Chemie · Klasse 11–13 · aktualisiert
Löslichkeitsprodukt: Berechnen und Fällung prüfen
Berechne die molare Löslichkeit und prüfe mit dem Ionenprodukt, ob Fällung begünstigt ist.
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Kurz gesagt
Das Löslichkeitsprodukt K_L beschreibt bei einer bestimmten Temperatur das Auflösungsgleichgewicht eines schwer löslichen Salzes. Der reine Feststoff fehlt im Ausdruck. Im selben verdünnten Konzentrationsmodell gilt: Bei Q>K_L ist Fällung begünstigt.
Das Löslichkeitsprodukt K_L beschreibt das Gleichgewicht zwischen einem schwer löslichen Salz und seinen gelösten Ionen. Du stellst es aus der Auflösungsreaktion auf. Mit dem aktuellen Ionenprodukt Q prüfst du anschließend, ob weiteres Salz löslich ist oder Fällung begünstigt wird.
Deine Lernziele
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4 Abschnitte
In einer gesättigten Lösung mit Bodensatz lösen sich Ionen aus einem Kristall und lagern sich zugleich wieder an. Beide Vorgänge laufen im Gleichgewicht gleich schnell. Deshalb bleiben die Ionenkonzentrationen bei gleicher Temperatur konstant, obwohl auf Teilchenebene weiter etwas geschieht.
Für Silberchlorid lautet die Auflösungsreaktion:
\ce{AgCl(s) <=> Ag+(aq) + Cl-(aq)}
(s) bedeutet fest und (aq) in Wasser gelöst. Die Ladungszeichen + und - gehören zu den Ionen. Bei \ce{CaF2} zeigt die kleine 2 im Salz zwei Fluoratome je Formeleinheit; in \ce{2 F-} zählt die große 2 dagegen zwei Fluoridionen. Eine Ladung wie \ce{Ca^2+} betrifft ein Ion. So liest du die Auflösungsreaktion, bevor du Exponenten bildest.
Die Aktivität eines gelösten Ions beschreibt seine wirksame Beteiligung am Gleichgewicht als Zahl ohne Einheit. Im Modell für hinreichend verdünnte Lösungen gilt näherungsweise a\approx c/(1\,\mathrm{mol/L}): Du teilst die Konzentration durch die Bezugskonzentration. Bei 0{,}010\,\mathrm{mol/L} wird daraus zum Beispiel die Zahl 0{,}010. Ein vorhandener reiner Feststoff hat die Aktivität 1; seine bloße Menge zählt im Produkt nicht.
Für ein ausgeglichenes Salzmodell gilt:
\ce{A_aB_b(s) <=> a A(aq) + b B(aq)}
Der genaue Gleichgewichtswert K_L verwendet die einheitenlosen Aktivitäten. Setzt du stattdessen Konzentrationen mit ihren Einheiten direkt ein, heißt das nicht normierte Produkt K_L^{(c)}; es kann Einheiten tragen. Im verdünnten Modell gilt K_L^{(c)}\approx c(\mathrm A)^a c(\mathrm B)^b. Für den einheitenlosen Näherungswert K_L teilst du jede Konzentration zuvor durch 1\,\mathrm{mol/L}. Als weiteres Beispiel gilt für Magnesiumhydroxid:
\ce{Mg(OH)2(s) <=> Mg^2+(aq) + 2 OH-(aq)}
Die Klammer 2 in der Salzformel zählt zwei Hydroxidgruppen. Der nicht normierte Ausdruck lautet K_L^{(c)}\approx c(\mathrm{Mg^{2+}})c(\mathrm{OH^-})^2.
Definition
Löslichkeitsprodukt
Das Löslichkeitsprodukt K_L ist der Gleichgewichtswert beim Auflösen eines schwer löslichen Salzes. Es ist das Produkt der einheitenlosen Ionenaktivitäten; der Koeffizient jedes Ions wird sein Exponent. Eine Aktivität beschreibt die wirksame Beteiligung eines Ions. Im verdünnten Schulmodell ersetzt du sie näherungsweise durch die Konzentration geteilt durch 1\,\mathrm{mol/L}.
Merke: Der reine Feststoff gehört nicht in den Ausdruck für K_L: Solange er als reine Phase vorhanden ist, hat er die Aktivität 1. Mehr Bodensatz ändert bei gleicher Temperatur die Gleichgewichtskonzentrationen nicht, solange Feststoff und gesättigte Lösung vorhanden sind.
