Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Napster (Online-Musikdienst)
Napster ist ein Medienunternehmen. Der Name und das Firmenlogo stammen von der bekannten Peer-to-Peer Musiktauschbörse Napster, die im Juli 2001 nach …
Inhalt5 Abschnitte
Gegenstand und Entwicklung
Napster ist ein Medienunternehmen der Unterhaltungsindustrie. Die Marke gehört laut Artikel zur Rhapsody International, Inc.; als Sitz wird Seattle im US-Bundesstaat Washington genannt, als CEO David Hose. Napster wurde am 1. Juni 1999 von Shawn Fanning und Sean Parker gegründet. Der ursprüngliche Dienst war eine Peer-to-Peer-Musiktauschbörse: Nutzer konnten MP3-Dateien direkt mit anderen Teilnehmern austauschen. Wegen rechtlicher Streitigkeiten wurde dieser Dienst im Juli 2001 nach einem Gerichtsbeschluss geschlossen.
Die Marke und Teile der Technik blieben jedoch erhalten. Ende Oktober 2000 vereinbarte Napster mit der Bertelsmann eCommerce Group den Aufbau eines kostenpflichtigen Abonnementsystems. Dieses sollte unter anderem Musik der bei der Bertelsmann Music Group (BMG) unter Vertrag stehenden Künstler legal und unter Zahlung von Tantiemen anbieten. 2001 waren außerdem MusicNet sowie die Plattenfirmen Warner Music, BMG Entertainment und EMI an geplanten Lizenz- und Vertriebsmodellen beteiligt.
Im Januar 2002 testete Napster einen neuen Dienst mit 20.000 Benutzern und einem Katalog von 110.000 Titeln kleinerer Labels. Neben MP3 unterstützte die Software das proprietäre NAP-Format; urheberrechtlich geschützte Titel wurden gefiltert. Die Verhandlungen mit den größten Plattenlabels, den sogenannten „Major Five“, erwiesen sich als schwierig, weil diese zunächst nur eine Lizenzierung pro Song akzeptieren wollten.
Der geplante vollständige Verkauf an Bertelsmann scheiterte 2002. Napster beantragte Gläubigerschutz nach Kapitel 11 des US-Konkursrechts; im November 2002 genehmigte ein US-Konkursgericht den Verkauf an Roxio Inc. Roxio übernahm den Markennamen, die Technologie-Patente und später, im Mai 2003, den Online-Musikdienst Pressplay, nicht aber Napsters Verbindlichkeiten und Rechtsstreitigkeiten. Auf dieser Grundlage entstand ein legaler Dienst mit Abonnements sowie dem Kauf einzelner Titel und Alben.
Die Beta-Version von „Napster 2.0“ startete am 9. Oktober 2003, der Regelbetrieb am 29. Oktober zunächst in den USA. Großbritannien folgte am 20. Mai 2004, Kanada am 26. Mai 2004 und Deutschland am 9. Dezember 2005. Nach dem Verkauf von Roxios Endkundensoftware an Sonic Solutions für 80 Millionen US-Dollar, abgeschlossen am 17. Dezember 2004, benannte sich Roxio in Napster, Inc. um. 2008 übernahm Best Buy den Musikdienst.
Napster wurde im Oktober 2011 von Rhapsody gekauft; im Januar 2013 wurde die Übernahme des Europageschäfts abgeschlossen. In Großbritannien und Deutschland blieb die Marke Napster erhalten, während Rhapsody im Laufe des Jahres 2017 zu Napster wurde. Am 30. Mai 2023 erlosch die Napster Group Plc. in London. Im März 2025 übernahm Infinite Reality Napster für 207 Mio. US-Dollar und kündigte am 15. Mai an, zur Napster Corporation zu werden. Zwischen 2025 und 2026 wurde der Audio-Streamingdienst laut Artikel ohne Vorankündigung abgeschaltet; unter der Marke Napster werde seitdem ein KI-Dienst angeboten. Der heutige Dienst hat mit der früheren Tauschbörse außer Namen und Logo praktisch keine Gemeinsamkeiten und verwendet kein Peer-to-Peer-System.
Technische Nutzung und Klangqualität
Der Dienst konnte webbasiert oder mit spezieller Napster-Software genutzt werden. Für mobile Endgeräte gab es Apps für Apple-iOS-, Android- und Windows-Phone-Geräte. Titel wurden in der Regel mit 192 kbps AAC offline gespeichert. Das Streaming über die Software und den Web-Service erfolgte im Allgemeinen mit 128 kbps MP3, während die Apps regulär 192 kbps AAC verwendeten.
Napster in Deutschland
Napster verfügte in Deutschland über Lizenzverträge mit allen großen Musikfirmen sowie mit hunderten unabhängigen Plattenfirmen. Nach eigenen Angaben umfasste das Angebot mehr als 18 Millionen Musiktitel und tausende Hörbücher. Die Napster Music-Flatrate + Mobile konnte auch über Apple-iOS-, Windows-Phone- und Android-Geräte sowie über Multi-Room-Geräte verschiedener Hersteller genutzt werden.
Kooperationen mit Mobilfunkanbietern
Napster kooperierte mit der Telefónica Deutschland Holding. Bei den Marken Base, simfinity, simyo, Ay Yildiz und MTV mobile wurde die Musik-Flatrate zunächst als „MTV Music powered by Napster“ angeboten. Zum 3. August 2015 wurde der Dienst in Napster umbenannt. Die Flatrate war in diesen Tarifen größtenteils enthalten oder als Zusatzoption buchbar.
Bei O2 konnte die Napster Music-Flat als Zusatzoption gebucht werden. Der erste Monat war kostenlos, danach kostete sie vergünstigt 7,99 Euro pro Monat. In Kooperation mit Aldi Talk wurde Napster außerdem in verschiedenen Datenpaketen als „ALDI life Musik powered by Napster“ angeboten. Ende 2025 war Napster über die Partnerangebote ohne Vorankündigung nicht mehr erreichbar; kurz darauf wurde der Vertrieb eingestellt.
Internationale Angebote und Napster-Fanpreis
Die Angebote in den USA, Großbritannien und Kanada unterschieden sich grundsätzlich nicht wesentlich. Die Auswahl der verfügbaren Musik schwankte jedoch, weil für jedes Land eigene Verträge mit den Rechteinhabern bestanden. Aus lizenzrechtlichen Gründen konnte der Dienst jeweils nur in dem Land genutzt werden, in dem er angeboten wurde.
Der Napster-Fanpreis wurde 2011 als Internet-Publikumspreis gegründet. Unterstützt wurde er von Promiflash, dem Jugendmagazin „voyeur – das junge magazin“ und der Deutschen Schulmarketing-Agentur DSA youngstar. Ausgezeichnet wurden Bands und Einzelkünstler aus dem deutschsprachigen Raum, die im jeweiligen Jahr eine Single oder ein Album in den Top 100 der deutschen Charts platzieren konnten.
Der erstmals am 8. September 2011 auf der Berliner Popkomm verliehene Preis ging an Haudegen als Band und Sarah Engels als Einzelkünstlerin. 2012 gewannen Daniele Negroni und Culcha Candela, 2013 Luca Hänni und Santiano, 2014 Andreas Bourani und The Baseballs sowie 2015 Lena Meyer-Landrut und Gestört aber geil. 2016 erhielten Jamie-Lee Kriewitz und Jennifer Rostock den Napster-Fanpreis.