Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Lithiumtitanat-Akkumulator

Der Lithiumtitanat-Akkumulator (Lithium-Titanium-Oxide, LTO) ist eine Ausführung eines Lithium-Ionen-Akkumulators, bei dem die negative Elektrode aus …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundprinzip und Bedeutung
  2. 2. Sicherheit, Temperatur und Nachteile
  3. 3. Elektrode und Leistungsdaten
  4. 4. Produkte und Fahrzeuge
  5. 5. Weitere Hersteller und Anwendungen

Grundprinzip und Bedeutung

Der Lithiumtitanat-Akkumulator (Lithium-Titanium-Oxide, LTO) ist eine Variante des Lithium-Ionen-Akkumulators. Seine negative Elektrode besteht nicht aus Graphit, sondern aus gesintertem Lithiumtitanspinell (Li₄Ti₅O₁₂).

Lithium ist im Titanat chemisch stärker gebunden. Dadurch entsteht auf der gesinterten Elektrode keine isolierende Oberflächenschicht, die bei herkömmlichen Lithium-Ionen-Akkus mit Graphitelektrode eine Hauptursache der Alterung ist. Das ermöglicht eine hohe Zyklenfestigkeit, also eine große Zahl von Lade- und Entladevorgängen, selbst bei hohen Laderaten zwischen 10C und 70C.

Sicherheit, Temperatur und Nachteile

Da das Titanat nicht mit Oxiden aus der negativen Elektrode reagieren kann, wird ein thermisches Durchgehen – eine unkontrollierte, sich selbst verstärkende Erwärmung – bei dieser Bauform selbst im Fall mechanischer Schäden verhindert. Außerdem kann der Akkumulator bei Außentemperaturen bis −40 °C betrieben werden.

Nachteilig ist die gegenüber herkömmlichen Lithium-Ionen-Akkus geringere Leerlaufspannung von etwa 2,4 V. Sie führt zu einer vergleichsweise niedrigen Energiedichte von 30 Wh/kg bis 110 Wh/kg. Ein weiterer Nachteil ist der hohe Herstellungspreis: Bezogen auf die Kapazität lag er 2019 ungefähr beim Dreifachen eines Lithium-Ionen-Akkus. Dies erschwert eine breite Markteinführung.

Elektrode und Leistungsdaten

Die gesinterte Lithiumtitanat-Elektrode besitzt eine effektiv wirksame Oberfläche von 100 m² pro Gramm. Eine Graphitelektrode eines herkömmlichen Lithium-Ionen-Akkus erreicht im Vergleich dazu 3 m² pro Gramm. Die größere Oberfläche erlaubt höhere Ladeströme und damit Schnellladungen mit einem C-Faktor um 10. Der C-Faktor beschreibt den Lade- oder Entladestrom im Verhältnis zur Akkukapazität.

Die Leistungsdichte beträgt etwa 4 kW/kg. Die Energiedichte wird in diesem Abschnitt mit 70 Wh/kg bis 90 Wh/kg angegeben und ist damit vergleichsweise niedrig.

Produkte und Fahrzeuge

Toshiba bietet Lithiumtitanat-Akkumulatoren unter dem Handelsnamen Super Charge Ion Battery (SCiB) an, unter anderem für Elektroräder in Japan. Sie werden beziehungsweise wurden außerdem im Mitsubishi i-MiEV, dort nur in Japan, und im Honda Fit EV eingesetzt.

Die Zyklenfestigkeit der Titan-Nioboxid-Anoden (NTO) der SCiB wurde schrittweise erhöht: Ab 2019 erreichten sie 15.000 Zyklen bei 10C; ab 2022 wurden 40.000 Zyklen bei 10C garantiert. Nach Erreichen dieser Technologiereife kamen die Akkus in Batterietriebzügen des Typs Siemens Mireo Plus B zum Einsatz.

Weitere Hersteller und Anwendungen

Weitere Anbieter sind AltairNano, das mehrere Patente zum Aufbau und zum Elektrodenmaterial hält, sowie der chinesische Hersteller Tiankang.

Leclanché SA fertigt in Europa Lithiumtitanoxid-Akkus mit keramischen Separatoren für stationäre Anwendungen und Schiffsantriebe. Bei einer Belastung von 4C nennt der Hersteller Nutzungsdauern von mehr als 15.000 Zyklen. Solche Akkus versorgen unter anderem eine Ostsee-Fähre mit Energie und werden für Spezialanwendungen in Škoda-Bussen genutzt.

Liacon in Norddeutschland entwickelt und fertigt Li-Ti-Fe-Akkus. Diese sollen hochstromfähig und kurzschlussfest sein sowie bis zu 20.000 Zyklen erreichen.

Weiterlesen