Biologie · Klasse 7–13 · aktualisiert
Zellatmung: Ablauf, ATP-Bildung und Bilanz
Die Zellatmung baut Glucose schrittweise ab. Du verfolgst Kohlenstoff, Elektronen und die Bilanz von ungefähr 30–32 ATP.
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Kurz gesagt
Bei der aeroben Zellatmung bauen Zellen Glucose mit Sauerstoff zu Kohlenstoffdioxid und Wasser ab. Glykolyse, Pyruvatoxidation, Citratzyklus und Atmungskette übertragen einen Teil der frei werdenden Energie auf ATP. In eukaryotischen Zellen sind es modellhaft ungefähr 30–32 ATP pro Glucose.
Bei der Zellatmung bauen Zellen Glucose schrittweise ab. Dabei übertragen sie einen Teil der frei werdenden Energie auf ATP, den unmittelbar nutzbaren Energieträger der Zelle. Sauerstoff wird benötigt; Kohlenstoffdioxid und Wasser entstehen. Du lernst den Weg der Glucose durch vier Teilprozesse kennen. Danach kannst du Stoffe, Reaktionsorte und Energieübertragungen zuordnen sowie Zellatmung und Gärung vergleichen.
Deine Lernziele
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4 Abschnitte
Zellatmung ist ein kataboler Stoffwechselweg: Ein energiereicher Stoff wird schrittweise abgebaut. Menschen und Tiere erhalten Glucose unter anderem aus Kohlenhydraten der Nahrung. Pflanzen können Glucose durch Fotosynthese herstellen und betreiben ebenfalls Zellatmung, auch nachts. Die vereinfachte Stoffgleichung lautet: C₆H₁₂O₆ + 6 O₂ → 6 CO₂ + 6 H₂O. In Worten werden Glucose und Sauerstoff zu Kohlenstoffdioxid und Wasser umgesetzt. Ein Teil der frei werdenden Energie wird auf ATP übertragen, ein Teil als Wärme abgegeben. ATP ist kein Atomprodukt der Gleichung.
Die Atome der Glucose erscheinen beim vollständigen Abbau in CO₂ und Wasser, nicht als ATP. Äußere Atmung bezeichnet den Gasaustausch, zum Beispiel in der Lunge. Zellatmung bezeichnet dagegen chemische Reaktionen in Zellen. ATP überträgt dabei Energie auf Transport, Bewegung und Stoffaufbau. Bei seiner Hydrolyse zu ADP und Phosphat wird Energie für gekoppelte Vorgänge verfügbar.
Definition
Zellatmung
Zellatmung ist der schrittweise Abbau von Glucose mit Sauerstoff. Dabei entstehen Kohlenstoffdioxid und Wasser. Ein Teil der frei werdenden Energie wird in ATP übertragen.
Definition
ATP
ATP steht für Adenosintriphosphat. Es überträgt Energie auf Vorgänge wie Stofftransport, Bewegung und den Aufbau zelleigener Stoffe. Wird eine Phosphatgruppe abgespalten, entstehen ADP und freies Phosphat; dabei wird Energie für Zellvorgänge verfügbar.
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Bei Eukaryoten beginnt die Glykolyse im Zellplasma. Eine C6-Glucose wird zu zwei C3-Pyruvaten abgebaut. Zunächst werden 2 ATP eingesetzt, später 4 ATP gebildet: netto 2 ATP. Außerdem entstehen 2 NADH. Die Glykolyse braucht unmittelbar keinen Sauerstoff.
In der Mitochondrienmatrix folgt die Pyruvatoxidation (oxidative Decarboxylierung): Aus zwei Pyruvaten entstehen zwei C2-Acetyl-CoA, 2 CO₂ und 2 NADH. Im Citratzyklus verbindet sich jede C2-Gruppe mit einem C4-Akzeptor zu C6-Citrat. Weitere Reaktionen setzen je Runde 2 CO₂ frei und stellen den C4-Akzeptor wieder her. Zwei Runden pro Glucose liefern insgesamt 4 CO₂, 6 NADH, 2 FADH₂ und 2 GTP; GTP entspricht energetisch ungefähr ATP.
