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Rififi
Rififi (Originaltitel: Du rififi chez les hommes („Streit unter Männern“)) ist ein in Schwarzweiß gedrehter französischer Kriminalfilm aus dem Jahr 1955.
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Film und Bedeutung
Rififi ist ein 1955 erschienener, 115 Minuten langer französischer Kriminalfilm in Schwarzweiß. Der Originaltitel lautet Du rififi chez les hommes („Streit unter Männern“). Die Originalsprachen sind Französisch und Italienisch. Regie führte der US-Amerikaner Jules Dassin; Georges Auric komponierte die Musik. Zu den Hauptdarstellern gehören Jean Servais als Tony le Stéphanois, Carl Möhner als Jo le Suédois, Robert Manuel als Mario Ferrati und Jules Dassin selbst als César le Milanais. Dassin trat dabei unter dem Pseudonym Perlo Vita auf.
Der Film erzählt von einem sorgfältig geplanten Einbruch in ein Pariser Juweliergeschäft und den tödlichen Folgen für die Täter. Er gilt als stilbildend für Heist- oder Caper-Movies, also Filme, deren Mittelpunkt die Planung und Durchführung eines aufwendigen Raubes bildet. Zugleich ist er ein klassischer Vertreter des französischen Film noir beziehungsweise Gangsterfilms. Besonders berühmt ist die realistisch und äußerst detailliert dargestellte Einbruchsszene, die in der ursprünglichen Fassung 32 Minuten dauert und vollständig ohne Dialog und Musik auskommt.
Vorbereitung und Einbruch
Tony wird nach fünf Jahren Haft wegen Einbruchs aus dem Gefängnis entlassen. Seinen jungen Komplizen Jo hat er nicht verraten. Jo und dessen italienischer Freund Mario wollen gemeinsam mit Tony die Schaufenster eines angesehenen Juweliergeschäfts ausrauben. Tony lehnt die geplante Blitzaktion zunächst ab. Nach einem schmerzhaften Wiedersehen mit seiner früheren Geliebten Mado, die nun mit dem verbrecherischen Nachtklubbesitzer Pierre Grutter zusammen ist, ändert er jedoch seine Meinung. Er will nicht nur die Schaufenster, sondern den gesamten Inhalt des Tresors stehlen.
Zur Vorbereitung wird in London ein Hehler kontaktiert, der gestohlene Waren weiterverkaufen soll. Außerdem engagiert die Gruppe den italienischen Safeknacker César. Als Kunde getarnt, erkundet César das Juweliergeschäft. Die Männer kaufen eine Alarmanlage und üben, wie sie diese außer Betrieb setzen können. César verliebt sich währenddessen in die Nachtklubsängerin Viviane, die für Grutter arbeitet.
In der Tatnacht nehmen die vier Männer den Hausmeister und dessen Frau gefangen. Von einer Wohnung oberhalb des Juwelierladens aus bohren sie sich vorsichtig durch den Fußboden, weil die Alarmanlage Erschütterungen registriert. Sie seilen sich in das Geschäft hinab, bedecken einen Teil der Anlage mit Schaum aus einem Feuerlöscher und blockieren die Sirene. Anschließend bohren sie den Tresor auf und nehmen dessen Inhalt mit. Entgegen der gemeinsamen Planung stiehlt César zusätzlich einen Ring, dessen Aufbewahrungsort er bei seinem Erkundungsbesuch entdeckt hatte. Die Bande entkommt knapp zwei aufmerksamen Polizisten und versteckt die Beute bei Mario.
Verrat und tödlicher Ausgang
Tony fordert alle Beteiligten auf, unauffällig zu bleiben und keine auffälligen Ausgaben zu tätigen. Der Einbruch macht jedoch große Schlagzeilen, und für Hinweise auf die Täter wird eine hohe Belohnung ausgesetzt. César schenkt Viviane nach einer gemeinsamen Nacht den gestohlenen Ring. Grutter erkennt den Zusammenhang: César ist mit Mario, Jo und Tony befreundet, und Tony war gerade wegen Einbruchs im Gefängnis. Grutter lässt César gefangen nehmen und foltern. César verrät schließlich die Bande.
Die Grutters überfallen daraufhin Mario und dessen Frau Ida. Obwohl beide gefoltert werden, verraten sie das Versteck des Schmucks nicht. Ida kann Tony noch telefonisch warnen, bevor sie und Mario getötet werden. Danach entführt die Grutterbande Jos fünfjährigen Sohn Tonio, der zugleich Tonys geliebtes Patenkind ist, und hält ihn in einem unfertigen Haus außerhalb des Stadtzentrums fest.
Jo und Tony tauschen den Schmuck gegen Geld ein. Tony findet den gefesselten César im Keller von Grutters Nachtklub. Weil César durch sein unvorsichtiges Verhalten und seinen Verrat die ganze Bande in Gefahr gebracht hat, tötet Tony ihn entsprechend den Regeln der Gangster. Mithilfe von Mado erfährt Tony, wo Tonio gefangen gehalten wird. Er befreit das Kind und tötet zwei Mitglieder der Grutterbande.
Als Tony Tonio zu Jo bringen will, erfährt er, dass Jo mit dem Geld zum Versteck der Grutters gefahren ist. Tony kehrt dorthin zurück. Grutter erschießt Jo und verletzt Tony schwer; Tony kann Grutter noch töten. Obwohl er im Sterben liegt, fährt er mit seinem Patenkind zu Jos Frau Louise. Vor ihrem Haus stirbt er am Lenkrad. Louise holt das Kind aus dem Auto, während die Polizei im Wagen den Koffer mit dem Geld findet. Damit endet der erfolgreiche Raub in der vollständigen Zerstörung beider beteiligten Banden.
