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Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Ute Wardenga

Gleichermaßen von Bedeutung für die Geographie als Wissenschaft wie für den Geographieunterricht sind Wardengas Beiträge zu den Raumkonzepten in der Geographie.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Gegenstand und Bedeutung
  2. 2. Leben und berufliche Stationen
  3. 3. Geschichte und Theorie von Geographie und Kartographie
  4. 4. Vier Raumbegriffe der Geographie
  5. 5. Gremienarbeit und Veröffentlichungen

Gegenstand und Bedeutung

Ute Wardenga (* 6. Mai 1957 in Geislingen an der Steige) ist eine deutsche Geographin. Ihre Arbeit verbindet die Geschichte und Theorie der Geographie und Kartographie mit dem Forschungsfeld der Global Studies. Besonders wichtig sind ihre Beiträge zu Raumkonzepten, die sowohl für die Geographie als Wissenschaft als auch für den Geographieunterricht Bedeutung haben.

Wardenga hat vor allem die Kategorie „Konstruktivismus“ im Hinblick auf räumliche Konzepte ausdifferenziert. Damit wird berücksichtigt, dass Räume nicht nur als gegebene Einheiten betrachtet werden, sondern auch durch Wahrnehmungen, Wissen, gesellschaftliche Vorstellungen und Entscheidungen geprägt sind.

Leben und berufliche Stationen

Wardenga studierte Geographie, Geschichte und Pädagogik an der Universität Frankfurt/Main und an der Universität Münster. Sie schloss das Studium mit einem Staatsexamen ab und arbeitete anschließend bis 1996 als Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Münster.

1991 promovierte sie dort mit der Arbeit „Geographie als Chorologie: zur Genese und Struktur von Alfred Hettners Konstrukt der Geographie“. 1996 wechselte sie an das Leibniz-Institut für Länderkunde (IfL) in Leipzig. Seit 2001 leitet sie dort die Abteilung Theorie, Methodik und Geschichte der Geographie sowie den Forschungsbereich Historische Geographien.

Seit März 2012 ist Wardenga außerdem Honorarprofessorin für Global Studies an der Universität Leipzig. 2021 wurde sie als erste Frau zur neuen Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Geographie (DGfG) gewählt; dieses Amt übt sie seit Januar 2022 aus.

Geschichte und Theorie von Geographie und Kartographie

Wardengas historische und theoretische Forschung steht teilweise im Zusammenhang mit den Postcolonial Studies. Ein Schwerpunkt ist das Verhältnis von europäischem und afrikanischem Raumwissen. Durch die Auswertung von Schriften und anderen Archivdaten zeigte das Forschungsprojekt, dass die „moderne“ Karte von Afrika nicht allein auf europäischen Beobachtungen und Techniken beruht, sondern in erheblichem Umfang auch auf afrikanischem Wissen.

Dabei wird eine verbreitete europäische Vorstellung sichtbar: Die meisten europäischen Afrikareisenden betrachteten Afrika als einen „leeren“ Raum und glaubten, der Kontinent könne erst durch europäische „Entdeckung“ zur Existenz gebracht werden. Die Forschung macht demgegenüber die Bedeutung afrikanischen Wissens für die Herstellung geografischer Darstellungen deutlich.

Ein weiteres Projekt ist der „Digitale Atlas politischer Raumbilder zu Ostmitteleuropa im 20. Jahrhundert“ (DAPRO). Untersucht wird, wie Raumbilder politisches Urteilen und Handeln in Ostmitteleuropa beeinflussen. Die Region ist unter anderem durch Grenzverschiebungen, ethnische und konfessionelle Gemengelagen, Minderheitenkonflikte, konkurrierende Raumvorstellungen und ideologische Bruchlinien geprägt. Zusätzlich berücksichtigt das Projekt die dynamische Neukonfigurierung räumlicher Verhältnisse seit 1989 sowie die Visualisierung von Raumbildern in transnationalen Zusammenhängen.

Vier Raumbegriffe der Geographie

Wardenga rekonstruierte im Verlauf ihrer Entstehung, Verwendung und Wirkung auf Raumentscheidungen vier zentrale Raumbegriffe:

  • „Raum als Container“: Raum wird als ein Behälter oder abgegrenzter Rahmen gefasst, in dem sich Dinge und Vorgänge befinden.
  • „Raum als System von Lagebeziehungen“: Im Mittelpunkt stehen die Beziehungen und Positionen zwischen verschiedenen Orten oder Objekten.
  • „Raum als Kategorie der Sinneswahrnehmung“: Raum wird über die Wahrnehmung und Erfahrung der Menschen verstanden.
  • „Raum als Konstruktion“: Raum gilt als durch gesellschaftliche Vorstellungen, Wissen und Handlungen hervorgebracht.

Diese Raumbegriffe sind nicht nur für die wissenschaftliche Geographie relevant, sondern auch für den Geographieunterricht. Sie beeinflussen, wie geografische Sachverhalte beschrieben, vermittelt und für räumliche Entscheidungen genutzt werden.

Im Projekt „Raumsemantiken im 19. und 20. Jahrhundert“ wertete Wardenga die Zeitschriften von rund 30 Geographischen Gesellschaften aus, die zwischen 1821 und 1914 in Europa, Nord- und Südamerika, Ostasien, Nordafrika und Australien erschienen. Das Projekt „Unser Feld ist die Welt“ untersuchte im internationalen Vergleich, wie und warum Geographische Gesellschaften zur Konfiguration neuer Raumformate und Raumordnungen beitrugen. Dadurch beeinflussten sie auch, wie raumbezogenes Wissen gewonnen und vermittelt wurde.

Gremienarbeit und Veröffentlichungen

Wardenga ist Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Geographie e.V. (seit Januar 2022), Fachgutachterin der Alexander von Humboldt-Stiftung (seit August 2017), Mitglied im Fachkollegium 317 „Geographie“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft und korrespondierendes Mitglied der Akademie für Raumforschung und Landesplanung – Leibniz-Forum für Raumwissenschaften. Außerdem arbeitet sie in Editorial Boards, im Vorstand des Fachverbandes CrossArea e.V. und im Vorstand der Graduate School „Global and Area Studies“ an der Universität Leipzig mit.

Zu ihren Monographien gehören „Geographie als Chorologie“ (1995), „Zur Entwicklung des länderkundlichen Ansatzes“ mit Frank-Dieter Grimm (2001) und „Der Verband deutscher Berufsgeographen 1950–1979“ mit Norman Henniges, Heinz Peter Brogiato und Bruno Schelhaas (2011). Ihre Aufsätze behandeln unter anderem Raumbegriffe im Geographieunterricht, Raum- und Kulturbegriffe, die Geschichte der Geographie, Geographische Gesellschaften sowie nationale und koloniale Raumordnungen. Außerdem gab sie Sammelbände zu Themen wie demografischem Wandel, Stadtentwicklung, Jugend und Raum, geschlechtsspezifischer Migration, Netzwerkanalyse und Imaginationen heraus.

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