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Schlacht von Valle Giulia

Die Schlacht von Valle Giulia am 1. März 1968 war eine Straßenschlacht zwischen demonstrierenden Studenten und der italienischen Polizei in Rom.

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Kern und Bedeutung
  2. 2. Entstehung der Studentenbewegung
  3. 3. Ablauf der Schlacht
  4. 4. Folgen und kulturelle Verarbeitung

Kern und Bedeutung

Die Schlacht von Valle Giulia war eine Straßenschlacht zwischen demonstrierenden Studenten und der italienischen Polizei in Rom. Sie fand am 1. März 1968 im Rahmen der italienischen 68er-Bewegung, des sogenannten movimento sessantotto, statt. Ziel der Studenten war es, die Fakultät für Architektur der Universität La Sapienza im römischen Gebiet Valle Giulia zurückzuerobern und zu besetzen. Die Polizei hatte die Fakultät zuvor nach einer Besetzung geräumt und anschließend von Sicherheitskräften umstellen lassen.

Das Ereignis gilt als wichtiger Höhepunkt der italienischen Studentenbewegung. Beteiligt waren nicht nur linke Studenten: Auch politisch rechte Studenten und neofaschistische Gruppen kämpften zunächst gegen die Polizei. Später kam es jedoch innerhalb der Universität zu Auseinandersetzungen zwischen rechten und linken Studenten. Die Kämpfe führten zu zahlreichen Verletzten, Festnahmen und Sachschäden und wirkten über die unmittelbaren Ereignisse hinaus auf die italienische außerparlamentarische Politik und Kultur.

Entstehung der Studentenbewegung

Der movimento studentesco entstand in den 1960er Jahren zusammen mit der Ausbreitung sozialer Bewegungen in vielen Ländern. Das bekannteste Jahr war 1968. In England und den Vereinigten Staaten gab es große Proteste gegen den Vietnamkrieg; zugleich erreichten die Bürgerrechtsbewegungen ihren Höhepunkt. In Frankreich, Italien und weiteren Ländern entwickelten sich sozialistische Bewegungen.

In Italien begann das Sessantotto 1966. Am 24. Januar 1966 besetzten Studenten in Trient erstmals eine Universitätsfakultät, die Soziologie-Fakultät. Sie verbarrikadierten sich und protestierten gegen die Organisation der Universität. Außerdem schlugen sie neue Möglichkeiten für die Gestaltung der Universität vor. Die Besetzung endete im Zusammenhang mit der großen Überschwemmung in Florenz am 4. November 1966. Mehrere Studenten bildeten freiwillige Hilfsgruppen. Da diese aus Universitäten aus ganz Italien kamen, entstand ein stärkeres Zusammengehörigkeitsgefühl unter den Studenten.

Ebenfalls 1966 veröffentlichte die Studentenzeitschrift La zanzara des Liceo Parini eine Umfrage über sexuelle Themen. Sie trug den Titel „Un dibattito sulla posizione della donna nella nostra società, cercando di esaminare i problemi del matrimonio, del lavoro femminile e del sesso“ und behandelte die Stellung der Frau, Ehe, weibliche Arbeit und Sexualität. Die Autoren Marco de Poli, Claudia Beltramo Ceppi und Marco Sassano sowie der Rektor Daniele Mattalia wurden wegen religiös begründeter Anschuldigungen angeklagt, aber vom Präsidenten des Mailänder Gerichtshofs, Luigi Bianchi D’Espinosa, freigesprochen.

1967 folgten weitere Besetzungen, unter anderem an der Statale di Pisa, im Palazzo Campana in Turin, an der Cattolica di Milano sowie an den Architekturfakultäten in Mailand, Rom und Neapel. Zu den wichtigen Aktivisten gehörten unter anderem Mario Capanna, Salvatore Toscano und Luca Cafiero in Mailand, Luigi Bobbio und Guido Viale in Turin, Massimo Cacciari, Toni Negri und Emilio Vesce in Padua sowie Franco Piperno und Oreste Scalzone in Rom. Zusammen mit den Arbeiterbewegungen bildete die Studentenbewegung die zweite große soziale Bewegung Italiens.

Ablauf der Schlacht

Im Februar 1968 kam es an der Architekturfakultät der Universität Rom zu mehreren Protesten. Studenten besetzten die Fakultät wiederholt und setzten unter Leitung mehrerer Dozenten politische Initiativen durch. Daraufhin rief der Rektor Pietro Agostino D’Avack am 29. Februar die Polizei. Die italienische Polizei räumte die Fakultät in kurzer Zeit und besetzte sie anschließend.

Am Freitag, dem 1. März, versammelten sich etwa 4.000 Menschen auf der Piazza di Spagna. Der Demonstrationszug teilte sich: Eine Gruppe marschierte zur Universität, während die größere Gruppe nach Valle Giulia zog, um die Architekturfakultät zurückzuerobern. Dort trafen die Demonstranten auf eine große Polizeisperre. Während der Konfrontation löste sich eine kleine Gruppe von Polizisten aus der Absperrung und schlug auf einen isolierten Studenten ein. Danach nahm die Gewalt zu; die Demonstranten warfen Steine und andere Gegenstände auf die Polizei.

Nach der offiziellen Version verfügten nur die Polizeioffiziere über geladene Waffen. Dies sei von der Regierung angeordnet worden, um eine weitere Eskalation zu verhindern. Quellen aus dem Umfeld des sogenannten „Radio caserma“ und mehrere journalistische Quellen der extremen Rechten erklärten den Zustand dagegen mit fehlenden finanziellen Mitteln für die Beschaffung von Munition. Die Angaben stehen somit in einem erklärten Gegensatz.

Die Auseinandersetzungen breiteten sich schnell im gesamten Bereich vor der Universität aus. Nach Darstellung des Artikels waren die Demonstranten gut vorbereitet und konnten den Angriffen der Polizei im Gegensatz zu früheren Protesten standhalten. Der Kampf wurde von der Studentenbewegung und der rechtsextremen Avanguardia Nazionale Giovanile unter Stefano Delle Chiaie angeführt. Unterstützt wurde diese Gruppe von Teilen der FUAN-Caravella, der Primula Goliardica und des MSI. Unter den Beteiligten waren außerdem der spätere Regisseur Paolo Pietrangeli, Giuliano Ferrara, Paolo Liguori, Aldo Brandirali, Ernesto Galli della Loggia und Oreste Scalzone. Pietrangeli widmete dem Ereignis das Lied „Valle Giulia“, das zu einem Symbol der 68er-Bewegung wurde. Auf Seiten der Polizei nahm der spätere Schauspieler Michele Placido teil. Er beschrieb die Polizisten später als naive Jugendliche und betonte, dass sie die politischen Parolen der Studenten persönlich verstanden hätten.

Nach den Kämpfen besetzten Aktivisten der Avanguardia Nazionale Giovanile und der FUAN die Jurafakultät; andere besetzten die Fakultät für Sprachwissenschaft. Das Ergebnis waren 148 verletzte Polizisten, 478 verletzte Studenten und 230 Festnahmen. Außerdem wurden acht Polizeidienstfahrzeuge in Brand gesetzt und fünf Pistolen von Polizisten entwendet.

Folgen und kulturelle Verarbeitung

Nach Valle Giulia kam es zu einer Spaltung zwischen den politisch rechten Studenten, die sich in der Universität verbarrikadiert hatten, und dem MSI. Der MSI-Sekretär Arturo Michelini verweigerte den Studenten offiziell seine Unterstützung. Am 16. März schickte Michelini die von Giorgio Almirante und Massimo Anderson angeführten Volontari Nazionali, um die besetzten Bereiche zu räumen. Dieser Versuch, die rechten Studenten einzubeziehen, scheiterte. Die rechten Studenten schlossen sich stattdessen den linken Studenten an und schlugen einen weiteren Versuch der Volontari Nazionali zurück, die Universität zu stürmen.

Danach kämpften rechte und linke Studenten innerhalb der Universität gegeneinander. Die linken Studenten erhielten Unterstützung durch kommunistische Aktivisten. Die rechten Studenten mussten sich in der Jurafakultät verschanzen und konnten die Universität nur mit Hilfe der Polizei verlassen. Schließlich räumte die italienische Polizei die Universität erneut; damit endete die Krise von Valle Giulia. Die an der Schlacht beteiligten neofaschistischen Extremisten tauchten zunächst in der Studentenbewegung unter und wurden während der italienischen Anni di Piombo Jahre später wieder aktiv.

Auch die italienische Kulturszene beschäftigte sich mit dem Ereignis. Pier Paolo Pasolini schrieb das bekannte Gedicht „Il PCI ai giovani“. Darin äußerte er Sympathien für die italienische Polizei und wurde deshalb innerhalb seiner Partei, der PCI, erneut isoliert. Zugleich lenkten seine Aussagen größere Aufmerksamkeit auf die außerparlamentarische Bewegung in Italien, den Movimentismo. Diese Strömung entstand im Zusammenhang mit Valle Giulia und entwickelte sich danach weiter.

2009 erschien der Film „Il grande sogno“ unter der Regie von Michele Placido. Der Film handelt von der Straßenschlacht um die römische Architekturfakultät und beruht auf Placidos persönlichen Erfahrungen. Im Mittelpunkt stehen drei Jugendliche vor, während und nach den Ereignissen: Nicola, ein junger Polizist aus Apulien, der Schauspieler werden möchte und die Studentenbewegung infiltrieren soll; Laura, eine Studentin aus Rom aus einer reichen katholischen Familie; und Libero, ein charismatischer Student aus Turin und Sohn einer Arbeiterin bei Fiat.

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