Gestaltung und Wirkung
Das prägende Element des Films ist die lange Einbruchsszene im Juweliergeschäft an der Rue de Rivoli. Sie umfasst 32 Minuten, ist in anderen Fassungen jedoch kürzer, und nimmt ungefähr ein Viertel der gesamten Laufzeit ein. Dass sie weder Worte noch Musik enthält, lenkt die Aufmerksamkeit vollständig auf die Bewegungen der Täter, ihre Werkzeuge und die einzelnen Arbeitsschritte. Dassin baute damit eine Episode stark aus, die in der Romanvorlage nur wenig Raum einnimmt.
Die Darstellung des Einbruchs war so genau und detailreich, dass die Pariser Polizei den Film angeblich verbieten lassen wollte, weil er als praktische Anleitung verstanden werden könne. Der Kritiker François Truffaut bezeichnete Rififi als den besten Kriminalfilm, den er je gesehen habe, obwohl er die Vorlage zugleich den schlechtesten Roman nannte, den er je gelesen habe. Roger Ebert nahm den Film in seine Auswahl der Greatest Movies auf.
Dassin ließ den französischen Roman zunächst ins Englische übersetzen, verfasste das Drehbuch auf Englisch und ließ es anschließend wieder ins Französische übertragen. Nach eigener Aussage schwächte er dabei den latenten Rassismus der Vorlage ab. Ursprünglich sollte Jean-Pierre Melville Regie führen. Der Film gab stattdessen Dassins europäischer Karriere einen wichtigen Anstoß.
Die Redensarten „à la Rififi“ und „in Rififi-Manier“ gehen auf den Film zurück. Sie bezeichnen einen Einbruch, bei dem Täter durch die Decke beziehungsweise den Fußboden in einen geschützten Raum gelangen, um dort unbemerkt einen Tresor oder ein ähnliches Ziel auszurauben. Der Titel verweist zugleich auf die gewaltsame Auseinandersetzung zwischen den rivalisierenden Banden. Spätere Filme griffen das Einbruchsmuster auf oder parodierten es, darunter Meine Tante – deine Tante von 1956, Susanna, süß wie Sahne von 1957 und Als geheilt entlassen von 1959. Neun Jahre später drehte Dassin mit Topkapi erneut einen Heist-Film.
Debatte in Deutschland
Der Arbeitsausschuss der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) prüfte Rififi im Juli 1955. Die Prüfer meinten, durch die gegenseitige Vernichtung der Gangsterbanden werde der Gerechtigkeit Genüge getan. Sie diskutierten aber ausführlich, ob die Einbruchsdarstellung zur Nachahmung anregen könne. Nach ihrer Einschätzung bot sie Berufsverbrechern nichts Neues, während die Spezialgeräte und Methoden für Amateure zu kompliziert seien. Deshalb wurde der Film ohne Schnitte ab 16 Jahren freigegeben, der damals höchsten Altersgrenze. Heute trägt er eine Freigabe ab 12 Jahren; zwischenzeitlich galten auch Freigaben ab 16 beziehungsweise 18 Jahren.
Nach dem deutschen Kinostart im Oktober 1955 wurde der Film zunächst gelobt. Anfang 1956 berichteten Zeitungen jedoch von angeblich durch Rififi angeregten Einbrüchen. Genannt wurden meist dilettantische Versuche, Tresore nach dem Vorbild des Films zu öffnen. Eine Münchner Illustrierte zeigte zudem eine Essener Schülerbande, die „à la Rififi“ in ein Lokal eingedrungen war. Daraus entwickelte sich eine öffentliche Debatte über die mögliche Vorbildwirkung von Verbrecherfilmen.
Der bayerische Landtagsabgeordnete Wenzel Köhler fragte, wie Jugendliche vor solchen Filmen geschützt werden sollten. Innenminister August Geislhöringer erklärte, der Staat könne nicht unmittelbar eingreifen, kritisierte aber die Freigabeentscheidung und verlangte eine Anhebung der höchsten Jugendfreigabe auf mindestens 18 Jahre. Der evangelische Filmbeauftragte Werner Hess sah in den Fällen einen Beweis für die Vorbildwirkung von Verbrecherfilmen und forderte deren Verbot. Die Spitzenorganisation der Filmwirtschaft (SPIO) wies die Vorwürfe gegen die FSK zurück. Die Presse berichtete noch wochenlang über weitere sogenannte „Rififi-Verbrechen“, ohne dass der Artikel abschließend klärt, in welchem Umfang der Film tatsächlich deren Ursache war.
Auszeichnungen
Rififi nahm 1955 am Wettbewerb um die Goldene Palme der Filmfestspiele von Cannes teil. Jules Dassin erhielt dort für seine Arbeit den Preis für die beste Regie, den er sich mit Sergei Wassiljew für Geroite na Schipka teilte. 1956 zeichnete die Association Française de la Critique de Cinéma Rififi mit dem Prix Méliès als besten Film aus; Hauptdarsteller Jean Servais erhielt den Étoile de Cristal als bester Darsteller. Ebenfalls 1956 ehrte das National Board of Review Rififi als besten ausländischen Film.
Im Jahr 2000 vergab der New York Film Critics Circle fast 45 Jahre nach der Uraufführung Spezialpreise im Zusammenhang mit dem Film und Jules Dassin. 2017 wurde Rififi von der Online Film & Television Association in die OFTA Film Hall of Fame für Spielfilme aufgenommen.