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Mary Poppins (Film)

Mary Poppins ist ein US-amerikanischer Musical-Fantasyfilm aus dem Jahr 1964 unter Regie von Robert Stevenson. Die Walt-Disney-Produktion basiert auf P. L. …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Überblick
  2. 2. Die Familie Banks und Mary Poppins’ Aufgabe
  3. 3. Vorlage, Figuren und filmische Gestaltung
  4. 4. Lieder und Auszeichnungen
  5. 5. Spätere Fassungen und Fortsetzungen

Überblick

Mary Poppins ist ein US-amerikanischer Musical-Fantasyfilm von 1964. Er wurde von Robert Stevenson inszeniert, von Walt Disney Pictures produziert und dauert 140 Minuten; die Altersfreigabe lautet FSK 0. Das Drehbuch schrieben Bill Walsh und Don DaGradi. Grundlage sind die ersten beiden Mary-Poppins-Romane von P. L. Travers, ergänzt durch Musik und Songs von Richard M. Sherman und Robert B. Sherman; die musikalische Leitung und die Arrangements übernahm Irwin Kostal.

Der Film verbindet eine Familiengeschichte im London kurz vor dem Ersten Weltkrieg mit Fantastik, Gesang, Tanz sowie Real- und Trickfilmszenen. Julie Andrews spielt die Titelfigur Mary Poppins, Dick Van Dyke ihren Freund Bert. Weitere zentrale Rollen sind David Tomlinson als George W. Banks, Glynis Johns als Winifred Banks sowie Karen Dotrice und Matthew Garber als deren Kinder Jane und Michael.

Die Familie Banks und Mary Poppins’ Aufgabe

Bert, ein Londoner Straßenkünstler, führt zum Kirschbaumweg Nummer 17. Dort lebt die Familie Banks aus der oberen Mittelschicht. George Banks arbeitet in einer Bank, während seine Frau Winifred als Suffragette für das Frauenwahlrecht kämpft. Die Kinder Jane und Michael treiben ihre Kindermädchen regelmäßig zur Verzweiflung; auch das letzte hat gerade gekündigt.

Jane und Michael schreiben eine Anzeige für ein neues Kindermädchen. Ihr Vater zerreißt sie und wirft sie in den Kamin, doch auf wundersame Weise gelangt sie zu Mary Poppins. Während die Bewerberinnen von einem Windstoß fortgeweht werden, schwebt Mary Poppins mit Regenschirm herab. Sie bringt die Anzeige der Kinder mit und übernimmt die Stelle nach einem Vorstellungsgespräch, das sie selbst bestimmt.

Mary Poppins vermittelt den Kindern, dass Arbeit Freude machen kann, Begegnungen mit Menschen aus der Unterschicht bereichernd sein können und Hilfe für Bedürftige befriedigend ist. Bei einem Besuch in der Bank soll Michael sein Taschengeld bei Mr. Dawes Sr. anlegen. Stattdessen möchte er, auf Mary Poppins’ Anregung, einer armen Vogelfrau vor der St.-Pauls-Kathedrale Vogelfutter abkaufen. Die Bankiers verstehen dies nicht. Als Michael sein zuvor abgenommenes Geld zurückverlangt, lösen die Vorgänge eine Panik und schließlich einen Bankansturm aus: Kunden verlangen die Auszahlung ihrer Konten.

George Banks wird deshalb abends in die Bank zitiert. Ein Gespräch mit Bert macht ihm klar, dass seine Familie das Wichtigste in seinem Leben ist. Er tritt seinen Vorgesetzten gelassen gegenüber, wird zunächst fristlos entlassen, erhält aber am nächsten Tag seine Stelle zurück und wird sogar Teilhaber. Mary Poppins hat damit ihr Ziel erreicht: Die Familie lebt harmonisch zusammen. Sie packt ihre Sachen und reist ab.

Vorlage, Figuren und filmische Gestaltung

Travers’ Buch erschien 1934 und spielt in dieser Zeit; der Film verlegt die Handlung in das Jahr 1910. Die Buchfigur Mary Poppins ist eitel und schnippisch, duldet keine andere Meinung und hat keine Aufgabe, eine Familie zusammenzuführen. Sie kommt und geht dort, wann sie möchte. Im Film wirkt sie deutlich freundlicher und hilft gezielt der Familie Banks.

Jane und Michael wurden im Wesentlichen beibehalten, ihre wenige Monate alten Zwillingsgeschwister Barbara und John fehlen jedoch im Film. Die Eltern sind im Buch bloße Nebenfiguren. Mr. Banks wurde für den Film an die Vorstellungen des edwardianischen Zeitalters vom „Herrn des Hauses“ angepasst; Winifreds Engagement als Suffragette gibt es im Buch nicht. Bert ist in den Büchern keine zentrale Figur, trifft die Kinder nur selten und bündelt im Film Eigenschaften mehrerer Buchfiguren.

