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Otto Blensdorf
Otto Blensdorf (* 14. November 1871 in Linnich; † 15. Januar 1947 in Bad Godesberg) war ein deutscher Rhythmiker und „Dalcroze-Schüler der ersten Stunde“.
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Kern und Bedeutung
Otto Blensdorf (* 14. November 1871 in Linnich; † 15. Januar 1947 in Bad Godesberg) war ein deutscher Rhythmiker und ein „Dalcroze-Schüler der ersten Stunde“. Er arbeitete als Volksschul- und Turnlehrer und setzte sich früh dafür ein, rhythmische Erziehung in Schule und Kindergarten einzuführen.
Wichtig wurde Blensdorf, weil er die „Rhythmische Gymnastik“ beziehungsweise später die „Rhythmik“ als Erziehungsmittel verstand. Rhythmik meint hier eine Verbindung von Bewegung, Musik, Spiel, Körperbildung und eigenem Gestalten. Kinder sollten Musik und Bewegung nicht nur nachmachen, sondern aus eigenem Erleben heraus Formen, Bewegungen, Reime und musikalische Motive entwickeln.
Entwicklung der Rhythmikarbeit
Blensdorf nahm 1906 am ersten Dalcroze-Sommerkurs in Genf teil. Danach erkannte er die Bedeutung der „Rhythmischen Gymnastik“ für die Erziehung und versuchte, sie trotz Schwierigkeiten mit Schulbehörden und Verwaltung in bestehende Lehrpläne einzubeziehen.
Ab etwa Mitte der 1920er Jahre gab er den Ausdruck „Rhythmische Gymnastik“ auf und sprach von „Rhythmik“. Er begründete dies deutlich: „Rhythmische Gymnastik ist ein verfehlter und irreführender Ausdruck, da es eine solche in Fachkreisen nicht mehr gibt.“
Schulen und Unterrichtsorte
1906 gründete Blensdorf in Elberfeld die erste deutsche Rhythmikschule. Er bot zahlreiche Rhythmikkurse für Kinder, Jugendliche und Erwachsene an. Unterstützt wurde diese Arbeit finanziell von wohlhabenden Familien sowie von freien, staatlichen und kirchlichen Trägern.
Außerdem unterrichtete er an der Theaterschule des Schauspielhauses Düsseldorf und am Konservatorium in Dortmund. 1926 zog er mit seiner Schule nach Jena. Dort war er am Modellversuch des Schulreformers Peter Petersen beteiligt. In der „Lebensgemeinschaftsschule“, die mit dem „kleinen Jenaplan“ verbunden war, gehörte rhythmisch-musikalische Erziehung zum wichtigen Bestandteil des Lehrplans.
Zwei Jahre später zog die „Blensdorf’sche Bewegungs-Schule“ nach Bad Godesberg. Dort lag der Schwerpunkt vor allem auf der Fort- und Weiterbildung von Kindergärtnerinnen, Hortnerinnen und Lehrern.
Sommerkurse und Methode
Besonders geschätzt waren die „Bad Godesberger Sommerkurse“, die jedes Jahr im August stattfanden. Ihr Thema war: „Rhythmus und Musik als Erziehungsmittel in Schule und Kindergarten. Ein Weg zu eigenem Schaffen.“ Leiter war Otto Blensdorf.
Die Kurse verbanden Körperübungen, rhythmisches Spiel, Kinder-Spiel- und Tanzlieder, alte Tanzformen, Kanon, Lied und kleine Musikstücke. Ein Ziel war die „Freude an der Form“, also Nachempfinden und Nachschaffen. Ein weiteres Ziel war die „Freude an der Formung“, also Selbstfinden und Selbstschaffen.
Dazu gehörten auch Gehör- und Melodiebildung, elementare instrumentale Begleitung und Improvisation, musikalische Illustration von Bewegungen und Spielen, die Selbstanfertigung von Bambusflöten und anderen Instrumenten sowie praktische Übungen mit Kindern verschiedenen Alters.
Kinderlieder und pädagogischer Ansatz
Blensdorf veröffentlichte mehrere Liedersammlungen für rhythmische Erziehung in Kindergarten und Schule, weil ihm brauchbare Kinderlieder fehlten. Seine Lieder waren nicht als fertige Stücke gedacht, die Kinder einfach lernen sollten. Sie gehörten eng zum rhythmischen Spiel.
Sein Grundgedanke war: „Statt ein Lied zu lehren, sollte es aus dem Erleben heraus entwickelt werden im rhythmischen Spiel, wo das Kind selbst die rechten Bewegungen findet, aus sich selbst über die Sprachmelodie die musikalischen Motive schafft und auch Reime und Verse durch Umschreiben der Handlung improvisiert.“ Daraus wird deutlich: Am Anfang steht bei Blensdorf das rhythmische Spiel; erst am Ende entsteht ein Lied oder ein Musikstück für Kinder.
Blensdorfs Tochter Charlotte und Gerda Alexander, die Gründerin der Eutonie, arbeiteten eng mit ihm zusammen. Sein Nachlass befindet sich im Deutschen Tanzarchiv Köln.
Ausgewählte Werke
Zu Blensdorfs Veröffentlichungen gehören unter anderem Werke für Gesangsunterricht, Rhythmik, Körpertechnik und Kindermusik. Genannt werden: „Erziehung zur Selbständigkeit im Gesangsunterricht für Volks- und Höhere Schulen“ (Elberfeld 1913), „Praxis der Rhythmil und Körpertechnik in Schule und Haus. I. Teil: Kindergarten und Grundschule“ (Elberfeld 1923) und „Lustige Kindermusik ohne Gesang für kleine und große Kinder“ (Elberfeld 1923).
Weitere Werke sind „Singen und Springen in Kindergarten und Grundschule. Heft I: Tierlieder und -spiele“ (Bad Godesberg 1928), „Singen und Springen in Kindergarten und Grundschule. Heft II: Das Kind selbst“ (Bad Godesberg 1928), „Kinder - Spiel- und Tanzlieder“ in 7 Heften (Elberfeld 1920–1928) sowie „Rhythmische Spiele mit dem Ball“ (Bad Godesberg o. J.).