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Love-and-Peace-Festival
Das Love-and-Peace-Festival (auch Festival der Liebe) war ein Musikfestival mit insgesamt etwa 25.000 Besuchern, das vom 4. bis 6. September 1970 auf der …
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Überblick und Bedeutung
Das Love-and-Peace-Festival, auch „Festival der Liebe“ genannt, war ein Musikfestival auf der Ostseeinsel Fehmarn. Es fand vom 4. bis 6. September 1970 beim Leuchtturm Flügge statt und besuchten insgesamt etwa 25.000 Menschen. Das Festival sollte eine deutsche Antwort auf das legendäre Woodstock-Festival werden, verlief jedoch wegen schlechtem Wetter, technischer Probleme, organisatorischer Mängel und gewalttätiger sogenannter Ordner chaotisch. Seine besondere Bedeutung erhielt es auch dadurch, dass Jimi Hendrix dort seinen letzten Festival-Auftritt hatte. Sein letzter Live-Auftritt überhaupt fand am 16. September 1970 im Ronnie Scott’s Jazz Club in London gemeinsam mit Eric Burdon statt; am 18. September 1970 starb Hendrix.
Planung und Vorbereitung
Die Veranstalter Helmut Ferdinand, Christian Berthold und Tim Sievers wollten 1970 ein großes Festival nach dem Vorbild von Woodstock und des Isle of Wight Festivals organisieren. Sie entschieden sich für Fehmarn, eine dem Festland vorgelagerte Insel, die seit 1963 durch die Fehmarnsundbrücke erreichbar war. Der Termin vom 4. bis 6. September 1970 lag eine Woche nach dem Isle of Wight Festival. Die Veranstalter hofften, dadurch einige Künstler direkt weiterverpflichten zu können und das im September meist günstige Wetter Fehmarns zu nutzen.
Für das Festival wurde die Fehmarn-Festival GmbH gegründet. Geplant waren 30 bis 40 Musikgruppen und bis zu 60.000 Besucher. Beate Uhse stellte einen Vorschuss von 200.000 DM bereit und nutzte ihre damals 20 Sexshops in der Bundesrepublik als Vorverkaufsstellen. Auf einer 50 ha großen Wiese nahe dem Flügger Leuchtturm wurden die vorhandenen 55 Toiletten eines Campingplatzes genutzt und zusätzlich 100 mobile Toiletten beschafft. Vorgesehen waren außerdem ein Hilfskrankenhaus mit 140 Betten in der Schule von Puttgarden, eine überdachte Schlafmöglichkeit für 4000 Personen, eine mobile Großküche des Deutschen Roten Kreuzes und eine Versorgung mit Getränken durch regionale Brauereien und Molkereien.
Das Gelände erhielt zwei Zäune und Telefonzellen. Eine aus England gemietete Tonanlage kostete 30.000 DM und sollte mit 150 Phon aus 32 Boxen das gesamte Gelände beschallen. Eine 20 Meter breite und 10 Meter tiefe Drehbühne sollte Umbaupausen vermeiden. Für die Werbung fuhren zehn psychedelisch bemalte Kleinbusse von Kiel aus durch Mitteleuropa und Skandinavien. Geplant waren 100.000 Plakate, Autoaufkleber und eine Festivalzeitung in sechsstelliger Auflage.
Die Kosten stiegen auf 500.000 DM, während über 600 Vorverkaufsstellen nur 10.000 Karten zu je 28 DM verkauft hatten. John Mayall und Joan Baez sagten ab. Besonders wichtig war deshalb Jimi Hendrix, dessen Management eine Gage von 70.000 DM sowie einen Mercedes-Transfer und einen Luxus-Wohnwagen verlangte. Am 2. September stellten Behörden erhebliche Mängel fest, darunter eine ungeregelte Müllentsorgung und fehlende Sicherungen von Deichen und Straßen. Zusätzlich warnten Veranstalter des Isle of Wight Festivals vor gewalttätigen Rockern. 180 Mitglieder der Hamburger „Bloody Devils“ reisten nach Fehmarn und wurden schließlich von der Festivalleitung als Ordner engagiert. Diese Entscheidung verschärfte die Probleme.
Der misslungene Auftakt am Freitag
Schon am 3. September waren etwa 4000 weit angereiste Fans auf dem Gelände. In der Nacht zum 4. September setzten Wind und Regen ein. Die 180 Bloody Devils lieferten sich in Petersdorf eine Schlägerei mit Hippies und einigen als Ordner vorgesehenen persischen Studenten; vier Perser wurden durch Messerstiche verletzt. Außerdem erzwangen die Rocker in Gremersdorf kostenlose Tankfüllungen.
Am Freitag regnete es ununterbrochen und der Tag war stürmisch. Viele Besucher kamen zu Fuß zum Gelände. An der Eingangskontrolle wurden sie von alkoholisierten, mit Ketten und Messern bewaffneten Rockern bedroht. Besucher wurden getreten und verhöhnt, Autos beschädigt und mitgebrachter Alkohol beschlagnahmt. Kurz vor dem Konzert warb Beate Uhse mit ihren drei Söhnen für ihr Unternehmen und gab Autogramme.
