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Marie Hauptmann

Oktober 1914 in Dockenhuden) war die erste Ehefrau von Gerhart Hauptmann. ... das erfolgreiche Stück Bahnwärter Thiel (1888) schrieb. Marie gebar dort die …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und familiärer Hintergrund
  2. 2. Ehe, Familie und Wohnorte
  3. 3. Ehekrise, Trennung und spätere Jahre
  4. 4. Eigene Briefe und literarische Darstellungen

Bedeutung und familiärer Hintergrund

Marie „Mary“ Hauptmann, geborene Johanna Charlotte Marie Thienemann, wurde am 1. Juli 1860 in Berlin-Kreuzberg geboren und starb am 6. Oktober 1914 in Dockenhuden. Sie war die erste Ehefrau des Schriftstellers Gerhart Hauptmann. Den Rufnamen „Mary“ verwendete die Familie, um sie von ihrer Schwiegermutter Marie Hauptmann (1827–1906) zu unterscheiden.

Marie Hauptmann war für die frühe Lebens- und Schaffensphase ihres Mannes von großer Bedeutung: Mit ihrem ererbten Vermögen finanzierte sie seinen aufwändigen Lebensstil, seine Studien und einen Aufenthalt in Italien, wo er Bildhauer werden wollte. Diese finanzielle Unterstützung dauerte bis zu Gerhart Hauptmanns Durchbruch mit dem Drama „Die Weber“ im Jahr 1892.

Maries Eltern waren der vermögende Kaufmann Berthold Thienemann († 1880) und Rosa Thienemann († 1865). Sie hatten fünf Töchter: Frida (1854–1887), Olga (1856–1933), Adele (1858–1932), Marie (1860–1914) und Martha (1862–1939). Die Schwestern wuchsen im Hohenhaus auf dem ehemaligen Bischofsberg in Zitzschewig auf, das heute zu Radebeul gehört. Ihre Erziehung war vom Herrnhuter Pietismus, einer streng religiös geprägten protestantischen Richtung, bestimmt. Die fünf Schwestern wurden später literarisch dargestellt: von Carl Hauptmann in „Die Rebhühner“ und von Gerhart Hauptmann in „Die Jungfern vom Bischofsberg“, jeweils in fünf Akten.

Ehe, Familie und Wohnorte

Mehrere Thienemann-Schwestern heirateten Brüder aus der Familie Hauptmann. Adele heiratete 1880 in Bad Salzbrunn ohne Rücksprache mit den Eltern den Hotelier Georg Hauptmann. Martha heiratete dessen Bruder Carl 1884 in Dresden. Marie verlobte sich am 29. September 1881 heimlich und am 8. Oktober 1884 offiziell mit dem dritten Bruder Gerhart Hauptmann. Die kirchliche Hochzeit fand am 5. Mai 1885 in Dresden statt.

Die Flitterwochen verbrachten Marie und Gerhart Hauptmann 1885 gemeinsam mit Carl und Martha auf Rügen. Dabei besuchten die beiden Männer erstmals die Insel Hiddensee. Danach lebten Marie und Gerhart zunächst in Berlin-Moabit. Noch im September 1885 zogen sie nach Erkner in die Villa Lassen. Dort vertrug Gerhart Hauptmann wegen seiner Lungenkrankheit das Leben besser und schrieb unter anderem das erfolgreiche Werk „Bahnwärter Thiel“ (1888).

In Erkner wurden die drei gemeinsamen Söhne geboren: Ivo (1886–1973), Eckart (1887–1980) und Klaus (1889–1967). Im Jahr 1889 zog die Familie nach Berlin-Charlottenburg und 1891 gemeinsam mit Carl und Martha nach Schreiberhau in Schlesien. Das damalige Wohnhaus in Mittelschreiberhau ist heute das Museum Carl und Gerhart Hauptmann Haus. Gerhart Hauptmann verarbeitete den Grundstücksfund und den Hauskauf später in der Erzählung „Das Landhaus zur Michelsmühle“ (1908). Das Zusammenleben wurde jedoch durch die schriftstellerische Rivalität zwischen den Brüdern belastet. Marie Hauptmann wurde außerdem depressiv, wozu die häufige Abwesenheit ihres Mannes beitrug.

