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Gesellschaft Deutscher Chemiker

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker e. V. (GDCh) ist eine wissenschaftliche Gesellschaft in Deutschland mit Sitz in Frankfurt am Main, die ursprünglich nur …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Kern und Aufbau der GDCh
  2. 2. Ziele und Arbeitsweise
  3. 3. Junge Mitglieder und Bildung
  4. 4. Fachgruppen und Themenfelder
  5. 5. Arbeitsgemeinschaften, Kooperationen und Projekte
  6. 6. Auszeichnungen und Veröffentlichungen

Kern und Aufbau der GDCh

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker e. V. (GDCh) ist eine wissenschaftliche Gesellschaft in Deutschland mit Sitz in Frankfurt am Main. Sie wurde 1949 in Frankfurt am Main in der Tradition der Deutschen Chemischen Gesellschaft zu Berlin und des Vereins Deutscher Chemiker aus Vorläufervereinigungen der Besatzungszonen gegründet. Ihre Rechtsform ist der eingetragene Verein. Sie versteht sich als gemeinnützige Organisation zur Förderung der Chemie und der Chemikerinnen und Chemiker.

Die GDCh hatte im Februar 2026 rund 28.000 Mitglieder aus Wissenschaft, Wirtschaft und freien Berufen. Dazu gehörten etwa 8100 studentische und Jungmitglieder; der Anteil weiblicher Mitglieder lag bei etwa 30 %. Ursprünglich stand die Gesellschaft nur Diplom-Chemikerinnen und Diplom-Chemikern offen. Seit einer Satzungsänderung vom 11. Oktober 2006 kann jede interessierte Person Mitglied werden, wenn sie die Zwecke und Ziele der Gesellschaft unterstützt und wissenschaftlich an Chemie interessiert ist. Mitglieder verpflichten sich unter anderem auf einen Verhaltenskodex und bekennen sich zu Freiheit, Toleranz und Wahrhaftigkeit in der Wissenschaft.

Die GDCh gliedert sich in 33 Fachgruppen und Arbeitsgemeinschaften, die Fachgebiete wie Analytische Chemie oder Lebensmittelchemie sowie Interessengruppen wie Chancengleichheit oder Öffentlicher Dienst vertreten. Regional ist sie durch 60 Ortsverbände vertreten. Diese organisieren Kolloquien, populärwissenschaftliche Vorträge und regionale Aktivitäten und dienen als Ansprechpartner für Journalisten, Lehrer und Schüler. Die Geschäftsstelle befindet sich im Carl-Bosch-Haus in Frankfurt am Main, Varrentrappstraße 40–42; Geschäftsführer ist Tom Kinzel.

Ziele und Arbeitsweise

Die GDCh fördert die wissenschaftliche Arbeit in Forschung und Lehre, die Aus- und Fortbildung an Schulen und Hochschulen, Netzwerke und internationale Zusammenarbeit sowie den Dialog mit Öffentlichkeit, Politik und Gesellschaft. Ein weiterer Zweck ist die Förderung der Nachhaltigkeit zugunsten zukünftiger Generationen.

Zu den wichtigsten Arbeitsformen gehören Tagungen, Fortbildungen, Auszeichnungen und Fachpublikationen. Die GDCh gibt beziehungsweise betreut Fachliteratur wie die monatliche Mitgliederzeitschrift „Nachrichten aus der Chemie“ und die international bedeutende Zeitschrift „Angewandte Chemie“ mit englischsprachiger Edition. Sie veranstaltet nationale und internationale Tagungen, Symposien und Kongresse zu allen Gebieten der Chemie.

Ein zentrales Treffen ist das Wissenschaftsforum Chemie, ein alle zwei Jahre an wechselnden Orten in Deutschland stattfindender Wissenschaftskongress. Es deckt die gesamte Breite der Chemie ab und bringt etwa 2000 Chemikerinnen und Chemiker zusammen. Neben wissenschaftlichen Vorträgen gibt es unter anderem eine Firmenausstellung, eine Jobbörse und Angebote für die interessierte Öffentlichkeit. Das Wissenschaftsforum 2017 stand unter dem Motto „Chemie bewegt“ und fand zum 150-jährigen Jubiläum im September in Berlin statt.

