Chemie · Klasse 7–13 · aktualisiert
Atommodelle verstehen: Dalton bis Orbitalmodell
Du verfolgst, wie Versuche die Atommodelle von Dalton bis zum Orbitalmodell verändert haben, und wählst für jede Frage das passende Modell.
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Kurz gesagt
Ein Atommodell ist eine vereinfachte Vorstellung vom Bau der Atome, kein Foto. Dalton sah unteilbare Kugeln, Thomson fand Elektronen im Atom, Rutherford einen winzigen Kern, Bohr feste Energiestufen, und das Orbitalmodell beschreibt Räume, in denen Elektronen wahrscheinlich sind. Jedes Modell hat Stärken und Grenzen.
Ein Atommodell ist kein Foto eines Atoms. Es ist eine vereinfachte Vorstellung, mit der Forschende Beobachtungen erklären und Vorhersagen treffen. Neue Experimente zeigten immer wieder Grenzen älterer Modelle – deshalb entstanden genauere Modelle. Auf dieser Seite verfolgst du den Weg von Dalton über Thomson, Rutherford und Bohr bis zum Orbitalmodell. Dabei lernst du, welches Modell welche Frage beantworten kann.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Atome sind so winzig, dass man sie nicht wie Alltagsgegenstände betrachten kann. Forschende untersuchen deshalb messbare Wirkungen: Wie reagieren Stoffe miteinander? Wie werden elektrisch geladene Teilchen abgelenkt? Welches Licht senden Atome aus?
Ein gutes Modell muss nicht jedes Merkmal eines Atoms darstellen. Es muss für seinen Zweck brauchbar sein. Ein Stadtplan zeigt zum Beispiel Straßen, aber keine einzelnen Blätter an den Bäumen. Ähnlich zeigt jedes Atommodell nur ausgewählte Eigenschaften. Die Entwicklung der Atommodelle folgt dabei einem wiederkehrenden Muster: Eine Beobachtung passt nicht vollständig zum bisherigen Modell. Ein neues Modell übernimmt brauchbare Gedanken, verändert andere und erklärt dadurch mehr.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts beschrieb John Dalton Stoffe mithilfe kleinster Teilchen. Sein Modell wird oft Kugelteilchenmodell genannt. Nach Dalton besteht jedes Element aus einer eigenen Atomsorte. Atome eines Elements sind untereinander gleich; Atome verschiedener Elemente unterscheiden sich unter anderem in ihrer Masse. Bei chemischen Reaktionen werden Atome weder erzeugt noch vernichtet, sondern neu angeordnet. Damit lässt sich erklären, warum bei einer chemischen Reaktion jede Atomsorte erhalten bleibt. Das Modell eignet sich auch dazu, feste ganzzahlige Anzahlverhältnisse in Verbindungen zu deuten.
Daltons Annahme unteilbarer Atome erwies sich jedoch als Grenze. Versuche mit Kathodenstrahlen zeigten kleine, negativ geladene Teilchen: die Elektronen. Kathodenstrahlen entstehen in einer fast luftleeren Glasröhre, an deren Enden eine hohe elektrische Spannung anliegt. Atome mussten also kleinere Bestandteile besitzen. Joseph John Thomson entwickelte daraufhin das Rosinenkuchenmodell. Darin ist positive Ladung gleichmäßig im Atom verteilt. Die negativen Elektronen stecken darin wie Rosinen in einem Kuchen. Gleich große positive und negative Ladungen machen das Atom insgesamt neutral, also nach außen ungeladen.
Definition
Atommodell
Ein Atommodell ist eine begründete, vereinfachte Beschreibung des Atombaus. Es hebt die Merkmale hervor, die für eine bestimmte Erklärung wichtig sind.
Merke: Modelle werden nicht allein danach beurteilt, ob sie anschaulich sind. Entscheidend ist, welche Beobachtungen sie erklären und welche Vorhersagen sie ermöglichen.
Beispiel: Von Dalton zu Thomson
- 1Dalton kann beschreiben, dass Atome bei einer chemischen Reaktion neu gruppiert werden.
- 2Er kann aber nicht erklären, wie ein Atom Elektronen abgeben oder aufnehmen kann.
