Biologie · Klasse 12–13 · aktualisiert
Genregulation einfach erklärt: Gene gezielt steuern
Gene werden je nach Bedarf unterschiedlich stark genutzt. Du vergleichst Operons mit mehreren Regulationsebenen eukaryotischer Zellen.
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Kurz gesagt
Genregulation steuert, ob und wie stark ein Gen genutzt wird. Bei Bakterien können Operons mehrere Gene gemeinsam regeln; bei Eukaryoten wirken unter anderem Chromatin, Transkriptionsfaktoren, RNA-Verarbeitung und Proteinabbau.
Genregulation beeinflusst, welche Genprodukte eine Zelle herstellt und in welcher Menge. Dadurch kann sie auf ihre Aufgabe und ihre Umgebung reagieren. Du vergleichst das Lac- und das trp-Operon mit den Regulationsebenen eukaryotischer Zellen.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Ein Gen liefert die Information für ein Genprodukt, oft ein Protein. Bei der Transkription entsteht aus der DNA-Information RNA; bei der Translation dient mRNA als Vorlage für ein Protein. Regulation kann den Beginn und die Häufigkeit der Transkription, die Verarbeitung und Lebensdauer der RNA, die Translation sowie die Veränderung und den Abbau fertiger Proteine betreffen. Indem eine Zelle nur benötigte Proteine herstellt, spart sie Energie. Die meisten Körperzellen eines Menschen besitzen weitgehend dieselbe DNA. Unterschiedliche Genaktivität trägt dazu bei, dass etwa Muskel- und Nervenzellen verschiedene Aufgaben erfüllen.
Bei Prokaryoten liegen zusammengehörige Strukturgene oft in einem Operon. Dessen Promotor ist die Bindestelle der RNA-Polymerase; am Operator können Regulationsproteine binden. Ein Regulatorgen liefert beispielsweise einen Repressor und kann außerhalb des Operons liegen. Bindet ein aktiver Repressor passend am Operator, hemmt er die Transkription. Ein Aktivator kann sie fördern. Ob ein solches Protein bindet, hängt oft von einem Stoff aus der Umgebung oder dem Stoffwechsel ab.
Definition
Genexpression
Bei der Genexpression wird die Information eines Gens für ein funktionsfähiges Genprodukt genutzt. Genregulation beeinflusst, wie stark das geschieht.
Merke: Ähnliche DNA bedeutet nicht gleiche Proteinmengen: Zellen können unterschiedliche Gene nutzen oder dieselben Gene verschieden stark ablesen.
Beispiel
- 1Stell dir ein Operon für drei Enzyme eines Abbauwegs vor.
- 2Bindet ein aktiver Repressor am Operator, kann die RNA-Polymerase die Strukturgene nicht transkribieren.
- 3Löst sich der Repressor, wird der Weg frei und die Enzyme können hergestellt werden.
Teste dich
Das Lac-Operon von Escherichia coli regelt Gene für Lactosetransport und -abbau. Ohne Lactose ist der Repressor aktiv, bindet am Operator und hemmt die Transkription. Ist Lactose vorhanden, entsteht daraus Allolactose. Sie bindet an den Repressor, verändert dessen Form und löst ihn vom Operator. Nun können die Strukturgene transkribiert werden; unter anderem entstehen Permease für den Transport und β-Galactosidase für den Abbau. Sinkt die Allolactosekonzentration, kann der Repressor erneut binden. Dieses Prinzip heißt Substratinduktion. Die Stärke der Transkription hängt außerdem vom Glucoseangebot ab; ein freier Operator allein garantiert keine starke Expression.
Beim trp-Operon ist der Repressor ohne Tryptophan inaktiv. Die Gene für die Syntheseenzyme werden transkribiert. Bei hoher Tryptophankonzentration bindet das Endprodukt an den Repressor und aktiviert ihn. Er bindet am Operator und hemmt die weitere Transkription. Das ist Endproduktrepression: Das vorhandene Produkt bremst seine eigene Synthese.
Beispiel: Lactoseangebot bei E. coli
- 1Eine E.-coli-Kultur erhält Lactose als verfügbaren Zucker.
- 2Ein Teil der Lactose wird zu Allolactose umgewandelt. Diese bindet an den Lac-Repressor.
- 3Der Repressor löst sich vom Operator. Gene für Transport und Abbau können abgelesen werden.
- 4Wie stark sie tatsächlich transkribiert werden, hängt auch vom Glucoseangebot ab.
Merke: Beim Lac-Operon löst ein Stoff aus dem Substrat den Repressor; beim trp-Operon aktiviert das Endprodukt den Repressor.
| Vergleich | Lac-Operon | trp-Operon |
|---|---|---|
| regulierter Vorgang | Lactoseabbau | Tryptophansynthese |
| auslösender Stoff | Allolactose aus Lactose | Tryptophan |
| Wirkung auf Repressor | Bindung am Operator verhindert | Bindung am Operator ermöglicht |
| Folge im Modell | Transkription wird möglich | Transkription wird gehemmt |
Teste dich
Bei Eukaryoten liegt DNA zusammen mit Histonproteinen als Chromatin vor. Locker verpackte Bereiche sind für Transkriptionsproteine meist leichter erreichbar als dicht verpackte. Chemische Markierungen an DNA oder Histonen können die Zugänglichkeit beeinflussen, ohne die Basensequenz zu ändern. Histon-Acetylierung ist im Schulmodell oft mit lockererem Chromatin verbunden; Methylierung an einem Promotor kann das Ablesen erschweren. Welche Wirkung eine Markierung hat, hängt von ihrer Art und ihrem Ort ab.
Transkriptionsfaktoren sind Proteine, die das Ablesen steuern. Allgemeine Faktoren helfen der RNA-Polymerase beim Start am Promotor. Spezifische Faktoren können an einem Enhancer verstärkend oder an einem Silencer hemmend wirken. Eine DNA-Schleife bringt auch entfernte Kontrollbereiche räumlich an den Promotor. Diese Steuerung verändert die Nutzung des Gens. Eine Mutation dagegen verändert seine DNA-Sequenz.
Beispiel: Ein entfernter Kontrollbereich wirkt mit
- 1Ein Aktivator bindet an einen Enhancer, der auf der DNA weit vom Promotor eines Gens entfernt liegt.
- 2Eine DNA-Schleife bringt den gebundenen Aktivator räumlich in die Nähe des Promotors.
- 3Der Kontakt kann unter passenden Bedingungen die Transkription des Gens fördern.
- 4Die Basenfolge des Gens bleibt bei dieser Regulation unverändert.
Teste dich
Die Genexpression endet nicht mit der Transkription. Aus einer Prä-mRNA werden bei der Verarbeitung Introns entfernt und Exons verbunden. Beim alternativen Spleißen werden Exons unterschiedlich kombiniert. Ein Gen kann dadurch mehrere mRNA- und Proteinvarianten liefern.
Auch die Lebensdauer der mRNA zählt: Eine schnell abgebaute mRNA kann unter sonst gleichen Bedingungen seltener translatiert werden. Nach der Translation können etwa angeheftete Phosphatgruppen die Aktivität eines Proteins verändern. Nicht mehr benötigte Proteine können im Proteasom abgebaut werden. Keine dieser Ebenen setzt einen Austausch von DNA-Basen voraus.
Beispiel
- 1Zwei Zellen transkribieren dasselbe Gen.
- 2In Zelle A bleibt die mRNA lange erhalten, in Zelle B wird sie schnell abgebaut.
- 3Unter sonst gleichen Bedingungen kann die mRNA in Zelle A häufiger translatiert werden.
- 4Dort kann deshalb mehr Protein entstehen.
Teste dich
Alles auf einen Blick
Genregulation
Ziel
Genregulation beeinflusst die Menge eines Genprodukts.
Operon
Promotor und Operator steuern zusammengehörige Strukturgene.
Lac-Modell
Allolactose löst den Repressor vom Operator.
trp-Modell
Tryptophan aktiviert den Repressor.
Eukaryoten
Chromatin und Kontrollbereiche beeinflussen die Transkription.
Spätere Ebenen
RNA-Verarbeitung, mRNA-Lebensdauer und Proteinabbau verändern die Genexpression.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Eine Regulationsebene bestimmen
- 1In einer Zellkultur bleibt die Transkriptionsrate eines Gens gleich. Ein bestimmtes Protein nimmt dennoch ab.
- 2Prüfe die RNA: Die zugehörige mRNA bleibt ebenso lange erhalten wie zuvor.
- 3Prüfe das Protein: Es wird nun schneller im Proteasom abgebaut.
- 4Folgerung: Der Befund passt zur Regulation nach der Translation; eine DNA-Mutation ist dafür nicht erforderlich.
Fehler finden
Lac-Operon in zwei Nährmedien In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 3Richtig: Ein freier Operator ermöglicht die Transkription, aber bei viel Glucose ist sie typischerweise schwächer als bei wenig Glucose.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Beim Lac-Operon bindet an den Repressor. Dieser löst sich vom . Beim trp-Operon aktiviert dagegen den Repressor.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback