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Martin Luthers Geburtshaus
1 Geschichte. 1.1 Luther in Eisleben · 2 Baugeschichte. 2.1 Das Original-Luthergeburtshaus; 2.2 Das Museumsgebäude von 1693; 2.3 Nach der Wende · 3 Die …
Inhalt5 Abschnitte
Gedenkstätte und Bedeutung
Martin Luthers Geburtshaus in der Lutherstraße 15 in Eisleben ist eine Gedenkstätte und gehört zum UNESCO-Welterbe „Luthergedenkstätten in Eisleben und Wittenberg“. Martin Luther (1483–1546) wurde am 10. November 1483 in Eisleben geboren. Das tatsächliche Geburtshaus wurde jedoch im 17. Jahrhundert zerstört. Die heutige Gedenkstätte erinnert deshalb sowohl an Luthers Geburt als auch an die spätere Verehrung des Ortes.
Das Haus ist eng mit der Erinnerung an Luther verbunden, obwohl es nicht der Familie Luther gehörte. Die Familie hielt sich dort nur wenige Wochen auf, bevor sie von Möhra nach Mansfeld weiterzog.
Luther und Eisleben
Martin Luther lebte als Säugling nur während seiner ersten Lebenswochen in Eisleben. Seine Eltern waren auf der Durchreise. Sein Vater wollte in Mansfeld als Hüttenmeister arbeiten. Trotz des kurzen Aufenthalts fühlte sich Luther zeitlebens mit Eisleben und besonders mit dem Ort seiner Taufe verbunden.
Er besuchte die Stadt später wiederholt. Bei seinem letzten Aufenthalt im Jahr 1546 wollte er einen Streit zwischen den Grafen von Mansfeld schlichten. Dies gelang ihm, er starb jedoch am 18. Februar 1546 im Haus von Barthel Drachstedt am Markt 56 in Eisleben.
Das ursprüngliche Geburtshaus
Der heutige Museumsstandort liegt in der Lutherstraße 15; die Straße hieß bis 1872 Lange Gasse. Das ursprüngliche Geburtshaus war ein kleines Gebäude in einem vorstädtischen, handwerklich geprägten Umfeld. Es war vermutlich etwa 10 × 6 Meter groß und besaß an der Hofseite im Osten einen Anbau von ungefähr 4 × 4 Metern. Auch die unter den Brandresten liegenden Gewölbekeller gehörten wahrscheinlich zum ursprünglichen Baubestand.
Bis 1689 war das Haus in Privatbesitz. Bereits im 16. Jahrhundert wurde es zu einem Ort der Lutherverehrung. Eine Holztafel trug Luthers Porträt und die Aufschrift: „Anno 1483 ist Doctor Martinus Luther in dem Hause geborn und zu S. Peter gedauft.“ Gegen Ende des 17. Jahrhunderts verfiel das Gebäude jedoch, und eine Schankwirtschaft wurde eingerichtet. Der Eislebener Magistrat ließ die Tafel entfernen, weil ihm der Zustand des Hauses missfiel.
1689 brannte das Gebäude bei einem Stadtbrand bis auf die Grundmauern nieder. Die Holztafel blieb erhalten und wurde als „Bildnis des unverbrannten Luthers“ zu einer wichtigen Reliquie. Im 19. Jahrhundert diente sie fälschlicherweise als Beleg dafür, dass das Erdgeschoss des späteren Gebäudes noch zum Original gehört habe. Nach dem Brand zwang der Magistrat die Eigentümerin Marie Friedrich zum Verkauf an die Stadt, indem er ihr die üblichen Wiederaufbaukredite verweigerte.