Alexis Korner eröffnete das Programm als Moderator gegen 16:30 Uhr, mit einer Verspätung von einer halben Stunde. Der Auftritt von Cravinkel ging wegen Tonproblemen unter. Burnin Red Ivanhoe spielte eine Stunde, musste aber gegen Sturm und nasse Technik ankämpfen. Renaissance musste seinen Auftritt wegen technischer Probleme abbrechen. Taste, Colosseum und Cactus traten ebenfalls nicht auf: Taste hatte Terminprobleme, Colosseum steckte im Stau und Cactus war nicht angereist. Nur die Elektronikformation Kluster konnte ihren Auftritt vollständig absolvieren. Gegen 23:00 Uhr wurde der Tag beendet.
Zeitgleich spielten Jimi Hendrix, Ten Years After und Canned Heat beim Berlin Super Concert 70. Wegen ähnlicher Wetterprobleme war dieses Konzert von der Waldbühne in die Deutschlandhalle verlegt worden; eine solche Ausweichmöglichkeit gab es auf Fehmarn nicht. In der Nacht demolierten die Rocker einen Wagen der Festivalleitung. Die Leitung zahlte sie schließlich aus und versuchte, sie mit Bussen vom Gelände zu bringen.
Samstag und Sonntag mit Hendrix
Am Samstag, dem 5. September, hatte der Regen zunächst aufgehört, doch es blieb kalt und stürmisch. Die Rocker waren nur noch vereinzelt zu sehen. Um 12:00 Uhr eröffnete Frumpy, die Bluesrockformation von Inga Rumpf, den Festivaltag und begeisterte erstmals die durchgefrorenen Zuhörer. Danach traten Aardvark sowie Ginger Baker’s Air Force auf. Ginger Bakers treibende Afrorythmen brachten das Publikum wieder in Stimmung. Peter Brötzmann und seine Band fanden mit Free Jazz weniger Anklang, besonders als erneut Regen einsetzte.
Procol Harum und Ten Years After sagten ab. Das Publikum wartete vor allem auf Jimi Hendrix, der erschöpft im Strandhotel Dania in Puttgarden eingetroffen war. Sein Auftritt wurde deshalb auf Sonntag verschoben. Mungo Jerry, deren Lied „In the Summertime“ gerade ein Hit war, und Canned Heat entschädigten die Besucher für das Warten. Sly & the Family Stone beendeten den zweiten Festivaltag. In der Nacht lagerten die verbliebenen Rocker unter der Bühne und verbrannten Bühnenbretter. Latrinen-Türen wurden ausgebaut und als Wind- und Regenschutz verwendet.
Der Sonntag, 6. September, war zwar windig und kalt, aber klar und sonnig. Um die Zeit bis zu Hendrix’ Auftritt zu überbrücken, holte man Reserve-Künstler auf die Bühne. Alexis Korner lud die Besucher zu einem spontanen musikalischen Happening ein, konnte das gespannte Publikum aber kaum beruhigen. Die unbekannten Witthüser & Westrupp gewannen mit humorvoller Musik und Sprüchen die Sympathie der Besucher.
Gegen 11:00 Uhr traf Hendrix auf dem Gelände ein und zog sich zunächst in seinen Wohnwagen zurück. Um 12:56 Uhr betrat er unter Jubel, aber auch unter Pfiffen und Buhrufen, die Bühne. Mit Mitch Mitchell und Billy Cox spielte er unter anderem „Hey Joe“, „Purple Haze“ und „Voodoo Child (Slight Return)“. Der Auftritt wirkte eher uninspiriert und lustlos routiniert, möglicherweise wegen der äußeren Umstände oder seiner angeschlagenen seelischen Verfassung. Hendrix verließ das Gelände sofort danach und fuhr nach London.
Viele Besucher gingen nach Hendrix’ Auftritt. Dennoch erhielten Floh de Cologne mit Politkabarett, Limbus 4 und Embryo sowie Ton Steine Scherben, die damals noch Rote Steine hießen, vor den verbliebenen etwa 4000 Zuschauern Beifall. Gegen 19:45 Uhr verschwanden die Veranstalter mit der Tageskasse, nachdem sie die Auszahlung der 500 freiwilligen Helfer immer weiter hinausgezögert hatten. Zu den Klängen von Ton Steine Scherbens „Macht kaputt, was euch kaputt macht“ brannte das Veranstalterzentrum. Die Polizei brachte die aufrührerische Stimmung unter Kontrolle. Am nächsten Vormittag wurde das Gelände vollständig geräumt.
Folgen und spätere Erinnerung
Die Zerstörungen und Flurschäden überstiegen die an die Behörden gezahlte Garantiesumme von 5000 DM deutlich. Das Festival wurde zu einem finanziellen Desaster; viele Gläubiger erhielten ihre Forderungen nicht. Besonders betroffen waren die Deutsche Bundespost wegen Telefongebühren und Installationskosten sowie Verleihfirmen und Hotels.
Seit 1997 erinnert ein etwa 2,5 m hoher Gedenkstein aus rotem Granit am damaligen Bühnenstandort an das Festival und an Jimi Hendrix’ letzten Festival-Auftritt. Die Aufschrift lautet: „Jimi Hendrix – Fehmarn – Love and Peace Festival – 4.–6. Sept. 1970“.
Von 1995 bis 2010 fand in Flügge auf Fehmarn jährlich am ersten Sonnabend im September das Jimi-Hendrix-Revival-Festival statt. Zum 50-jährigen Jubiläum wurde 2020 in Staberhuk auf Fehmarn ein weiteres Festival veranstaltet.