Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Tangentialflussfiltration

Die Tangentialflussfiltration, auch Tangential-Flow-, Querstrom- oder Cross-Flow-Filtration genannt, ist eine Methode zum Filtrieren von Flüssigkeiten.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Bedeutung
  2. 2. Funktionsprinzip
  3. 3. Bauweisen und Betrieb
  4. 4. Einsatzgebiete und Beispiel
  5. 5. Wirtschaftlichkeit

Grundidee und Bedeutung

Die Tangentialflussfiltration, auch Tangential-Flow-, Querstrom- oder Cross-Flow-Filtration genannt, ist eine Methode zum Filtrieren von Flüssigkeiten. Sie wird in der chemischen, Lebensmittel- und Pharmaindustrie eingesetzt. Sie gehört wie die Kuchenfiltration zur Oberflächenfiltration, unterscheidet sich aber dadurch, dass die Bildung eines Filterkuchens weitgehend vermieden wird.

Wichtig ist das Verfahren vor allem dort, wo Flüssigkeiten mit vielen Partikeln oder mit großen Konzentrationsunterschieden verarbeitet werden müssen. Eine Sonderform ist die Diafiltration. In der Natur kommt Querstromfiltration ebenfalls vor, zum Beispiel bei planktonfiltrierenden Tieren wie Fischen in der Kiemenreuse und bei der Entfernung harnpflichtiger Stoffe aus dem Blut über das Glomerulum der Nieren.

Funktionsprinzip

Bei der Querstromfiltration wird die zu filtrierende Suspension, also eine Flüssigkeit mit darin verteilten Feststoffteilchen, mit etwa 2,5 bis 3 m/s parallel an einer Membran oder einem Filtermedium entlanggepumpt. Das Permeat, auch Filtrat genannt, wird quer zur Fließrichtung abgezogen. Die Membran lässt bestimmte Bestandteile passieren und hält andere zurück.

Durch die turbulente Strömung entstehen an der Filteroberfläche Scherkräfte. Diese Scherkräfte hängen vom Volumenstrom ab und können über ihn beeinflusst werden. Die hohe Strömungsgeschwindigkeit sorgt dafür, dass sich aus den abzutrennenden Feststoffpartikeln möglichst kein Filterkuchen bildet. Ein solcher Filterkuchen, auch Deckschicht oder Fouling genannt, würde den Filtrationswiderstand und damit den Druckverlust über den Filter erhöhen. Das hätte einen größeren apparativen und energetischen Aufwand zur Folge.

Bei gewöhnlichen Filtern werden die abzuscheidenden Feststoffe als Filterkuchen gewonnen. Bei der Querstromfiltration dagegen kann der Feststoff nur so weit konzentriert werden, dass die Suspension noch pumpbar bleibt. Das Filtrat ist in beiden Fällen frei von Feststoffen. Der Teil des Flüssigkeitsstroms, der die Membran nicht passiert, heißt Retentat.

Bauweisen und Betrieb

Im Vergleich zu statischen Filtrationstechniken kann die Tangentialflussfiltration Flüssigkeiten mit relativ hohen Trubstoffgehalten klären. Trubstoffe sind Stoffe, die eine Flüssigkeit trüb machen, zum Beispiel feine Partikel.

Besonders geeignet sind Hohlfasern, auch Kapillarmembranen oder Hohlfäden genannt. Ihre Leistungsfähigkeit wird zusätzlich durch den Pinch-Effekt verstärkt. Eine übliche Hohlfaser hat einen Innendurchmesser von etwa 1,5 mm; möglich sind 3,0 mm bis 0,1 µm. Die Porengröße liegt üblicherweise bei 200 bis 5 nm; möglich sind 2000 nm bis 1,0 nm.

Je nach Anwendung werden hunderte bis tausende Kapillaren in Modulen zusammengefasst und vergossen. Diese Bauteile heißen Hohlfasermodule. Mit einer Zirkulationspumpe wird das unfiltrierte Produkt so lange durch die Kapillaren geleitet, bis die Trubstoffe im Retentat so stark konzentriert sind, dass das System entleert und gereinigt werden muss.

Einsatzgebiete und Beispiel

Bevorzugt wird die Tangentialflussfiltration in Bereichen eingesetzt, in denen ein hohes Partikelaufkommen oder große Konzentrationsgradienten zu erwarten sind. Weil das Retentat ständig abströmt, kann sich bei nicht weiterem Konzentrieren ein Gleichgewichtswert einstellen, der lange gehalten werden kann.

Große Bedeutung hat das Verfahren in der Getränkefiltration und in der Dialyse. Außerdem wird es in vielen Bereichen der Membrantechnik verwendet, darunter Mikrofiltration, Ultrafiltration, Nanofiltration, Gastrennung, Pervaporation und Umkehrosmose.

Eine bekannte Anwendung außerhalb industrieller Anlagen ist der Fallrohrfilter zur Regenwassernutzung. Dabei wird ein Teil der Wand eines Regenfallrohrs durch ein Sieb oder Gitter ersetzt. Das Wasser, das an der Rohrwand herabläuft, tritt durch das Gitter und wird aufgefangen. Laub und ähnliche Stoffe laufen am senkrecht montierten Sieb weiter nach unten und werden mit dem übrigen Regenwasser in die Kanalisation gespült.

Wirtschaftlichkeit

Charakteristische Vorteile der Tangentialflussfiltration sind die weitgehende Einsparung von Filterhilfsmitteln sowie eine schnelle, arbeitsextensive und qualitätsschonende Verarbeitung. Filterhilfsmittel müssen sonst beschafft, gelagert, gehandhabt und entsorgt werden; diese Aufwände fallen hier weitgehend weg.

Ein Nachteil ist die im Vergleich zu anderen Filtrationstechniken geringe Energieeffizienz. Ein großer Teil der Energie, die in die Förderung der Einspeisung, also des Feed, investiert wird, geht über das Retentat verloren. Deshalb wird dort, wo man auf Tangentialflussfiltration verzichten kann, zunehmend die Dead-End-Filtration verwendet.

Weiterlesen

Filtration (Trennverfahren) Die Filtration (auch Filtrierung, Filterung oder Filtern genannt) beinhaltet die Abtrennung von festen Partikeln, Makromolekülen, Mikroorganismen, … Chemische Industrie Mit Beginn der Industrialisierung und dem Bevölkerungswachstum kamen neue Güter und Produkte – insbesondere durch die Chemie – in den Wirtschaftskreislauf. Oberflächenfilter Ein Oberflächenfilter dient zur Abscheidung von Partikeln aus strömenden Fluiden. Der eigentliche Trenneffekt wird im Gegensatz zum Tiefenfilter nicht durch … Filterkuchen Als Filterkuchen wird der Rückstand aus zurückgehaltenen Stoffen bezeichnet, der sich bei der Filtration auf der Oberfläche eines Filters bildet. Plankton Phytoplankton ist Primärproduzent in der ozeanischen Nahrungskette und bildet mit Hilfe der Photosynthese aus Kohlenstoffdioxid und Nährstoffen seine … Fische Die Lehre von der Biologie der Fische ist die Ichthyologie (von altgriechisch ἰχθύς ichthýs „Fisch“ und -logie) oder Fischkunde. Inhaltsverzeichnis. 1 … Meter Der Meter ist die Basiseinheit der Länge im Internationalen Einheitensystem (SI) und in anderen metrischen Einheitensystemen. Ein Meter ist seit 1983 … Dialyse Die Niere hat neben ihrer filtrativen auch eine endokrine Funktion (Erythropoetin und Calcitriol). Nur die Filtration kann von der Dialyse übernommen werden … Mikrofiltration Mikrofiltration wird bevorzugt zur Filtration von Getränken und Öl angewendet sowie zur Vorfiltration. Die verschiedenen Erscheinungsformen der … Umkehrosmose Die Umkehrosmose oder Reversosmose ist ein physikalisches Verfahren der Membrantechnik zur Konzentrierung von in Flüssigkeiten gelösten Stoffen, bei der mit … Filterhilfsmittel Filterhilfsmittel sind chemisch inerte Stoffe, die physikalisch-mechanisch eine Filtration unterstützen. Sie sollten nicht mit Flockungsmitteln verwechselt …