Beispiel: Calciumfluorid auflösen
- 1\ce{CaF2(s) <=> Ca^2+(aq) + 2 F-(aq)}
- 2Im verdünnten, nicht normierten Konzentrationsmodell gilt K_L^{(c)}\approx c(\mathrm{Ca^{2+}})c(\mathrm{F^-})^2.
- 3Der reine Feststoff fehlt. Der Koeffizient 2 vor dem Fluoridion wird zum Exponenten 2.
Teste dich
Die molare Löslichkeit s gibt die gelöste Stoffmenge Salz pro Liter bis zum Gleichgewicht an, in \mathrm{mol/L}. Sie ist nicht dasselbe wie K_L. In reinem Wasser liefert ein 1:1-Salz wie Silberchlorid je ein Kation und Anion pro gelöster Formeleinheit: c(\mathrm{Ag^+})=s, c(\mathrm{Cl^-})=s und daher im nicht normierten Konzentrationsausdruck K_L^{(c)}\approx s^2.
Bei Calciumfluorid entstehen je ein Calciumion und zwei Fluoridionen: c(\mathrm{Ca^{2+}})=s und c(\mathrm{F^-})=2s. Im nicht normierten Konzentrationsausdruck gilt K_L^{(c)}\approx s(2s)^2=4s^3 mit der formalen Einheit (\mathrm{mol/L})^3. Für den dimensionslosen Tabellenzahlenwert setzt du x=s/(1\,\mathrm{mol/L}); dann gilt K_L\approx4x^3. Erst wenn s feststeht, erhältst du die Massenlöslichkeit \beta=sM in \mathrm{g/L}, wobei M die molare Masse in \mathrm{g/mol} ist.
Beispiel: Molare Löslichkeit von Calciumfluorid
- 1Bei 25\,^\circ\mathrm C sei für Calciumfluorid in reinem Wasser K_L=3{,}9\cdot10^{-11} als Konzentrationszahlenwert gegeben. Gesucht ist s in \mathrm{mol/L}.
- 2\ce{CaF2(s) <=> Ca^2+(aq) + 2 F-(aq)}; also c(\mathrm{Ca^{2+}})=s und c(\mathrm{F^-})=2s.
- 3Mit x=s/(1\,\mathrm{mol/L}) gilt für den Zahlenwert 3{,}9\cdot10^{-11}=4x^3.
- 4Daraus folgt x=\sqrt[3]{3{,}9\cdot10^{-11}/4}\approx2{,}14\cdot10^{-4}.
- 5Also s\approx2{,}14\cdot10^{-4}\,\mathrm{mol/L} und c(\mathrm{F^-})=2s\approx4{,}27\cdot10^{-4}\,\mathrm{mol/L}. Die Fluoridkonzentration ist doppelt so groß wie s.
Teste dich
Das Ionenprodukt Q hat dieselbe Form wie K_L, verwendet aber die aktuell vorliegenden Ionenaktivitäten. In den Aufgaben setzt du näherungsweise die durch 1\,\mathrm{mol/L} geteilten Konzentrationen ein. Beide Vergleichswerte sind dann Zahlen ohne Einheit. Bei derselben Temperatur und im selben Konzentrationsmodell vergleichst du beide Werte: Q<K_L bedeutet ungesättigt; vorhandener Feststoff kann sich weiter lösen. Bei Q=K_L ist die Lösung gesättigt. Bei Q>K_L ist Fällung thermodynamisch begünstigt.
Ein sichtbarer Niederschlag kann sich trotz Q>K_L verzögern, wenn Kristallkeime erst entstehen müssen. Vorhandene Keime können die Bildung erleichtern. Vergleiche stets das ganze Ionenprodukt mit seinen Exponenten, nicht eine einzelne Ionenkonzentration.
Beispiel: Fällung mit Q prüfen
- 1Für eine Aufgabe sei bei 25\,^\circ\mathrm C K_L(\ce{AgCl})=2{,}0\cdot10^{-10} als Konzentrationszahlenwert gegeben. Aktuell sind c(\mathrm{Ag^+})=0{,}020\,\mathrm{mol/L} und c(\mathrm{Cl^-})=0{,}010\,\mathrm{mol/L}.
- 2Für das nicht normierte Produkt gilt Q^{(c)}=c(\mathrm{Ag^+})c(\mathrm{Cl^-}). Mit auf 1\,\mathrm{mol/L} bezogenen Zahlenwerten folgt Q=0{,}020\cdot0{,}010=2{,}0\cdot10^{-4}.
