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Language Awareness
Language Awareness beschreibt die reflektierte Wahrnehmung von Sprache und Sensibilität beim Sprachenlernen, Sprachunterricht und Sprachgebrauch.
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Begriff und Bedeutung
Language Awareness bezeichnet die reflektierte Wahrnehmung von Sprache sowie Sensibilität beim Sprachenlernen, im Sprachunterricht und beim Sprachgebrauch. Im deutschsprachigen Raum wird der Begriff häufig mit Sprachaufmerksamkeit, Sprachbewusstheit, Sprachreflexion oder Sprachbewusstsein wiedergegeben.
Das Konzept soll Lernende dazu befähigen, die eigene Sprache und den eigenen Sprachgebrauch bewusst wahrzunehmen. Zugleich sollen Begegnungen mit fremden Sprachen das Interesse an sprachlicher und kultureller Vielfalt fördern.
Ziele und Vorgehen
Das von dem britischen Linguisten und Fremdsprachendidaktiker Eric W. Hawkins entwickelte Konzept versteht Language Awareness als eine Form der Sprachbegegnung. Durch das Kennenlernen fremder Sprachen sollen Lernende über ihre eigene Sprache nachdenken. Sprachvergleiche vermitteln außerdem Einsichten in die Funktionsweisen und Besonderheiten anderer Sprachen.
Die Sensibilisierung für Sprache und Sprachen soll bereits im Kindergarten oder spätestens in der Grundschule beginnen. Sprachbegegnungsunterricht ist jedoch kein vorgezogener systematischer Fremdsprachenunterricht, sondern soll ihm vorausgehen. Schülerinnen und Schüler begegnen verschiedenen Sprachen und Kulturen zunächst offen und interessiert und gewinnen dabei Einblicke in grundlegende sprachliche Strukturen.
Auch die Herkunftssprachen der Lernenden sollen einbezogen werden. Besonders in heterogenen Lerngruppen kann sprachliche Vielfalt so als positiv und bereichernd erfahren werden. Dadurch soll Interesse an Gemeinsamkeiten und Unterschieden zwischen Sprachen und Kulturen entstehen.
Inhalte und Anwendungsbereiche
Language Awareness beruht auf einem umfassenden Sprachbegriff und darf nicht auf Wortschatz und Grammatik reduziert werden. Behandelt werden können alle Ebenen des Sprachsystems und des Sprachgebrauchs, darunter sprachliche, kulturelle, pragmatische und interkulturelle Aspekte. Pragmatik meint dabei die Verwendung und Wirkung von Sprache in konkreten Situationen.
Zum Konzept gehören auch nonverbale Kommunikation sowie Missverständnisse, die durch sprachliche oder kulturelle Unterschiede entstehen. Als Ausgangspunkt können einfache Vergleiche von Wörtern und Wortschätzen dienen, an die sich Überlegungen zur Grammatik anschließen. Language Awareness ist nicht allein Aufgabe des Deutschunterrichts, sondern kann auch in anderen Fächern gefördert werden.
Kontroverse und regionale Konzepte
In der Bundesrepublik Deutschland entstand bereits in den 1980er Jahren eine Kontroverse darüber, ob Kindergärten, KiTas und Grundschulen Sprachbegegnungsunterricht oder frühen Fremdsprachenunterricht anbieten sollten. Befürworter der Sprachbegegnung wollten durch den spielerischen Umgang mit fremden Sprachen sprachliches und kulturelles Interesse wecken. Vertreter des frühen Fremdsprachenunterrichts hielten es dagegen für wichtiger, möglichst früh Englisch oder Französisch zu lernen und dadurch bessere Startchancen an weiterführenden Schulen zu schaffen.
Als Kompromiss entstanden in grenznahen Regionen Konzepte wie „Lerne die Sprache des Nachbarn“, etwa Deutsch–Französisch in Rheinland-Pfalz, Deutsch–Dänisch in Schleswig-Holstein und Deutsch–Polnisch in Mecklenburg-Vorpommern. Rheinland-Pfalz begann 1986 mit einem gleichnamigen Programm und förderte KiTas und Grundschulen mit Sprachbegegnungsunterricht. Das Programm lief 2021 aus und wurde nicht verlängert. Seitdem wird dort früher Fremdsprachenunterricht als integrierte Fremdsprachenarbeit angeboten: Sprach- und Sachlernen finden gleichzeitig auf Englisch oder Französisch statt.