Junge Mitglieder und Bildung

Das JungesChemieForum (JCF), bis zum 28. September 2024 JungChemikerForum genannt, wurde 1997 gegründet. Es ist die Organisation der jungen Mitglieder der GDCh, vor allem Studierende und Promovierende. Es umfasst mehr als 9000 Mitglieder und damit fast 30 % der gesamten Gesellschaft. Mit 54 Regionalforen, meist an Chemie-Universitätsstandorten, ist es in allen Regionen Deutschlands vertreten.

Im JCF koordinieren junge Chemikerinnen und Chemiker ihre Interessen und Aktivitäten. Dazu gehören Jobmessen, Symposien, Kolloquien, Workshops und Vorträge. Einige Angebote werden mit Partnervereinen wie der jungen DPG organisiert.

Auch die schulische und berufliche Bildung spielt in der GDCh eine wichtige Rolle. Die Fachgruppe Chemieunterricht ist mit über 1900 Mitgliedern das Forum der GDCh für Chemie in der Schule und Chemiedidaktik, also die Wissenschaft vom Lehren und Lernen der Chemie. In ihr arbeiten Studierende, Referendare, Lehrkräfte, Fachdidaktiker, Fachwissenschaftler sowie Vertreter aus Industrie und öffentlichem Dienst zusammen. Die Arbeitsgruppe Berufliche Bildung richtet sich an nicht-akademische Chemieberufe wie Chemisch-technische Assistenten, Chemielaboranten und Chemietechniker. Sie fördert Austausch, bewertet die Lage mittlerer Chemieberufe und setzt sich für Fortbildung ein.

Fachgruppen und Themenfelder

Die Fachgruppen bündeln Fachwissen in vielen Teilgebieten der Chemie. Die Analytische Chemie ist mit etwa 2200 Mitgliedern die zweitgrößte Fachgruppe. Analytik befasst sich mit der Untersuchung von Stoffen: Die Konzentrationsanalytik bestimmt Mengen, die Strukturanalytik klärt den Aufbau von Stoffen. Themen sind unter anderem Spektroskopie, Bioanalytik, Massenspektrometrie, Trenntechniken, Wasser- und Umweltanalytik sowie klinische und forensische Analytik.

Weitere Fachgruppen decken wichtige Bereiche der modernen Chemie ab. Die Biochemie verbindet Chemie mit biologischen Vorgängen. Die Medizinische Chemie baut Brücken zwischen Chemie, Biologie, Medizin und Pharmazie und beschäftigt sich besonders mit moderner Arzneimittelentwicklung, Wirkstofffindung, Drug Design, Pharmakokinetik und Metabolismus. Die Elektrochemie liefert Beiträge zu Batterien, Brennstoffzellen, Korrosionsschutz, Sensoren und weiteren Anwendungen. Die Festkörperchemie und Materialforschung verbindet chemische Synthese mit modernen Werkstoffen. Die Makromolekulare Chemie befasst sich mit Polymeren, also großen Molekülen, und deren Chemie, Physik und Anwendungen.

Andere Gruppen richten sich auf gesellschaftlich oder technisch besonders wichtige Felder. Die Nachhaltige Chemie untersucht die Nutzung und Umwandlung stofflicher Ressourcen ohne Schaden für zukünftige Generationen. Die Umweltchemie und Ökotoxikologie behandelt den Verbleib von Chemikalien in Boden, Wasser und Luft sowie ihre Wirkung auf Organismen und Lebensräume. Die Wasserchemische Gesellschaft arbeitet für Schutz, Nutzung, Aufbereitung, Reinigung und Untersuchung von Wasser. Die Lebensmittelchemische Gesellschaft behandelt Themen zwischen Hochschule, Lebensmittelüberwachung, Ministerien, Industrie und Selbständigkeit.

Daneben gibt es spezialisierte Felder wie Bauchemie, Lackchemie, Nuklearchemie, Photochemie, Magnetische Resonanzspektroskopie, Geschichte der Chemie, Gewerblicher Rechtsschutz, Chemie des Waschens, Chemie und Energie, Chemie-Information-Computer beziehungsweise Computer in der Chemie, Wöhler-Vereinigung für Anorganische Chemie und Liebig-Vereinigung für Organische Chemie. Viele Fachgruppen fördern Nachwuchs durch Preise, Stipendien, Tagungen, Workshops und Netzwerke.

