Chemie · Klasse 10–13 · aktualisiert
Orbitalmodell: Orbitale und Elektronen verstehen
Was Orbitale statt Kreisbahnen zeigen und wie Energieordnung, Hund und Pauli Elektronen verteilen.
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Kurz gesagt
Im Orbitalmodell ist ein Orbital ein Elektronenzustand mit einer räumlichen Wahrscheinlichkeitsverteilung, keine feste Flugbahn. Für einfache Atome helfen Energieordnung, Hundsche Regel und Pauli-Prinzip bei der Besetzung. Vier Quantenzahlen beschreiben die Zustände genauer.
Das Orbitalmodell beschreibt Elektronen nicht auf festen Kreisbahnen. Es ordnet ihnen Orbitale zu: räumliche Zustände, die sich vereinfacht als Bereiche hoher Aufenthaltswahrscheinlichkeit darstellen lassen. Damit kannst du erklären, wie Elektronen in einem Atom verteilt sind.
Deine Lernziele
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3 Abschnitte
Im Bohrschen Modell bewegen sich Elektronen auf fest gedachten Bahnen, den Orbiten. Das Orbitalmodell ersetzt diese Bahnvorstellung durch eine Wahrscheinlichkeitsbeschreibung. Ein Atomorbital gehört zu einem einzelnen Atom. Seine Darstellung zeigt eine räumliche Elektronenverteilung. Ort und Bewegung eines Elektrons lassen sich nicht gleichzeitig beliebig genau festlegen.
Eine Elektronenschale fasst Zustände mit derselben Hauptquantenzahl zusammen. Sie kann mehrere Orbitale enthalten. Bezeichnungen wie 1s, 2s, 2p oder 3d bestehen aus Zahl und Buchstabe: Die Zahl gibt die Hauptquantenzahl und das Energieniveau an; der Buchstabe nennt die Orbitalart. Ein s-Orbital wird vereinfacht kugelförmig, ein p-Orbital hantelförmig dargestellt. Zu s gehört ein Orbital, zu p gehören drei gleichwertige Orbitale mit den möglichen Orientierungen p_x, p_y und p_z. Jedes Orbital fasst höchstens zwei Elektronen; p umfasst damit höchstens 3\cdot2=6 Elektronen.
Definition
Orbital
Ein Orbital ist ein quantenmechanischer Zustand eines Elektrons. Anschauliche Darstellungen zeigen meist einen räumlichen Bereich, in dem das Elektron mit hoher Wahrscheinlichkeit anzutreffen ist. Sie zeigen keine Flugbahn.
Merke: Ein Orbit ist eine gedachte Bahn. Ein Orbital ist keine Bahn, sondern ein quantenmechanischer Zustand mit einer räumlichen Wahrscheinlichkeitsverteilung.
Beispiel: Was zeigt die Schreibweise 2p⁴?
- 1Die 2 nennt die zweite Schale beziehungsweise n=2.
- 2Das p nennt drei zusammengehörige p-Orbitale.
- 3Die Hochzahl 4 zählt insgesamt vier Elektronen in diesen drei Orbitalen.
- 4Die Hochzahl nennt nicht die Anzahl der Orbitale.
Teste dich
Im Grundzustand hat ein Atom seine Elektronen in der Anordnung mit der niedrigsten möglichen Energie. Zuerst werden die energieärmeren Orbitale besetzt. Diese Reihenfolge heißt Aufbauprinzip. Für die hier behandelten Beispiele lautet sie 1s,\ 2s,\ 2p,\ 3s,\ 3p,\ 4s,\ 3d. Beim Aufbau kommt 4s vor 3d, obwohl die Zahl 4 größer ist.
Ein Spin ist eine Eigenschaft des Elektrons mit zwei möglichen Zuständen. Wir kennzeichnen sie mit den Pfeilen \uparrow und \downarrow; die Pfeile zeigen keine Flugbahn. In einem Kästchenbild steht jede eckige Klammer für ein Orbital und jeder Pfeil für ein Elektron. Drei Kästchen nebeneinander zeigen die drei p-Orbitale.
Nach der Hundschen Regel werden gleichwertige p- oder d-Orbitale zunächst einzeln mit parallelem Spin besetzt, also mit gleich gerichteten Pfeilen. Erst danach bilden sich Paare. Bei 2p^4 bedeutet [\uparrow\downarrow]\ [\uparrow]\ [\uparrow]: Im ersten p-Orbital sitzen zwei Elektronen, in den beiden anderen je eines mit gleichem Pfeil. Zwei Paare bei einem leeren dritten p-Orbital wären nicht die energieärmste Anordnung.
Nach dem Pauli-Prinzip passen höchstens zwei Elektronen in ein Orbital. Wenn zwei darin sitzen, haben sie entgegengesetzte Spin-Zustände: [\uparrow\downarrow].
