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Strom (Mathematik)

In der geometrischen Maßtheorie, einem Teilgebiet der Mathematik, verallgemeinern Ströme (engl.: currents) den Begriff von Distributionen und implizit …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Definition
  2. 2. Konvergenz, Träger, Rand und Masse
  3. 3. Normale Ströme und Sätze im vollen Raum
  4. 4. Ganzzahlig rektifizierbare und integrale Ströme
  5. 5. Minimierung

Grundidee und Definition

Ströme sind Objekte der geometrischen Maßtheorie. Sie verallgemeinern Distributionen und damit implizit auch (Unter-)Mannigfaltigkeiten. Ein m-dimensionaler Strom, kurz m-Strom, in \mathbb{R}^n ist ein stetiges lineares Funktional auf \mathcal{D}^m(\mathbb{R}^n):=C_c^\infty(\mathbb{R}^n,\Lambda^m\mathbb{R}^n). Dabei ist \Lambda^m\mathbb{R}^n die Menge der m-linearen alternierenden Formen. \mathcal{D}^m(\mathbb{R}^n) ist also der Raum der m-Formen auf \mathbb{R}^n mit kompaktem Träger. Ein Strom gehört zum topologischen Dualraum \mathcal{D}_m; die Menge der m-dimensionalen Ströme auf einer offenen Menge O wird mit \mathcal{D}_m(O) bezeichnet.

Konvergenz, Träger, Rand und Masse

Eine Folge (T_i)_{i\in\mathbb{N}} konvergiert schwach gegen T, geschrieben T_i\rightharpoonup T, wenn für jede Testform \omega\in\mathcal{D}^m(\mathbb{R}^n) gilt: \lim_{i\to\infty}T_i(\omega)=T(\omega). Der Träger \operatorname{supp}T ist die kleinste abgeschlossene Menge C\subset\mathbb{R}^n, außerhalb derer der Strom verschwindet: T(\omega)=0, sobald \operatorname{supp}\omega\cap C=\emptyset.

Für m\geq1 ist der Rand eines Stromes T durch \partial T(\pi):=T(d\pi) für alle \pi\in\mathcal{D}^{m-1}(\mathbb{R}^n) definiert. Ein Strom heißt geschlossen, falls \partial T=0. Es gelten \partial\circ\partial=0, \operatorname{supp}\partial T\subset\operatorname{supp}T sowie: Aus T_i\rightharpoonup T folgt \partial T_i\rightharpoonup\partial T.

Die Massenverteilung eines Stromes wird durch das reguläre äußere Borel-Maß \|T\| beschrieben. Für offene U\subset\mathbb{R}^n und beliebige A\subset\mathbb{R}^n gilt \|T\|(U):=\sup\{T(\omega):\operatorname{supp}\omega\subset U,\sup_x\|w\|\leq1\},\qquad \|T\|(A):=\inf\{\|T\|(U):A\subset U\}. Die Masse ist \mathbf{M}(T)=\|T\|(\mathbb{R}^n)\in[0,\infty]. Ströme endlicher Masse bilden \mathbf{M}_m(T). Lokal endliche Masse bedeutet, dass \|T\| ein Radon-Maß ist, also auf kompakten Mengen endlich ist; der entsprechende Raum heißt \mathbf{M}_{m,\mathrm{loc}}(T).

Normale Ströme und Sätze im vollen Raum

Für T\in\mathcal{D}_m(\mathbb{R}^n), m\geq1, ist \mathbf{N}(T):=\mathbf{M}(T)+\mathbf{M}(\partial T). T heißt normal, wenn \mathbf{N}(T)<\infty, und lokal-normal, wenn \|T\|+\|\partial T\| ein Radon-Maß ist. Die zugehörigen Vektorräume heißen \mathbf{N}_m(T) beziehungsweise \mathbf{N}_{m,\mathrm{loc}}(T).

Der Konstanzsatz betrifft n-Ströme: Ist U\subset\mathbb{R}^n offen und zusammenhängend, T\in\mathcal{D}_n(\mathbb{R}^n) und \operatorname{supp}\partial T\subset\mathbb{R}^n\setminus U, so gibt es ein c\in\mathbb{R} mit \operatorname{supp}(T-c[U])\cap U=\emptyset. Hierbei ist [U]=[U,e_1\wedge\dots\wedge e_n]. Für \omega=f\,dx^1\wedge\dots\wedge dx^n gilt [U](\omega)=\int\langle e_1\wedge\dots\wedge e_n,\omega\rangle\,dx=\int f\,dx.

Weiter gilt für T\in\mathcal{D}_n(\mathbb{R}^n): T\in\mathbf{N}_{m,\mathrm{loc}}(\mathbb{R}^n) genau dann, wenn T=[\mathbb{R}^n]\llcorner u für ein u\in\mathrm{BV}_{\mathrm{loc}}(\mathbb{R}^n). Dann ist \|\partial T\|=|Du|. \mathrm{BV}_{\mathrm{loc}} bezeichnet Funktionen lokal beschränkter Variation.

Ganzzahlig rektifizierbare und integrale Ströme

Ein lokal ganzzahlig rektifizierbarer m-Strom lässt sich darstellen als T(\omega)=\int_E\langle\tau(x),\omega(x)\rangle i\theta(x)\,d\mathcal{H}^m(x). Dabei ist \mathcal{H}^m das Hausdorff-Maß, E\subset\mathbb{R}^n eine abzählbar \mathcal{H}^m-rektifizierbare und \mathcal{H}^m-messbare Menge, \theta eine lokal \mathcal{H}^m-integrierbare natürliche Funktion auf E, und \tau eine \mathcal{H}^m-messbare \Lambda_m\mathbb{R}^n-wertige Funktion. Für \mathcal{H}^m-fast alle x\in E ist \tau(x) einfach, |\tau(x)|<1, und bezeichnet den approximierten Tangentialraum \mathrm{Tan}^m(E,x)\in G(n,m).

Der Raum dieser lokal ganzzahlig rektifizierbaren Ströme heißt \mathcal{I}_{m,\mathrm{loc}}(\mathbb{R}^n). Ein ganzzahlig rektifizierbarer Strom gehört zu \mathcal{I}_m(\mathbb{R}^n):=\mathcal{I}_{m,\mathrm{loc}}(\mathbb{R}^n)\cap\mathbf{M}_m(\mathbb{R}^n).

Für m\geq1 sind lokal integrierbare Ströme durch \mathbf{I}_{m,\mathrm{loc}}(\mathbb{R}^n):=\{T\in\mathcal{I}_{m,\mathrm{loc}}(\mathbb{R}^n):\partial T\in\mathcal{I}_{m-1,\mathrm{loc}}(\mathbb{R}^n)\} definiert; für m=0 ist \mathbf{I}_{0,\mathrm{loc}}(\mathbb{R}^n):=\mathcal{I}_{0,\mathrm{loc}}(\mathbb{R}^n). Integralströme sind die Elemente von \mathbf{I}_m(\mathbb{R}^n):=\mathbf{I}_{m,\mathrm{loc}}(\mathbb{R}^n)\cap\mathbf{N}_m(\mathbb{R}^n). \mathbf{I}_{m.c}(\mathbb{R}^n) enthält genau die Integralströme mit kompaktem Träger.

Minimierung

Ein Strom T\in\mathcal{I}_{m,\mathrm{loc}}(\mathbb{R}^n) heißt minimierbar, wenn für jede kompakte Menge K\subset\mathbb{R}^n und jeden lokal ganzzahlig rektifizierbaren Strom T' mit kompaktem Träger und \partial T'=\partial(T\llcorner K) gilt: \mathbf{M}(T\llcorner K)\leq\mathbf{M}(T'). Damit hat die Einschränkung von T auf K unter allen Vergleichsströmen mit demselben Rand keine größere Masse.

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