherrolle, die Verbindung von Liebe, Religion, Sinnlichkeit und Mythos sowie Freiheit gegenüber äußeren Formregeln bei zugleich dichter Gestaltung. Die Zuordnung zum Expressionismus hilft, hat aber Grenzen. Der frühe Band „Styx“ (je nach bibliografischer Angabe 1901 oder 1902) steht noch unter dem Einfluss der Jahrhundertwende. In „Mein blaues Klavier“ von 1943 werden Strophen und Reime teilweise regelmäßiger. Außerdem schrieb sie nicht nur Lyrik, sondern auch Prosa, Dramen und Briefe, und sie zeichnete.
Definition
Metapher
Eine Metapher überträgt einen Ausdruck in einen neuen Zusammenhang. Wenn zwei Liebende als miteinander verwobene Teppichfäden erscheinen, wird ihre Verbindung nicht sachlich erklärt, sondern als anschauliches Bild erfahrbar.
Beispiel: Pauschal oder differenziert einordnen?
- 1Pauschal: „Else Lasker-Schüler ist Expressionistin, deshalb ist jedes ihrer Gedichte expressionistisch.“
- 2Differenziert: „Die auffälligen Bildverbindungen und Wortneuschöpfungen dieses Gedichts lassen sich expressionistisch lesen. Entstehungszeit, Form und Thema des Textes müssen aber mitgeprüft werden.“
- 3Die zweite Aussage überzeugt, weil sie das Etikett am einzelnen Text begründet und seine Grenzen offenhält.
Teste dich
Lasker-Schülers Sprache bildet Wirklichkeit nicht einfach ab. Sie schafft eine eigene Welt aus Farben, Sternen, Pflanzen, Tieren sowie biblischen und orientalischen Motiven. In „Ein alter Tibetteppich“ werden die Seelen zweier Liebender mit Fäden verglichen, die in einem Teppich verwoben sind. Solche Bilder beschreiben keinen realen Ort: Der Text entwirft eine poetische Vorstellung des „Orients“, keine verlässliche Darstellung einer Kultur. Zu dieser Welt gehören auch ihre Fantasienamen. Sie nannte sich etwa „Prinz Jussuf von Theben“ und gab Freunden eigene Namen; die männlich bezeichnete Prinzenrolle überschreitet feste Grenzen zwischen weiblicher und männlicher Identität. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme wurde sie tätlich angegriffen und floh am 19. April 1933 in die Schweiz. Dort durfte sie nicht arbeiten und bekam nur befristete Aufenthaltsgenehmigungen. Sie reiste 1934 und 1937 nach Palästina; 1938 wurde ihr die deutsche Staatsangehörigkeit aberkannt. Während der dritten Reise 1939 verhinderten der Krieg und ein verweigertes Schweizer Rückreisevisum die Rückkehr: Ihr dauerhaftes Exil in Jerusalem begann. Sie lebte dort unter schwierigen finanziellen und persönlichen Bedingungen, organisierte aber mit dem „Kraal“ einen literarischen Gesprächskreis. In ihrer Dichtung ist Jerusalem Sehnsuchtsort und religiöses Hoffnungsbild, die erlebte Stadt dagegen ein Ort des Exils und der Einsamkeit. Beides darfst du nicht gleichsetzen. Der 1943 in Jerusalem erschienene Band „Mein blaues Klavier“ verbindet persönliche Trauer mit dem Zivilisationsbruch durch das nationalsozialistische Deutschland. Solche Texte gehören zur Exilliteratur: Sie entsteht unter Flucht und Vertreibung, deshalb zählen auch Publikationsmöglichkeiten, Sprache, Adressaten und Lebensbedingungen zum Kontext.
Beispiel: So untersuchst du das Teppichbild
- 1Textbeobachtung: Die Seelen der Liebenden erscheinen als miteinander verwobene Fäden.
- 2Bedeutung des Bildes: Fäden in einem Gewebe sind einzeln vorhanden, bilden aber gemeinsam ein Muster.
- 3Deutung: Das Bild kann die enge und dauerhafte Verbindung der Liebenden ausdrücken.
