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Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Signaling (Verhaltensbiologie)

Unter dem Begriff Signaling (britisches Englisch) bzw. Signalling (amerikanisches Englisch) wird die Kommunikation zwischen Individuen untersucht.

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Grundidee
  2. 2. Ehrlichkeit von Signalen
  3. 3. Kosten und Handicap-Prinzip
  4. 4. Typische Beispiele

Grundidee

Signaling bezeichnet in der Verhaltensbiologie die Kommunikation zwischen Individuen. Untersucht wird vor allem, wann ein Signal ehrlich oder unehrlich sein kann. Ein Signal kann zum Beispiel etwas über Vertrauenswürdigkeit, Leistungsfähigkeit, Produktivität oder reproduktive Potenz ausdrücken. Wichtig ist dabei die Frage, ob der Empfänger dem Signal glauben kann oder ob der Sender einen Vorteil daraus zieht, etwas nur vorzutäuschen.

Signalingtheorien werden nicht nur in der Biologie verwendet, sondern auch in der Wirtschaftswissenschaft, etwa in der Signaling-Theorie und in der Prinzipal-Agent-Theorie. Im Kern geht es in beiden Bereichen darum, wie ein Sender einem Empfänger Informationen vermittelt, obwohl ihre Interessen nicht vollständig übereinstimmen müssen.

Ehrlichkeit von Signalen

Das Ziel von Signaling ist oft der Aufbau von Vertrauen. Ein Signal kann als glaubwürdig, auf Englisch „honest“, oder als unglaubwürdig, „dishonest“, wahrgenommen werden. Ehrlichkeit bedeutet hier nicht unbedingt, dass das Signal mit der inneren Einstellung des Signalgebers übereinstimmt. Entscheidend ist, ob das Signal für den Empfänger verlässlich wirkt und ob es tatsächlich etwas über die Qualität, Absicht oder Lage des Senders aussagt.

Unehrlichkeit kann entstehen, wenn falsche oder unvollständige Signale gesendet werden oder wenn der Sender das nötige „Vokabular“ des Signaling nicht beherrscht. Dann kann leicht der Eindruck entstehen, etwas solle vorgetäuscht werden. Auch ein übertriebener Aufwand kann unglaubwürdig wirken: Zu starke, zu „laute“ Signale, etwa der Auftritt mit Luxuslimousine und überteuertem Business-Outfit bei der Werbung um einen Kunden, können den Eindruck erzeugen, dass etwas vorgespielt werden soll.

Ehrliche Signale müssen nicht immer kostspielig sein. Maynard Smith zeigte, dass bei ausreichender Interessenüberschneidung kein Grund für unehrliche Signale besteht. Selbst in Konflikten können ehrliche und kostenarme Signale evolutionär stabil sein, also sich in der Evolution halten. Auch Understatement kann als Signaling verstanden werden, wenn zum Beispiel einem Kunden gezeigt werden soll, dass man dessen Werte wie Sparsamkeit oder Informalität teilt.

Kosten und Handicap-Prinzip

In der Geschichte der Signalingtheorien spielte die Frage nach den Kosten eines Signals eine zentrale Rolle. Frühe Verhaltensbiologen wie Nikolaas Tinbergen gingen davon aus, dass ehrliche Signale in der Natur weit verbreitet sind und natürliche Selektion ehrliche und kostenarme Signale hervorbringt.

Richard Dawkins und John Krebs stellten diese Sicht 1978 infrage. Sie argumentierten, ehrliche Signale müssten selten sein, weil die Interessen von zwei Individuen nie exakt übereinstimmen. Nach ihrer Vorstellung entstehen Signale eher aus einem Wettrüsten zwischen manipulativen Sendern und misstrauischen Empfängern.

Amotz Zahavi hatte 1975 dagegen das Handicap-Prinzip vorgeschlagen. Danach können ehrliche Signale möglich sein, wenn sie für den Sender hohe Kosten verursachen. Gerade weil ein Signal teuer ist, kann es glaubwürdig wirken: Nur ein tatsächlich leistungsfähiges Individuum könnte es sich leisten. Diese Theorie war umstritten. Dawkins und Krebs sowie zuvor Maynard Smith argumentierten dagegen. Viele Biologen waren skeptisch, weil sparsame Individuen auf kostspielige Signale verzichten und ihre Ressourcen stattdessen für Reproduktion einsetzen könnten.

Später zeigten Modelle, dass Zahavis Ansatz funktionieren kann. Jack Hirshleifer schlug 1977 vor, das Modell des kostspieligen Signaling aus der Wirtschaftswissenschaft in die Biologie zu übertragen. Alan Grafen, Charles Godfray und Andrew Pomiankowski bewiesen später, dass der Ansatz theoretisch möglich ist.

Typische Beispiele

Ein Beispiel ist die Partnerwahl: Wenn ein Männchen um ein Weibchen wirbt, stellt sich die Frage, ob seine Signale ein zuverlässiger Indikator seiner Qualität sind oder ob es übertreibt, um das Weibchen für sich zu gewinnen. Das Problem besteht darin, dass das Weibchen bei ehrlichen Signalen vielleicht ein anderes Männchen wählen würde.

Ein zweites Beispiel sind Konflikte zwischen Tieren. Gibt ein Tier aggressive Signale von sich, kann die Stärke dieser Signale anzeigen, wie wahrscheinlich ein Angriff ist. Sie kann aber auch übertrieben sein, um das andere Tier abzuschrecken.

Ein drittes Beispiel betrifft Nachkommen, die ihre Eltern um Nahrung bitten. Ihr Signal kann den tatsächlichen Bedarf widerspiegeln. Es kann aber auch übertrieben sein, damit die Eltern mehr Nahrung geben.

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