Die Elektronen der Überträger erreichen schließlich die Atmungskette an der inneren Mitochondrienmembran. Dort entsteht mithilfe eines Protonengradienten der größte ATP-Anteil. Sauerstoff ist der letzte Elektronenakzeptor; zusammen mit Protonen entsteht Wasser. Die sechs Kohlenstoffatome der Glucose erscheinen nach Pyruvatoxidation und Citratzyklus in insgesamt 6 CO₂. Die vielen Schritte ermöglichen eine kontrollierte Energieübertragung auf NADH, FADH₂ und ATP. Bei einem einzigen unkontrollierten Schritt würde mehr Energie sofort als Wärme frei.
| Teilprozess | Reaktionsort | Wichtigste Ergebnisse pro Glucose |
|---|---|---|
| Glykolyse | Zellplasma | 2 Pyruvat, 2 ATP netto, 2 NADH |
| Oxidative Decarboxylierung | Mitochondrienmatrix | 2 Acetyl-CoA, 2 CO₂, 2 NADH |
| Citratzyklus | Mitochondrienmatrix | 4 CO₂, 6 NADH, 2 FADH₂, 2 GTP |
| Atmungskette und Chemiosmose | innere Mitochondrienmembran | Wasser und der größte Teil des ATP |
Merke: Der Kohlenstoffweg lässt sich prüfen: Aus einer C6-Glucose entstehen zwei C3-Pyruvate. Beim Übergang zu zwei C2-Acetyl-CoA werden 2 CO₂ frei; im Citratzyklus folgen weitere 4 CO₂. Damit sind alle sechs Kohlenstoffatome der Glucose erfasst.
Beispiel: Eine Glucose vollständig aerob abbauen
- 1Im Zellplasma entstehen aus einer C6-Glucose zwei C3-Pyruvate, 2 ATP netto und 2 NADH.
- 2Die beiden Pyruvate werden in der Matrix zu zwei C2-Acetyl-CoA umgebaut; dabei entstehen 2 CO₂ und 2 NADH.
- 3Zwei Citratzyklus-Runden liefern weitere 4 CO₂, 6 NADH, 2 FADH₂ und 2 GTP.
- 4Insgesamt bringen 10 NADH und 2 FADH₂ Elektronen zur Atmungskette.
- 5Der Protonenrückstrom durch ATP-Synthase ermöglicht den größten ATP-Anteil; Sauerstoff wird zu Wasser reduziert.
- 6Die Kohlenstoffbilanz stimmt: 2 CO₂ plus 4 CO₂ ergeben die sechs C-Atome der Glucose.
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NADH und FADH₂ bringen energiereiche Elektronen zu Proteinkomplexen der inneren Mitochondrienmembran. Bei ihrer Weitergabe wird Energie frei, die Protonen aus der Matrix in den Intermembranraum transportiert. Die Membran hält den elektrochemischen Protonengradienten aufrecht: Protonenkonzentration und Ladung unterscheiden sich auf beiden Seiten. Protonen strömen durch die ATP-Synthase zurück in die Matrix. Dieser Rückfluss treibt die Bildung von ATP aus ADP und Phosphat an. Die Kopplung heißt Chemiosmose. Sauerstoff nimmt am Ende Elektronen auf; mit Protonen entsteht Wasser. CO₂ entstand bereits bei Pyruvatoxidation und Citratzyklus.
Pro Glucose entstehen 10 NADH (2 + 2 + 6), 2 FADH₂, 2 ATP netto aus der Glykolyse und 2 GTP aus dem Citratzyklus. Im oberen Modell ergeben 10 × 2,5 ATP pro NADH und 2 × 1,5 ATP pro FADH₂ zusammen 28 ATP aus Elektronenüberträgern. Mit 2 ATP und ungefähr 2 ATP aus GTP ergibt das 32 ATP. Die Elektronen der 2 NADH aus der Glykolyse gelangen über unterschiedliche Shuttles ins Mitochondrium. Daher liegt die eukaryotische Gesamtbilanz je nach Shuttle ungefähr bei 30–32 ATP pro Glucose. Das sind Modellwerte, keine feste Ausbeute jeder Zelle; ältere 36–38-Werte beruhen auf anderen Annahmen.