- 4Begrenzung: Ob die Liebe harmonisch, abhängig oder gefährdet erscheint, prüfst du an weiteren Wörtern und Formen des Gedichts.
Definition
Lyrisches Ich
Das lyrische Ich ist die Stimme, die in einem Gedicht spricht. Es ist nicht automatisch mit der Autorin gleichzusetzen. Auch bei biografischen Anklängen bleibt es eine gestaltete Rolle im Text.
Merke: Ein Exiltext wird nicht allein dadurch verständlich, dass du das Wort „Heimatverlust“ nennst. Untersuche, wie Sprache, Form und Bilder auf die konkrete historische und persönliche Lage reagieren.
Teste dich
Gehe bei einem Gedicht oder Prosatext in fünf Schritten vor. Am Ende steht ein Analyseabsatz nach dem Muster Beobachtung – Wirkung – Deutung – Begrenzung. Biografie und Geschichte kommen erst dazu, wenn sie eine Beobachtung am Text erklären.
Beispiel: Ein spätes Gedicht zeigt ein beschädigtes Musikinstrument, das früher gespielt wurde und nun ungenutzt ist. Wie könnte ein erster Deutungsansatz aussehen?
- 1Beobachtung: Das Instrument ist beschädigt und verbindet Vergangenheit mit gegenwärtigem Verlust.
- 2Deutung: Vorsichtig gelesen kann es ein Bild für zerstörte Kultur, verlorene Heimat oder eine bedrohte dichterische Stimme sein.
- 3Kontext: Das Exil kann diese Lesart stützen.
- 4Prüfung: Entscheidend bleibt, ob weitere Wörter, Gegensätze und Formmerkmale des Gedichts dazu passen.
Beispiel: Fünf Schritte für einen Text von Lasker-Schüler
- 1Orientieren: Gattung, Entstehungszeit und Sprechsituation bestimmen, soweit sie angegeben sind.
- 2Beobachten: auffällige Bilder, Wortneuschöpfungen, Wiederholungen, Gegensätze, Klang- und Formmerkmale markieren.
- 3Zusammenhänge bilden: fragen, wie die Beobachtungen Liebe, Verlust, Religion, Identität oder Exil gestalten.
- 4Kontext prüfen: Biografie und Geschichte nur dort nutzen, wo sie Textbeobachtungen erklären.
- 5Einordnung begrenzen: Moderne, Expressionismus oder Exilliteratur am konkreten Text begründen und Grenzen nennen.
Teste dich
Alles auf einen Blick
Else Lasker-Schüler
Leben und Verluste
Familie, Sohn Paul, Heimatsehnsucht
Literarische Moderne
Expressionismus, Avantgarde, Künstlernetzwerke
Poetische Gestaltung
Metaphern, Wortneuschöpfungen, Fantasierollen
Zentrale Themen
Liebe, Religion, Verlust, Identität
Verfolgung und Exil
Flucht 1933, Jerusalem ab 1939
Differenzierte Analyse
Textbeobachtung, Kontext, begrenzte Einordnung
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Aufgabe: Ein Text verbindet eine biblische Figur mit Liebessprache und auffälligen Farbbildern. Schreib einen kurzen Analyseabsatz.
- 1Beobachtung: Die biblische Figur erscheint in einer von Liebe und intensiven Farben geprägten Bildwelt.
- 2Wirkung: Dadurch wirkt der religiöse Stoff persönlich und sinnlich statt nur feierlich oder lehrhaft.
- 3Deutung: Die Verbindung kann zeigen, wie eng Liebe und Religion in Lasker-Schülers Dichtung zusammengehören.
- 4Begrenzung: Ob außerdem eine historische oder geschlechtliche Aussage entsteht, prüfst du an der Sprecherrolle und am übrigen Text.
Fehler finden
Lena plant ihre Analyse von „Ein alter Tibetteppich“. In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 4Das lyrische Ich ist eine gestaltete Rolle, nicht automatisch die Autorin. Richtig: Kontext: Biografische Bezüge sind möglich, müssen aber am übrigen Text geprüft werden.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Else Lasker-Schüler wurde 1869 in geboren. 1933 floh sie vor den Nationalsozialisten in . Ab 1939 lebte sie im Exil in .
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback