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Neue Sachlichkeit (Film)

Filme der Neuen Sachlichkeit entstanden im deutschen Film der 1920er Jahre als Ausweg aus der manieristischen Metaphorik des stilistisch vorherrschenden …

Inhalt3 Abschnitte
  1. 1. Merkmale und Entstehung
  2. 2. Österreichische Vorläufer und zentrale Phase
  3. 3. Ausklang und filmhistorische Einordnung

Merkmale und Entstehung

Filme der Neuen Sachlichkeit entstanden im deutschen Film der 1920er Jahre als Gegenbewegung zur stilistisch vorherrschenden Filmexpressionismus. Sie wandten sich von dessen manieristischer Metaphorik ab und strebten eine sachlichere, realitätsnahe Darstellung an. Der Realismus betraf mehrere Ebenen: die Handlungsthemen, die Spielweise der Darsteller und die Auswahl authentischer Drehorte beziehungsweise Filmsets. Deshalb wurde teilweise auch die Bezeichnung „Wirklichkeitsfilm“ verwendet.

Im Mittelpunkt standen nachvollziehbar dargestellte reale Menschenschicksale und sozialkritische Themen. Als Vorläufer gilt der außerhalb der Filmstudios im Ruhrgebiet entstandene Bergarbeiterfilm Schlagende Wetter (1923) von Karl Grune. Deutsche und englische Kritiker bemerkten an diesem Film den Realismus als etwas Außergewöhnliches und Neues. Einen entscheidenden Einschnitt bildete Georg Wilhelm Pabsts Die freudlose Gasse (1925), der zu den ersten Filmen der Neuen Sachlichkeit gerechnet wird. Mit ihm setzte eine weitgehende Abkehr vom Expressionismus ein; anschließend entstanden zahlreiche Filme mit sozialkritisch-realistischer Thematik.

Österreichische Vorläufer und zentrale Phase

Auch in Österreich entwickelte sich früh eine realistische, sozial beobachtende Filmsprache. Bereits 1920 entstand der Spielfilm Durch die Quartiere des Elends und Verbrechens, der auf den Sozialreportagen des Journalisten Emil Klägers beruhte und als erster österreichischer Vorläufer der Neuen Sachlichkeit gilt.

In den folgenden Jahren beschäftigten sich mehrere österreichische Produktionen mit der tristen Lage des von Inflation geprägten Landes nach dem Ersten Weltkrieg. Dazu gehörten Frauen aus der Wiener Vorstadt (1925), Haifische der Nachkriegszeit (1926), Im Schatten des elektrischen Stuhls (1927), Andere Frauen (1928) und Eine Dirne ist ermordet worden (1930).

Ihren Höhepunkt erreichte die Neue Sachlichkeit im Film in der zweiten Hälfte der 1920er Jahre. Neben Georg Wilhelm Pabst war Gerhard Lamprecht ein wichtiger Vertreter. Lamprecht drehte 1925 mit Die Verrufenen den ersten Film einer Trilogie über Probleme der sozialen Unterschicht. Die Trilogie wurde 1926 mit Die Unehelichen und Menschen untereinander fortgesetzt. Weitere bedeutende Beispiele waren Die Abenteuer eines Zehnmarkscheines (1926) von Berthold Viertel, die von der Berliner Prometheus Film produzierten Filme von Phil Jutzi sowie Leo Mittlers Jenseits der Straße. Hinzu kamen Hamburger SPD-Filme im Stil von Werner Hochbaums Brüder.

Ausklang und filmhistorische Einordnung

In den frühen 1930er Jahren setzte sich die Strömung noch in mehreren wichtigen Filmen fort. Dazu zählen Menschen am Sonntag (1930), Pabsts Kameradschaft (1931), Victor Trivas’ Niemandsland (1931) und der als Klassiker des proletarischen Films bezeichnete Kuhle Wampe oder: Wem gehört die Welt? (1932) von Slatan Dudow.

Mit der neuen nationalsozialistischen Filmpolitik fand die Neue Sachlichkeit ihr Ende. Filmhistorisch wird sie stellenweise als ästhetischer Vorläufer des Nationalsozialismus betrachtet, insbesondere im Hinblick auf den Bergfilm. Die Neue Sachlichkeit ist damit zugleich als realistische und sozialkritische Abkehr vom Expressionismus zu verstehen und als Strömung, deren einzelne ästhetische Tendenzen später unterschiedlich bewertet wurden.

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