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Open Source Intelligence
Die dazu benutzten Quellen werden unterschieden in Primärquelle Q1 als Augenzeugenbericht, Luftbild, gefilmtes ungeschnittenes Rohmaterial oder selber sehen …
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Grundidee und Bedeutung
Open Source Intelligence (OSINT) bezeichnet die Gewinnung nachrichtendienstlich nutzbarer Erkenntnisse aus frei verfügbaren, offenen Quellen. Der Begriff stammt aus dem Umfeld von Nachrichtendiensten und militärischem Nachrichtenwesen. Entscheidend ist nicht allein das Finden einzelner Informationen: Viele verstreute „Informationsschnipsel“ werden gesammelt, zusammengesetzt und analysiert, damit ein verwertbares „Informationsprodukt“ entsteht.
OSINT nutzt öffentlich zugängliche Massenmedien, etwa Printmedien, Rundfunk, Internet und webbasierte Anwendungen wie Google Earth. „Open Source“ bedeutet hier ausschließlich, dass die Informationen frei zugänglich sind. Es besteht keine Verbindung zu Open-Source-Software.
Gegenüber anderen Formen nachrichtendienstlicher Informationsbeschaffung kann OSINT geringere Kosten verursachen und für die beauftragten Mitarbeitenden weniger riskant sein.
Definition und Quellenarten
Open Source Intelligence ist ein Terminus aus der internen Diktion der US-Geheimdienste. Seit 2002 definieren sowohl der Director of National Intelligence als auch das Department of Defense (DoD) OSINT als „produced from publicly available information that is collected, exploited, and disseminated in a timely manner to an appropriate audience for the purpose of addressing a specific intelligence requirement“.
Deutsch lautet die im Artikel angegebene Bedeutung: Erkenntnisse werden aus öffentlich verfügbaren Informationen erstellt, gesammelt, ausgewertet und kurzfristig an geeignete Adressaten verbreitet, um besondere nachrichtendienstliche Anforderungen zu erfüllen. Seit 2005 besitzt auch das U.S. Office of Management and Budget eine eigene Definition.
Die verwendeten Quellen werden unterschieden in:
- Primärquelle Q1: unmittelbare Informationen, zum Beispiel ein Augenzeugenbericht, ein Luftbild, gefilmtes ungeschnittenes Rohmaterial oder eigenes Sehen und Hören.
- Sekundärquelle Q2: ein auswertender oder berichtender Bericht, etwa ein Zeitungsartikel oder Fernsehbeitrag, bei dem die berichtende Person mit Augenzeugen gesprochen hat.
- Tertiärquelle Q3: andere Quellen.
Auswertung und verwandte Formen
Die Beschaffung frei zugänglicher Informationen reicht für OSINT nicht aus. Die Informationen müssen ausgewertet und in Beziehung gesetzt werden, damit daraus die gewünschte Erkenntnis entsteht.
Eine Unterform ist Open Source Investigations. Dabei werden Aufklärungsansätze und Aufklärungsverfahren zusammen mit Aufklärungsergebnissen aus externen, meist zivilen Quellen verwendet. Davon wird die öffentliche selektive Quelle (SQOS) abgegrenzt, die in öffentlichen Medien Analysen hinterlässt.
Nutzung durch Behörden
Für US-amerikanische Geheimdienste hat OSINT eine große Bedeutung. Die entsprechenden Tätigkeiten werden meist als „media monitoring“ (Medienbeobachtung), „media analysis“ (Medienanalyse), „internet research“ (Internetforschung) oder „public surveys“ (öffentliche Studien) bezeichnet.
Ein Beispiel war der Foreign Broadcast Information Service, eine ehemalige Abteilung der CIA. Seine Aufgabe bestand darin, öffentliche Informationen zu sammeln und zu analysieren. Auch die Library of Congress finanziert die Federal Research Division, die gegen Gebühr in großem Umfang maßgeschneiderte Open-Source-Untersuchungen für unterschiedliche Behörden durchführt.
In Deutschland nutzt der Bundesnachrichtendienst die Vorteile von OSINT in der Abteilung Gesamtlage/FIZ und Unterstützende Fachdienste (GU). Strafverfolgungsbehörden verschiedener Länder richteten ebenfalls OSINT-Abteilungen ein; genannt werden Scotland Yard und die Royal Canadian Mounted Police.
Nichtstaatliche Recherchebeispiele
Nichtstaatliche Organisationen sammeln und werten zunehmend frei verfügbare Informationen aus öffentlichen Quellen aus. Eliot Higgins begann im März 2012, Videos aus dem Syrischen Bürgerkrieg auszuwerten. Später gründete er Bellingcat. Die Plattform entwickelte sich zu einem internationalen investigativen Recherchenetzwerk, das neben OSINT auch Faktenchecks durchführt und mehrere journalistische Preise erhielt.
Im Zusammenhang mit dem russischen Überfall auf die Ukraine erhielt der OSINT-Blog Oryx beziehungsweise Oryxspioenkop internationale Aufmerksamkeit. Er recherchierte zu Verlusten der russischen und der ukrainischen Streitkräfte. Führende westliche Medien, darunter CNN, Reuters, SZ und ZDF, verwenden die gesammelten Daten. Forbes bezeichnete die Website als zuverlässigste Quelle für Informationen über den Krieg, das ZDF als transparenteste Quelle. Zugleich wird darauf hingewiesen, dass die Autoren offen Sympathien für die ukrainische Seite zeigen.