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Norbert Matsché

Norbert Matsché (* 1. August 1942 in Mödling; Niederösterreich) ist ein österreichischer Chemiker. Er war seit 1995 als Professor für Chemie und Biologie …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Norbert Matsché und sein Arbeitsgebiet
  2. 2. Ausbildung und akademischer Werdegang
  3. 3. Forschung und Verfahren der Abwasserreinigung
  4. 4. Fachliche Zusammenarbeit, Ausbildung und Veröffentlichungen
  5. 5. Auszeichnung

Norbert Matsché und sein Arbeitsgebiet

Norbert Matsché (* 1. August 1942 in Mödling, Niederösterreich) ist ein österreichischer Chemiker mit Schwerpunkt Wasser- und Abwasserreinigung. Von 1995 bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand am 30. September 2007 war er Professor für Chemie und Biologie des Wassers an der Technischen Universität Wien. Sein Institut heißt heute Institut für Wassergüte und Ressourcenmanagement (IWR). Vom 1. Jänner 1999 bis 31. Dezember 2003 leitete er das Institut und verantwortete dessen Entwicklung.

Seine Arbeit ist vor allem für die Reinigung von kommunalem und industriellem Abwasser bedeutsam. Dabei geht es darum, organische Stoffe sowie Nährstoffe wie Stickstoff- und Phosphorverbindungen aus dem Wasser zu entfernen. Dies schützt Oberflächengewässer vor Belastungen, etwa durch Nährstoffeinträge.

Ausbildung und akademischer Werdegang

Matsché besuchte ab September 1952 das Bundesrealgymnasium Mödling und legte dort am 7. Juli 1960 die Matura mit Auszeichnung ab. Im Herbst 1960 begann er an der damaligen Technischen Hochschule Wien, der heutigen TU Wien, Technische Chemie zu studieren. Die II. Staatsprüfung legte er am 13. Dezember 1965 ab.

Von 1966 bis 1971 war er Hochschulassistent am Institut für Biochemische Technologie und Mikrobiologie der Technischen Hochschule Wien. Am 27. Juni 1969 promovierte er zum „Doktor der technischen Wissenschaften“ (Dr.techn.). Seine Dissertation trug den Titel „Untersuchungen zur kontinuierlichen Fermentation von Tyrothricin“. Von August 1969 bis August 1970 arbeitete er als Post-Doctoral-Fellow am Environmental Systems Engineering Department der Universität Clemson in South Carolina, USA.

Seit 1. August 1971 war Matsché Assistent am Institut für Wassergüte und Landschaftswasserbau der TU Wien. 1979 habilitierte er sich mit der Arbeit „Mikrobielle Denitrifikation in der Abwasserreinigung“. Die Habilitation ist die wissenschaftliche Qualifikation zur selbstständigen Lehre an einer Universität. Am 3. Dezember 1979 erhielt er die Lehrbefugnis als Universitätsdozent für „Chemie und Biologie des Wassers und Abwassers“. Im Oktober 1995 übernahm er die Professur für Chemie und Biologie des Wassers.

Forschung und Verfahren der Abwasserreinigung

Ein frühes Forschungsgebiet war die simultane Nitrifikation/Denitrifikation auf der Kläranlage Wien-Blumental. Nitrifikation bezeichnet die biologische Umwandlung bestimmter Stickstoffverbindungen; bei der Denitrifikation wird Stickstoff aus dem Abwasser entfernt. Matsché untersuchte außerdem die chemische und biologische Entfernung von Phosphorverbindungen. Weitere Themen waren die Auswirkungen von Nährstoffeinträgen auf Oberflächengewässer, zum Beispiel über die Wulka in den Neusiedler See.

Seine Forschung umfasste aerobe und anaerobe biologische Reinigungsprozesse für kommunale und industrielle Abwässer. „Aerob“ bedeutet unter Beteiligung von Sauerstoff, „anaerob“ ohne Sauerstoff. Er arbeitete auch zu Blähschlamm, Schwimmschlamm und Schaumbildung in Kläranlagen, zu Geruchsproblemen durch Mikroorganismen oder chemische Stoffe – besonders Schwefelverbindungen – sowie zur Klärschlammbehandlung und Analytik von Abwasserinhaltsstoffen.

Gemeinsam mit Guan Liang meldete Matsché am 6. August 1991 das Patent AT 396684 B „Belebtschlammverfahren zur Reinigung von Abwasser“ an, das „Hybridverfahren“. Es ist ein zweistufiges biologisches Reinigungsverfahren: Belebtschlamm aus der ersten Stufe wird teilweise in die zweite und Belebtschlamm aus der zweiten Stufe teilweise zurück in die erste Stufe geführt. Dadurch entstehen in beiden Stufen Mischbiozönosen, also Gemeinschaften verschiedener Mikroorganismen. Denitrifizierende Biomasse gelangt so in die zweite, nitrifizierende Biomasse in die erste Stufe. In beiden Stufen können deshalb Kohlenstoffverbindungen abgebaut sowie Stickstoffverbindungen durch Nitrifikation und Denitrifikation entfernt werden. Große Kläranlagen, etwa in Wien, Knittelfeld und Saalfelden, beruhen auf diesem Prinzip.

Eine weitere Patentanmeldung von 2003 hieß „Verfahren und Anlage zum Klären von Industrieabwässern“. Sie betrifft Abwässer mit leicht abbaubaren oder leicht adsorbierbaren Inhaltsstoffen, beispielsweise aus Molkereien. Als Anwendungsbeispiel nennt der Artikel die Kläranlage Bad Vöslau mit angeschlossener großer Molkerei.

Fachliche Zusammenarbeit, Ausbildung und Veröffentlichungen

Matsché wirkte in nationalen und internationalen Fachorganisationen und wissenschaftlichen Gremien mit, unter anderem in Fachgruppen des ÖWAV, der Gesellschaft Österreichischer Chemiker (GÖCh), der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), Arbeitsgruppen der DWA, dem Deutschen Expertenrat für Umwelttechnologie und Infrastruktur (dex), dem European Technical and Scientific Committee der EWA sowie der International Water Association (IWA).

Ein wichtiger Bereich war die Ausbildung von Klärwärterinnen und Klärwärtern. 2003 organisierte er eine Klärwärterausbildung in Makedonski Brod in der damaligen Republik Mazedonien. Im EU-Projekt DEREC TEMPUS JEP von 2005 bis 2008 wirkte er leitend daran mit, die Ausbildung von Klärwärterfachpersonal in Mazedonien zu stärken. Im Nachfolgeprojekt DEREL (2010–2014) beriet er bei der Einführung eines postgradualen Studienlehrgangs für Umweltingenieurwesen in Skopje, Novi Sad und Tirana.

Er war Mitglied von Editorial Boards, etwa bei Acta Hydrochimica et Hydrobiologica, und Herausgeber mehrerer Bände der Reihe „Wiener Mitteilungen“. Diese behandelten Themen wie Schadstofffragen in der Wasserwirtschaft, Phosphorentfernung, Gewässerschutz, organische Abwasserbelastung, Deponiesickerwasser, Kläranlagenbetrieb sowie Geruchsemissionen aus Abwasseranlagen. Außerdem war er bis zu seiner Pensionierung an der Organisation einer internationalen IWA-Konferenzreihe über große Kläranlagen mit mehr als 100.000 EW beteiligt.

Auszeichnung

Am 18. Dezember 2015 erhielt Norbert Matsché das Goldene Ingenieurdiplom der TU Wien.

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