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Renoise

Renoise ist eine kommerzielle Digital Audio Workstation (DAW) nach dem Trackerprinzip, bei dem die Notation der Musik textuell in einem Raster mit den …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Einordnung
  2. 2. Entstehung und Entwicklung
  3. 3. Arbeitsweise und Hauptfunktionen
  4. 4. Automation, Klang und Export
  5. 5. Dateiformat und Erweiterungen
  6. 6. Umfeld und Nutzung

Grundidee und Einordnung

Renoise ist eine kommerzielle Digital Audio Workstation, kurz DAW. Eine DAW ist ein Programm zum Aufnehmen, Bearbeiten, Arrangieren und Ausgeben von Musik und Audiodaten. Renoise arbeitet nach dem Trackerprinzip: Musik wird nicht vor allem als klassische Notenschrift oder als horizontale Tonspuransicht dargestellt, sondern textuell in einem Raster. Dieses Raster hat die Dimensionen Zeit und Tonspur. In den Zeilen und Spalten werden musikalische Ereignisse, Befehle und Steuerwerte eingetragen.

Über die Tonspuren kann Renoise Audiosamples wiedergeben. Ein Sample ist eine gespeicherte Audiodatei oder ein kurzer Klang, der musikalisch abgespielt und verändert werden kann. Außerdem können plugin-basierte Instrumente und Effekte gesteuert werden. Renoise unterstützt dafür professionelle Plugin-Standards wie VST, Audio Unit und LADSPA.

Die Basisdaten nennen Eduard Müller (Taktik), Lucio Asnaghi (kRAkEn/gORe) und Erik Jälevik als Entwickler. Das Erscheinungsjahr ist 2002. Die aktuelle Version ist 3.5 vom 12. Juli 2025. Renoise läuft unter Windows, macOS und Linux und wird als Shareware vertrieben.

Entstehung und Entwicklung

Renoise wurde und wird zum größten Teil von Demoszenern programmiert und weiterentwickelt. Die Demoszene ist eine Computerkultur, in der Programmierung, Musik und Grafik oft zu technischen und künstlerischen Demonstrationen verbunden werden. Renoise ist eine Weiterentwicklung des Noisetrekkers des spanischen Programmierers Juan Antonio Arguelles Rius, der unter dem Namen „Arguru“ bekannt war.

Der Tracker wurde im Dezember 2000 von Eduard Müller (Taktik) und Zvonko Tesic (Phazze) initiiert und hatte damals noch keine Bezeichnung. Im Frühjahr 2002 wurden stabile Versionen verfügbar. In den folgenden Jahren wuchs das Entwicklungsteam und umfasste zunehmend Spezialisten für Test, Administration, Support und Website.

Ein wichtiger Entwicklungsschritt war Renoise 2. Die erste Beta dieses großen Releases erschien am 3. September 2008. Sie brachte Funktionen, die bei professionellen DAWs schon lange üblich waren. Dazu gehörten Plugin Delay Compensation, Unterstützung von Audio Units, Pluginsupport mit verschiedenen Ausgabekanälen und ein Zeitmodell, das nicht auf Tickspeed basiert. Plugin Delay Compensation gleicht Verzögerungen aus, die durch Plugins entstehen können. Das neue Zeitmodell verbessert die zeitliche Genauigkeit gegenüber älteren Tracker-Methoden.

Außerdem wurde eine neue Effektspalte eingeführt, mit der Events mit einer Auflösung von 1/256 gesetzt werden können. Besonders beim Liverecording ermöglicht dies eine wesentlich genauere Aufnahmequalität. Später kamen unter anderem ein Signal Follower und Cross-Track Routing hinzu. Der Signal Follower erkennt Pegeländerungen im Audiosignalausgabestrom eines Tracks und nutzt diese als Steuerwerte für die Automation beliebiger Geräteparameter.

Arbeitsweise und Hauptfunktionen

Renoise ist ein grafischer, trackerartiger Musiksequenzer. Ein Musiksequenzer ist ein Programmteil, der musikalische Ereignisse zeitlich anordnet und abspielt. Die Benutzeroberfläche enthält unter anderem eine Sample-Liste, Kanal-Kurven, allgemeine Musikstückeigenschaften wie BPM, eine Masterliste, einen Pattern-Editor sowie Bereiche für Soundeffekte und deren Parametrisierung. Im Pattern-Editor verlaufen die Kanäle entlang der Zeile und der Zeitverlauf entlang der Spalten; ein weißer Balkencursor markiert den aktuellen Zeitpunkt.

Zu den Kernmerkmalen gehören MIDI, VST-2.0/3.0-Plugins und -Instrumente, ASIO in der Vollversion, ALSA und Jack unter Linux, ein Mischpult sowie Master- und Send-Kanäle. MIDI ist ein Standard zur Steuerung elektronischer Musikinstrumente und Musiksoftware. ASIO, ALSA und Jack sind Schnittstellen beziehungsweise Systeme für die Audioausgabe und Audiobearbeitung.

Renoise besitzt einen integrierten hochwertigen Sampler mit 32 bit floating point und Interpolationsmöglichkeit. Unterstützt werden Samples in den Formaten WAV, AIFF, FLAC, Ogg und MP3. Der Instrumenteneditor enthält Envelope-Editoren, also Kurvengraphen für zeitliche Klangverläufe, sowie beliebig viele Effektketten zur Einstellung von Instrumenten.

