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Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Sensitivierung

Sensitivierung (englisch sensitization) bezeichnet die Zunahme der Stärke einer Reaktion bei wiederholter Darbietung desselben Reizes.

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Grundidee der Sensitivierung
  2. 2. Nutzen und mögliche Übersteigerung
  3. 3. Mechanismen und Schmerzverstärkung
  4. 4. Sucht, Kreuzsensitivierung und medizinische Folgen

Grundidee der Sensitivierung

Sensitivierung (englisch sensitization) ist die Zunahme der Stärke einer Reaktion, wenn derselbe Reiz wiederholt dargeboten wird. Sie wurde in Laboruntersuchungen belegt: Katzen zeigten bei wiederholter, schneller Darbietung eines kurzen elektrischen Schocks an einem Gliedmaß zunehmend stärkere motorische Reaktionen.

Das Gegenstück ist die Habituation. Dabei nimmt die Stärke einer Reaktion bei wiederholtem Reiz ab. Sensitivierung ist dagegen ein Lernprozess, bei dem ein Reiz mit der Zeit eine stärkere Wirkung auslöst.

Nutzen und mögliche Übersteigerung

Wenn ein wiederholter Reiz bedeutsam ist, kann es vorteilhaft sein, besonders schnell oder mit erhöhter Aufmerksamkeit darauf zu reagieren. Als Beispiele nennt der Artikel die Stimme des eigenen Nachwuchses und verräterische Laute feindlicher Lebewesen.

Auch Schmerz kann verstärkt werden, damit seine Ursache möglichst schnell beachtet und vermieden wird. Sensitivierung dient damit vor allem der Alarmierung bei Gefahren, aber auch bei besonderen Chancen. Der Vorgang ist jedoch störanfällig: Die alarmierende Verstärkung kann über ihr Ziel hinausschießen und außer Kontrolle geraten.

Mechanismen und Schmerzverstärkung

Die neuronalen und biochemischen Mechanismen der Sensitivierung sind vielfältig. Sie unterscheiden sich je nachdem, an welchem Ort sie stattfinden, etwa an einem Schmerzrezeptor oder im Belohnungszentrum, und auch innerhalb eines solchen Ortes.

Bei sensibilisierten Schmerzempfindungen können drei Mechanismen zusammenwirken:

  • Die Membran der Schmerzrezeptorzelle wird stärker erregbar.
  • Die nervliche, also synaptische, Übertragung von anderen Zellen auf diese Zelle nimmt zu.
  • Der hemmende (inhibitorische) Einfluss auf die Zelle nimmt ab.

Ausgelöst werden diese Veränderungen durch eine erhöhte vorherige Erregung als Lerneffekt, durch Entzündungen oder durch Verletzungen. Sie sind Ausdruck der neuronalen Plastizität, also der Anpassungsfähigkeit des Nervensystems.

Sucht, Kreuzsensitivierung und medizinische Folgen

Suchtverhalten jeder Art beruht biologisch auf einer Sensitivierung des Belohnungssystems im Gehirn, des mesolimbischen Systems. Wenige Reize, etwa durch Drogen oder Glücksspiel, können dieses System lange Zeit überempfindlich machen und suchtartiges Verlangen auslösen.

Dabei wird nur das Verlangen verstärkt. Das angestrebte Gefühl, die Euphorie, nimmt im Unterschied dazu ab; dies heißt Toleranzentwicklung. Die Sensitivierung bleibt in der Regel auch lange nach einem Entzug bestehen und erhöht deshalb das Risiko eines Rückfalls.

Kreuzsensitivierung bedeutet entweder die gegenseitige Sensitivierung benachbarter Nervensysteme oder Organe, zum Beispiel im unteren Beckenbereich, oder eine Sensitivierung für andere, nah oder entfernt verwandte Reize. So können legale Drogen wie Nikotin und Alkohol das Belohnungssystem auch für illegale Drogen sensibilisieren. Dies gilt ebenso zwischen verschiedenen illegalen Drogen sowie für eine Sensitivierung für Drogen durch Esssucht einschließlich Zuckersucht.

Medizinisch ist Sensitivierung ein wichtiger beitragender Faktor bei vielen Störungen und Krankheiten. Meist verstärkt sie eine bestehende Störung; das Ausmaß lässt sich jedoch schwer oder gar nicht abschätzen. In manchen Fällen könnte erst die Verstärkung die Störung für Betroffene belastend machen. Genannt werden Tinnitus, Hyperakusis, überaktive Blase, das Schmerzsyndrom Fibromyalgie und das chronische Erschöpfungssyndrom.

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