Bei Ausgrabungen im Jahr 2006 unter Leitung von Christian Matthes wurden im Inneren des Museumsgebäudes Überreste des Vorgängerbaus entdeckt. Unter dem heutigen Fußboden lagen verkohlte Balken, Reste eines Lehmfußbodens, eine Fachwerkwand und eine Ofenplatte. Keramik datierte die Fußböden in das 14. bis 15. Jahrhundert und damit auch in die Lutherzeit. Die Radiokohlenstoffdatierung eines Balkens ergab dagegen ein Alter um 1500 oder 1600. Deshalb ist nicht völlig ausgeschlossen, dass der Fußboden erst um 1600 eingebaut oder das Gebäude um 1500 neu errichtet wurde. Wahrscheinlich handelt es sich dennoch um Überreste des originalen Geburtshauses.
Das Museumsgebäude von 1693
Anstelle des abgebrannten kleinen Vorstadthauses wurde 1693 ein repräsentatives Gebäude errichtet. Es gehört zu den ältesten Museen Deutschlands. Seine Größe und Raumaufteilung entsprechen jedoch nicht dem ursprünglichen Geburtshaus. Daher sind die seit dem 19. Jahrhundert verwendeten Bezeichnungen einzelner Räume, etwa „Geburtszimmer“, historisch nicht korrekt. Die Ausstellung greift diese Vorstellungen seit 2007 als „Installation“ zur Lebenswelt Luthers auf.
Das Gebäude erhielt in der Barockzeit renaissancezeitliche Bauelemente an Fassade und Hof, damit es älter wirkte. Im Erdgeschoss lagen neben der Eingangsdiele Räume einer Armenschule; im Obergeschoss befand sich die Lehrerwohnung. Im ersten Stock wurde an Luther erinnert. Besonders der „Schöne Saal“ mit bemalter Decke und Porträts diente als repräsentativer Erinnerungsort.
Ab 1817 erfolgten unter dem preußischen König Friedrich Wilhelm III. Umbauten und eine Erweiterung der Sammlung. Die Armenschule wurde in einen Neubau im Hinterhof verlegt, die Lehrerwohnung in ein westliches Seitenflügelgebäude. 1864 wurde das östliche Nachbargebäude unter Leitung des Architekten Friedrich August Stüler erworben und 1867 abgerissen. Dadurch wurde das Museumsgebäude freigestellt und ein Garten angelegt. Stüler ließ im Ostgiebel Fenster einbauen und hofseitig eine flachbogige Doppelarkade mit Fachwerkaufsatz errichten. An der Stelle des Nachbarhauses entstand eine Pergola mit einer Lutherbüste von Johann Gottfried Schadow. Ab 1891 beherbergte das Obergeschoss die Archäologische Sammlung des Eislebener Altertumsvereins.
Ausstellung und Entwicklung nach 1990
Seit 1997 gehören das Geburtshaus und das Museumsgebäude zur Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt. Zwischen 2005 und 2007 wurde der Komplex umfassend saniert und restauriert. Fremdkörper und Nebenfunktionen, die im Lauf der Zeit für die Museumsnutzung hinzugekommen waren, wurden entfernt. Ein direkt angrenzendes Wohnhaus in der Lutherstraße wurde erworben und mit dem Geburtshaus verbunden. Zwischen diesem Gebäude und der früheren Armenschule im hinteren Hof entstand auf einem weiteren Nachbargrundstück ein modernes zweigeschossiges Verbindungsgebäude.
So entstand ein hufeisenförmiger Gebäudekomplex. Die Ausstellungsfläche wurde von 500 auf 700 Quadratmeter vergrößert. Verantwortlicher Architekt war Jörg Springer aus Berlin. Am 8. Mai 2010 erhielt die Umgestaltung durch Springer Architekten den BDA-Architekturpreis „Nike“ in der Kategorie „beste Raumbildung“.
Die 2007 eröffnete Dauerausstellung heißt „Von daher bin ich – Martin Luther und Eisleben“. Sie widmet sich der Familie des Reformators, der Bergbautätigkeit seines Vaters und der Frömmigkeit der Zeit. Damit verbindet sie die persönliche Herkunft Luthers mit den sozialen, wirtschaftlichen und religiösen Bedingungen, die den Ort seiner Geburt prägten.