Merke: Für den Grundzustand: energieärmere Orbitale zuerst; gleichwertige Orbitale einzeln mit parallelem Spin besetzen; danach paaren, höchstens zwei Elektronen mit entgegengesetztem Spin pro Orbital.
| Unterniveau | Zahl der Orbitale | Höchste Elektronenzahl |
|---|---|---|
| s | 1 | 2 |
| p | 3 | 6 |
| d | 5 | 10 |
Teste dich
Die Ordnungszahl gibt bei einem neutralen Atom die Elektronenzahl an. Sauerstoff hat acht Elektronen. Zuerst besetzen zwei 1s, dann zwei 2s, schließlich vier 2p.
1s^2\,2s^2\,2p^4
Die Kontrolle lautet 2+2+4=8. Nach Hund ist die 2p-Verteilung [\uparrow\downarrow]\ [\uparrow]\ [\uparrow]: Die beiden einzelnen Pfeile sind parallel.
Eisen hat die Ordnungszahl 26. 1s^2\,2s^2\,2p^6 enthalten zehn Elektronen; 3s^2\,3p^6 ergänzen acht. Mit 4s^2 sind 20 verteilt. Die übrigen sechs besetzen 3d.
1s^2\,2s^2\,2p^6\,3s^2\,3p^6\,4s^2\,3d^6
Kurzform mit dem vorhergehenden Edelgas Argon:
[\mathrm{Ar}]\,4s^2\,3d^6
Bei 3d^6 werden zunächst alle fünf d-Orbitale einzeln mit parallelem Spin besetzt; dann beginnt ein Paar. Valenzelektronen sind äußere Elektronen, die für Bindungen wichtig sind. Bei Eisen können außer 4s auch 3d-Elektronen dazugehören. Ein vereinfachtes Valenzbild zeigt nur ausgewählte besetzte Orbitale und lässt andere weg. Es ist deshalb keine vollständige Konfiguration.
Vier Quantenzahlen sind Kennzeichen für den Elektronenzustand. Die Hauptzahl n bezeichnet das Niveau, l die Orbitalart, m_l die räumliche Orientierung und die Spinquantenzahl einen von zwei Spin-Zuständen. Die Spinwerte +\frac{1}{2} und -\frac{1}{2} sind Kennzeichen, keine Richtungen einer Flugbahn. Für ein gegebenes l gilt:
\text{Anzahl der Orbitale}=2l+1
Bei n=2 sind l=0 und l=1 möglich. Aus l=0 folgt ein 2s-Orbital; aus l=1 folgen drei 2p-Orbitale mit m_l=-1, 0 und +1. Zwei Elektronen im selben Orbital haben dasselbe n, l und m_l, aber entgegengesetzten Spin.
| Quantenzahl | Grundbedeutung |
|---|---|
| Hauptquantenzahl n | Energieniveau und grobe räumliche Ausdehnung |
| Nebenquantenzahl l | Orbitalart, vereinfacht die Form |
| Magnetquantenzahl m_l | räumliche Orientierung eines Orbitals |
| Spinquantenzahl | eines von zwei Kennzeichen für den Spin-Zustand: +\frac{1}{2} oder -\frac{1}{2} |
Beispiel: So gehst du vor
- 11s nimmt zwei Elektronen auf: 1s^2.
- 22s nimmt weitere zwei auf: 2s^2.
- 3Vier Elektronen bleiben für das 2p-Unterniveau: 2p^4.
Teste dich
Alles auf einen Blick
Orbitalmodell
Bahn
Ein Orbit ist ein historisch gedachter Kreisweg.
Orbital
Ein Zustand mit räumlicher Wahrscheinlichkeitsverteilung.
Gliederung
Schalen enthalten Unterniveaus und Orbitale.
Besetzung
Energieordnung, Hund und Pauli geben Regeln vor.
Quantenzahlen
Sie kennzeichnen Energie, Art, Orientierung und Spin.
Darstellung
Ein Valenzbild zeigt ausgewählte äußere, für Bindungen wichtige Elektronen und lässt andere Orbitale weg.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Die Orbitale des Kohlenstoffatoms
- 1Ein neutrales Kohlenstoffatom besitzt sechs Elektronen.
- 2Zwei besetzen 1s, zwei weitere 2s. Es bleiben zwei für 2p.
- 3Die Konfiguration lautet 1s^2\,2s^2\,2p^2; 2+2+2=6.
- 4Nach Hund besetzen die zwei 2p-Elektronen zwei verschiedene p-Orbitale einzeln mit parallelem Spin: [\uparrow]\ [\uparrow]\ [\ ].
Fehler finden
Drei p-Elektronen im Grundzustand verteilen In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 3Im Grundzustand werden die drei gleichwertigen p-Orbitale zuerst einzeln mit parallelem Spin besetzt: [\uparrow]\ [\uparrow]\ [\uparrow]. Die gezeigte Paarung verletzt Hunds Regel.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Ein p-Unterniveau besteht aus Orbitalen. Jedes Orbital enthält höchstens Elektronen. Deshalb passen insgesamt höchstens Elektronen in ein p-Unterniveau.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback