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Solomon Grundy
Solomon Grundy ist ein englischer Kinderreim (nursery rhyme), der 1842 von James Orchard Halliwell-Phillipps veröffentlicht wurde. Er wird bis heute vor …
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Grundidee und Bedeutung
Solomon Grundy ist ein englischer Kinderreim („nursery rhyme“), den James Orchard Halliwell-Phillipps 1842 veröffentlichte. Der Reim erzählt das gesamte Leben eines Mannes in Verbindung mit den sieben Wochentagen. Er wird bis heute besonders in amerikanischen Kindergärten und Vorschulen auswendig gelernt. In den USA besitzt er laut Artikel ungefähr den Bekanntheitsgrad, den „Hänschen klein“ in Deutschland hat.
Der Reim ist leicht zu merken, weil jeder wichtige Lebensabschnitt einem aufeinanderfolgenden Wochentag zugeordnet wird. Dadurch lernen Kinder spielerisch die Wochentage und erleben zugleich, wie sprachliche Ordnung, Wiederholung und starke Gegensätze wirken können.
Handlung und Fassungen
Die kurze Fassung zählt Grundys Lebensstationen knapp auf: Er wird am Montag geboren, am Dienstag getauft, heiratet am Mittwoch, erkrankt am Donnerstag, wird am Freitag noch kränker, stirbt am Samstag und wird am Sonntag begraben. Danach stellt der Reim fest, dass dies das Ende von Solomon Grundy war.
Es gibt eine achtzeilige lange Fassung und eine vereinfachte, zehnzeilige Alternativversion. Die längere englische Fassung ergänzt zu den Tagen auffällige Wetterbeschreibungen: Der Dienstag ist „stark and stormy“, der Mittwoch „grey and grisly“, der Donnerstag „mild and mellow“, der Freitag „bright and breezy“, der Samstag „gay and glorious“ und der Sonntag „baking, blistering“. Die deutsche Wiedergabe beschreibt diese Entwicklung als stark und stürmisch, grau und grausig, mild und sanft, hell und luftig, fröhlich und glorreich sowie schließlich brennend und glühend.
Sprachliche Gestaltung
Solomon Grundy bleibt als Person auffallend unbestimmt. Das Gedicht sagt nichts über sein Denken, seine Gefühle oder seinen Charakter. Er wird nur indirekt durch seine Lebensstationen und – in der langen Fassung – durch das Wetter an den entscheidenden Tagen beschrieben.
Der erste zentrale Kunstgriff ist die „Ungleichzeitigkeit des Gleichzeitigen“. Geburt, Taufe, Hochzeit, Krankheit, Tod und Beerdigung liegen in einem wirklichen Leben normalerweise viele Jahre auseinander. Das Gedicht nennt jedoch keine Zeitabstände und verbindet jedes Ereignis unmittelbar mit dem nächsten Wochentag. Die Reihenfolge der Lebensstationen bleibt korrekt, doch es entsteht der bizarre Eindruck, Grundys gesamtes Leben habe nur eine Woche gedauert. So wird ein langes Leben stark verkürzt, während eine einzelne Woche zugleich ungewöhnlich ausgedehnt und mit einem ganzen Lebenslauf gefüllt erscheint.
Der zweite Kunstgriff ist die paradoxe Gegenläufigkeit, also die gleichzeitige Entwicklung in entgegengesetzte Richtungen. Grundys Lage wird immer schlechter: Auf den glücklichen Lebensbeginn folgen Krankheit, Verschlimmerung und Tod. Das Wetter entwickelt sich dagegen vom Schlechten zum immer Angenehmeren. Je schlechter es Grundy geht, desto erfreulicher wird seine Umwelt beschrieben. Damit stehen seine sich verschlechternde persönliche Innenwelt und die sich verbessernde Außenwelt in einem deutlichen Kontrast.
Comicfigur Solomon Grundy
Der große Bekanntheitsgrad des Reims führte dazu, dass Solomon Grundy häufig als Bezugspunkt der amerikanischen Popkultur verwendet wird. Besonders bekannt ist die gleichnamige Figur aus den DC-Comics: ein riesenhafter, totenbleicher Zombie, der als „Das Monster aus den Slaughter-Sümpfen“ bezeichnet wird.
Die Comicfigur erschien erstmals 1944 in „All-American Comics #61“. Autor war Alfred Bester, Zeichner Paul Reinman. Grundy wird als schwerfälliger Koloss mit kreideweißer Haut und kreideweißem Haar dargestellt. Er ist vor allem eine wichtige Figur der Horror-Comicserie „Swamp Thing“, erscheint aber auch als Gegner von Batman, Superman und Green Lantern sowie von Heldengruppen wie der Justice League und der Justice Society.
Geschichten außerhalb der regulären DC-Handlung zeigen alternative Fassungen. Eine davon ist Sir Solomon Grundy, ein aristokratischer Riese, der bei einer Explosion aus den weißen Kreidefelsen von Dover entsteht und wie ein englischer Adeliger des 19. Jahrhunderts auftritt. In Grant Morrisons Miniserie „Seven Soldiers“ erscheinen außerdem Wesen nach Grundys Vorbild: wiederbelebte Tote, die als Zombiezwangsarbeiter ausgebeutet werden.
Die Figur wurde auch für Zeichentrick- und Fernsehproduktionen übernommen, darunter „Super Friends“, „Justice League“, „Justice League Unlimited“, „The Batman“, „Arrow“ und „Gotham“. Ihre jeweilige Rolle unterscheidet sich: Grundy erscheint unter anderem als Handlanger Lex Luthors, als geläutertes Mitglied eines Heldenteams oder als Tarnung des Schurken Clayface. In der vierten Staffel von „Gotham“ kehrt Butch Gilzean, der nach einem Kopfschuss sechs Monate im Koma gelegen hatte, als Solomon Grundy aus den Slaughter Swamps zurück.
Weitere Bezüge in Medien
Der Reim und sein Name wurden auch in Literatur, Musik und Film aufgegriffen. Jasper Fforde benannte eine Figur in seinem Buch „The Big Over Easy“ nach Grundy. Die Comicfigur ist zudem der Protagonist von „Superman's Song“ der Rockband Crash Test Dummies.
1964 veröffentlichte der jamaikanische Musiker Eric „Monty“ Morris das Lied „Solomon Gundie“, dessen Text auf dem Kinderreim beruht. Amanda Lear nahm 1980 eine Coverversion auf.
Im US-amerikanischen Thriller „The Accountant“ sagt der autistische Buchhalter Christian Wolff, gespielt von Ben Affleck, den „Solomon Grundy“-Reim auf, um sich in belastenden Situationen selbst zu beruhigen.