Ehekrise, Trennung und spätere Jahre

1893/94 geriet die Ehe in eine Krise. Im November 1893 verliebte sich Gerhart Hauptmann in die Berliner Geigerin und Schauspielerin Margarete Marschalk (1875–1957). Marie wurde sofort darüber informiert. Im Januar 1894 reiste sie mit den Kindern nach Amerika und lebte einige Monate bei Alfred Ploetz in Meriden im US-Bundesstaat Connecticut. Gerhart Hauptmann folgte ihr, doch im September 1894 trennte sich das Paar endgültig. Er setzte seine Beziehung zu Margarete Marschalk fort. Im „Buch der Leidenschaft“ (1929) stellte er die Affäre später in verschlüsselter Form dar.

Marie wohnte ab Oktober 1894 mit den Söhnen zur Miete in Dresden. Wegen der Kinder blieben häufige Kontakte zwischen den getrennten Eheleuten bestehen. Gerhart Hauptmann hätte in dieser Zeit am liebsten in einer offenen Dreierbeziehung gelebt. Ab 1900 bezog Marie die neu errichtete Villa Rautendelein in Dresden-Blasewitz, Hochuferstraße 12. Offiziell war sie noch mit Gerhart verheiratet, während dieser bereits ein Haus in Agnetendorf bauen ließ. Die Scheidung erfolgte im Juni 1904; im September 1904 heiratete Gerhart Hauptmann Margarete Marschalk. Aufgrund einer komplizierten Vermögensregelung behielt Marie die Villa bis 1909.

Ihr Sohn Ivo wurde Maler. Dabei halfen ihm auch die Kontakte seines berühmten Vaters nach Paris. Ab 1913 besaß er ein Atelier in Dockenhuden. Marie Hauptmann starb dort am 6. Oktober 1914 während eines Besuchs, den sie wegen der bevorstehenden Geburt eines Enkelkindes unternommen hatte. Gerhart Hauptmann reiste zu einem letzten Abschied an und widmete ihr weitere verklärende Dichtungen, darunter „Der große Traum“.

Ivo Hauptmanns Gemälde seiner Mutter von 1905 befindet sich in der Hamburger Kunsthalle. Ein weiteres Porträt aus dem Jahr 1907 wurde von der Witwe des Malers dem französischen Staat geschenkt und an das Musée d’Orsay weitergegeben. Maries aufgelöste Grabstelle befand sich in Hamburg; ihr Grabstein steht seit 2007 im Park des Hohenhauses. Marie Hauptmann war außerdem Mitglied der französischen Liga zur Erhaltung der Menschenrechte, der „Ligue des droits de l’homme“ (LDH), in Paris.

Eigene Briefe und literarische Darstellungen

Als eigene Veröffentlichung ist der „Briefwechsel 1905 bis 1914. Marie Hauptmann – Eckart Hauptmann“ überliefert. Elisabeth Südkamp gab ihn 2001 bei Edition Reintzsch in Radebeul heraus.

Marie Hauptmann und ihre Schwestern wurden mehrfach zum Gegenstand von Werken der Brüder Gerhart und Carl Hauptmann. Zu den frühen Texten gehören Gerhart Hauptmanns „Liebesfrühling“, ein lyrisches Gedicht mit verteilten Rollen, das 1881 entstand und am 24. September 1881 im Hohenhaus anlässlich der Hochzeit von Georg Hauptmann und Adele Thienemann uraufgeführt wurde, sowie „Der Hochzeitszug“, ebenfalls ein Gedicht mit verteilten Rollen. Dieses entstand 1884 und wurde am 6. Oktober 1884 zur Hochzeit von Carl Hauptmann und Martha Thienemann im Hohenhaus uraufgeführt.

Carl Hauptmann veröffentlichte 1916 die fünfaktige Komödie „Die Rebhühner“. Gerhart Hauptmann gestaltete die fünf Schwestern in dem Lustspiel „Die Jungfern vom Bischofsberg“, das zwischen 1904 und 1906 entstand und am 2. Februar 1907 im Berliner Lessingtheater uraufgeführt wurde. Eine Vorstufe war „Goldene Zeiten. Ein Frühlingsmorgen“ aus dem Jahr 1892.

Weitere Werke Gerhart Hauptmanns mit Bezug zu Marie sind „Die Hochzeit auf Buchenhorst“ von 1932, entstanden 1927, sowie das kleine Hexameter-Epos „Mary“. Dieses entstand zwischen 1923 und 1936 und wurde 1939 in der Sammlung „Ährenlese. Kleinere Dichtungen“ veröffentlicht. „Der große Traum“ ist ein jambisches Terzinen-Epos in 22 Gesängen, das zwischen 1914 und 1942 entstand und 1942 erschien. Zusätzliche Teile aus dem Nachlass, darunter der sogenannte „Andere Teil“ in 12 Gesängen, wurden 1964 veröffentlicht.

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