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Paso Doble
Die Phrasierung der Musik des Paso Doble ist durch die Choreographie widerzuspiegeln. An zwei Stellen der Musik, den Höhepunkten, wird eine statische Pose …
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Einordnung und Grundidee
Der Paso Doble, auch Paso doble geschrieben, ist ein spanischer Gesellschafts-, Turnier- und Paartanz. Im Turniertanz zählt er trotz seiner europäischen Herkunft zu den Lateinamerikanischen Tänzen. Er wird im Zweivierteltakt getanzt und ist ein progressiver Tanz: Das Paar bewegt sich raumgreifend durch den Saal.
Im Turnier- und Showtanz stellt der Paso Doble meist einen Stierkampf dar. Der Herr verkörpert den Torero. Die Dame steht gewöhnlich für das von ihm geführte rote Tuch, die sogenannte Muleta, oder für seinen Schatten. Bei einer emanzipierteren Rollenverteilung kann sie auch eine Flamencotänzerin darstellen, um die der Torero wirbt.
Entwicklung und Verbreitung
Ursprünglich bezeichnete Paso doble spanische Militärmärsche. Gegenüber dem Marcha regular des Infanterie-Reglements hatten sie eine auf mindestens 110 Schritte pro Minute verdoppelte Schrittgeschwindigkeit.
Als Tanz war der Paso Doble zunächst ein einfacher spanischer beziehungsweise südfranzösischer Paartanz mit wenig kompliziertem Schrittmaterial. Der auch in Lateinamerika anzutreffende Gesellschaftstanz verbreitete sich nach 1910 in stilisierter Form in weiteren europäischen Ländern. In den 1920er-Jahren wurde er in Paris choreografiert; deshalb tragen seine Figuren französische Namen.
Seit 1945 ist der Paso Doble ein Turniertanz, seit 1963 gehört er zum Welttanzprogramm. Er wird unter anderem an deutschen Tanzschulen unterrichtet, spielt heute in der Öffentlichkeit Mitteleuropas aber nur eine geringe Rolle.
Haltung und Bewegung
Der Paso Doble unterscheidet sich in Haltung, Schritten und Phrasierung deutlich von anderen Lateinamerikanischen Tänzen. Getanzt wird mit stolz erhobenem Kopf. Die Schulterblätter werden nach hinten und unten gezogen, das Körpergewicht wird leicht nach vorn verlagert. Gleichzeitig bringen angespannte Oberschenkel die Leiste weiter nach vorn, sodass der Schwerpunkt hinter der Hüfte liegt. Angespannte Bauchmuskeln verhindern, dass sich der Brustkorb nach oben öffnet. Die Ellbogen befinden sich weiter hinten als sonst üblich; durch die Vorwärtstendenz bleibt der Abstand im Paar dennoch gleich.
Anders als bei Rumba und Cha-Cha-Cha gibt es keine vorbereitende Hüftbewegung. Raumgreifende Schritte werden häufig mit der Ferse angesetzt, weil der Paso Doble ein Marschtanz ist. Trotzdem muss nicht jeder Schritt genau auf einem Taktschlag liegen oder gleichmäßig ausgeführt werden: Innerhalb eines Schrittes können Beschleunigungen vorkommen.
Die Haltung des Herrn soll den Matador mit seiner Capa, dem Stierkampfumhang, zeigen. Kennzeichnend sind ein gebogener Rücken und eine feste Spannung in den gerundeten Armen. Körperkontakt mit der Dame kommt nur selten vor, beispielsweise in bestimmten Achsenpositionen.
Figuren und tänzerischer Ausdruck
Die Choreografie soll die Phrasierung, also die musikalische Gliederung, deutlich sichtbar machen. An zwei musikalischen Höhepunkten nimmt das Paar jeweils eine statische Pose ein. Zu Beginn einer Phrase wird auf „eins und“ häufig ein Appell getanzt: Dabei geht eine stationäre, hohe Körperhaltung plötzlich in eine Vorwärtsbewegung über. Richtet sich diese Bewegung gegen die Dame, heißt sie Attacke. Auch Chasses, seitliche Schrittfolgen, kommen häufig vor. Armbewegungen werden schnell, rund und in einem Zug ausgeführt, nicht vom Ellenbogen aus.
Die reine Schritttechnik steht weniger im Mittelpunkt als der Ausdruck. Auffällig sind besonders die Drehungen und die Lage der Tanzachsen. Wegen der Bogenspannung liegen die Achsen meist außerhalb der Körper von Dame und Herr, um bildlich „Platz für den Stier“ zu lassen. Sie sind gewöhnlich nicht senkrecht und können plötzlich verlagert werden, was ein Ausweichen vor dem Stier darstellen soll.
Alle Figuren sollen innerhalb der Stierkampfhandlung verständlich sein. Hohe Sprünge passen daher nicht zu dieser Darstellung. Typisch ist dagegen eine erhöhte Position des Herrn auf den hohen Fußballen, während er beide Hände über den Kopf hebt: Diese Haltung symbolisiert die Bereitschaft zum Todesstoß. Die Angaben dieses Abschnitts sind im Ausgangsartikel als nicht hinreichend belegt gekennzeichnet.
Musik und Turniertempo
Pasodoble-Kompositionen werden meistens im 2/4-Takt notiert. Das gleichnamige spanische Musikgenre entstand bereits im 19. Jahrhundert.
Für Turniere gelten je nach Organisation unterschiedliche Geschwindigkeiten: Der World Dance Council (WDC) schreibt 56 Takte pro Minute vor, die World DanceSport Federation (WDSF) 60–62 Takte pro Minute. Dies entspricht insgesamt etwa 112–124 Schlägen pro Minute. Der Deutsche Tanzsportverband (DTV), der Österreichische Tanzsportverband (ÖTSV) und der Schweizer Tanzsport Verband (STSV) gehören der WDSF an und verwenden deshalb ebenfalls deren Tempovorgaben.
Zu den bekannten Stücken gehören „Der Herr Torero“ von Maria Andergast und Hans Lang aus den 1920er-Jahren sowie „España cañí“ von Pascual Marquina Narro (1873–1948). „España cañí“ ist auch unter den Bezeichnungen „España gitana“, „Spanish Gipsy Dance“ und „Zigeunertanz“ bekannt und gilt als der heute bekannteste Paso Doble.