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Stadtstraße Aspern
Die Stadtstraße Aspern, meist einfach Stadtstraße genannt, ist eine 3,321 Kilometer lange, im Bau befindliche Hauptstraße B im 22. Wiener Gemeindebezirk in …
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Überblick und Funktion
Die Stadtstraße Aspern, meist Stadtstraße genannt, ist eine im Bau befindliche Hauptstraße B (Landes- oder Gemeindestraße) im 22. Wiener Gemeindebezirk Donaustadt. Sie wird von der Gemeinde Wien errichtet. Ihre Gesamtlänge beträgt 3,321 km; laut Basisdaten sind 0,335 km in Betrieb und 2,986 km im Bau.
Die Straße soll Ende 2026 fertig sein. Sie führt von der Autobahn Südosttangente Wien A23 bei der Anschlussstelle Hirschstetten zum Heidjöchl nördlich der Ostbahnbegleitstraße. Später soll sie in die von der ASFINAG geplante Schnellstraße S1-Spange Seestadt Aspern münden. Da für diese S1-Spange noch kein Baubeginn absehbar ist, baut Wien die für die Erschließung der Seestadt nötige Anschlussstelle Seestadt West selbst vorab.
Planung und Ausgestaltung
Die Planung beruht auf drei Zielen: Die A23 sollte über eine Tangentialverbindung an den Regionenring angeschlossen werden; neue Stadtentwicklungsgebiete im Nordosten Wiens sollten eine möglichst kreuzungsarme Straßenverbindung erhalten; außerdem sollten Ortskerne in der Donaustadt vom Verkehr entlastet werden. Der südlich anschließende Lobautunnel wurde am 1. Dezember 2021 vorläufig abgesagt. Die Planungen für die Stadtstraße reichen über Jahrzehnte zurück.
Vorgesehen sind jeweils zwei Fahrspuren pro Richtung, jedoch keine Geh- und Radwege. Weil die Straße zwei Schnellstraßen verbinden soll, ist Radfahren auf ihr gesetzlich verboten. Zum Lärmschutz wird sie größtenteils tiefer gelegt; an zwei Stellen verläuft sie durch Tunnel. Die geplante Höchstgeschwindigkeit beträgt 50 km/h.
Das Projekt durchlief eine Umweltverträglichkeitsprüfung. Die Wiener Landesregierung erteilte 2018 einen positiven Bescheid. Das Bundesverwaltungsgericht stellte im Juli 2020 rechtskräftig fest, dass die Genehmigung erteilt wurde.
S1-Spange, Lobautunnel und Bewertung
2021 überprüfte das Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie unter Ministerin Leonore Gewessler das Straßenbauprogramm der ASFINAG. Bewertet wurden unter anderem Flächenverbrauch, Biodiversität, Multimodalität, Sozialverträglichkeit, Netzwirkung, Wirtschaftlichkeit und Klimawirkung. Der Bericht erschien im November 2021.
Die Evaluierung befürwortete die S1-Spange zur Erschließung der Seestadt im notwendigen Umfang. Den Lückenschluss der S1 Wiener-Außenring-Schnellstraße mit Lobautunnel bewertete sie dagegen negativ. Als Gründe nennt der Artikel die Trasse durch das IUCN-Schutzgebiet II des Nationalpark Donau-Auen, einen Flächenverbrauch von 385,35 Hektar sowie erwartete Treibhausgas-Emissionen durch Bau, induzierten Verkehr und Tunnelbetrieb. Die Planungen für den Verwirklichungsabschnitt 2 wurden eingestellt.
Kritik entstand auch, weil der Bau der Stadtstraße bereits im August 2021 begann, bevor die Entscheidung über S1-Spange und Umfahrung abgewartet wurde. Gegner betonten, die Straße solle A23 und S1 verbinden und sei ohne die S1 noch weniger sinnvoll.
Proteste und Kritik am Projekt
Ab Ende August 2021 besetzten Klimaschutzaktivisten Baustellen in Hirschstetten und am Hausfeld. Laut Artikel waren dies die längsten Baustellenbesetzungen der österreichischen Geschichte. Fridays for Future, Extinction Rebellion, System Change not Climate Change, der Wiener Jugendrat und weitere Initiativen wollten Stadtstraße und Lobautunnel mit Protestcamps verhindern.
Die Stadt Wien und Verkehrsstadträtin Sima ließen durch die Kanzlei Johannes Jarolim Klagedrohungen an Besetzer sowie die TU-Wien-Verkehrsexperten Barbara Laa und Ulrich Leth schicken. Annemarie Schlack von Amnesty International Österreich bezeichnete dies als mögliche SLAPP-Klage. Die Klageandrohungen wurden später zurückgezogen. Am 1. Februar 2022 räumte die Polizei das Camp auf Aufforderung der Stadtregierung; zwölf Aktivisten wurden kurzzeitig in Gewahrsam genommen, und gleichzeitig begann die Fällung von 380 Bäumen. Eine erneute Besetzung am 25. Mai 2022 wurde sofort geräumt.
Kritiker, darunter Scientists for Future, Forum Wissenschaft & Umwelt, Hermann Knoflacher und Sigrid Stagl, beanstanden vor allem die Größe der Straße mit je zwei Fahrspuren, zusätzlich erzeugten Verkehr und die geplanten Kosten von 460 Millionen €. Sie fordern stattdessen mehr Ausbau von Nahverkehr und öffentlicher Infrastruktur. Nach ihrer Auffassung könnte die Absage des Lobautunnels eine kleinere Neudimensionierung erlauben.
Die Stadt Wien entgegnet, dass 50 km/h gelten, zwei Spuren in den Tunneln der Sicherheit dienten und die Straße Ampeln sowie Busspuren habe. Für 60.000 Bewohner der neuen Siedlungen sei eine Anbindung an das höherrangige Verkehrsnetz nötig; für Seestadt Nord sei sie in der Umweltverträglichkeitsprüfung vorgeschrieben worden. Die Stadt erwartet eine Bündelung des Verkehrs außerhalb der Ortskerne und verweist darauf, dass auch Linienbusse die Straße nutzen sollen. 2024 erhielt das Bauprojekt den Negativpreis „Neun Plätze, neun Betonschätze“.