- 3Da Q>K_L, ist Fällung von \ce{AgCl} begünstigt. Gelöste Ionenkonzentrationen sinken, bis wieder Q=K_L gilt; ein sichtbarer Niederschlag kann sich verzögern.
Merke: Vergleiche nie nur einzelne Ionenkonzentrationen mit K_L. Berechne zuerst Q mit allen Konzentrationen und den richtigen Exponenten.
Teste dich
Ein gemeinsames Ion stammt sowohl aus dem schwer löslichen Salz als auch aus einem zugesetzten gut löslichen Stoff. Bei Silberchlorid erhöht zusätzliches Chlorid zuerst c(\mathrm{Cl^-}) und damit Q:
\ce{AgCl(s) <=> Ag+(aq) + Cl-(aq)}
Im verdünnten Konzentrationsmodell ohne Komplexbildung ist Fällung begünstigt, bis der Gleichgewichtswert wieder erreicht wird. Bei fester Temperatur sinkt die zusätzliche molare Löslichkeit des Silberchlorids; K_L bleibt gleich. Für eine vorgegebene Chloridkonzentration c_0 und die zusätzliche Salzlöslichkeit s gilt im nicht normierten Konzentrationsmodell näherungsweise K_L^{(c)}\approx s(c_0+s), wenn alle Größen in denselben Konzentrationseinheiten verwendet werden. Die Näherung c_0+s\approx c_0 braucht die begründete Bedingung s\ll c_0.
Das Konzentrationsmodell gilt nur für hinreichend verdünnte Lösungen. Die genaue Rechnung verwendet die einheitenlosen Aktivitäten. In konzentrierteren Lösungen beeinflussen Ionen einander; ihre Aktivität ist dann nicht mehr einfach c/(1\,\mathrm{mol/L}). Tabellenwerte müssen zu Temperatur und Modell passen. Säure-Base-Reaktionen oder Komplexbildung können freie Ionen binden und die Löslichkeit verändern. Ein kleineres K_L bedeutet bei Salzen mit unterschiedlicher Ionenzahl nicht schon eine kleinere molare Löslichkeit; berechne jeweils s.
Merke: Bei fester Temperatur ändert ein gemeinsames Ion die Löslichkeit, aber nicht das thermodynamische K_L des Salzes. Es verändert die Gleichgewichtskonzentrationen, die gemeinsam wieder den konstanten Gleichgewichtswert ergeben.
Teste dich
Alles auf einen Blick
Löslichkeitsprodukt
Auflösungsreaktion
Feststoff weglassen; Koeffizienten als Exponenten
Drei verschiedene Größen
K_L: Gleichgewichtswert; Q: aktueller Zustand; s: molare Löslichkeit
Fällungsentscheidung
Bei gleicher Temperatur im selben Modell gilt Q\lt K_L: ungesättigt; Q=K_L: gesättigt; Q\gt K_L: Fällung begünstigt
Einflüsse und Grenzen
gemeinsames Ion senkt meist s; Temperatur und Aktivitäten beachten
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Molare Löslichkeit von Silberbromid
- 1Für Silberbromid gilt bei 25\,^\circ\mathrm C der Tabellenwert K_L=5{,}35\cdot10^{-13}. Gesucht ist die molare Löslichkeit in reinem Wasser.
- 2\ce{AgBr(s) <=> Ag+(aq) + Br-(aq)}. Bei molarer Löslichkeit s gilt c(\mathrm{Ag^+})=c(\mathrm{Br^-})=s.
- 3Mit x=s/(1\,\mathrm{mol/L}) gilt für den Zahlenwert 5{,}35\cdot10^{-13}=x^2.
- 4Die positive Wurzel ist x\approx7{,}31\cdot10^{-7}. Somit s\approx7{,}31\cdot10^{-7}\,\mathrm{mol/L}.
Fehler finden
Zwei Ionen pro Formeleinheit In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 4Die letzte Zeile vergisst die zwei R-Ionen und den dritten Faktor. Mit x=s/(1\,\mathrm{mol/L}) ergibt sich x=1{,}0\cdot10^{-3}. Daraus folgt K_L\approx4x^3=4{,}0\cdot10^{-9} als Konzentrationszahlenwert.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Bei einer festen Temperatur beschreibt den Gleichgewichtswert. Das aktuelle Ionenprodukt heißt . Für \ce{CaF2} gilt im verdünnten, nicht normierten Konzentrationsmodell K_L^{(c)}\approx c(\mathrm{Ca^{2+}})c(\mathrm{F^-})^2. Ein gemeinsames Ion verringert meist die , nicht aber K_L bei gleicher Temperatur.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback