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Verstehen Sie die Béliers?
Verstehen Sie die Béliers? (Originaltitel: La famille Bélier) ist eine französische Komödie von Éric Lartigau aus dem Jahr 2014. Sie thematisiert das Leben …
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Überblick
Verstehen Sie die Béliers? ist eine französische Komödie von Éric Lartigau aus dem Jahr 2014. Der Originaltitel lautet La famille Bélier. Der Film dauert 106 Minuten, wurde in Frankreich produziert und ist auf Französisch sowie in Französischer Gebärdensprache (LSF) gedreht. In Deutschland und Österreich ist er ab 0 Jahren freigegeben.
Im Mittelpunkt steht eine gehörlose Familie, die im Alltag stark auf die hörende Tochter Paula angewiesen ist. Der zentrale Konflikt entsteht, als Paula ein besonderes Gesangstalent entdeckt und die Chance bekommt, für ein Gesangsstudium nach Paris zu gehen. Dadurch muss sie zwischen ihrer Verantwortung für die Familie und ihrem eigenen Zukunftswunsch entscheiden.
Handlung
Die 16-jährige Paula lebt mit ihren Eltern Rodolphe und Gigi sowie ihrem Bruder Quentin auf einem Bauernhof in Lassay-les-Châteaux im Département Mayenne. Bis auf Paula sind alle Familienmitglieder gehörlos. Sie kommunizieren in Französischer Gebärdensprache, die Paula seit ihrer Kindheit beherrscht. Weil Paula hören kann, übernimmt sie oft die Rolle der Dolmetscherin, zum Beispiel auf dem Markt, wo die Familie selbst hergestellten Käse verkauft.
Als Paulas Vater Bürgermeister werden will, wird ihre Hilfe noch wichtiger, weil sie auch bei Wahlveranstaltungen dolmetschen muss. Gleichzeitig tritt Paula dem Schulchor bei, weil ihr Schwarm Gabriel dort singt. Ihr Musiklehrer Monsieur Thomasson erkennt ihr Talent und ermutigt sie, bei Radio France in Paris vorzusingen, um Gesang zu studieren. Dafür soll sie täglich üben.
Paulas neue Ziele geraten mit ihren Familienpflichten in Konflikt. Als ein Fernsehsender über die Bürgermeisterkandidatur berichtet, kommt sie zu spät zur Probe, und ihr Lehrer lässt sie nicht mehr hinein. Auch zu Hause stößt ihr Wunsch, nach Paris zu gehen, auf Widerstand: Ihre Mutter wirft ihr vor, die Familie im Stich lassen zu wollen. Paula beschließt zunächst, ihre Pläne aufzugeben.
Beim Schulkonzert singt Paula mit Gabriel ein Duett. Das Konzert wird ein Erfolg. Obwohl ihre Eltern nichts hören können, begreift vor allem Rodolphe, wie wichtig Paula der Gesang ist. Am nächsten Morgen fährt die Familie mit ihr nach Paris zum Vorsingen. Paula singt Je vole von Michel Sardou und gebärdet den Text für ihre Familie. Das Lied handelt von einem Kind, das sein Elternhaus verlässt. Paula wird angenommen, verabschiedet sich von ihrer Familie und beginnt ihre neue Zukunft.
Produktion
Das Drehbuch entstand nach einer Erzählung von Victoria Bedos in Zusammenarbeit mit Stanislas Carré de Malberg. Für Louane Emera, die Paula spielt, war es die erste Filmrolle. Sie war Anfang 2013 in der zweiten Staffel der französischen Version von The Voice aufgefallen und kam über ein Casting zu der Rolle.
Louane Emera lernte die Gebärdensprache mit einem persönlichen Gebärdensprachenlehrer. Auch François Damiens und Karin Viard mussten Französische Gebärdensprache lernen. Luca Gelberg, der Quentin spielt, ist tatsächlich gehörlos. Regisseur Éric Lartigau erklärte, dass die Schauspieler ihren gesamten Text auswendig beherrschen mussten, weil wegen der Gebärdensprache spätere Schnitte schwieriger waren.
Die Filmmusik stammt von Evgueni und Sacha Galperine. Mehrere Lieder im Film sind Chansons von Michel Sardou, darunter La maladie d’amour, Je vole, Je vais t’aimer, En chantant und Java de Boradway. Éric Elmosnino wird am Piano von Michel Amsellem gedoubelt. Es singt der Chor La Maîtrise des Hauts-de-Seine der Pariser Oper.
Veröffentlichung und Synchronisation
Der Film startete in Frankreich am 17. Dezember 2014. In Deutschland kam er am 5. März 2015 in die Kinos, in der Deutschschweiz am 12. März 2015. Die von Concorde veröffentlichte DVD enthält die französische und deutsche Sprachfassung, Untertitel für Hörbehinderte sowie Bonusmaterial mit einem Interview des Regisseurs.
Für das deutsche Dialogbuch und die Dialogregie war Susanna Bonasewicz im Auftrag der Christa Kistner Synchronproduktion GmbH Potsdam verantwortlich. Paula Bélier wird in der deutschen Fassung von Lina Rabea Mohr gesprochen, Monsieur Thomasson von Frank Schaff, Mathilde von Amelie Plaas-Link und Gabriel von Patrick Baehr. Die gehörlosen Familienmitglieder Gigi, Rodolphe und Quentin sind in der Synchronfassung als „stumm“ angegeben.
Einordnung und Kritik
Der film-dienst beschrieb Verstehen Sie die Béliers? als „gefühlsbetonte Komödie“, die weniger durch inhaltliche Originalität als durch warmherzig gezeichnete Figuren überzeuge. Besonders hervorgehoben wurden die Darsteller und vor allem die Hauptdarstellerin Louane Emera; kleinere Handlungsschwächen und weniger gelungene Einfälle würden dadurch überdeckt.
Birgit Roschy von epd Film vergab drei von fünf Sternen. Sie sah den Film als „Coming-of-Age eines Provinzmädchens“. Coming-of-Age bezeichnet eine Geschichte über das Erwachsenwerden. Laut ihrer Kritik verlasse man das Kino in guter Laune, obwohl manches recht platt sei; Handlungslöcher würden durch das Zusammenspiel von Burleske, Drama und Musik ausgeglichen.
Die Deutsche Film- und Medienbewertung verlieh dem Film das Prädikat „Besonders wertvoll“. Begründet wurde dies unter anderem damit, dass ein altes Thema, nämlich die Schmerzen des Erwachsenwerdens für Kinder und Eltern, auf liebenswerte Weise variiert werde.
Auszeichnungen und Remake
Bei den Césars 2015 gewann Louane Emera den Preis als beste Nachwuchsdarstellerin. Außerdem war der Film in mehreren Kategorien nominiert: bester Film, beste Hauptdarstellerin für Karin Viard, bester Hauptdarsteller für François Damiens, bester Nebendarsteller für Éric Elmosnino und bestes Originaldrehbuch für Victoria Bedos und Stanislas Carré de Malberg.
Beim Prix Lumières wurden Karin Viard als beste Darstellerin und Louane Emera als beste Nachwuchsdarstellerin ausgezeichnet. Zusätzlich gab es Nominierungen für den besten Film und das beste Drehbuch. Beim Europäischen Filmpreis 2015 war Verstehen Sie die Béliers? als beste Komödie nominiert.
2021 entstand ein amerikanisches Remake mit dem Titel Coda. Dieses Remake erhielt den Oscar für den besten Film.