Das Buch besitzt keine durchgehende Handlung, sondern besteht aus Kurzgeschichten. Verwendet wurden nur wenige Elemente, etwa Marys Ankunft, der Ausflug in Berts Straßengemälde, Onkel Alberts Teeparty, die Vogelfrau und Marys Abreise. P. L. Travers war mit der Verfilmung nicht zufrieden: Sie missbilligte den Musikfilm, die Trickfilmfiguren, Dick Van Dyke und die aus ihrer Sicht zu süßliche Handlung. Der Vertrag mit Disney erlaubte ihr keine Änderungen am fertigen Film. Julie Andrews akzeptierte sie nach einem persönlichen Telefongespräch.

Die Szene des Sprungs in das Gemälde verbindet Realfilm mit Zeichentrick: Nach den Dreharbeiten mit den Schauspielern ergänzten Disney-Zeichner die Figuren. Dabei kam der Sodium Vapor Process als Trickmontagetechnik zum Einsatz. Dick Van Dyke spielt außerdem die versteckte Doppelrolle des Bert und des durch Maske kaum erkennbaren Bankchefs Mr. Dawes Sr.; im Abspann erscheint für die zweite Rolle zunächst der Name „Navckid Keyd“, der animiert zu „Dick Van Dyke“ wird.

Lieder und Auszeichnungen

Die Musik prägt den Film als Musical. Zu den Liedern gehören „A Spoonful of Sugar“ („Wenn ein Löffelchen voll Zucker“), „Supercalifragilisticexpialidocious“ („Supercalifragilisticexpialigetisch“), „Feed the Birds (Tuppence a Bag)“ („Täglich schon früh (Füttert die Vögelchen)“), „Step in Time“ („Schritt und Tritt“), „Chim-Chim-Cheree“ und das Schlusslied „Let’s Go Fly a Kite“ („Für zwei Pennies Papier schon genügt“). „Chim-Chim-Cheree“ gewann den Oscar als Best Original Song; „chimney sweep“ bedeutet Schornsteinfeger. „Feed the Birds“ war Walt Disneys Lieblingslied des Films.

Für die deutsche Fassung entstanden die Liedtexte unter Leitung von Eberhard Cronshagen; die deutsche Synchronfassung wurde 1964 bei Simoton Film in Berlin hergestellt. Julie Andrews wurde als Mary Poppins von Uta Hallant gesprochen, während Monika Dahlberg den Gesang übernahm. Dick Van Dyke als Bert sprach Harry Wüstenhagen.

Bei der Oscarverleihung im Frühjahr 1965 war der Film in dreizehn Kategorien nominiert und gewann fünf Oscars: Julie Andrews erhielt den Preis als beste Hauptdarstellerin, Peter Ellenshaw, Hamilton Luske und Eustace Lycett wurden für Spezialeffekte ausgezeichnet, Cotton Warburton für den Filmschnitt sowie Richard M. und Robert B. Sherman für besten Filmsong und beste Filmmusik. 1965 erhielt der Film unter anderem außerdem den British Film Academy Award, einen Golden Globe und einen Grammy für die Filmmusik. 2013 wurde er in das National Film Registry aufgenommen.

Spätere Fassungen und Fortsetzungen

Ein auf dem Filmdrehbuch beruhendes Musical lief vom 15. Dezember 2004 bis 12. Januar 2008 im Londoner Prince Edward Theatre und vom 16. November 2006 bis März 2013 am Broadway. Es verwendet die Filmmusik, enthält aber zusätzliche Buchsequenzen. Einige Filmlieder fehlen, beispielsweise „I Love To Laugh“, andere erscheinen in neuen Zusammenhängen: „Supercalifragilisticexpialidocious“ gehört im Musical nicht zu einem Karussellpferdchenrennen. Die Handlung liegt näher an den Büchern als am Film. Deutsche Aufführungen gab es von Oktober 2014 bis Januar 2016 in Wien, von Herbst 2016 bis Januar 2018 in Stuttgart und vom Frühjahr 2018 bis August 2019 in Hamburg.

Für die 40-jährige Jubiläumsausgabe entstand 2004 der zehnminütige Film Eine verblüffend schlaue Katze (The Cat That Looked at a King), ein Animationsfilm mit Live-Sequenzen und Julie Andrews. Er basiert auf einem Ausschnitt aus Mary Poppins öffnet die Tür und gilt als mögliche Minifortsetzung. Zwei Kinder betreten darin an der Stelle von Berts früherer Kreidezeichnung ein Bild. Auf Disney+ heißt der Kurzfilm Die Katze, die den König ansah; dort fehlt im Unterschied zur DVD die deutsche Synchronfassung.

Saving Mr. Banks behandelt Walt Disneys Bemühungen um die Filmrechte und die Arbeit am Filmmusical. Regie führte John Lee Hancock; Tom Hanks spielt Walt Disney, Emma Thompson Pamela Travers. Der deutsche Kinostart war am 6. März 2014.

Die Kinofortsetzung Mary Poppins’ Rückkehr erschien im Dezember 2018. Regie führte Rob Marshall, das Drehbuch schrieb David Magee. Emily Blunt spielt Mary Poppins, Lin-Manuel Miranda ihren Freund Jack; Dick Van Dyke hat eine Nebenrolle. Michael Banks lebt weiterhin mit seinen drei Kindern im Kirschbaumweg, Jane besucht ihn. Nach einem schweren persönlichen Verlust hilft Mary Poppins der Familie mit Jack aus ihrer Krise.

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