Definition
Finaler Elektronenakzeptor
Sauerstoff nimmt am Ende der Atmungskette Elektronen auf. Zusammen mit Protonen entsteht Wasser. Fehlt Sauerstoff, kann der aerobe Elektronentransport nicht dauerhaft weiterlaufen.
Beispiel: Die ATP-Bildung folgt einer Wirkungskette
- 1Elektronen werden entlang mehrerer Membranproteine weitergereicht.
- 2Die dabei frei werdende Energie treibt den Transport von Protonen aus der Matrix in den Intermembranraum an.
- 3Es entsteht ein elektrochemischer Protonengradient: Auf beiden Seiten der Membran unterscheiden sich Protonenkonzentration und Ladung.
- 4Protonen strömen durch die ATP-Synthase zurück in die Matrix.
- 5Die ATP-Synthase koppelt diesen Rückfluss an die Bildung von ATP aus ADP und Phosphat.
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Die Glykolyse braucht unmittelbar keinen Sauerstoff und liefert 2 ATP netto pro Glucose. Fehlt Sauerstoff als letzter Elektronenakzeptor, kann die aerobe Atmungskette nicht normal weiterlaufen. Ein Gärungsweg kann NAD⁺ regenerieren, damit die Glykolyse weiter ATP bildet. Bei der Milchsäuregärung kann Lactat entstehen. Die Glucose wird dabei nicht vollständig zu CO₂ und Wasser abgebaut.
Aerobe Zellatmung liefert unter den beschriebenen Bedingungen ungefähr 30–32 ATP pro Glucose, die Glykolyse mit anschließender Milchsäuregärung nur 2 ATP netto. Pflanzen betreiben wie Tiere Zellatmung; der Unterschied zwischen beiden Wegen ist der weitere Abbau mit Sauerstoff und die deutlich höhere ATP-Ausbeute.
| Merkmal | Aerobe Zellatmung | Milchsäuregärung |
|---|---|---|
| Sauerstoff | erforderlich für die Atmungskette | nicht erforderlich |
| Abbau der Glucose | vollständig bis CO₂ und Wasser | unvollständig; Lactat kann entstehen |
| ATP-Ausbeute | ungefähr 30–32 ATP pro Glucose | 2 ATP netto pro Glucose aus Glykolyse |
| Hauptnutzen | hohe ATP-Ausbeute | Glykolyse ohne Sauerstoff fortsetzen |
Merke: Mit Sauerstoff kann die Zelle die in Glucose gespeicherte Energie wesentlich vollständiger nutzen. Ohne Sauerstoff bleibt die Ausbeute der Glykolyse von 2 ATP pro Glucose.
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Alles auf einen Blick
Zellatmung
Stoffweg
Glucose → Pyruvat → Acetyl-CoA → CO₂
Elektronenweg
NADH und FADH₂ → Atmungskette → Sauerstoff
Energieweg
Protonengradient → ATP-Synthase → ATP
Reaktionsorte
Zellplasma → Mitochondrienmatrix → innere Membran
Ohne Sauerstoff
Glykolyse → Milchsäuregärung → geringe ATP-Ausbeute
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Die ATP-Modellbilanz einer Glucose
- 1Aus Glykolyse, Pyruvatoxidation und Citratzyklus stammen zusammen 10 NADH und 2 FADH₂.
- 2Im oberen Modell liefern sie 10 × 2,5 + 2 × 1,5 = 28 ATP.
- 3Die Glykolyse liefert 2 ATP netto; 2 GTP aus dem Citratzyklus entsprechen ungefähr 2 ATP.
- 4Damit ergibt das obere Modell 28 + 2 + 2 = 32 ATP pro Glucose.
- 5Ein anderer Shuttle für cytosolisches NADH senkt die Modellbilanz auf ungefähr 30 ATP.
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Fehler in Zeile 3Der Citratzyklus-Wert ist zu klein. Richtig: Zwei Runden setzen zusammen 4 CO₂ frei; mit den 2 CO₂ der Pyruvatoxidation sind es 6 CO₂.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Die Glykolyse findet im statt und liefert zwei Moleküle . Die oxidative Decarboxylierung bildet daraus . Im Citratzyklus entstehen unter anderem NADH und FADH₂.
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