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Sonnenpyramide von Teotihuacán
Die Sonnenpyramide ist das zweitgrößte Bauwerk im vorspanischen Mittelamerika und die drittgrößte Pyramide der Welt. Sie befindet sich im Zentrum der …
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Bedeutung und Lage
Die Sonnenpyramide ist das zweitgrößte Bauwerk im vorspanischen Mittelamerika und die drittgrößte Pyramide der Welt. Sie liegt im Zentrum der voraztekischen Ruinenstadt Teotihuacán, etwa 45 km nordöstlich von Mexiko-Stadt. Im Stadtbild befindet sie sich an der Straße der Toten zwischen der Mondpyramide und der Ciudadela, im Schatten des Cerro-Gordo-Massivs.
Die Bezeichnung „Sonnenpyramide“ stammt von den Azteken. Sie gaben dem Bauwerk diesen Namen, nachdem Teotihuacán bereits seit Jahrhunderten verlassen war. Die ursprüngliche Bezeichnung der Pyramide ist unbekannt.
Bau, Gestaltung und religiöse Funktion
Die Pyramide wurde in zwei Bauphasen errichtet. Die erste Phase fand etwa um das Jahr 100 statt; bereits damals erreichte das Bauwerk annähernd seine heutige Größe. In der zweiten Phase wurde auf der Plattform an der Pyramidenspitze ein Altar aufgestellt, der nicht erhalten ist. Die Pyramide besitzt eine Grundfläche von etwa 225 m × 225 m und ist etwa 63 m hoch.
Zu Beginn des 3. Jahrhunderts wurde die Adosada-Plattform hinzugefügt. Dies geschah ungefähr zur gleichen Zeit, in der auch die Ciudadela und die Pyramide der Gefiederten Schlange errichtet wurden.
Die gesamte Struktur war mit Kalkputz überzogen und farbenprächtig bemalt. Als flächendeckende Grundfarbe diente Rot; weiße Ausarbeitungen und blau gefärbte Teilflächen bildeten Kontraste. Verputz und Malereien sind jedoch nicht erhalten. Zu den ursprünglichen Darstellungen sollen Jaguarköpfe und Jaguarklauen, Sterne sowie Schlangenrasseln gehört haben.
Vermutlich diente die Pyramide der Verehrung einer in Teotihuacán verehrten Gottheit. Name und Charakter dieser Gottheit sind unbekannt. Der verlorene Altar hätte möglicherweise weitere Hinweise liefern können. Die Annahme, es habe sich um eine Art archaische Muttergöttin gehandelt, bleibt eine Spekulation.
Archäologische Untersuchungen und Bestattungen
Die ersten archäologischen Untersuchungen der Sonnenpyramide führte 1906 Leopold Bartres durch. Für die Arbeiten richtete er eine Kipplorenbahn ein. Weitere Ausgrabungen und Untersuchungen folgten und dauern bis heute an.
Zwischen 2008 und 2011 wurden im Innern der Pyramide insgesamt fünf Bestattungsplätze auf unterschiedlichen Niveaus entdeckt.
Ausrichtung, Höhle und Funde
Die Ausrichtung der Sonnenpyramide wird intensiv erforscht. Astronomische Zusammenhänge werden nicht ausgeschlossen. Die wichtigste Achse des Bauwerks weist zum Sonnenuntergangspunkt am 12. August beziehungsweise am 20. April. Diese Daten spielten im Kalender der Maya eine wichtige Rolle.
Unterhalb der Pyramide liegt eine Höhle, die durch einen künstlichen Tunnel erreichbar ist. Lange galt sie als natürlichen Ursprungs. Jüngere Untersuchungen sprechen eher dafür, dass sie künstlich angelegt wurde. Dafür sprechen Meißel, die im Tunnel gefunden wurden, sowie Spuren von Handabdrücken. Archäologen vermuten in der Höhle Königsgräber älterer Herrscher, über die bisher wenig oder nichts bekannt ist. Mehrere Reliquien wurden entdeckt; das Grab steht vor der Öffnung.
In der Pyramide und ihrer näheren Umgebung wurden nur wenige Fundstücke geborgen. Dazu gehören Pfeilspitzen aus Obsidian und menschenförmige Figuren. Ähnliche Objekte fanden sich auch an der Mondpyramide, der Pyramide der Gefiederten Schlange und der Ciudadela. An den Ecken der Pyramiden entdeckte man Kindergräber. Die Kinder wurden offenbar im Rahmen religiöser Zeremonien dort beigesetzt.