- 3Thomson ergänzt deshalb innere negative Teilchen und eine positive Ladungsverteilung.
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Ernest Rutherford und seine Mitarbeiter schossen Alphateilchen auf eine sehr dünne Metallfolie. Alphateilchen sind winzige, positiv geladene Teilchen, die manche radioaktive Stoffe aussenden. Dabei gilt: Gleichartige elektrische Ladungen stoßen sich ab, ungleichartige ziehen sich an.
Die entscheidenden Beobachtungen waren: Die meisten Alphateilchen flogen nahezu ungehindert durch die Folie. Einige wurden abgelenkt. Sehr wenige wurden stark abgelenkt oder sogar zurückgeworfen. Aus diesen Beobachtungen entstand das Kern-Hülle-Modell.
Das Rutherford-Modell konnte den kleinen Atomkern erklären. Es ließ aber eine wichtige Frage offen: Warum fallen die negativ geladenen Elektronen nicht in den positiven Kern?
Definition
Kern-Hülle-Modell
Ein Atom besitzt einen sehr kleinen, positiv geladenen Kern und eine ausgedehnte Elektronenhülle. Im Kern befindet sich fast die gesamte Atommasse. Die negativ geladenen Elektronen gehören zur Hülle.
Beispiel: Warum Thomsons Modell nicht mehr passte
- 1Seltene starke Ablenkungen passen nicht zu gleichmäßig verteilter Ladung; ausführlich zeigt das die Seite „Rutherford-Atommodell“.
Merke: Beim Auswerten eines Experiments musst du Beobachtung und Deutung trennen: „Die meisten Teilchen gehen hindurch“ ist eine Beobachtung. „Das Atom besitzt eine weitgehend leere Hülle“ ist die daraus entwickelte Modellvorstellung.
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Niels Bohr ergänzte das Kern-Hülle-Modell um festgelegte Energien. In seinem Modell dürfen sich Elektronen nur auf bestimmten Bahnen beziehungsweise Schalen befinden. Eine Bahn weiter außen gehört zu einer höheren Energie. Beim Rücksprung auf eine energieärmere Bahn gibt das Elektron den Energieunterschied als Strahlung ab, zum Beispiel als Licht. So konnten Energieaufnahme und Lichtaussendung anschaulich miteinander verbunden werden.
Das Bohr-Modell ist anschaulich, doch feste Kreisbahnen beschreiben Elektronen nicht ausreichend. Das modernere Orbitalmodell ersetzt die genaue Bahn durch eine Aufenthaltswahrscheinlichkeit: Es gibt an, wo man ein Elektron mit großer Wahrscheinlichkeit antrifft. Beim Wasserstoffatom ist dieser Raum kugelförmig. Das heißt nicht, dass das Elektron auf einer Kugel entlangläuft.
Im Unterricht vereinfacht man diese Vorstellung. Das Schalenmodell ordnet Elektronen verschiedenen Energiestufen zu. Das Kugelwolkenmodell stellt Aufenthaltsräume innerhalb von Schalen als vereinfachte Elektronenwolken dar. Genauer erklärt das Orbitalmodell die Seite „Orbitalmodell“, das Bohr-Modell die Seite „Bohrsches Atommodell“.
Definition
Bohr-Modell
Im Bohr-Modell gehört jede erlaubte Elektronenbahn zu einer bestimmten Energie. Ein Elektron kann nur dann auf eine energiereichere Bahn wechseln, wenn es genau den benötigten Energieunterschied aufnimmt.
Beispiel: Ein Elektron wechselt die Bahn
- 1Ein Elektron nimmt eine passende Energiemenge auf und wechselt auf eine weiter vom Kern entfernte, energiereichere Bahn.
- 2Beim Rücksprung wird der entsprechende Energieunterschied als Licht abgegeben.
- 3Eine beliebige Energiemenge würde für diesen festgelegten Übergang nicht passen.
Definition
Orbital
Ein Orbital ist ein räumlicher Aufenthaltsbereich eines Elektrons. Dort ist das Elektron mit großer Wahrscheinlichkeit anzutreffen. Ein Orbital ist keine feste Flugbahn.