Arbeitsgemeinschaften, Kooperationen und Projekte

Neben den Fachgruppen besitzt die GDCh Arbeitsgemeinschaften und gemeinsame Strukturen mit anderen Fachgesellschaften. Die Deutsche Gesellschaft für Katalyse (GeCatS) ist die zentrale Interessenvertretung der deutschen Katalyse-Gemeinschaft und hat etwa 1100 Mitglieder. Katalyse bedeutet die Beschleunigung chemischer Reaktionen durch Katalysatoren. GeCatS fördert den wissenschaftlichen Nachwuchs, bietet eine Plattform für Forschung und Anwendung und organisiert das Jahrestreffen Deutscher Katalytiker.

Weitere Arbeitsgemeinschaften behandeln Chemie in der Medizinerausbildung, Chemie und Gesellschaft, Fluorchemie, Theoretische Chemie und Hochschulfragen. Die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Universitätsprofessoren und -professorinnen für Chemie (ADUC) fördert Forschung, Lehre und wissenschaftlichen Nachwuchs und vergibt den ADUC-Jahrespreis. Die Gemeinsame Fachgruppe chemische Biologie wurde 2005 von DECHEMA, DPhG, GBM und GDCh gegründet; die Gemeinsame Fachgruppe Bioinformatik bündelt seit Mai 2014 Aktivitäten von DECHEMA, GBM, GDCh und Gesellschaft für Informatik. Bioinformatik verbindet biowissenschaftliche Fragen mit Mathematik und computergestützten Methoden.

Die GDCh arbeitet national und international mit Fachgesellschaften und Dachorganisationen zusammen. Genannt werden unter anderem die European Chemical Society (EuChemS), Chemistry Europe, IUPAC beziehungsweise der Deutsche Zentralausschuss für Chemie, die Akkreditierungsagentur ASIIN und das Forum Analytik. Projekte der GDCh richten sich auch an die Öffentlichkeit: Die „Aktuelle Wochenschau“ vermittelt Forschungsthemen, „Faszination Chemie“ erklärt chemische Inhalte möglichst öffentlichkeitsnah und weitgehend ohne komplizierte Formeln. Hinzu kommen Lehrerfortbildungen sowie Reisestipendien für Tagungen und Kongresse.

Auszeichnungen und Veröffentlichungen

Die GDCh vergibt zahlreiche Preise und Auszeichnungen für Leistungen in Chemie und angrenzenden Gebieten. Zu den besonderen Auszeichnungen zählen die Gedenkmünze A von Baeyer für organische Chemie, der Wilhelm-Klemm-Gedenkwürfel für anorganische Chemie, die Fresenius-Gedenkmünze für Analytik und die Gmelin-Beilstein-Gedenkmünze für Geschichte der Chemie und Chemieliteratur.

Zwei mit 50.000 € dotierte Preise gehören zu den höchstdotierten deutschen Preisen in den Naturwissenschaften: der Otto-Hahn-Preis, gemeinsam vergeben mit der Deutschen Physikalischen Gesellschaft und der Stadt Frankfurt am Main, und der Karl-Ziegler-Preis der bei der GDCh angesiedelten Karl-Ziegler-Stiftung. Weitere meist jährlich vergebene Preise sind unter anderem die Adolf-von-Baeyer-Denkmünze, der Albrecht-Kossel-Preis, der Carl-Duisberg-Gedächtnispreis, der Fresenius-Preis, der Heinz-Schmidkunz-Preis für Chemiedidaktik, der Innovationspreis in Medizinisch/Pharmazeutischer Chemie, der Wilhelm-Klemm-Preis, der Wöhler-Preis für Nachhaltige Chemie und der GDCh-Abiturpreis. Der GDCh-Abiturpreis wird seit 2005 jährlich an 2900 Schulen für die besten Absolventinnen und Absolventen im Fach Chemie vergeben.

Die Ehrenmitgliedschaft ist die höchste Auszeichnung der GDCh. Sie wird Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern verliehen, die sich besonders um die Förderung der Chemie und die Ziele der GDCh verdient gemacht haben. Ehrenmitglieder haben die Rechte ordentlicher Mitglieder, aber nicht deren Pflichten. Außerdem würdigt die GDCh mit dem Programm „Historische Stätten der Chemie“ wichtige Wirkungsstätten der Chemiegeschichte. 1999 erhielt die Gesellschaft die Lavoisier-Medaille der französischen chemischen Gesellschaft.

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