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Somatosensibel evozierte Potentiale
Dabei wird nach wiederholter elektrischer Reizung eines peripheren Nerven an verschiedenen Stellen im Verlauf abgeleitet, zumeist in Höhe des Eintritts in das …
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Definition und Bedeutung
Somatosensibel evozierte Potentiale (SEP oder SSEP) sind Aufzeichnungen der elektrischen Antworten schnell leitender sensibler Nervenfasern entlang der Schleifenbahn. Sie zeigen, ob und wie schnell sensible Signale vom peripheren Nerv über das Rückenmark bis zur sensiblen Hirnrinde weitergeleitet werden. Dadurch lassen sich besonders die körpernahen und zentralen Abschnitte sensibler Nervenbahnen untersuchen, die mit der Neurographie wegen der Überlagerung durch Muskeln und Knochen kaum zugänglich sind.
Messprinzip und zentrale Leitzeit
Ein möglichst oberflächennah gelegener sensibler Nerv wird wiederholt elektrisch gereizt. Das dadurch erzeugte Aktionspotential breitet sich über den Nerv aus und wird gewöhnlich mit Oberflächenelektroden, seltener mit Nadelelektroden, an verschiedenen Stellen gemessen. Weil die Spannungen sehr klein sind, werden wiederholte Messungen durch Averaging gemittelt, um Störsignale zu verringern.
Die Ableitung kann im Verlauf des Nerven erfolgen, beim Nervus medianus beispielsweise über dem Erbschen Punkt. Meist misst man außerdem beim Eintritt der Bahn in das Rückenmark das „spinale Potential“ und über dem zugehörigen Gebiet der sensiblen Hirnrinde das „kortikale Potential“. Beim Nervus medianus liegt die spinale Ableitstelle beispielsweise über dem Dornfortsatz des 7. Halswirbels; typische Komponenten sind N13 an der Wirbelsäule und N20 über dem Gehirn.
Die zeitliche Differenz zwischen spinalem und kortikalem Potential heißt „zentrale Leitzeit“. Aufgrund der Anatomie der Schleifenbahn umfasst sie alle drei Umschaltungen zwischen Nervenzellen: im Nucleus cuneatus beziehungsweise Nucleus gracilis, im Thalamus und im Gyrus postcentralis.
Normwerte und Einflussgrößen
Veröffentlichte Normwerte für die einzelnen SSEP-Komponenten dienen nur als Anhaltspunkte. Jedes Labor sollte eigene Normwerte bestimmen, da besonders die Amplituden und in geringerem Maß auch die Latenzen von der verwendeten Technik und der Elektrodenplatzierung abhängen. Wichtig ist dabei auch die Position der Referenzelektrode.
Den entscheidenden Einfluss auf das Ergebnis hat die Körperlänge; Normwerte müssen deshalb an sie angepasst werden. Auch die Körpertemperatur wirkt sich aus: Besonders kalte Extremitäten beeinflussen die spinale Latenz. Alter und Körperhaltung haben geringere Auswirkungen. Zum Einfluss des Geschlechts liegen widersprüchliche Angaben vor.
Diagnostische Anwendung
SSEP werden überwiegend zur Prüfung der zentralen sensiblen Bahn eingesetzt. Die Latenz bezeichnet die Zeit bis zum Auftreten eines Potentials, die Amplitude dessen Ausschlag beziehungsweise Stärke. Bei einer Schädigung der Myelinscheiden, einer sogenannten Demyelinisierung wie bei Multipler Sklerose, verlängert sich die Latenz. Bei einem axonalen Schaden, also einer verminderten Anzahl von Nervenfasern, sinkt die Amplitude.
Außerdem können SSEP helfen, die Prognose nach schweren Hirnschäden durch ein Trauma oder Sauerstoffmangel abzuschätzen. Die Prognose ist sehr schlecht, wenn bei nacheinander erfolgender Reizung beider Körperseiten jeweils eine Antwort über dem Rückenmark, aber keine über der Hirnrinde messbar ist. Dieser Befund spricht für eine beidseitige Hirnstammschädigung, bei der eine akzeptable Erholung kaum zu erwarten ist.
Historische Entwicklung
George Duncan Dawson beschrieb SEP erstmals 1947. Die Untersuchung war damals technisch schwierig, weil Elektronenröhren als Verstärker und Oszillographen mit fotografischer Dokumentation zur Verfügung standen. Computertechnik erleichterte später sowohl das Averaging als auch die Aufzeichnung deutlich.