Renoise bringt eigene DSP-Effekte mit. DSP steht für digitale Signalverarbeitung. Diese Effekte können durch VST-, AU- und LADSPA-Plugin-Effekte erweitert werden. Renoise bietet außerdem grafische Automation für Instrumente, Effekte, VST-Effekte und -Instrumente sowie MIDI. Automation bedeutet, dass Parameter wie Lautstärke oder Filtereinstellungen automatisch über die Zeit verändert werden.

In der Vollversion, die im Artikel mit 68 EUR angegeben wird, gibt es einen Hi-Fi-WAV-Renderer mit 32 bit, 96 kHz und 2 Interpolationsstufen. Damit kann eine Komposition als .wav-Datei ausgegeben werden. Zusätzlich unterstützt Renoise den Import und das Abspielen gängiger Dateiformate sowie ReWire Master und Slave.

Automation, Klang und Export

Wie bei Trackern üblich verfügt Renoise über einen eingebauten Sampler. Durch Hüllkurven, Filter-Effekte und LFO-Funktionen kann aus normalen WAV-Samples ein breites Klangspektrum erzeugt werden. Eine Hüllkurve beschreibt, wie sich ein Klangparameter im Zeitverlauf verändert. Ein LFO, also Low Frequency Oscillator, ist eine langsam schwingende Modulationsquelle, mit der Parameter rhythmisch oder periodisch beeinflusst werden können.

Über sogenannte Automation Devices lassen sich beliebige Parameter steuern. Beispiele sind die Lautstärke, die Cutoff-Frequenz eines Filters oder jeder Parameter eines VST-Instruments. Als Modulationsquellen stehen unter anderem LFOs mit Kurven wie Sinus, Sägezahn und Dreieck oder einer selbst gezeichneten Kurve zur Verfügung. Weitere Quellen sind Anschlagswert und Notenwert der jeweils gespielten Note über Velocity-Tracker- und Key-Tracker-Devices, Hüllkurven sowie die Pegel beliebiger Spuren über das Signal-Follower-Device.

Renoise enthält interne Effekte wie Delay, Hall, Reverb, Distortion und PreReverb. Diese Effekte können auf verschiedene Spuren geroutet werden. Samples können außerdem in Slices zerlegt werden. Wenn diese Slices kurz genug sind, kann eine Wiedergabe in anderen Tempi möglich werden, ohne die Tonlage zu verändern; dies wird im Artikel als Time-Stretching bezeichnet. Ab Version 3.2.0 beherrscht Renoise Time-Stretching nativ, jedoch kein Pitchshifting. Pitchshifting wäre eine Veränderung der Tonhöhe.

Für die Klangwiedergabe verwendet Renoise unter Windows wahlweise DirectSound oder, in der Vollversion, ASIO. Linux-Nutzer können zwischen Jack und ALSA wechseln. Mit der Vollversion können Musikstücke auch als WAV-Datei exportiert werden. Dadurch können sie auf CD gebrannt oder weiterbearbeitet werden, zum Beispiel beim Mastering.

Dateiformat und Erweiterungen

Renoise-Songdateien wurden als .rns gespeichert und ab Version 1.8 im XML-basierten Format .xrns. Das Format .xrns wird im Artikel als neues, freies Trackermodulformat beschrieben. XML-basiert bedeutet, dass die Datei in einer strukturierten Textform aufgebaut ist, die von Programmen gelesen und verarbeitet werden kann.

Seit Renoise 2.6.0 gibt es Lua-Scripting. Lua ist eine Programmiersprache, mit der Nutzer Erweiterungen für Renoise schreiben und Arbeitsabläufe automatisieren können. Die Renoise-API erlaubt vielfältige Erweiterungen. Eine API ist eine Programmierschnittstelle, über die externe Skripte auf Funktionen eines Programms zugreifen können.

Mit der Renoise-API lassen sich neue Kontextmenü-Elemente und Tastaturkürzel erstellen. Außerdem können eigene grafische Benutzerelemente programmiert werden, die sich optisch in die Renoise-Oberfläche einfügen. Die API erlaubt auch die Manipulation von Renoise-eigenen Bedienelementen und vollen Zugriff auf Spuren, Samples, Instrumente, Mixer und weitere Bereiche.

Auf der offiziellen Renoise-Website gibt es eine umfangreiche Sektion mit Erweiterungen, die von Renoise-Nutzern erstellt wurden. Dadurch kann Renoise über seine Grundfunktionen hinaus an verschiedene Arbeitsweisen angepasst werden.

Umfeld und Nutzung

Die Renoise-Macher arbeiten eng mit den Organisatoren der Evoke und Digitale Kultur e. V. zusammen. Sie sponsern deren Musikwettbewerbe regelmäßig mit mehreren Renoise-Lizenzen.

Der Artikel nennt außerdem, dass einer der Renoise-Programmierer ebenfalls für Ableton programmierte. Als bekanntere Künstler, die Renoise einsetzen, werden Venetian Snares und Depeche Mode genannt.

Lernvideos zu Renoise

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