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Kein einzelnes anschauliches Modell ist für alle Fragen gleich geeignet. Beginne deshalb mit der Frage: Was soll erklärt werden? Die Tabelle zeigt, welches Modell zu welcher Fragestellung passt und wo seine Grenze liegt. Deine Modellwahl begründest du dann in vier Schritten.
| Fragestellung | Geeignetes Modell | Wichtige Grenze |
|---|---|---|
| Neuordnung von Atomen bei chemischen Reaktionen | Dalton-Modell | erklärt keine Elektronen oder Ladungen |
| Nachweis innerer negativer Teilchen und Neutralität | Thomson-Modell | besitzt keinen kleinen, massereichen Kern |
| Aufbau aus Kern und Hülle | Rutherford-Modell | erklärt die Stabilität der Elektronenhülle nicht |
| Bestimmte Energien und Lichtaussendung | Bohr-Modell | feste Bahnen sind eine begrenzte Vorstellung |
| Räumliche Aufenthaltswahrscheinlichkeit von Elektronen | Orbitalmodell | ist weniger anschaulich und mathematisch anspruchsvoll |
| Vereinfachte Elektronenverteilung im Unterricht | Schalen- oder Kugelwolkenmodell | bildet die genaue physikalische Beschreibung (Quantenmechanik) nur vereinfacht ab |
Beispiel: Modellwahl für den Folienversuch
- 1Du sollst erklären, warum fast alle Alphateilchen eine dünne Folie durchdringen und nur wenige stark abgelenkt werden.
- 2Das Rutherford-Modell ist geeignet, weil es den weitgehend leeren Raum und den kleinen positiven Kern verbindet.
- 3Das Dalton-Modell wäre zu grob: Es kennt weder Kern noch Hülle.
Beispiel: So begründest du eine Modellwahl
- 1Nenne die Beobachtung oder Frage.
- 2Nenne das Merkmal des Modells, das dazu passt.
- 3Erkläre den Zusammenhang.
- 4Nenne eine Grenze des Modells.
Teste dich
Alles auf einen Blick
Atommodell
Atommodelle
vereinfachte Werkzeuge für bestimmte Fragen
Dalton und Thomson
erst unteilbare Kugeln, dann Elektronen im Atom
Rutherford
winziger positiver Kern und weitgehend leere Hülle
Bohr
Elektronen haben nur bestimmte Energien
Orbitalmodell
Räume, in denen Elektronen wahrscheinlich sind
Modellwahl
Erklärungskraft und Grenze gehören zusammen
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Welches Modell erklärt das gelbe Licht einer Natriumdampflampe?
- 1Aufgabe: Manche Lampen in Tunneln oder an Fußgängerüberwegen enthalten Natriumdampf unter geringem Druck. Sie leuchten gelb. Welches Atommodell erklärt am einfachsten, warum die Natriumatome darin Licht einer bestimmten Farbe aussenden?
- 2Beobachtung: Die Natriumatome in dieser Lampe senden fast nur Licht einer bestimmten gelben Farbe aus. Lampen mit Natriumdampf unter hohem Druck senden dagegen Licht vieler Farben aus.
- 3Passendes Merkmal: Im Bohr-Modell haben Elektronen nur bestimmte Energien.
- 4Zusammenhang: Springt ein Elektron auf eine energieärmere Bahn zurück, gibt es einen festen Energieunterschied als Licht ab. Ein fester Energieunterschied passt zu Licht einer bestimmten Farbe.
- 5Grenze: Feste Kreisbahnen sind nur eine vereinfachte Vorstellung. Das Orbitalmodell beschreibt Elektronen genauer.
- 6Dalton- und Rutherford-Modell reichen hier nicht: Sie kennen keine festgelegten Energien der Elektronen.
Fehler finden
Prüfe die Modellgeschichte In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 3Die dritte Zeile ist falsch. Der Folienversuch zeigt einen sehr kleinen, positiv geladenen Kern mit fast der ganzen Masse und eine weitgehend leere Hülle. Über den Weg der Elektronen sagt er nichts; bestimmte Bahnen führte erst Bohr ein.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Für den Wechsel auf eine energiereichere Bahn muss ein Elektron Energie . Beim Rücksprung wird Energie . Im Bohr-Modell sind nur Energien erlaubt. Das ausgesandte Licht hängt mit dem Energieunterschied zwischen den Bahnen zusammen.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback