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Stereotypie (Medizin)

Stereotypien (von griechisch στερεός, stereós für fest, hart, haltbar, räumlich und τύπος, týpos für -artig) sind bestimmte psychomotorische …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundbegriff und Einordnung
  2. 2. Erscheinungsformen beim Menschen
  3. 3. Abgrenzung zu anderen Störungen
  4. 4. Stereotypien bei Tieren
  5. 5. Auslösung durch Wirkstoffe

Grundbegriff und Einordnung

Stereotypien sind psychomotorische Verhaltensauffälligkeiten. Sie bestehen aus wiederholten und ständig gleichbleibenden Handlungen ohne Ziel oder Funktion. Diese Handlungen passen nicht zur konkreten Umweltsituation und haben häufig einen zwanghaften Charakter.

Medizinisch werden Stereotypien zu den extrapyramidalen Hyperkinesien gerechnet. Hyperkinesien sind übermäßige oder unwillkürliche Bewegungen; extrapyramidal bezieht sich auf Bewegungssteuerung außerhalb der Pyramidenbahn. In ICD-11 und ICD-10 wird die Symptomgruppe als Stereotype Bewegungsstörung bezeichnet; in ICD-10 kommt auch die Bezeichnung stereotype motorische Störung vor.

In der ICD-10 steht F98.4 für Stereotype Bewegungsstörungen, F98.40 für Stereotype Bewegungsstörungen ohne Selbstverletzung, F98.41 für Stereotype Bewegungsstörungen mit Selbstverletzung und F98.49 für Stereotype Bewegungsstörungen ohne Angabe einer Selbstverletzung. In der ICD-11 steht 6A06 für Stereotype Bewegungsstörung, 6A06.0 für die Form ohne Selbstverletzung, 6A06.1 für die Form mit Selbstverletzung und 6A06.Z für die nicht näher bezeichnete Form.

Erscheinungsformen beim Menschen

Beim Menschen können Stereotypien verschiedene Formen annehmen. Genannt werden kontinuierliches Schnüffeln, Lecken, Beißen, Zwangsnagen, zwanghafte motorische Bewegungen, die durch kataleptische Zustände unterbrochen sein können, sowie krankhaft häufig wiederholte Gedanken, sprachliche oder körperliche Äußerungen. Letzteres wird Perseveration genannt.

Körperliche Stereotypien können als Haltung oder Bewegung auftreten. Beispiele sind Jactatio capitis nocturna, also nächtliches Kopfwackeln oder Kopfrollen, Jactatio corporis, also Schaukeln oder Wiegen des Oberkörpers, und Pagodenwackeln, das ein Vor- und Zurückbeugen des Oberkörpers bezeichnet.

Jaktation kann zu Verletzungen führen. Häufig wird sie bei geistig behinderten, insbesondere autistischen Kindern, sowie bei psychischem Hospitalismus genannt. Psychischer Hospitalismus bezeichnet seelische und entwicklungsbezogene Folgen längerer institutioneller Unterbringung oder mangelnder Zuwendung.

Abgrenzung zu anderen Störungen

Nicht alle wiederholten Handlungen zählen in der ICD-10 zu stereotypen Bewegungsstörungen. Ausgenommen von ICD-10 F98.4 sind Angewohnheiten wie Daumenlutschen, Nägelbeißen und Nasebohren; diese werden unter F98.8 genannt.

Ebenfalls abzugrenzen sind Tics nach F95, die zum Beispiel für das Tourette-Syndrom kennzeichnend sein können, Trichotillomanie nach F63.3, also zwanghaftes Ausreißen von Haaren, Stottern nach F98.5 sowie alle nicht psychogenen Störungen. Dazu gehören unwillkürliche Bewegungen und Bewegungsstörungen organischer Ursache. Auch von Zwangsstörungen nach ICD F42 werden Stereotypien unterschieden.

Stereotypien bei Tieren

Stereotypien können auch bei Tieren auftreten, besonders im Zusammenhang mit Haltung. Beispiele sind Koppen oder Krippensetzer beim Pferd, Weben beim Pferd, Weben beim Elefanten, Kreiswandern bei Großkatzen sowie Federrupfen oder Federbeißen bei Papageien.

Diese auffälligen Verhaltensweisen müssen von normalen stereotypen Verhaltensweisen unterschieden werden. Der Artikel nennt diese Abgrenzung, führt sie aber nicht weiter aus.

Auslösung durch Wirkstoffe

Stereotypien können durch zentralwirksame Substanzen ausgelöst werden. Zentralwirksam bedeutet, dass ein Stoff auf das zentrale Nervensystem wirkt, also auf Gehirn und Rückenmark.

Genannt werden Dopamin, Acetylcholin, Serotonin und deren Agonisten, teilweise auch deren Antagonisten. Agonisten sind Stoffe, die die Wirkung eines körpereigenen Botenstoffs nachahmen oder verstärken; Antagonisten hemmen oder blockieren eine solche Wirkung. Außerdem werden Amphetamin, Apomorphin und weitere Stoffe genannt.

Das Auftreten von Stereotypien wird zur Wirkungsanalyse von Arzneistoffen herangezogen. Es kann also in der Pharmakologie genutzt werden, um Wirkungen bestimmter Substanzen zu untersuchen.

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