Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Lübke-Englisch

Unter der Bezeichnung Lübke-Englisch wurde eine Art von englischen Texten bekannt, die durch eine wortwörtliche Übersetzung der einzelnen Wörter aus dem …

Inhalt2 Abschnitte
  1. 1. Definition und Abgrenzung
  2. 2. Namensgebung und öffentliche Wahrnehmung

Definition und Abgrenzung

Lübke-Englisch bezeichnet englische Texte, die durch eine wortwörtliche Übersetzung einzelner deutscher Wörter entstehen. Dabei beeinflussen Strukturen und Bedeutungen des Deutschen die englische Formulierung. Diese sogenannte Interferenz kann den Sinn verfälschen und dadurch unfreiwillig komisch wirken.

Lübke-Englisch kann „Falsche Freunde“ enthalten, also ähnlich aussehende Wörter zweier Sprachen, die unterschiedliche Bedeutungen haben. Es ist jedoch nicht mit dem später entstandenen Denglisch gleichzusetzen.

Namensgebung und öffentliche Wahrnehmung

Benannt wurde das Phänomen nach dem früheren Bundespräsidenten Heinrich Lübke (1894–1972), dem solche englischen Formulierungen zugeschrieben wurden. Ein bekanntes Beispiel ist der angebliche Satz „Equal goes it loose“, der „Gleich geht es los“ bedeuten sollte. Lübke soll ihn bei einem Staatsbesuch von Elisabeth II. gesagt haben, während beide auf den Beginn eines Pferderennens warteten. Dieses und weitere angebliche Zitate waren jedoch Erfindungen der Spiegel-Redaktion.

Dass viele Menschen die Zitate dennoch für glaubwürdig hielten, hing mit Lübkes Ruf und seinem öffentlichen Auftreten zusammen. Nach Einschätzung der Frankfurter Allgemeinen traute man sie ihm wegen seiner vermeintlich sehr schlechten Englischkenntnisse zu. Seine Schwierigkeiten beim Sprechen wurden allerdings nicht hauptsächlich durch mangelnde Sprachkenntnisse verursacht, sondern durch eine rasch fortschreitende Zerebralsklerose mit Wortfindungsstörungen. Außerdem ignorierte Lübke häufig vorbereitete Redemanuskripte und sprach frei. Die Wirtschaftswoche erinnerte beispielsweise an eine Ansprache in Helmstedt, bei der ihm trotz eines sichtbaren Bahnhofsschildes der Name der Stadt nicht eingefallen sei.

Die angeblichen Lübke-Zitate wurden zum Sinnbild für den mühsamen Versuch vieler Deutscher, sich Wort für Wort auf Englisch auszudrücken, und gingen dadurch in das kollektive Gedächtnis ein. Die Germanisten Georg Stötzel und Martin Wengeler ordnen sie zusammen mit den Filser-Briefen einer besonderen deutsch-englischen Sprach-Mischungskultur zu. Später wurden unter anderem Helmut Kohl und Günther Oettinger in diese Tradition gestellt; der Focus bezeichnete entsprechende Personen als „Lübkes Erben“. Guido Westerwelle wollte sprachliche Peinlichkeiten vermeiden, indem er auf einer Pressekonferenz in Berlin eine englisch gestellte Frage nicht beantworten wollte, erhielt dafür aber ebenfalls Kritik und Spott. Als Form des Wortspiels oder der sprachlichen Stilblüte wurde Lübke-Englisch zudem vielfach in der Unterhaltung verwendet.

Weiterlesen