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Reihenschieber

Das System sollte Zahlenreihen generieren, die zur Verschlüsselung und Entschlüsselung von Nachrichten genutzt wurden. Vom Konstruktionsprinzip her liegt es …

Inhalt3 Abschnitte
  1. 1. Zweck und Einordnung
  2. 2. Aufbau und Funktionsweise
  3. 3. Einsatz und Ablösung

Zweck und Einordnung

Der Reihenschieber war ein 1957 entwickeltes Handschlüsselgerät zur Verschlüsselung und Entschlüsselung von Nachrichten. Die Zentralstelle für das Chiffrierwesen in Bonn entwickelte ihn gemeinsam mit der Abteilung des Bundesnachrichtendienstes in Mehlem und der Fernmeldedienststelle der Bundeswehr. Er sollte den dringenden Bedarf der 1956 gegründeten Bundeswehr nach einem neuen Verschlüsselungsverfahren decken.

Deutschland durfte nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst keine eigenen Verschlüsselungssysteme entwickeln und musste deshalb die Systeme C-52 und CD-57 von Hagelin verwenden. Der Reihenschieber erzeugte Zahlenreihen, die als Schlüssel für Nachrichten dienten. Sein Konstruktionsprinzip lag zwischen der Vigenère-Verschlüsselung und dem One-Time-Pad, bei dem eine Zahlen- oder Zeichenfolge zur Ver- und Entschlüsselung verwendet wird.

Aufbau und Funktionsweise

Das Gerät ähnelte äußerlich einem Rechenschieber. Es besaß 26 Vierkantstäbe, die auf allen vier Seiten Ziffern trugen. Für eine Einstellung wurden zehn dieser Stäbe eingesetzt.

Die erzeugte Zahlenfolge hing von mehreren Einstellungen ab:

  • von der Auswahl und Reihenfolge der Stäbe,
  • von der jeweils nach oben gerichteten Seite,
  • davon, wie weit die einzelnen Stäbe eingeschoben waren.

Mit einer Schablone las man die dadurch bestimmten Ziffern ab. Diese dienten als Verschlüsselungsziffern für das One-Time-Pad-Verfahren. Sender und Empfänger benötigten baugleiche Reihenschieber mit identischen Einstellungen, damit eine Nachricht korrekt verschlüsselt und wieder entschlüsselt werden konnte. Bei häufigem Wechsel der Stäbe wurde das Verfahren auch 2008 noch als sicher eingeschätzt.

Einsatz und Ablösung

Der Reihenschieber wurde bald wieder außer Betrieb genommen, weil das manuelle Codieren und Decodieren von Nachrichten sehr aufwendig war. Er wurde durch das Spruchschlüsselgerät H-54 von Rudolf Hell abgelöst.

Das Zentrale Chiffrierorgan der DDR (ZCO) war bereits 1960 über das Verfahren informiert. Der DDR war jedoch lediglich bekannt, dass es in bestimmten Verbindungen der Bundeswehr für „zweitrangige Chiffrierverkehre“ eingesetzt wurde, also für Nachrichten, deren langfristige Geheimhaltung nicht von grundlegender Bedeutung war. Die Informationen über den Reihenschieber wurden 1992 nach der üblichen Sperrfrist von 30 Jahren freigegeben.

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