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Meyer Fortes

Sein Buch Oedipus and Job in West African Religion (dt. „Ödipus und Hiob in westafrikanischen Religionen“) verband seine beiden Interessen und setzte einen …

Inhalt3 Abschnitte
  1. 1. Meyer Fortes und sein Forschungsgebiet
  2. 2. Ansätze und politische Anthropologie
  3. 3. Einfluss und ausgewählte Werke

Meyer Fortes und sein Forschungsgebiet

Meyer Fortes (* 25. April 1906 in Britstown, Kapkolonie, Südafrika; † 27. Januar 1983 in Cambridge, Vereinigtes Königreich) war ein britischer Anthropologe. Er wurde vor allem durch seine Forschungen bei den Tallensi und Aschanti in Ghana bekannt. Gleichzeitig arbeitete er als Forscher für Sozial- und Kulturanthropologie und als Professor für Sozialanthropologie in Cambridge.

Fortes war ursprünglich Psychologe. In seinen struktural-funktionalen Analysen untersuchte er, wie Bestandteile einer Gesellschaft zusammenwirken und deren Ordnung erhalten. Dabei nutzte er besonders die Vorstellung der „Person“. Seine zentralen Themen waren Verwandtschaft, Familie und Ahnenverehrung, also die religiöse Verehrung verstorbener Vorfahren. Mit diesen Arbeiten setzte er einen Maßstab für Untersuchungen zur sozialen Organisation afrikanischer Völker. Weitere Themen waren Erstgeborene, Verwandtschaft und Divination, also Formen der Zukunftsdeutung.

Ansätze und politische Anthropologie

Seine anthropologische Ausbildung erhielt Fortes bei Charles Gabriel Seligman an der London School of Economics; dort studierte er zusammen mit Bronisław Malinowski und Raymond Firth. Wie Alfred Radcliffe-Brown, Edmund Leach, Audrey Richards und Lucy Mair vertrat er funktionalistische Ansichten. Diese verlangten empirische Evidenz, also Beobachtungen und Forschungsergebnisse aus der Wirklichkeit, als Grundlage für Gesellschaftsanalysen.

Das 1940 zusammen mit E. E. Evans-Pritchard herausgegebene Werk African Political Systems begründete die Prinzipien der Segmentation und der ausbalancierten Opposition. Segmentation meint dabei die Gliederung einer Gesellschaft in Teilgruppen; ausbalancierte Opposition beschreibt ein Gleichgewicht zwischen einander gegenüberstehenden Gruppen. Beide Prinzipien wurden zu Kennzeichen der afrikanischen politischen Anthropologie.

Das Werk versucht eine erste Klassifikation politischer Systeme und schlägt theoretische Modelle vor. Es beruht auf Feldstudien in acht weit auseinanderliegenden Gebieten Afrikas und beschreibt Formen sozialer Organisation bei Zulu, Bamangwato, Bemba, Ankole, Kede, Bantu, Tallensi und Nuer.

Einfluss und ausgewählte Werke

Fortes leitete außerdem die Herausgabe weiterer Sammelwerke. Seine Forschungen zu Westafrika und politischen Systemen beeinflussten andere britische Anthropologen, besonders Max Gluckman. Er wirkte auch an der Entwicklung der Manchester-Schule mit, einer Richtung der Sozialanthropologie, die Probleme der Arbeit im kolonialen Zentralafrika betonte. Den Großteil seiner beruflichen Laufbahn war er Dozent an der Universität Cambridge. 1964 wurde er in die American Academy of Arts and Sciences, 1967 in die British Academy und 1972 in die American Philosophical Society gewählt.

Zu seinen wichtigen Veröffentlichungen zählen Social and psychological Aspects of education in Taleland (1938), African Political Systems (mit Edward E. Evans-Pritchard, Hrsg., 1940), The dynamics of clanship among the Tallensi (1945), Web of Kinship Among the Tallensi (1949), Oedipus and Job in West African Religion (1959), Kinship and the Social Order: The Legacy of Lewis Henry Morgan (1969) und Time and Social Structure and Other Essays (1970).

Oedipus and Job in West African Religion verband Fortes’ psychologische Ausgangsinteressen mit seiner ethnologischen Forschung und setzte einen Maßstab für vergleichende Ethnologie. Die deutsche Übersetzung Ödipus und Hiob in westafrikanischen Religionen erschien 1966 bei Suhrkamp; Übersetzer war Klaus Figge.

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